Nr. 24, April 2000
 
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Dilettantismus auf mehreren Feldern
oder: Die Sprache des Stroms

Roberto Simanowski versucht, "Ordnung" in ein "Terrain" zu bringen. Wir haben den Eindruck, es wird dadurch erst recht unübersichtlich:

Der Versuch, das Terrain zu ordnen, erbringt mindestens folgende 6 Kriterien der Betrachtung:

1. Multimedialität:
Die zugrundeliegende Sprache des Stromes, die die verschiedenen Ausdruckssprachen des Wortes, Bildes, Tones kompatibel macht, stellt die Frage der multimedialen Kompetenz. Dies führt entweder zur Zusammenarbeit verschiedener Spezialisten (des Wortes, des Bildes, des Tones usw.), zur Vereinigung des Spezialistentums in Personalunion oder, im schlimmsten Fall, zum Dilettantismus auf einem oder mehreren Feldern des ästhetischen Ausdrucks.

2. Technik-Ästhetik:
Die Ästhetik der digitalen Literatur ist in hohem Maße eine Ästhetik der Technik, denn die künstlerischen Ideen müssen in die Materialität des Stroms überführt werden, ehe sie auf der Ebene sinnlicher Vernehmbarkeit erscheinen können. Dieser Umstand eröffnet mindestens vier Fragerichtungen: 1. der Autor muss neben der ästhetischen eine technische Kompetenz aufweisen; 2. der Autor wird zum Leser (der Software); 3. neben das inhaltliche Ziel tritt das technische, womit die Frage des geistigen Eigentums auch zu einer der Rechenfähigkeit wird; 4. die Wahrnehmbarkeit der technisch generierten Ausdrucksform hängt vom technischen Equipment der Leser ab.

3. Performance:
Die Möglichkeit der Animation des Textes führt dazu, daß die Autorin noch den direkten Rezeptionsvorgang des Lesers als Träger einer Aussage nutzen kann, etwa indem die Schnelligkeit eines Vorgangs durch den schnellen Wechsel der Texteinheiten angezeigt wird. Ebenso eignet sich die gewonnene Macht über den Rezeptionsvorgang zur Immersion des Lesers in den Text, etwa wenn bestimmte Ereignisse auf der Handlungsebene (die Auslösung einer Explosion z.B.) durch Aktivitäten auf der Rezeptionsebene (Aktivierung des entsprechenden Links) bestimmt werden. ...

Darüber hinaus sind freilich die traditionellen Kategorien anzuwenden, die der Einsatz der traditionellen Ausdrucksmittel wie Foto, Film, Text und Musik im einzelnen erfordert. Handlungsaufbau und Charaktergestaltung sind ebenso wichtig wie Bildaufbau, Filmschnitt, Melodieführung sowie der Einsatz stilistischer Mittel (Metaphern, Zitate, Analogien) auf allen Ausdrucksebenen.

Wie man das Thema auch vernünftig angehen kann, sehen Sie am Interview mit Andreas Schumann.

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