Gazette 47 Editorial

Die Anzeichen mehren sich: Immer mehr Güter, von denen wir einmal dachten, sie gehörten uns allen, werden privatisiert. Zu beobachten ist die private Aneignung bisheriger Gemeingüter vor allem beim Wasser. Aber auch beim Boden, wo es einmal die Allmende gab, das Land, das allen gehörte und von allen genutzt werden durfte, ist die Privatisierung das – vermeintlich – einzig funktionierende Modell. Parallel dazu geht die Entwicklung vom kleinen Grundstückseigentümer, dem Kleinbauern, zu Großgrundbesitzern – und das sind oft bereits transnational operierende Konzerne.

Es gehört zum Konzept der GAZETTE, auf Entwicklungen aufmerksam zu machen, die in den Mainstream-Medien kaum Beachtung finden. Zur Frage „Wem gehört die Welt?“ gibt es zwar ein Buch, das sich aber mehrheitlich mit neuen Problemen beschäftigt, mit den Eigentumsrechten in der Netzwelt etwa oder mit den
Patenten der Pharma-Industrie. So war es nicht einfach, kompetente Autoren zu finden. Aus Zeitgründen musste leider auch Jean Ziegler, der wohl bekannteste Kämpfer gegen das Land-Grabbing in der Dritten Welt  – den GAZETTE-Lesern von früheren Ausgaben her bekannt – auf einen neuen Artikel zu diesem Thema verzichten. So sind diesmal vor allem die Redaktion und die regelmäßigen redak­tio­nellen Mitarbeiter der GAZETTE zum Einsatz gekommen.

Ans Herz legen möchte ich unseren Leserinnen und Lesern aber auch die kleine Bildergeschichte von Helga Schön, die zeitlose Novelle „Wie viel Erde braucht der Mensch?“ von Tolstoi und die Erklärungen von Papst Leo XIII. zum „gottgewollten“ Privateigentum.

Nichts mit festem Boden unter den Füßen schliesslich hat ein anderer Beitrag von mir selbst zu tun, sondern mit Geld und wie es zwecks Steueroptimierung verschoben werden kann: ein sehr konkreter Blick in die Welt der transnationalen Konzerne.

Christian Müller
Chefredakteur