Der Fall Erika Mann"
Ein Theater auf dem Weg ins Dritte Reich
Von Martin Weichmann
...Arosa, Dienstag, den 6. III. 34
... Abends allein im Salon. Widerwärtiger Eindruck von einem Schriftstück
des Weißenburger Fremdenvereins gegen Erika." (1)
Mit diesem Eintrag in sein Tagebuch kommentiert der Literaturnobelpreisträger
Thomas Mann eine Auseinandersetzung zwischen seiner Tochter, der Schauspielerin
Erika Mann, und dem damaligen Weißenburger Verkehrsverein. Diese
Auseinandersetzung, die im Sommer 1932 stattfand, stellt nicht nur eine
Episode in der Geschichte des damals noch jungen Bergwaldtheaters dar,
sondern erzählt auch vom schleichenden geistigen Wandel in einer
deutschen Kleinstadt auf dem Weg in die nationalsozialistische Diktatur.
Über die lokalgeschichtlichen Dimensionen hinaus beschreiben die
Ereignisse einen Wendepunkt im Leben der Erika Mann und bieten interessante
Einblicke in die Methoden der gezielten Unterwanderung des kulturellen
Lebens in Deutschland durch den nationalsozialistischen Kampfbundfür
deutsche Kultur".
Planungen für die Bergwaldtheater-Saison 1932
Am 29. Juni 1929 fand mit dem Weißenburger Waldspiel"
die erste Aufführung im neu gegründeten Weißenburger
Bergwaldtheater statt. Anlass war die 900-Jahr-Feier zum 20. Mai, an
dem der alte Königshof Wizinburg' aus Karl des Großen
Zeiten durch Kaiser Konrad H. dem Reichsgut dauernd eingefügt wurde".(2)
Geistiger Vater des Bergwaldtheaters war Dr. Hermann Fitz (3), der damals
amtierende rechtskundige l. Bürgermeister der Stadt Weißenburg,
der das aufwendige kulturelle Projekt mit großem persönlichen
Engagement betrieb. Durch die Förderung des Tourismus erhoffte
er sich in Zeiten von Weltwirtschaftskrise und Massenarbeitslosigkeit
positive Impulse für die Stadt. Fitz glaubte in der angespannten
Lage, die im deutschen Reich herrschte, eine besondere Chance für
die Entwicklung des Fremdenverkehrs in Weißenburg zu erkennen,
da er davon ausging, dass es noch genug Leute gibt, die trotz
aller Notzeit reiselustig und reisefähig, wenn auch unter Auferlegung
von Entbehrungen bei anderen Bedürfnissen sind. Denn gerade in
einer solchen Notzeit ist das Bedürfnis nach einem erholenden Ausspannen
aus dem nervenaufreibenden Alltagsleben besonders stark. Da es aber
nur mehr Wenigen vergönnt ist, diese Erholung in einem längeren
Aufenthalt zu finden, gewinnen Wochenendausflüge nach schönen
Orten der Heimat für Viele größere Bedeutung".
(4) Trotz zunehmender wirtschaftlicher Spannungen war der Bürgermeister
auch vor der Festspielsaison 1932 vom Erfolg seines Projekts überzeugt.
Nicht einmal die Unwägbarkeiten des Wetters, die dem Freilichttheater
in den ersten Jahren seines Bestehens bereits starke finanzielle Einbußen
beschert hatten, konnten die optimistische Einschätzung der weiteren
Entwicklung trüben. Dr. Fitz vertraute den Prognosen, die in Aussicht
stellten, dass der diesjährige Sommer nach den Wahrscheinlichkeitsberechnungen
der langfristigen Wettervorhersage trocken und warm, wenn nicht sogar
ausgesprochen heiß werden soll". (4)
Im Gegensatz zum Bürgermeister sahen weite Teile der Bevölkerung
die kulturellen Aktivitäten äußerst kritisch, Die Weißenburger
fürchteten vor allem die zusätzlichen Belastungen, die der
finanziell ohnehin angeschlagenen Stadt im Falle eines Scheiterns des
Unternehmens drohten. Anfang des Jahres 1932 stand das Bergwaldtheater
auf Grund dieser Vorbehalte nach nur drei Spielzeiten sogar vor einem
frühen Aus. Stadtrat Schmoll von der Nationalen Bürgerpartei
hatte nämlich mit Rücksicht auf die Stimmung der hiesigen
Bevölkerung, die ,... dem Stadtrat den Vorwurf nicht genügender
Sparsamkeit mache beantragt', die Durchführung der Festspiele infolge
der wirtschaftlichen Not" auszusetzen. Nach Angaben der Bürgerpartei
stünden 90 Prozent der Weißenburger Bevölkerung hinter
diesem Antrag. Mit Mühe gelang es dem Bürgermeister, die endgültige
Beschlussfassung .,., ob die Festspiele weitergeführt werden...",
zumindest bis März des Jahres" zurückzustellen
(5) und somit Zeit zu gewinnen, die Front gegen sein Projekt aufzuweichen.
Vor dem Hintergrund dieser Widerstände aus der Bürgerschaft
sowie des nicht unerheblichen wirtschaftlichen Risikos, welches das
Projekt Bergwaldtheater trotz aller positiver Prognosen des Bürgermeisters
darstellte, versuchte Dr. Fitz in der Frühphase seiner Planungen
unternehmerisch sicherlich sinnvoll Verbindungen zu allen
gesellschaftlichen Kräften herzustellen. Im Budget fest eingeplant
waren daher nach entsprechenden Verhandlungen auch mehrere Sondervorstellungen
für die NSDAP und ihr angegliederter Organisationen. Häufig
waren diese Aufführungen mit Parteikundgebungen direkt in der Naturbühne
verbunden.
Im ständigen Streben nach einer möglichst breiten Basis zur
Sicherung des Unternehmens Bergwaldtheater wandte sich Bürgermeister
Fitz am 26. Januar 1932 auch an den nicht nur in Parteikreisen stark
umstrittenen nationalsozialistischen Stadtrat Hermann Esser (6) in München
und beklagte seine schweren Kämpfe gegen die in der hiesigen
Bevölkerung herrschende, äußerst pessimistische Stimmung".
Besonders bedauerte Fitz, daß auch die beiden Stadtrats-Mitglieder
Ihrer Partei (d.i. der NSDAP) unter der starken Minderheit waren, die
mir durch Zustimmung zum Antrag eines Mitgliedes des Bürgerblocks
(vgl. Anm. 5) schon jetzt festzulegen, daß die Festspiele 1932
wegen der wirtschaftlichen Not ausfallen, fast die bisher mühevolle
Aufbauarbeit zugrunde gerichtet hätten, so daß das kulturell
und national bedeutende Unternehmen fast nur durch die Stimme des kommunistischen
Stadtratsmitglieds gerettet wurde". Dr. Fitz bat den NS-Funktionär
daher auf die hiesigen Parteifreunde einzuwirken, ohne kleinmütige
Bedenken sich hinter die große nationale Kultursache, die er vertrete,
zu stellen". Insgesamt solle Esser auf Wunsch des Bürgermeisters
bei seiner Unterstützung möglichst diskret vorgehen, damit
nicht die parteipolitisch neutrale Stellung des Bergwaldtheaters angefochten
werden kann". Mit einem Dank für Essers in Aussicht gestellten
Besuche des Bergwaldtheaters in Zusammenhang mit Parteiveranstaltungen
schließt der (damals) parteilose Bürgermeister sein Schreiben
in Anlehnung an nationalsozialistische Gepflogenheiten (wohlgemerkt
noch vor der Wahl zum Reichstag am 31. Juli 1932, aus der die NSDAP
erstmals als eindeutige Siegerin hervorging) mit deutschem Grüße".
(7)
Beim Taktieren um möglichst hohe Besucherzahlen sowie im Bemühen
um politische Rückendeckung hatte Dr. Fitz früh den Schulterschluss
mit den aufstrebenden Nationalsozialisten vollzogen. Gleichzeitig gab
er sich dem etwas naiven Glauben hin, dabei die eigene Neutralität
und die Unabhängigkeit des Verkehrsvereins wahren zu können,
was sich als folgenschwerer Irrtum erweisen sollte.
Wie sehr Fitz die Naturbühne am Herzen lag, zeigte sich Anfang
April. Als fünf Räte weiter gegen die Aufrechterhaltung des
Unternehmens votierten, stellte der Bürgermeister im Stadtrat die
Vertrauensfrage und verknüpfte sein politisches Schicksal unmittelbar
mit dem Fortbestand der Waldbühne. Sollte sich keine .einmütige
Zustimmung für die Weiterführung des Unternehmens finden,
kündigte Fitz an, seine aussichtsreiche Bewerbung um die ausgeschriebene
Stelle des ersten Bürgermeisters der Stadt Kaiserslautern aufrechterhalten
und weiter vorantreiben zu wollen.
Obwohl in der namentlichen Abstimmung (am 14. April 1932) die
von Herrn Bürgermeister geforderte Vertrauenskundgebung des gesamten
Stadtrats nur unter Vorbehalt zustande kam (8), gab Fitz noch
am selben Tag bekannt, sein Amt trotz allem weiter führen zu wollen
im festen Glauben an eine bessere Zukunft Weißenburgs, zu
der er vor allem auch durch zielbewußte Weiterführung der
einmal begonnenen großen Werbe- und Kulturarbeit beitragen zu
können hoffe". (9)
Nachdem das Überleben des Bergwaldtheaters nach zähem Ringen
zumindest für diese Saison gesichert war, war es nun Hauptaufgabe
des Intendanten Egon Schmid (10), Schauspieler und Musiker zu engagieren.
Bei den Planungen für die Aufführungen des Jahres 1932 hatten
die für die Organisation verantwortlichen Mitglieder des Verkehrsvereins
nämlich festgestellt, dass eine Bespielung des Bergwaldtheaters
durch fremde Gastspiel-Ensembles finanziell viel ungünstiger
ist, als die durch eigens zusammengestellte Ensembles unter der Leitung
des Intendanten Egon Schmid". Unter dem Aspekt einer geplanten
Stärkung der örtlichen Wirtschaft wäre hierbei von zusätzlicher
Bedeutung, dass die Künstler des eigenen Ensembles das bei
unserem Unternehmen verdiente Geld wieder restlos in Weißenburg
verbrauchen". (4)
Insgesamt waren für die Festspielsaison 33 Aufführungen an
23 Tagen, sowie zahlreiche Sonder- und Zusatzveranstaltungen vorgesehen.
Die offizielle Presseankündigung zu den Festspielen wurde dem Zeitgeist
entsprechend im modischen Vokabular der sich durchzusetzenden Ideologie
abgefasst. Ungeachtet der Tatsache, dass mit dem Sommernachtstraum"
ein Stück von W. Shakespeare auf dem Programm stand, wurden ausschließlich
Werke aus dem klassischen Kulturgut der Deutschen" angekündigt.
Erklärtes Ziel der Organisatoren war, das Bergwaldtheater
zu einer vorbildlichen Pflegestätte deutscher Kunst zu erheben,
in der Überzeugung, daß das Naturtheater in erster Linie
der seelischen Aufrichtung unseres Volkes zu dienen habe".(11)
Das Engagement von Erika Mann

Im Fränkischen Kurier vom 21. April 1932 stieß Intendant
Schmid auf einen Bericht über die Münchner Premiere von Mozartserstem
dramatischen Werk Apollo et Hyazinthus, seu Hyazinthi Metamorphosis",
die am 13. April im Cherubimsaal stattgefunden hatte. 1767 hatte der
damals gerade elfjährige Komponist die comoedia latina"
für das Salzburger Gymnasium geschrieben. In dem Zeitungsbericht
heißt es: Erika Mann, die Tochter Thomas Manns, hatte das
Buch für die Münchener Aufführung einer sich den Gesangslinien
reibungslos anschmiegenden deutschen Übersetzung unterzogen; die
musikalische Einrichtung ... stammte von Karl Schleifer... Als Spielleiterin
sorgte Erika Mann für eine lebendig bewegte Szene. (12)
Durch diesen Artikel inspiriert, schrieb Egon Schmid am 22. April an
Fräulein Erika Mann, Villa Thomas Mann, München-Bogenhausen"
und bat um Überlassung der Rechte für die Mozartoper. (13)
Fünf Tage später übersandte Erika Mann das Textbuch und
Teile des Notenmaterials und betonte im Begleitschreiben, sich über
das Interesse an Apollo und Hyazinth um so mehr zu freuen, als ihr Weißenburg
nun so oft und so herzlich schon gelobt worden sei".(14) Im Laufe
der weiteren schriftlichen Verhandlungen bot der Intendant des Weißenburger
Bergwaldtheaters auf der ständigen Suche nach bekannten und somit
werbeträchtigen Schauspielern (15) eine feste Anstellung für
die Bergwaldtheatersaison an. Falls ein Engagement für die gesamten
drei Monate der Festspiele nicht realisierbar sei, könne sie auch
nur in dem einen oder anderen Stück gelegentlich mitwirken".
(16) Im Antwortschreiben bedauert Erika Mann sehr, eine längerfristige
Anstellung in Weißenburg wegen einer geplanten Orientreise, die
bis mindestens Ende Juli dauern sollte, nicht annehmen zu können
und vertröstet den Intendanten auf ein even-. tuelles Mitwirken
im nächsten Jahr. (17) Hätte die Reise, die für damalige
Zeit höchst abenteuerlich irn selbstgesteuerten Automobil geplant
war, im vorgesehenen Umfang stattgefunden, wäre dem Bergwaldtheater
und insbesondere der Stadt Weißenburg und ihrem Bürgermeister
die nun folgende peinliche Auseinandersetzung erspart geblieben.
Am 5. Mai, einen Tag vor dem geplanten Aufbruch nach Persien, nahm sich
Richard, genannt Ricki" Hallgarten, der an der Reise teilnehmen
wollte, das Leben. Seit Kindertagen war er als unmittelbarer Nachbar
der Villa Manns im Münchner Herzogpark ein enger Freund der Mann-Kinder
Erika und Klaus. An Stelle Richtung Konstantinopel aufzubrechen, reisten
die Geschwister mit zwei Freunden für einige Tage nach Venedig,
um sich dort vom Schock über den Tod ihres langjährigen Freundes
zu erholen.
Nachdem einem Engagement im Bergwaldtheater nichts mehr im Wege stand,
schreibt Erika in Bezug auf die für sie im Rahmen des Weißenburger
Gastspiels vorgesehenen Rollen an ihren Vater Thomas Mann:
Venedig, 28. 5. 1932 Hotel Des Bains Lieber Zauberer, -
... Ich arbeite viel am Oberon, - auch an der Thekla aus dem Wallenstein,
die mich angenehmer fesselt, als ich es von ihr erwartet habe. Daß
aber der zweite Aktschluß Sturm im Wasserglas" (d.i.Bühnenstück
von Bruno Frank) so rasend aus dem Wallenstein" gestohlen
ist,-ist wohl noch niemandem (außer Brunon selber) so recht ins
Bewußtsein gerückt.
Adieu und sei bedankt von E." (18)
Boykottdrohung des Kampfbundes für deutsche Kultur
Kurz nachdem der Verkehrsverein Weißenburg über eine Pressemitteilung
angekündigt hatte: Erika Mann, die Tochter ThomasManns und
Lilly Eisenlohr, die bekannte Berliner Schauspielerin, die schon voriges
Jahr in Weißenburg mitwirkte, wurde für die diesjährigen
Festspiele an das Bergwaldtheater Weißenburg verpflichtet ..."
(19) erhielt Bürgermeister Fitz von Dr. Walter Stang (20), dem
Leiter des Dramaturgischen Büros" des nationalsozialistischen
Kampfbundes für deutsche Kultur" (21) in München
im Zusammenhang mit Schmids Beitritt zum Kampfbund den Hinweis, dass
Fräulein Mann wegen pazifistischer Agitationen nicht geeignet
sei, am großen Ziel der Nationalisierung des deutschen Theaters
teilzunehmen". (22) Insbesondere bei einer geplanten Sonderaufführung
für Mitglieder der nationalsozialistischen Partei sei für
diese Schauspielerin keinesfalls Platz im Ensemble. Im Antwortschreiben
gab Intendant Schmid zu bedenken, dass auf Grund des geschlossenen,
rechtsgültigen Vertrags ein Rückzieher auf friedlichem Wege
wohl kaum möglich sein werde und merkte völlig zu Recht an,
dass doch die politische Einstellung nicht mit künstlerischen Angelegenheiten
verquickt werden könne. Ungeachtet dessen würde für die
von Frau Mann auszufüllenden Rollen (23) ohnehin ein Ersatzdarsteller
bereitgehalten, der dann in der Sonderaufführung für die NSDAP
eingesetzt werden könne. Außerdem werde der Intendant besonders
darauf achten, dass Fräulein Mann in keiner Weise in der
Lage sei, ihre Rolle in irgendeiner Weise zu verfälschen".
Nach dem beschwichtigenden Hinweis, ein Stück des Parteigenossen
Hanns Johst (24) zur Aufführung bringen zu wollen, muss der Intendant
eingestehen, nicht allein die angeblich umstrittene Schauspielerin Erika
Mann engagiert, sondern auch noch die Rechte an der von ihr bearbeiteten
Mozartoper eingekauft zu haben. Schmid betonte aber, dass das Werk ausgezeichnet
bearbeitet und bestens geeignet sei für eine Aufführung in
Weißenburg. Allerdings
könne auch hierbei insofern ein Zugeständnis an die NS-Kulturorganisation
gemacht werden, als die Oper möglichst erst nach einer Tagung des
Verbandes Deutscher Dramatiker, die für den 1. bis 3. Juli geplant
war (vgl. Anm.13), zur Aufführung gelangen solle. Abschließend
versprach Schmid gern künftig hin auch in der Wahl der Darsteller
den Kampfbund rechtzeitig zu verständigen, damit derartige Fälle
für die Zukunft vermieden werden". Dies umso mehr, als er
die Ablehnung des Kampfbundes gegen E. Mann durchaus verstehe. (25)
Existentiell bedrohend für das Bergwaldtheater wurde die Angelegenheit
nach einer Ankündigung der Ortsgruppe Nürnberg desKfdK vom
13. Juni. Das dortige Nachrichtenamt schreibt: Wir haben in Erfahrung
gebracht, dass bei den Festspielen in Weissenburg von dem Intendanten
Egon Schmid Erika Mann verpflichtet wurde. Wir haben kein Interesse
ein derartiges Unternehmen zu unterstützen und würden nicht
früher in unserer Propaganda fortfahren, bis wir die Mitteilung
erhalten haben, dass der Vertrag mit Erika Mann gelöst ist. Wir
haben bis jetzt ihre Werhezettel verteilt, werden davon aber Abstand
nehmen und behalten uns vor, unsere neue Stellungnahme durch Rundschreiben
sämtlichen uns angeschlossenen Verbänden mitzuteilen."
(26) Darüber hinaus würde man im Rahmen einer allgemeinen
Säuberungswelle ein Parteiausschlussverfahren gegen das NSDAP-Mitglied
Schmid prüfen, .da dieser wie oben dargestellt, ungeheuerlicherweise
wagte, seinen Fehlgriff" zu verteidigen, dem Bürgermeister
gegenüber sogar kundgetan hatte, es grundsätzlich abzulehnen,
sich in künstlerischen Dingen von politischen Ansichten abhängig
zu machen". (27)
Erika Mann und ihr Widerstand gegen die Nationalsozialisten
Die sehr frühe und enge Anlehnung an die NSDAP und die ihr angegliederten
Organisationen war einer vorweggenommenen Gleichschaltung des Bergwaldtheaters
gleichgekommen und machte den Verkehrsverein erpressbar. Durch die angekündigten
Boykottmaßnahmen drohten Einnahmeverluste in nicht absehbarer
Höhe, die durchaus ein Ende des Unternehmens Bergwaldtheater hätten
bedeuten können.
Betrachtet man Erika Manns Biografie bis zum Jahr 1932, lässt sich
die heftige Ablehnung der Nationalsozialisten zunächst ohne weiteres
nicht erklären. Geboren am 9. November 1905, war Erika Julia Hedwig
Mann das erste Kind von Katja und Thomas Mann. Schon während ihrer
Schulzeit in München war das Theaterspiel Erikas große Leidenschaft.
Obwohl in den Jahren nach dem Abitur immer die Karriere als Schauspielerin
im Vordergrund stand, lebte Erika Mann aus gesicherten finanziellen
Verhältnissen des Elternhauses heraus ihre vielfältigen Talente
aus. Neben einer regen Reisetätigkeit widmete sie sich ab Mitte
der Zwanziger Jahre ersten schriftstellerischen Projekten. So entstanden
z. B. der Reisebericht Rundherum", den sie mit ihrem Bruder
Klaus nach einer gemeinsamen Weltreise im Jahr 1927 veröffentlichte,
sowie zahlreiche Kinderbücher. Ihre besondere Leidenschaft galt
Autos, insbesondere der Teilnahme an Autorennen. Rückblickend kommentiert
Erika Mann die Unstetigkeit in dieser Phase ihres Lebens:
,, ...Außerdem war es mir nie richtig gelungen, mich zu entscheiden,
was ich tun wollte und meine Aktivitäten waren stets zu vielfältig.
Natürlich wollte ich auf die Bühne... Aber ich wollte auch
schreiben und an Autorennen teilnehmen und die Welt sehen und Reporterin
sein." (28)
Von einer intensiveren politischen Betätigung in der Öffentlichkeit
war trotz zunehmender Aktivitäten der Nationalsozialisten bis in
das Jahr 1932 keine Spur. In einem fiktiven Interview aus dem Jahr 1938
erzählt Erika:
Ich habe mich in Deutschland beinahe bis zuletzt gar nicht für
Politik interessiert. Ich war der irrigen Auffassung, daß Politik
Sache der Politiker wäre und daß icmich in fremder Leute
Angelegenheiten nicht mischen sollte. So haben viele bei uns gedacht,
und so kam Hitler zur Macht." (29)
Die Konsequenzen dieses Mangels an Widerstand und politischer Einmischung,
der große Teile einer ganzen Generation kennzeichnete und den
Aufstieg Hitlers und der Nationalsozialisten mit ermöglichte, war
Erika Mann durchaus bewusst. In ihrem Fragment einer Autobiografie von
1943 schreibt sie rückblickend auf die Entwicklungen der Zeit um
1930 mit offensichtlich schlechtem Gewissen:
WARUM HAT ES (d. i. die sich verändernden politischen Verhältnisse)
MICH NICHT GEKÜMMERT? ... Mangel an Fantasie, beschämender
Mangel an moralischem Elan! ... Daß wir uns nichts vorstellen
konnten, war unser Sündenfall. Ohne dies, unser Verbrechen der
Unterlassung, hätte die Missetat (d. i. der Aufstieg der Nationalsozialisten
und seine Folgen) nicht begangen werden können." (30)
Einen ersten unmittelbaren Kontakt mit der veränderten politischen
Lage brachte ein Auftritt bei einer feministisch-pazifistischen Großveranstaltung
am 13. Januar 1932 im Hotel Union in der Münchner Barerstraße.
Unter dem Motto Weltabrüstung oder Weltuntergang sprach Erika Mann
auf Einladung von Rickis Mutter, der Frauenrechtlerin Constanze Hallgarten.
Erikas Auftritt beschränkte sich dabei auf das Verlesen eines Artikels
aus der von einer pazifistischen Organisation herausgegebenen Zeitung
Deutsche Zukunft. Im Verlauf der Veranstaltung kam es zu Störversuchen
von SA-Mitgliedern, die sich unter das Publikum mischen wollten. Ein
größerer Tumult konnte von den vorsorglich bereitgestellten
Polizeikräften allerdings verhindert werden. (31) In der ihr eigenen
Neigung zu übertreiben, stellte Erika Mann die Vorgänge dramatischer
dar, als sie sich tatsächlich abgespielt haben dürften:
In der Tat hatte mich dies (d. i. politische Betätigung)
schon in eine jener blutigen Streitereien verwickelt, welche die Nazis
,Saalschlachten' nannten. Sowohl Stühle als auch Beleidigungen
waren mir entgegen geschleudert worden, als ich bei einer pazifistischen
Versammlung ein passendes Gedicht vortrug." (32)
Dennoch konnte dieser eher bescheidene Beitrag allein, zudem in weiten
Teilen aus familiärer Verbundenheit zu C. Hallgarten entstanden,
kaum der einzige Grund für die heftige Ablehnung der Nationalsozialisten
gegen die Schauspielerin gewesen sein. Bei genauerer Betrachtung zeigt
sich zwar, dass mit dem Auftritt auf einen Schlag mehrere wunde Punkte
der Nationalsozialisten ganz empfindlich getroffen worden waren: Pazifismus
an sich wurde in den Jahren der nationalen Erniedrigung",
die dem Versailler Frieden folgten, nicht nur von den Nazis als Vaterlandsverrat
gesehen. Erschwerend kam hinzu, dass sich hier ausgerechnet Frauen,
die in der Weltordnung des Adolf Hitler in erster Linie Ehe- und Mutterpflichten
zu erfüllen hatten, in die Politik einzumischen wagten. Als sich
schließlich die Polizei als staatliche Ordnungsmacht noch schützend
vor diese Frauen stellte und den pöbelnden Nazis eine ehrverletzende
Niederlage bescherte, wurde die bereits gut funktionierende Propagandamaschinerie
in Gang gesetzt.
Der Vorwurf der pazifistischen Agitation, die Erika Mann aus nationalsozialistischer
Sicht ungeeignet werden ließ, am großen Ziel der Nationalisierung
des deutschen Theaters teilzunehmen (vgl. Anm. 22), war also mit den
Ereignissen um den Pazifistenkongress begründet. Ein weiterer,
sicherlich entscheidenderer Grund für den vom Kampfbund angezettelten
Boykott gegen Erika Mann sollte sich aber erst nach einer Phase der
relativen Ruhe im Herbst des Jahres deutlicher zeigen.
Vertragsbruch und Prozessvorbereitungen
Nachdem sich unter zunehmendem Druck von Seiten des KfdK immer klarer
abzeichnete, dass der bereits geschlossene, rechtsgültige Anstellungsvertrag
mit Erika Mann schnellstens gelöst werden musste, wenn man größeren
finanziellen Nachteilen aus dem Weg gehen wollte (33), wandte sich Bürgermeister
Fitz am 26. Mai' erneut hilfesuchend an H. Esser, mit der Bitte die
eindeutig politisch motivierte Aufkündigung des Engagements nicht
zusätzlich propagandistisch zu nutzen. Mit großer Weitsicht
schätzte Dr. Fitz die Lage von Anfang an sehr realistisch ein:
Es wird aller Geschicklichkeit bedürfen, unser Bergwaldtheater
nicht in den Kampf der Parteien kommen zu lassen, der es in seiner noch
so schwächlichen Konstitution unrettbar zermalmen würde. Ich
bitte Sie herzlich darum, mir und Intendant Schmid zur Findung einer
einigermaßen befriedigenden Lösung behilflich zu sein. Unmittelbar
vor dem Beginn der geplanten Festspielsaison sollte jetzt Ziel aller
Bestrebungen sein, bestes nationales Kulturgut in weite, Ihrer Partei
(d. i. der NSDAP) noch ferne stehende Volkskreise zu tragen." (34)
Besondere Gefahr für das Unternehmen Bergwaldtheater bestünde
dadurch, dass ,.. die hiesigen Parteifreunde und nach deren Mitteilung
auch Herr Gauleiter Streicher (35) in dieser difficilen Sache zu sehr
zum Draufgängertum neigen .
Der nun folgende umfangreiche Schriftwechsel mit der Ortsgruppe Nürnberg
und der Hauptverwaltung des Kampfbundes für deutsche Kultur in
München war gekennzeichnet durch Beteuerungen, dass man von
dem provozierenden Auftreten des Fräulein Erika Mann nicht genügend
informiert gewesen sei und dass Egon Schmid der Intendant ein gut national
gesinnter Mann von ehrlichem Streben, das nationale Volkstheater auf
dem Wege des Freilichttheaters zu schaffen sei. Insgesamt war nur die
demokratische Einstellung ihres Vaters (d. i. Thomas Mann), die kein
Hinderungsgrund für ihre Verpflichtung sein konnte, bekannt. Wegen
einer Erika Mann ... dürfe doch wahrlich eine so groß gedachte
und so mühevoll und aufopfernd aufgebaute Kultursache wie die des
Bergwaldtheaters nicht im Kampf der Parteien zermalmt werden."
Dies gelte umso mehr, als sowohl dem Bürgermeister als auch dem
Vorsitzenden der Finanzkommission die Schauspielerin vor der Verpflichtung
völlig unbekannt gewesen sei. Trotz aller Beschwichtigungen und
Abwiegelungen versuchte sich Dr. Fitz in gleichem Schreiben an die Ortsgruppe
Nürnberg des KfdK einer Unterstützung in der Auseinandersetzung
mit Erika Mann zu versichern, gegebenenfalls sogar eine juristische
Vertretung in einem eventuell drohenden Rechtsstreit zu erreichen. Dass
der inzwischen ausgesprochene Rücktritt vom abgeschlossenen Vertrag
ohne heftigen Widerspruch hingenommen werden konnte, wagte im Verkehrsverein
zu diesem Zeitpunkt bereits niemand mehr zu hoffen. Der Bürgermeister
war sich vielmehr von Anfang an im Klaren, dass wir jedenfalls
nicht um die Zahlung der vollen Gage von 660 Reichsmark herum kommen
und darüber hinaus noch eine höhere Schadensersatzklage zu
befürchten haben". (36)
In der Tat begann sich für Weißenburg der Fall Mann
zuzuspitzen. Die Schauspielerin hatte Anfang Juli beim Arbeitsgericht
Eichstätt Klage auf Schadenersatz eingereicht und Anzeige wegen
Vertragsbruchs erstattet (37), nachdem der Verwaltungsamtmann L. Vogel
(38), angeblich ohne Wissen des Bürgermeisters, einen höchst
ungeschickten Brief, der den Vertragsbruch direkt zugibt, an den Rechtsanwalt
von Frau Mann" (39) geschrieben hatte. Mit Erleichterung wurde
verzeichnet, dass Karl Schleifer, der zusammen mit Erika Mann im Frühjahr
des Jahres in München die Mozartoper Apollo und Hyazinth"
(vgl. Anm. 12) zur Aufführung gebracht hatte und jetzt bei den
Festspielen im Bergwaldtheater als Kapellmeister tätig war, als
Unterhändler nach München reiste. (40) Bei seinen Verhandlungen
mit der Schauspielerin erreichte er, daß Frau Mann, die
von" Intendant Schmid persönlich sehr gut spräche,
mit Rücksicht auf ihn die Klage zurückziehen will, wenn
man ihr außer der Gage einen Schadensersatz von 600 Reichsmark
bezahlt".(39)
Der Vergleich vom Juli 1932
Am 8. Juli unterbreitete der Verkehrsverein das Angebot, die Gage in
voller Höhe, sowie die vereinbarte Schadenersatzzahlung zu erstatten,
bat aber zugleich, die Zahlung bis nach Abschluss der Bergwaldtheatersaison
auszusetzen. Die Anwälte Erika Manns stimmten dem Vergleich zu
und zogen die Klage zunächst wieder zurück.
Die nun endlich eingekehrte relative Ruhe benötigten die Organisatoren
des Bergwaldtheaters dringend, da in den zweieinhalb Monaten der Festspiele
pro Woche bis zu fünf selbst inszenierte Aufführungen von
Schillers Wallenstein", Goethes Götz von Berlichingen"
sowie dem Sommernachtstraum" von Shakespeare anstanden. Am
14. August klang die Bergwaldtheatersaison nach einer Wallensteinaufführung
mit einer Kundgebung der NSDAP aus. Ein hierbei ursprünglich vorgesehener
Auftritt von Adolf Hitler musste wegen der Vorbereitungen zu den vorgezogenen
Reichstagswahlen (am 6. November) kurzfristig abgesagt werden. Nach
einer Rede des damaligen Reichstagsabgeordneten General Ritter von Epp
(41) fand die Sondervorstellung mit dem Horst-Wessel-Lied, das
mit Musikbegleitung der SA-Kapelle gesungen wurde, einen würdigen
Abschluss". (42)
Vier Tage später erinnerten die Anwälte Erika Manns wie vereinbart
an die ausstehenden Zahlungen. Der Verkehrsverein Weißenburg als
Träger des Bergwaldtheaters war zu diesem Zeitpunkt allerdings
de facto zahlungsunfähig. Da die Besucherzahlen auf Grund des schlechten
Wetters, das entgegen den Erwartungen der langjährigen Wettervorhersage
während Dreiviertel der Spielzeit vorgeherrscht hatte, deutlich
unter den Erwartungen geblieben waren, entstanden Verbindlichkeiten
in Höhe von knapp 10.000.- Reichsmark. Letztendlich rechnete der
Verkehrsverein zwar fest damit, das Defizit mit den Einnahmen des mit
Ausnahmegenehmigung eigens zur Stärkung des jungen nationalen
Unternehmens" durchgeführten Losbriefverkaufs decken zu können.
Durch den schleppenden Absatz der Lose wurde die Laufzeit von der beauftragten
Gesellschaft aber bis-zum 15. März 1933 verlängert, so dass
mit in Wortlaut und Inhalt nahezu identischen Schreiben sämtliche
Gläubiger auf einen späteren Zahlungszeitpunkt vertröstet
werden mussten.
Klage vor dem Arbeitsgericht Ingolstadt
Auch wenn sich keine Hinweise finden, dass sich der Verkehrsverein
nach wiederhergestellter Liquidität prinzipiell geweigert hätte,
die offenen Rechnungen zu begleichen, witterte Erika Mann nach ihrer
offensichtlich politisch motivierten Entlassung aus dem bereits geschlossenen
Anstellungsvertrag im Zahlungsaufschub eine weitere Provokation der
Nazis und strengte einen Prozess an. (43) Durch die zwangsweise Lösung
eines rechtsgültigen Vertrags, entstanden aus der Ängstlichkeit
weiter Bürgerkreise" vor den Nationalsozialisten (44), würde
für ihre weitere berufliche Arbeit ein nicht absehbarer ideeller
und materieller Schaden entstehen. Noch niemals war ein vertraglich
vereinbartes Arbeitsverhältnis aus solch eindeutig politischen
Gründen aufgekündigt worden. Eine juristische Klärung
dieses Präzedenz-falles erschien ihr daher unabdingbar.
Prozessvertreter Erika Manns war die jüdische Anwaltskanzlei Drs.
Hirschberg, Loewenfeld (45) und Regensteiner in der Münchner Briennerstraße,
die bereits die Verhandlungen im Zuge einer Beleidigungsklage nach den
Auseinandersetzungen um Erika Manns Auftritt vor dem Pazifistenkongress
geführt hatte. (46) Die ohnehin kämpferisch veranlagte Erika
Mann war im Spätsommer 1932 also prozesserprobt und auch im Fall
Bergwaldtheater Weißenburg bereit, bis zum Letzten um ihr Recht
zu kämpfen. In ihren Worten stellt sich der Ablauf der Dinge wie
folgt dar:
... die Nazipartei drohte, das Freilufttheater zu boykottieren,
wo ich für den kommenden Sommer engagiert war. Nur meine sofortige
Entlassung konnte den Boykott abwenden. Die Geschäftsführung
gab entweder aus Angst vor den Erpressern oder aus Sympathie für
sie nach und löste meinen Vertrag ... Ich hatte absolut nichts
getan, was meine Entlassung gerechtfertigt hätte. Vom juristischen,
wie auch vom moralischen Standpunkt war die Handlungsweise meines Arbeitgebers
nicht zu verteidigen... Ich bereitete die Klage vor." (47)
Anfang November wurde der Verkehrsverein vom Arbeitsgericht Ingolstadt
(vgl. Anm. 37) tatsächlich zu einer Zahlung von 616,25 Reichsmark
- zunächst nur die Gage für das Bergwaldtheaterengagement
betreffend -verurteilt. Wegen der fortbestehenden Zahlungsunfähigkeit
des Verkehrsvereins verordnete das Amtsgericht Weißenburg eine
Zwangsvollstreckung, die am 17. Dezember 1932 eine Beschlagnahme von
Teilen des Kostümfundus und der Bühnenausstattung, die sich
im Besitz des Verkehrsvereins befanden, nach sich zog. Nur zwei Wochen
später war die Liquidität des Verkehrsvereins durch ein Darlehen
der fränkischen Gewerbebank wiederhergestellt, so dass, abgesehen
von den Kosten für den Gerichtsvollzieher in Höhe von 9,75
RM und Gerichtskosten in Höhe von gut 50.- RM, kein dauerhafter
materieller Schaden entstand.
Obwohl den Weißenburgern bereits am 7. Juli vom Kampfbund keine
Hilfe in Aussicht gestellt werden konnte, wandte sich Bürgermeister
Fitz am 1. November erneut an die Landesleitung Nordbayern mit der Bitte
um juristische Unterstützung bei der Auseinandersetzung. Die offizielle
Begründung des KfdK, warum dies nicht möglich sei, lautete
nicht ohne Zynismus:
... auch haben wir mit dem Engagement und der Lösung des
Engagements durch den Intendanten nichts zu tun. Es ist ausschließlich
zunächst eine Angelegenheit der Leitung des Bergwaldtheaters. Der
Kampfbund für deutsche Kultur hat lediglich seinerzeit seiner Verwunderung
über das Engagement von Frau Mann Ausdruck gegeben und sie in Ihrem
eigenen Interesse auf die Aufnahme hingewiesen, die ein Auftreten Erika
Manns bei der deutsch gesinnten Besucherschaft und Presse notwendig
finden würde. Der Streitfall selbst ist nicht unsere, sondern Ihre
Angelegenheit." (48)
Im Grunde genommen war die juristische Sachlage vor dem angestrengten
Arbeitsgerichtsprozess eindeutig: Der Verkehrsverein hatte in Person
von Amtmann Vogel den Vertragsbruch schriftlich zugegeben, eine Zahlung
der vereinbarten Gage von 660.- Reichsmark für die geplante zehnwöchige
Verpflichtung, sowie ein Schadensersatz in Höhe einer doppelten
Monatsgage nach Abschluss der Spielzeit war schriftlich vereinbart,
die gewährte Aufschubfrist war ohne Zahlung verstrichen.
Der einzige Trumpf, den der Verkehrsvereins in Händen zu halten
glaubte, war die Tatsache, dass Erika Mann am 7., 9. und 10. Juli 1932,
also noch innerhalb des Zeitraums des offiziellen Bergwaldtheaterengagements,
im Staatsschauspiel München im Raub der Sabinerinnen aufgetreten
war, was dem Verkehrsverein angeblich verheimlicht worden war. Daher
meinten die Weißenburger, den im Sommer ausgehandelten Vergleich
wegen arglistiger Täuschung anfechten zu können. Im informativen
Schreiben vom 1. November 1932 an die Landesleitung des Kampfbundes
zeigt sich Bürgermeister Fitz zuversichtlich, den Gegnern
eine Schlappe beibringen" zu können. Für den Fall, dass
die Nationalsozialisten planten, den Vorgang in damals bereits bekannter
Weise propagandistisch auszuschlachten, um Erika Mann, wie andere NS-kritische
Intellektuelle öffentlich zu diffamieren, warnt Dr. Fitz namens
des Verkehrsvereins: Man befürchtet, dass dadurch unser Bergwaldtheater
in den Ruf eines rein nationalsozialistischen Unternehmens kommen wird
und ihm dadurch nicht nur die jüdisch gefärbte Demokratie,
von der ja doch nichts für unsere deutsche Kultursache zu erhoffen
war, sondern auch andere bisher unserm [sic] Unternehmen freundl. Kreise
entfremdet werden." (49)
Dem Juristen Dr. Fitz war klar: Rein rechtlich betrachtet, ist der Verkehrs
verein im Unrecht, weil er den Anstellungsvertrag mit Erika Mann nicht
eingehalten und sie am Auftreten in unserem Bergwaldtheater gehindert
hat. Die Gründe, die den Verkehrsverein hiezu [sic] veranlasst
haben, werden je nach der politischen Einstellung des Einzelnen verschieden
beurteilt werden. Die meisten Menschen werden sich um die Gründe
gar nicht weiter kümmern und werden die Sache vom rechtlichen Standpunkt
aus betrachtet für vollkommen in Ordnung finden, wenn die Betroffene
vom Verkehrsverein eine Entschädigung hiefür beansprucht...
Wir werden, wenn die Sache in die Presse gebracht wird, dabei schwer
unter die Räder kommen und unser neutral sein sollendes Bergwaldtheater
noch weit mehr. Einen propagandistischen Erfolg kann ich mir aus dieser
Sache nicht versprechen. Im Gegenteil glaube ich, daß wir verschiedene
Besucherkreise damit vor den Kopf stoßen und daß dann allgemein
die Meinung entsteht, unser Bergwaldtheater wäre ein rein nationalsozialistisches
Unternehmen ... Es müssen uns alle Gäste, aus welchem Lager
sie auch kommen, die gewillt sind, echt deutsche Kultur auf sich einwirken
zu lassen, willkommen sein."
Die Familie Mann im Visier der Nationalsozialisten
In schwerer Sorge um die Fortexistenz seines Bergwaldtheaters, sowie
offensichtlich persönlich gekränkt durch das rigorose Vorgehen
der Münchener Anwälte, die Erika Mann vertraten, schlug Fitz
der Leitung des KfdK vielmehr vor, eine eventuelle Kampagne in
der nationalsozialistischen Kampfpresse daraufhin auszulegen, den rücksichtslosen
Willen des Judentums und seines Anhangs, ein schwer um seine Existenz
ringendes, nationales Kulturunternehmen, das auf die in bewusst deutsch
eingestellten Kreisen vertretene Ansicht gebührende Rücksicht
nahm, zu schädigen und nach Möglichkeit zugrunde zu richten,"
an den Pranger zu stellen. Dabei werden wir meines Erachtens nicht
nur die volle Sympathie der nationalsoz., sondern auch viel weiterer
Kreise finden und uns in der Hauptsache nur Kreise [sic] entfremden,
von denen das Bergwaldtheater nichts oder nicht viel haben wird."
Einschränkend gab Fitz zu bedenken, dass eine Publikation
des Falles durch den vorerst ungebrochenen starken Einfluss des Judentums
auf die Presse verschiedener Richtungen behindert werden könne."
(50)
Der Leiter der NSDAP-Hauptsteile Nürnberg Hans Hagemeyer (51) griff
die Idee einer Pressekampagne dankend auf, hatte jedoch noch wesentlich
weiter gehende Pläne:
Es ist unsere verdammte Pflicht und Schuldigkeit, Sie mit allen
unseren Mitteln zu unterstützen. Ich will ihnen ganz kurz einzelne
Punkte bringen, wie wir Sie am besten unterstützen können
und wie wir vor allem eine Front gegen die Familie Mann schaffen.
l.Es erhalten sämtliche Landtagsabgeordnete meines Landesbereichs
eine kurze Denkschrift über den Fall Erika Mann ...
2. Ein Rundschreiben geht an die mir bekannten Persönlichkeiten
und an die Ortsgruppen des KfdK im ganzen Reich.
3. Teilen wir der gesamten nationalen Presse ... den Vorfall gleichfalls
mit.
4. Werde ich mit der hiesigen Gauleitung Rücksprache nehmen und
versuchen, daß der Fall Erika Mann in das Rednermaterial der Gauredner
von Mittelfranken, vielleicht auch in das Rednermaterial des ganzen
Reiches eingeführt wird, d.h. daß Tausende von Rednern in
allen Städten Deutschlands diesen Fall besprechen. Zu diesem Zweck
werde ich mich auch mit
Herrn Dr. Goebbels (52), dem Reichspropagandarat in Verbindung setzen.
[Ein Aufzählungspunkt 5 ist im Originalschreiben ausgelassen!]
6. Bei der nächsten Herausgabe der deutschen Bücherliste werden
wir eine Liste der Gegenseite einbringen und Thomas Mann draufsetzen."
Bedauernd setzt Hagemeyer dem Plan hinzu: Aus dem ganzen Akt Erika
Mann geht hervor, daß Sie restlos das Opfer Ihrer eigenen Anständigkeit
werden sollen." (53) In diesem Schlachtplan zeigt sich nun erstmals
der wahre Grund für die heftige Ablehnung gegen Erika Mann, die,
ungeachtet ihrer massiven anti-nationalsozialistischen Aktivitäten
in den Jahren des Dritten Reichs (vgl. Anm. 56), wie oben gezeigt, bis
zu diesem Zeitpunkt in Bezug auf öffentliche politische Aktivitäten
ein weitgehend unbeschriebenes Blatt war. In der 27jährigen Schauspielerin
wurde von den Nazis vielmehr die Repräsentantin ihres Vaters gesehen,
der sich nach dem Zusammenbruch der deutschen Monarchie und den Wirren
der Räterepublik nachdrücklich für die Werte einer liberalen,
demokratischen Grundordnung einsetzte. Nicht allein Erika, sondern die
gesamte Familie Mann, insbesondere der Literaturnobelpreisträger
Thomas Mann waren Ziel der geplanten Aktionen des Kampfbundes.
Thomas Mann hatte bereits in der Frühphase des Aufstiegs des nationalsozialistischen
Ungeistes eindringlich vor dem sich anbahnenden Unheil gewarnt und war
so bald zum erklärten Ziel des Kampfbundes avanciert. Die von Thomas
Mann im September 1930 nach der Reichstagswahl geäußerte
Hoffnung: Zuletzt darf man auf den gesunden Sinn des deutschen
Volkes hoffen und der sogenannte Nationalsozialismus ist in meinen Augen
ein Koloss auf tönernen Füßen" (54) sollte sich
nicht erfüllen.
In seiner Ein Appell an die Vernunft" überschriebenen
Deutschen Ansprache" vom 17. Oktober 1930 im Berliner Beethovensaal
beschrieb er die Bewegung des Nationalsozialismus einmündend in
eine Riesenwelle exzentrischer Barbarei, primitiv-massendemokratischer
Jahrmarkts rohheit, die über die Welt geht." Die NS-Politik
charakterisierte er als eine Politik im Groteskstil mit Heilsarmee-Allüren,
Massenkrampf, Budengeläut, Halleluja und derwischmäßigem
Wiederholen monotoner Schlagworte bis alles Schaum vor dem Mund hat...
Fanatismus wird Heilsprinzip, ... Politik wird zum Massenopiat... die
Vernunft verhüllt ihr Antlitz." (55) Manns Äußerungen
in der Öffentlichkeit zum Thema Nationalsozialismus waren nie,
wie ihm in der Folge von den Nationalsozialisten immer wieder unterstellt
wurde, parteipolitisch motiviert. Der Schriftsteller äußerte
sich vielmehr in tiefer Sorge um Moral und Kultur, die er zu Grunde
gehen sah. Ihn bewegte die Frage, warum ein altes, reifes, vielerfahrenes
und hochbedürftiges Kulturvolk, ... das eine weltbürgerliche
und hohe Klassik, die tiefste und raffinierteste Romantik, Goethe, Schopenhauer
und Nietzsche, die erhabene Morbidität von Wagners Tristan-Musik
erlebt hat und im Blute trägt", (55) sich von der irrationalen,
militanten Deutschtümelei der Nazis einlullen ließ.
Geradezu visionär und unter beängstigender Vorwegnahme der
Ereignisse beschreibt der ältere Bruder Heinrich im Jahr 1932 in
einem Kommentar zur Reichstagswahl seine Einschätzung der Nationalsozialisten:
Vor allem ist niemand national, der vorhat, sobald er es könnte,
in der Nation ein großes Blutbad anzurichten. Die Nationalsozialisten
selbst können gar nicht voraussehen, wie viele sie umbringen müßten,
wenn sie die Macht erobert hätten und auch behalten wollten. Sie
unterschätzen ihr eigenes Blutbad...Sie werden Massen vergasen
müssen. Wenn das national ist. (55a) Ein Jahr zuvor schreibt er
über das aufgehende Dritte Reich: Reich der falschen Deutschen
und falschen Sozialisten, das gewiss unter Blutvergießen errichtet
werde, aber das sei noch nichts gegen das Blut, das fließen wird
bei seinem Sturz. (55b)
Dieser Stachel fundamentaler Kritik saß so tief, dass die Nazis
seit Jahren jede Gelegenheit nutzten, gegen Thomas und seinen älteren
Bruder Heinrich Front zu machen. Schon ab Mitte der Zwanziger Jahre
galt, was erst recht auf die Situation der Jahre 1932/33 zutraf: Die
Feinde machten längst keinen Unterschied, mehr zwischen ... Heinrich,
den Kindern Erika und Klaus mit ihrer verhaßten Pfeffermühle"
(56), und dem Autor des nach wie vor vielgeliebten Tonio Kröger"
(d.i. Th. Mann) (57)
Die aufgebauschte Bergwaldtheater-Affäre um Erika Mann sollte jetzt
also auch als Aufhänger dienen, eine weitere Kampagne gegen die
gesamte Familie zu starten. Ihre eigene Bedeutung zu dieser Zeit schätzte
Erika Mann durchaus realistisch ein: Wenn ich bekannt war, war
meine Schauspielerei kaum dafür verantwortlich. Ich war zuerst
einmal die Tochter meines Vaters. (58) Dass es dem Kampfbund
für deutsche Kultur nicht in erster Linie um Erika, geschweige
denn um das bedeutungslose Bergwaldtheater ging, zeigt auch der Kommentar
von Hauptschriftleiter Brückner von der Münchener Zentrale
des KfdK:
Wenn diese (von der Landesleitung Nürnberg vorgesehenen,
vgl. Anm. 53) Maßnahmen durchgeführt werden, ist der
gute Thomas restlos erledigt, wenigstens bei der besseren Hälfte
unseres Volkes." (59)
Am 17. November 1932 schreibt Hans Scholz von der nordbayerischen Landesleitung
des KfdK an Dr. Fitz: Jedenfalls wollen wir erst einmal ohne Presse
anfangs nächster Woche mit unserem Feldzugsplan [sic] beginnen
und ihn immerhin in den Formen führen, dass er nicht lästig
und aufdringlich erscheint. Wir bezwecken damit auch ein anderes Ziel,
nämlich, dass die unerfreuliche Erscheinung Thomas Mann allmählich
in Deutschland unmöglich wird." (60)
Nationalsozialistische Hetzkampagne gegen Erika Mann
Nach mehrfacher schriftlicher Anfrage des Bürgermeisters (Bis
wann erscheinen Ihre Artikel über die Mann -Angelegenheit?"
(61) fand die von H. Hagemeyer versprochene Unterstützung endlich
seine Umsetzung: in einem Artikel der Deutschen Kulturwacht",
dem Reichsorgan des Kampfbundes für Deutsche Kultur e.V."
erhielt zunächst Fitz (irrtümlich als Dr. Fritz"
vorgestellt) Raum, sein Bergwaldtheater, den Spielplan des Jahres 1933,
sowie weitere Pläne im Umfeld des Naturtheaters vorzustellen. Im
Sinne der modernen Lebensreform-Bewegung und der wissenschaflichen Naturheilkunde"
sei geplant ein originelles Naturheilbad in der Tradition der
alten mineral- und radiumhaltigen Heilquelle (d. i. das alte Wildbad),
einen Naturheilpark mit nach der Sonne drehbaren Lufthäusern, ein
Kurmittelhaus sowie ein Kurhotel mit Terrassen-Restaurant entstehen
zu lassen, da hier der geeignete Ort sei, an dem sich die deutsche Seele
auffrischen könne." (62)
Im Anschluss an den Artikel des Bürgermeisters folgt der dem Verkehrsverein
als Schützenhilfe versprochene Bericht Hagemeyers, in dem, wie
geplant auch Th. Mann verunglimpft werden sollte:
Wer Erika Mann ist, weiß wohl heute die Mehrzahl der völkisch
eingestellten Deutschen. Es genügt aber nicht, zu wissen, daß
sie die Tochter von Thomas Mann ist, dessen ganze Liebhaberei darin
besteht, Verfallserscheinungen breit zu treten und in ein schönes
Gewand zu kleiden, man muß auch wissen, daß Erika Mann der
Typ der sich männlich gebärdenden Frau, Schauspielerin, Politikerin,
Autofahrerin ist, kurz alles, was zu der sogenannten smarten Frau von
heute gehört. Daß sie nicht minderbemittelt ist, wird jeder,
wenn er an Thomas Mann denkt, verstehen. Nun ereignete sich im letzten
Sommer folgender Vorfall: ..."
In der Folge wird die anrührende Geschichte eines kleinen,
verschollenen Landstädtchens" erzählt, dessen Naturbühne
Künstlern und Laien Stunden innerer Gehobenheit" schenkt.
Der Sachverhalt um die erzwungene Vertragsauflösung wird kurzerhand
im eigenen Sinne umgedeutet. Die vom Kampfbund ausgesprochene.Boy-kottdrohung
bezeichnet Hagemeyer als zwangsläufigen, allgemeinen Protest",
da eine Erika Mann als eine Schillersche Heldenfigur angeblich unmöglich
erschien. Die Entwicklung des vom Verkehrsverein durch die Zahlungsverweigerung
provozierten Prozess wird folgendermaßen interpretiert:
Erika Mann übergab dann aber die ganze Angelegenheit den
Rechtsanwälten Regensteiner, Hirschberger und Loewenfeld. Bekanntlich
wendet man sich gewöhnlich an die Rechtsanwälte, die einem
sympathisch sind und was EM. nicht wagte, wagten um so lieber die drei
Herren, nämlich aus dieser Angelegenheit eine Skandal-Affäre
zu machen, ... Sie gaben unumwunden zu verstehen, daß ein deutsches
Kulturunternehmen es sich heute noch immer nicht leisten könnte,
ohne die Unterstützung von Juden zu existieren. ... Sie bedrängten
Weißenburg (in seiner finanziell schwierigen Lage), daß
es einem anständigen Menschen schlecht dabei wird. Sie versuchten,
bei diesem jungen, kämpfenden deutschen kulturpolitischen Unternehmen,
das Geld für die arme Erika Mann derart einzutreiben, wie es der
Viehjude seit Jahren beim deutschen Bauern macht." Weißenburg
sah sich also der armen Erika Mann" gegenüber, die
sich aus bitterster Not heraus mühselig mit ihrem Auto weiterbefördert,
um im schweren Existenzkampf mit Hilfe ihrer kampffreudigen Rechtsanwälte
sich zu behaupten. Was sagt Thomas dazu? ... Wenn einwandfrei das Publikum,
mit dem Weißenburg zu rechnen hat, Erika Mann als Schauspielerin
ablehnt, so ist es einem gewissen Takt möglich, ohne nachfolgenden
Skandal von der Bühne abzutreten, doch werden wir ja auch seit
Jahren mit Büchern von Thomas Mann gesegnet, die auch ein großer
Teil des Volkes nicht lesen will. Wir müssen annehmen, daß
das Taktgefühl der Töchter nicht anders aussieht als das des
Vaters."
In ähnlich plump-agitatorischer Weise fasst ein namentlich nicht
unterzeichneter Artikel in der Sonntag-Mor-gen-Post" vom
12. Februar 1933 die Ereignisse zusammen. In den Grundzügen ist
dieser Artikel einer Pressemitteilung des Verkehrsvereins vom 30. Januar
1933 nachempfunden, die in voller Länge im Weißenburger
Tagblatt" vom 3. Februar 1933 veröffentlicht wurde und großzügig
an Zeitungsredaktionen im ganzen Reich verschickt worden war. Dem am
26. Dezember 1932 im Schreiben an die Landesleitung des KfdK geäußerten
Wunsch des Bürgermeisters sich zur pressemäßigen
Auswertung des Falles Erika Mann ... zu entschließen'1 und damit
vor allem Zeitungen zu bedienen, die Interesse für deutsche
Kultur haben und nicht ganz unter jüdischem Einfluß stehen
(63) wurde damit offensichtlich Genüge getan. Die Sonntag-Morgen-Post"
berichtet: Das Bergwaldtheater ... steht zur Zeit in Streitigkeiten
mit der sattsam bekannten Erika Mann, bzw. mit deren Schutzengeln, den
Rechtsanwälten Dr. Hirschberg, Dr. Loewenfeld und Dr. Regensteiner
(!). Die Ursache war eine Berufung dieser als Schauspielerin nicht gerade
weltberühmten Dame. ... Es fanden sich aber Leute, welche ... daran
(d.i. ihr stark umstrittener Ruf1) Anstoß nahmen, und das
Auftreten des berühmten Sprößlings des vor sehr langer
Zeit berühmten Dichters Thomaß [sic] Mann unterblieb.
Das Bergwaldtheater war trotz allem bereit, den Schaden gut zu machen
... Alle Gläubiger hatten auf die in der jetzigen Zeit schwierige
Finanzlage eines Kulturunternehmens Rücksicht genommen, nur Frl.
Erika Mann mit ihrem Hirsch-, Löw- und Regensteiner nicht. ...
Wir hoffen von Herzen, daß das Kulturtheater Weißenburg
gegenüber dem Dämchen Erika Mann und ihren jüdischen
Rittern Recht behält. Interessant ist uns dabei auch die Instinktlosigkeit,
oder wahrscheinlicher, die Drahtzieherei hinter den Kulissen des Staatstheaters,
die eine so stark umstrittene" Persönlichkeit wie.E..
M. zu Gastspielen am bayerischen Staatstheater (Anspielung an das Engagement
im Raub der Sabinerinnen vom 7.-10. Juli) veranlaßt." (64)
Der Bergwaldtheaterprozess als Plattform für die nationalsozialistische
Propaganda
Nach dieser Darstellung der überregionalen Auswirkungen der vom
Kampfbund veranlassten Maßnahmen zurück zu den unmittelbaren
Ereignissen im Herbst des Jahres 1932.
Durch sein Paktieren mit der NSDAP und den ihr angeschlossenen Organisationen
war der Verkehrsverein durch die daraus resultierende Abhängigkeit
weitgehend handlungsunfähig und in erhebliche Bedrängnis geraten.
Die kleine Naturbühne und der Verkehrsverein drohten zwischen den
sich formierenden mächtigen Blöcken zerrieben zu werden: Auf
der einen Seite stand die NS-Kulturorganisation, die einen groß
angelegten Kampf gegen den zu dieser Zeit weltweit bekanntesten und
renommiertesten deutschen Schriftsteller, den auch in weiten Teilen
der deutschen Bevölkerung nach wie vor hochgeschätzten Thomas
Mann und seine Familie plante. Eine Rücksichtnahme auf das Bergwaldtheater
war in diesem Zusammenhang kaum zu erwarten; man musste hinnehmen, als
Plattform für die nationalsozialistische Propagandaschlacht missbraucht
zu werden. Auf der anderen Seite stand Erika Mann, die fest entschlossen
war, die Angelegenheit als Prazedenzfall für die zunehmende Einflussnahme
der Nationalsozialisten auf den Kulturbetrieb in Deutschland bis zum
Ende durchzufechten. Dies umso mehr, als die Agitation des KfdK inzwischen
zu einem Quasi-Berufsverbot geführt hatte. Nach den Ereignissen
von Weißenburg hatte kaum eine Bühne in Deutschland mehr
gewagt, die Schauspielerin zu beschäftigen.
Sowohl Erika Mann, als auch ihre Anwälte schienen aus dem Wissen
ihrer sicheren Rechtsposition heraus durchaus Vergnügen an der
Auseinandersetzung zu finden. Dr. Fitz zitiert in einem Schreiben an
Hauptstellenleiter Hagemeyer einen namentlich nicht näher bezeichneten
Münchner Freund des Weißenburger Bergwaldtheaters11
(evtl. H. Esser?), der ihm die höchst wichtige Mitteilung"
gemacht habe, Erika Mann und ihre Anwälte hätten großen
Spaß an der Entwicklung der Sache. Thomas Mann selbst mische sich,
soviel er (d. i. der Münchner Freund") ihn kenne, in
die Angelegenheiten seiner Tochter, die sehr selbständig ihrer
Wege gehe, nicht ein. (65) Ein Beleg für die (Schaden-)
Freude am Verlauf des Prozesses ist ein Brief des Anwalts Dr. Loewenfeld
an seine Mandantin, der vom Heiligen Abend des Jahres datiert: Als
kleine Weihnachtsfreude übersende ich Ihnen das Protokoll der Gerichts-vollzieherei
vom 17. Dez. 32, aus dem Sie ersehen wollen, was für Sie aus dem
Kulturunternehmen" alles Schönes gepfändet worden
ist. ... Sollten Sie nicht in nächster (Zeit) zu Geld kommen, dann
würde ich erwägen, einen Antrag auf freihändige Verwertung
der Sachen zu stellen, da in Weißenburg selbstverständlich
niemand dieses Zeug ersteigert." (66)
In dieser ausweglosen Situation, die drohende juristische Niederlage
vor Augen, begann Dr. Fitz Verschwörungstheorien zu entwerfen.
Von dem besonnen agierenden, parteilosen Juristen, der sich bisher vor
allem durch seine politische Neutralität und Ausgeglichenheit hervor
getan hatte, war zumindest in diesem Zusammenhang nicht mehr viel zu
erkennen. Den Schriftsatz der Klagevertreter bezeichnete er als neuerliche
Unverschämtheit der Judenanwälte." (67)
Am 20.11. kommentierte Fitz seinen Schriftsatz in der Erwiderung auf
die Anklage: Aber ich setze nun mal meine Ehre als Jurist und
als Vertreter einer guten deutschvölkischen Sache darein, selbst
in der ungünstigen Rechtsposition dieses Zivilprozesses den unverschämten,
mit allen Wassern gewaschenen Judenanwälten mich gewachsen zu zeigen
und ihnen ... nichts schuldig zu bleiben." (68) In einer Mischung
aus Trotz und Selbstmitleid muss Fitz feststellen: Unser größter
Fehler war, daß wir dieser Judensippschaft bisher zu anständig
waren." (61)
Seine bisherigen Erfahrungen, vermischt mit antisemitischen Allgemeinplätzen
teilt Dr. Fitz, inzwischen offensichtlicher Verfechter der Ziele des
KfdK, der Landesleitung des Kampfbundes in Nürnberg mit: Die
größte Empörung darüber, was man sich noch von
jüdischer Seite in der Behandlung eines bewußt deutschen
Kulturunternehmens ... herauszunehmen wagt, muß jeden guten Deutschen
erfassen, der sich die Mühe nimmt, die Entwicklung des Falles Erika
Mann zu verfolgen. Ein typischerer (sie) Fall zum Nachweis der Berechtigung
eines Kampfbundes für deutsche Kultur" gibt es wohl
kaum. Das, was die jüdische Gegenseite seit langem oftmals rücksichtslos
übt, nämlich bewußt deutsche Künstler und Dichter
niederzuhalten oder gar auszuschalten, wird als größtes Verbrechen
an Recht und Sitte hingestellt, wenn der umgekehrte Fall einmal eintritt,
nur mit dem Unterschied, dass man es nicht so gerissen gemacht hat.
... Daß z- B. bisher die Rundfunkleitungen stark ver-judet waren,
das geht in Ordnung. Und wenn man einmal ein vermeintlich hilfloses
Opfer hat, wie den Verkehrsverein, der unverschuldet in diese Zwangslage
kam, dann glaubt man dieses Opfer nach Belieben ... drangsalieren zu
können. In solchen Fällen mit allen Mitteln helfend einzugreifen,
ist wahrlich Pflicht und Schuldigkeit unseres Kampfbundes für deutsche
Kultur. (65)
Wie sehr sich Fitz die Methoden seiner nationalsozialistischen Mitstreiter
zu eigen gemacht hatte, zeigt sich in einer gegenüber Dr. Stang
vom Dramaturgischen Büro" geäußerten Beschwerde.
Nachdem es dem Kampfbund offensichtlich nicht gelungen war, eine Aussage
von Julius Riedmüller, dem Obmann der Genossenschaft deutscher
Bühnenangehöriger" zu beeinflussen, der in einer gutachterlichen
Stellungnahme den Standpunkt und die Ansprüche Erika Manns vor
dem Arbeitsgericht Ingolstadt bestätigt hatte, beklagte sich der
Bürgermeister: Ist denn von ihrer Seite in der schon seit
Wochen von mir angeregten Weise, nämlich durch ein oder das andere
Genossenschaftsmitglied, das auch dem Kampfbunde angehört, oder
in sonst geeigneter Weise auf den Bezirksobmann (Riedmüller) einzuwirken,
noch gar nichts geschehen, oder hat der Kampfbund in Künstlerkreisen
noch so wenig Einfluss, daß es der Bezirksobmann R. für richtig
halten kann, sich restlos den Judenanwälten zu verschreiben, anstatt
in anständiger Weise eine sachliche Vermittlung zu erstreben."
(67)
Gegenüber Erika Mann äußerte sich eben dieser Julius
Riedmüller, der durch die Parteimitglieder in der Schauspielergenossenschaft
zu Gunsten des Bergwaldtheaters beeinflusst werden sollte: Armes
Ding'" sagte er [Riedmüller], was für ein Schlamassel!
Was für ein bedauerlicher Schlamassel!' Schlamassel wunderte ich
[d. i. E. Mann] mich, für mich sieht das ziemlich klar aus. Ich
werde sie nicht mal verklagen müssen, wenn mich die Genossenschaft
unterstützt. Wenn,' bemerkte er das bezweifle ich.
Wir haben eine Menge Mitglieder der NSDAP in unseren eigenen Reihen.
Außerdem würde unsere Einmischung sowieso nicht viel helfen.
Siehst du nicht, daß das kommen wird diese Nazigeschichte,
meine ich! Wer sind wir denn, daß wir es aufhalten wollten? Wenn
ich du wäre, würde ich diese eine bittere Pille schlucken
und von jetzt an für immer friedlich sein. Du bist doch Schauspielerin,
oder? Solange du dich nicht in die Politik einmischst, hast du nichts
zu befürchten. Verklage sie lieber nicht, hörst du ?
(69)
Der weitere Prozessverlauf 1932/1933
Nach dem Teilassurteil des Arbeitsgerichtes Ingolstadt im November
1932, der die Pfändung der Bühnengarderobe zur Folge hatte,
bezogen sich die nachfolgenden Verhandlungen im Vorfeld des geplanten
abschließenden Prozesses auf die Zahlung der Entschädigungssumme
von zwei Monatsgagen, entsprechend 600 Reichsmark wegen Nichtbeschäftigung,
deren Berechtigung vom Verkehrsverein wegen der zeitgleichen Beschäftigung
Erika Manns am Staatstheater im Nachhinein bestritten worden war. Nach
immer neuen Anträgen der Weißenburger Seite und Anhörungen
vor dem Arbeitsgericht drängte der Münchener Gerichtsassessor
Dr. F. Prager am 15. Februar 1933 in einem Schreiben an das Arbeitsgericht
Ingolstadt auf baldigste Ansetzung des Schlußverhandlungstermins.
In einer fünfzehnseitigen Beweiswürdigung fasst er die für
Weißenburg erdrückende Sachlage detailliert zusammen. Neben
den aus seiner Sicht eindeutigen Fakten entkräftet er vor allem
die vom Verkehrsverein angeführte arglistige Täuschung'1
beim Aushandeln des Vergleiches. Die schriftlich vorgetragene, vorbehaltlose
Bitte um Stundung der gesamten ausgehandelten Summe von 1260.- RM vom
2. September 1932 stellte im juristischen Sinne ein rechtsgeschäftliches
Anerkenntnis dar, zumal zu diesem Zeitpunkt, wie Intendant Schmid ebenfalls
schriftlich zugegeben hatte, Manns Beschäftigung am Staatstheater
durchaus bekannt gewesen war. Zum gleichen Zeitpunkt hatten die Weißenburger
sogar eingeräumt, mit einem deutlich höheren Schadensersatzanspruch
von bis zu 2000.- RM gerechnet zu haben.
Neben der zusammenfassenden Darstellung der Fakten widmet sich Prager
ausführlich dem bisherigen Verhalten der beklagten Weißenburger,
insbesondere dem ihres rechtskundigen Bürgermeisters. Vor allem
der Umgang mit den Anwälten Erika Manns, die offenbar um jeden
Preis verleumdet werden sollen, stößt aufheftige Kritik.
Der Vertreter der beklagten Partei [d.i. des Verkehrsvereins])
habe bei den Vergleichsverhandlungen sogar erklärt, die Anwälte
der Klägerin absichtlich beleidigen zu wollen. Nach Meinung des
Rechtsassessors sei dieses sittenwidrige und verleumderische Vorgehen
nach Abschluss des Verfahrens durch die zuständige Stelle weiter
zu prüfen."
Ein zweiter Kritikpunkt richtet sich gegen die agitatorische Berichterstattung:
Schon vor Beginn dieses Verfahrens habe der Verkehrsverein die
Klägerin durch erpressungsähnliche Drohungen mit Öffentlichkeit,
Presse usw. von der Verfolgung ihrer Rechtsansprüche abzuhalten
versucht." Die eindeutige Boykottabsicht der großzügig
verschickten, seitenlangen Erklärungen über die Sache
werde daraus ersichtlich, dass sie auch an solche Stellen weitergeleitet
wurden, die zwar bisher nicht über die Vorgänge berichtet
hatten, wohl aber die Klägerin beschäftigten, so zum
Beispiel der Bayerische Rundfunk. Auch hiewegen wird das Erforderliche
außerhalb dieses Verfahrens zu veranlassen sein." Eine widerspruchlose
Duldung dieser Leute, die bei der Führung von Prozessen derartig
terroristische Methoden durch die Art ihrer Zusendung an Zeitungsredakteure
begünstigen und die vorher bereits mit diesem Mittel vergeblich
zu Einschüchterungszwecken gedroht haben, könne keinesfalls
hingenommen werden."
Im Grunde genommen hätte Erika Mann sogar bessere Gründe den
ausgehandelten Vergleich in Frage zu stellen, denn die Tatsache,
daß es dem Kampfbund" und den Nationalsozialisten"
gelungen war, einen Arbeitgeber hinsichtlich eines abgeschlossenen Vertrages
so einzuschüchtern, daß er nicht mehr zur dessen Erfüllung
... bereit war, war eine vollständig neue Situation, deren Auswirkungen,
wie sich später herausgestellt hat, wirtschaftlich für die
Klägerin außerordentlich schwer wiegen. Die Klägerin
würde heute daher nicht entfernt daran denken, einen solchen Vergleich
noch abzuschließen, sondern ... die Feststellung von dem Gericht
verlangen, daß die beklagte Partei ihr auch jeden künftigen
... Schaden zu ersetzen hat."
An die Adresse des Bürgermeisters gehen die abschließenden,
deutlichen Worte:
Das Gericht wird jedoch die beklagte Partei belehren müssen,
daß das deutsche Recht in der Tat so widerlich ist, daß
es denjenigen, der ein Anerkenntnis gibt auch beim Wort nimmt. Um das
zu wissen, braucht man, wie Fitz es ausgedrückt hatte, nicht allein
die Rechtskunde gepachtet zu haben. Es handelt sich vielmehr um so elementare
Begriffe, daß es schwer verständlich ist, wie sie von irgend
einem Juristen in Zweifel gestellt werden können. ... Daß
nämlich ein vorbehaltloses Stundungsgesuch ein Anerkenntnis darstellt,
wird nicht nur in widerlicher Wortklauberei" von den Vertretern
der Klägerin, sondern in der Literatur", wie anhand zitierter
Abschnitte des BGB gezeigt wird, allgemein angenommen." Mit
der Bitte im Interesse einer zügigen Bearbeitung auch im Falle
gegnerischer Erwiderungen nicht mit einer Terminbestimmung zuwarten
zu wollen, endet das Schreiben. (70)
Das Schicksal der Prozessbeteiligten
Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten am 30. Januar
1933 erfolgte die konsequente Gleichschaltung der deutschen Länder,
der Justiz, der Presse, der Künste und der Wissenschaft. Die Verfolgung
von Straftatbeständen, die wie im Falle Erika Mann gegen den Verkehrsverein
Weißenburg aus der Kritik an den Methoden der neuen Machthaber
entstanden waren, lagen natürlich nicht im Interesse des Systems.
Eine abschließende Verhandlung der Angelegenheit fand somit nie
statt. Der Verkehrsverein Weißenburg und sein Bergwaldtheater
profitierten von einer Entwicklung, die in der Sonntag-Morgen-Post"
vom 12. Februar 1933 treffend beschrieben worden war: Auch hier
[in Hinsicht auf die große Schauspielerin Erika Mann"]
wird der kommende nationalsozialistische Einfluß manches zur Reinigung
beizutragen haben." (64)
Eine Betrachtung der Biographie Thomas Manns in den nachfolgenden Jahren
unterstreicht die überregionale Bedeutung der dargestellten politischen
Sensibilisierung Erika Manns, die entscheidend durch die Skandale um
den Pazifistenkongress und dem daraus entstandenen Vertragsbruch des
Weißenburger Verkehrsvereins ausgelöst wurde: Während
Thomas Mann, wie oben gezeigt, früh vor der Politik der Nationalsozialisten
gewarnt hatte, wagte er in der ersten Phase nach der Machtergreifung
kaum noch öffentliche Kritik an den neuen Machthabern (Tagebucheintrag
vom 15. März 1933: ,,... Wozu in diesem Augenblick diese Tiere
reizen?"). Wesentlichen Einfluss übte hierbei sein Verleger
Gottfried Bermann-Fischer aus, der befürchtete, eine offene Konfrontation
Thomas Manns mit den Nationalsozialisten könnte das Erscheinen
des für den Herbst des Jahres 1933 in Aussicht gestellten ersten
Teils der Roman-Tetralogie Joseph und seine Brüder"
gefährden und somit den wirtschaftlichen Interessen des Verlages
schaden. Durch ein Publikationsverbot wäre ihm zudem der letzte
Rest an Präsenz und Einflussnahme in Deutschland genommen worden.
Zu einem vollständigen Bruch, der in letzter Konsequenz dauerhaft
im Exil zu enden drohte, konnte sich Th. Mann noch nicht entschließen.
Dass eine Abkehr vom Deutschen Reich aber die einzige Möglichkeit
war, rücksichtsloser Verfolgung oder gar Inhaftierung sicher zu
entgehen, hatten Schicksale wie das des Publizisten und Regimekritikers
C. v. Ossietzky bereits deutlich gezeigt.
Mit der Rücksichtnahme auf die Interessen des S. Fischer Verlags
hatte Thomas Mann aus Sicht seiner Tochter moralische Ansprüche
wirtschaftlichen Interessen untergeordnet und es darüber hinaus
trotz ihrer Aufforderungen versäumt, sich offen für seine
bereits im Exil lebenden Schriftstellerkollegen einzusetzen - für
Erika ein unverzeihliches Fehlverhalten. Daher sah Erika Mann es als
ihre Aufgabe an, die Einstellung des Vaters in ihrem Sinne zu beeinflussen.
Tatsächlich war sie zu dieser Zeit das einzige Familienmitglied,
das eindeutige Kritik an der politischen Haltung des Vaters wagte. Ihrer
selbst gestellten Mission gab sie mit der wenig schmeichelhaften Einschätzung
in einem Brief an ihren Bruder Klaus Ausdruck: uns ist bei unserer
Jugend eine große Verantwortung aufgeladen in Gestalt unseres
unmündigen Vaters, (71)
Nach einer telefonischen Warnung Erikas und ihrer Geschwister Klaus
und Golo am 12. März kehrte Thomas Mann von einer europaweiten
Lesereise nicht mehr nach München zurück und lebte die erste
Zeit nach der nationalsozialistischen Machtergreifung in der Schweiz.
Dass ihm diese Entscheidung eventuell sogar das Leben rettete, zeigte
sich, als Pläne des damaligen Leiters der politischen Abteilung
der Polizeidirektion München Reinhard Heydrich bekannt wurden.
Nach diesen Plänen war vorgesehen, Thomas Mann in Schutzhaft zu
nehmen und nach Dachau zu deportieren, sobald er deutschen Boden betrete.
(72)
Nach weiteren zwei Jahren des Zögerns im Exil drohte Thomas Mann
sogar ein Zerwürfnis mit seiner kompromisslosen Tochter, die den
Vater vor die Alternative gestellt hatte, sich endlich in aller Öffentlichkeit
gegen die NS-Diktatur auszusprechen und sich für ihre Opfer einzusetzen,
oder die Zuneigung der Kinder zu verlieren. Im Februar 1936 konnte Erika,
durch ihre intensive Auseinandersetzung mit den im Rahmen der Bergwaldtheater-Affäre
am eigenen Leib erfahrenen Methoden der Nationalsozialisten zur unerbittlichen
Gegnerin der neuen Machthaber geworden, ihren Vater maßgeblich
mit beeinflussen, klar Stellung gegen die politischen Verhältnisse
in Deutschland zu beziehen und sich zur faktisch bereits vollzogenen
Emigration öffentlich zu bekennen. Der offiziellen Aberkennung
der deutsche Staatsanghörigkeit durch das nationalsozialistische
Regime am 2.12.1936 kam Th. Mann zuvor, da er bereits am 18. August
des Jahres pro forma tschechischer Staatsbürger geworden war. 1938
emigrierte er schließlich in die USA, wo er bis zur Rückübersiedlung
in die Schweiz 1952 lebte.
Erika Mann selbst verließ Anfang April 1933 ihre Heimatstadt München
und begab sich ebenfalls ins Exil in die Schweiz. Am 15. Juni 1935 wurde
ihr die deutsche Staatsangehörigkeit aberkannt. In der Folge arbeitete
sie als enge Mitarbeiterin ihres Vaters, sowie nach .Eheschließung
mit dem englischen Lyriker W. H. Auden unter britischer Staatsbürgerschaft
als Korrespondentin und Kriegsberichterstatterin für die BBC. Sie
starb am 27. August 1969 in Zürich im Alter von 64 Jahren.
Der erste Bürgermeister Dr. Fitz wurde am 5. April 1933 aus seinem
Amt vertrieben, da er sich nach Meinung der örtlichen Leitung der
NSDAP nicht frühzeitig und nachhaltig genug zum neuen Geist"
bekannt hatte. Am 15. November 1933 wurde er in den Ruhestand versetzt.
1938 wurde Dr. Fitz offiziell Mitglied der NSDAP. (73)
Intendant Egon Schmid blieb in seinem Amt und inszenierte bis ins Jahr
1939 große nationale Festspiele" (74) im Bergwaldtheater,
ganz im Sinne der Ziele des Kampfbundes und der neuen Machthaber.
Der Kampfbund für deutsche Kultur wurde nach der Machtergreifung
1933 offiziell NS-Kulturorganisation (vgl. Anm. 21). Nach dem Zusammenschluss
mit der Organisation Deutsche Bühne zur Nationalsozialistischen
Kulturgemeinde" machten eine Vielzahl von Mitarbeitern des Kampfbundes
(wie Dr. W. Stang, H. Hagemeyer und H. Johst) Karriere im Amt
Rosenberg." Zusammen kämpften sie weiter gegen jüdisch-liberales
und marxistisch-kommunistisches Gedankengut." Die Folge war ein
Massenexodus der geistigen Elite, von dem sich Deutschland lange nicht
erholen sollte.
Anmerkungen:
1 P. de MENDELSSOHN (Hg.): Thomas Mann, Tagebücher
1933-1934, S. Fischer, Frankfurt a. Main, 1977, S. 349.
Hinweise für neue Aktivitäten des Verkehrsvereins gegen E.
Mann im Jahr 1934 ergeben sich aus den vorliegenden Unterlagen des Weißenburger
Stadtarchivs nicht, so dass man wohl davon ausgehen darf, dass sich
Th. Mann auf ein Schreiben aus den Jahren 1932/33 bezieht.
Thomas Mann (geb. 06.06.1875 Lübeck, gest. l2.08.1955 Kilchberg
bei Zürich) gilt als der bedeutendste deutsche Erzähler des
20. Jahrhunderts. Für die Buddenbrooks" erhielt er 1929
den Nobelpreis für Literatur.
2 Weißenburg in Bayern, hrsg. im Auftrage und unter Mitwirkung
des Stadtrates Weißenburg i. B. vorn deutschen Städteverlag
Artur Seelemeyer, Hannover-Augsburg-Kötzschenbroda, Augsburg 1929.
S. 1.
Anlass der Feiern war die (Rück-)Übernahme des Reichsgutes
Weißenburg vom Schwabenherzog Ernst II. in den kaiserlichen Reichsbesitz
unter Kaiser Konrad II. (unter Bezug auf die in den Jahren zwischen
1070 und 1080 gefertigte Urkunde mit Datum 1029 Mai 20). Vgl. Darstellung
in: G. LEIDEL: Geschichte der Benediktinerabtei Würzburg, Mittelfränk.
Studien 4, Ansbach, 1983, S. 20 f.
3 vgl. Th. WÄGEMANN: Dr. Hermann Fitz - Weißenburger Bürgermeister
von1927 bis 1933, 2001, in: Weißenburger Blätter/villa nostra
3/2001, S. 5 ff.
4 Zum Voranschlag 1932 des Bergwaldtheaters, Bgm. Dr. H. Fitz (HF) vom30.03.1932,
StadtA Weißenburg, Verkehrsverein (in der Folge VV) 42.
5 Protokoll der 1. außerordentlichen Sitzung des Stadtrats vom
2l. Januar 1932 zum Antrag des Stadtratsmitglieds Schmoll vom 5. Januar
1932. StadtAWeißenburg, Stadtrat 1932, B 26/291.
6 Hermann Esser, geb. 29.07.1900 in Röhrmoos, gest. 07.02.1981
in Holzkirchen b. München. Schloss sich 1919 Drexlers rechtsextremer
Deutscher Arbeiterpartei an, lernte in diesem Umfeld A. Hitler kennen
und wurde einer seiner engsten Vertrauten. 1920 Redakteur des Völkischen
Beobachter", ab 1923 erster Schriftleiter. 1925 Reichspropagandaleiter
der wiedergegründeten NSDAP. 1926 ließ Hitler Esser nach
einem Streit mit J. Streicher (vgl. Anm.35) fallen und machte ihn zum
Hauptschriftleiter der eher unbedeutenden Partei-Zeitschrift Illustrierter
Beobachter". 1932 Fraktionsvorsitzender im Münchner Stadtrat,
1933 Mitglied des Landtags, Bayerischer Wirtschaftsminister im Kabinett
v. Epp, zugleich Chef der Staatskanzlei und Präsident des Bayer.
Landtags. 1933 Reichstagsabgeordneter, 1935 wurde Esser wegen verschiedener
Skandale (Alkoholmissbrauch, Erpressung, sexuelle Ausschweifungen) ins
Reichspropagandaministerium abgeschoben, wo er ab1936 Präsident
des Reichsfremdenverkehrsverbandes war und 1939 Staatssekretär
für Fremdenverkehr in Goebbels' Reichsministerium für
Volksaufklärung und Propaganda wurde. Ab 12.12.1939 Vizepräsident
des Reichstags. Ihn und seine Clique von AKs" (alten Kämpfern)
meinte Gregor Strasser, als er die Münchner NSDAP- Ortsgruppe als
Münchner Sau- und Luderwinschaft" bezeichnete (nach
SMELSER/ZITELMANN, Die braune Elite, Darmstadt 1989, S. 276, und R.
W1STRICH, Wer war wer im Dritten Reich, München, 1983).
7 HF an Stadtrat H. Esser, München, vom 26.01.1932, (VV 42).
8 Protokoll der 6. ordentlichen Sitzung des Stadtrats (Stadtarchiv Weißenburg,
Stadtrat 1932, B 26/291); die Vertrauensfrage wurde unbedingt bejaht
vonden Mitgliedern der sozialdemokratischen Fraktion, der Fraktion der
Arbeitsgemeinschaft der bürgerlichen Linken, dem fraktionslosen
Mitglied der Kommunistischen Partei sowie einem Mitglied der Nationalen
Bürgerpartei. Die restliche Fraktion der Nationalen Bürgerpartei
stimmte unter dem am 12. April 1932 formulierten Vorbehalt zu: Die
Fraktion ist bereit ... mit Herrn Bürgermeister zusammenzuarbeiten,
muß aber anmerken, daß sie für weitere Belastungen
der Stadt durch weiter ansteigende Defizite des Bergwaldtheaters nicht
eintreten kann, es sei denn, daß höhere Gewalten die Ursache
für Einnahmeausfälle sind; gleichfalls muß sie es ablehnen,
in irgendwelchen Fragen für die Zukunft sich moralische Bindungen
aufzuerlegen, oder aber in Beratung und Beschluß unfrei zu sein."
9 Weißenburger Tagblatt" Nr. 89 vom 16. April 1932.
10 Egon Schmid, geb. 30.11.1897 in Gammertingen, gest. 19.9.1955 in
Reutlingen, von
1931-1939 Intendant und künstlerischer Leiter der Weißenburger
Festspieleim Bergwaldtheater, zeitgleich Intendant in Rudolstadt und
Wunsiedel, vgl.biografische Angaben in: Th. WÄGEMANN (wie 3) Anm.
29.
11 Das Bergwaldtheater zu Weißenburg in Bayern, o. Dat. (wohl
Informationsmaterial zur erweiterten Ausschuss-Sitzung des Verkehrsvereins
vom 2. April 1932 im Nebenzimmer des Hotel Rose), VV 42.
12 Fränkischer Kurier" Nr. 110 vom 21.04.1932, VV 4.
13 Intendant E. Schmid (ES) an E. Mann (EM) vom 22.04.1932, VV 4.
Nach den Querelen um das Engagement EMs wurde die von ihr bearbeitete
Oper letztendlich nicht aufgeführt. An Stelle von Apollo
und Hyazinth" (KV 38) wurde zur Tagung der Leiter deutscher Freilichtbühnen,
die vom 13.-15. August stattfand, die ebenfalls weitgehend unbekannte
Mozartoper Der Schauspieldirektor" (KV 486) angesetzt.
14 EM an ES vom 27.04.1932, VV 4.
15 Verhandlungen wurden unter anderem auch mit dem damals bereits bekannten
und beliebten Volksschauspieler Beppo Brem geführt, der auch als
Inspizient engagiert werden sollte. Warum der am 26.05.1932 unterschriebene
Vertrag nicht erfüllt wurde ist nicht bekannt.
16 ES an EM vom 28.04.1932, VV 4.
17 EM an ES vom 02.05.1932, VV 4.
18 EM an Thomas Mann vom 28.05.1932, in: Irmela v. d. LÜHE und
U. NAUMANN (Hg.): Erika Mann. Mein Vater der Zauberer, Reinbek b. Hamburg,
1998, S. 78. ,Zauberer" war die teils ironische, teils Bewunderung
ausdrückende Bezeichnung der Geschwister Mann für ihren Vater,
entstanden angeblich nach einem Fest bei Ch. Hatvany, bei dem Th. Mann
als Kostüm" seinen Ehrendoktor-Talar trug.
19 Pressemitteilung von HF an das Feuilleton der Münchner
Neuesten Nachrichten" vom 17.05.1932, VV 4.
20 Dr. phil. Hans Walther Wilhelm Stang, geb. 14.04.1895 in Waldsassen/Opf.,
gest. 14.04.1945 auf der Flucht aus Berlin bei Weidenbach, ehem. Mitglied
des Freikorps Oberland", Teilnehmer am Putschversuch von
1923. Als Herausgeber völkischer Periodika NS-Kulturaktivist der
ersten Stunde. Nach der Betätigung als Dramaturg bei der Theatergemeinde
München hauptamtl. Mitarbeiter in der neu gegründeten Reichsleitung
des KfdK, dort als Leiter des dramaturgischen Büros für Theaterfragen
zuständig. Sein Hauptziel war die Erneuerung des deutschen
Theaters aus deutscher Art und deutschem Fühlen und eine Befreiung
aus der fast 100%-igen Abhängigkeit ... von einem jüdisch-marxistischen
und liberalistischen Geist". Ab 1934 Leiter der NS- Kulturgemeinde"
(vgl. Anm. 21), in der Abteilung Kunstpflege" des Amtes
Rosenberg" und Leiter des Instituts für Kunstwissenschaft"
an der Universität Bonn (Zitate nach: J. GIMMEL, Die politische
Organisation kulturellen Ressentiments. Der Kampfbund für
deutsche Kultur" und das bildungs-bürgerliche Unbehagen an
der Moderne, Lit.-Verlag Münster, 1999, S. 59).
21 Kampfbund für Deutsche Kultur" (KfdK), am 19.12.1928
vom Chefideologen" Adolf Hitlers, Alfred Rosenberg, in München
mit dem Ziel gegründet, gegen die kulturzersetzenden Bestrebungen
des Liberalismus und gegen den jüdischen Einfluss auf das kulturelle
Leben in Deutschland anzukämpfen. Nachdem der NSDAP in der Frühphase
das Image einer putschistischen Radau- und Krawallpartei anhaftete,
vermied es Rosenberg, den KfdK als offizielle Vorfeldorganisation der
NSDAP auftreten zu lassen und wählte als Rechtsform die des eingetragenen
Vereins, um parteipolitische Ungebundenheit vorzuspiegeln. Von wenigen
Ausnahmen abgesehen, engagierten sich im KdfK aber von Anfang an fast
ausschließlich Parteimitglieder. Im Mai 1933 wurde der KfdK als
offizielle Kulturorganisation der NSDAP anerkannt. Reichsorganisationsleiter
mit Sitz im Berliner Stadtschloss war Hans Hinkel. 1934 wurde der KfdK
mit dem Reichsverband Dt. Bühne" zur NS-Kulturgemeinde"
zusammengeschlossen. Offizielles Reichsorgan des KfdK war die von H.
Hinkel verantwortlich herausgegebene Deutsche Kultur-Wacht"
(vgl. Anm. 62), monatlich erscheinende Blätter des KfdK, deren
Erscheinen Ende 1933 eingestellt wurde (vgl. die ausführliche Dokumentation
über den KfdK von J. G1MMEL in: 20).
22 Dr. Stang, dramat. Büro des KfdK München an HF vom 20.05.1932,
W 77.
23 Geplant waren Auftritte in der Rolle der Thekla, der Geliebten des
Piccolomini, im Wallenstein" sowie die Hosenrollen"
des Elfenkönigs Oberon im Sommernachtstraum" und Liebetraut,
dem Vertrauten des Bischofs von Bamberg im Götz von Berlichingen".
24 Hanns Johst, geb. 8.07.1890 in Seerhausen bei Riesa, gest. 23.11.1978
in Ruhpolding, begann im Ersten Weltkrieg expressionistische Lyrik und
Dramen zu schreiben, bekannte sich ab den Zwanziger Jahren zur völkischen
Sendung der Dichtkunst und zur nat.-soz. Weltanschauung. Ab 1929/1930
starkes Engagement in der völkisch-nationalen Kulturszene; im Rahmen
seiner Betätigung im KfdK Reichsführer der Fachgruppe Schrifttum.
Ab 1933 erster Dramaturg u. künstlerischer Leiter des Preuß.
Staatstheaters in Berlin. Ab Juni 1933 zusätzlich erster Vorsitzender
der Deutschen Akademie der Dichtung", 1934 Leiter der Reichschrifttumskammer",
preuß. Staatsrat u. SS-Brigadeführer. 1933 übernahm
J. zus. mit Kulturminister Hans Schemm das Protektorat der Bergwaldtheaterspiele.
Wahrend Johst in den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg mehrfach Gast
im Hause Mann war und von Erikas Mutter Katja als sehr netter, temperamentvoll
und warmherzig wirkender Mensch, mit durchaus passender Einstellung
zum Vater charakterisiert wurde, machte J. kurz nach der Machtergreifung
dem Reichsführer SS H. Himmler den Vorschlag, TM für seinen
Sohn Klaus, den Herausgeber der Exilzeitung Die Sammlung",
in Geiselhaft zu nehmen (Seine" [TMs] geistige Produktion
würde ja durch eine Herbstfrische in Dachau nicht leiden.
H. Johst an H. Himmler). In Weißenburg wurde im Juli 1932 Der
Herr Monsieur", Johsts deutsche Adaption des Jean de France"
von Ludwig Holberg aufgeführt (Ein Stück, in dem mit
geistreichem Spott ... die Schwäche des Deutschen für alles,
was vom Ausland kommt, gegeißelt wird"). Von Johst stammt
auch der Bericht Eine Stadt spielt Theater, Bergwaldbühne
zu Weißenburg", der in der Deutschen Allgemeinen Zeitung"
vom 8. Juli 1932 erschien (W 75). Neben einer schwärmerischen Darstellung
des neuen nationalen Theaters enthält der Artikel die amüsante
Beschreibung eines Festspielwochenendes in Weißenburg. Darstellung
der Beziehung Mann-Johst; nach I. u. W. JENS: Frau Thomas Mann, Rowohlt
Verlag Reinhek b. Hamburg, 2003, S. 142 und Tagebücher 1933-1934,
wie Anm.l, S. 699.
25 ES an Dr. Stang KfdK, München vom 24.05.1932, W 77.
26 Dr. Meyer, Nachrichtenamt des KfdK, Büro H. Hagemeyer, Nürnberg,
an HF vom 13.06.1932, W 77.
27 HF an Landtagsabg. Esser, München vom 26.05.1932, W 77.
28 I Of All People" (dt. Übersetzung von E.-G. Richter:
Ausgerechnet ich"), Entstanden 1943; in: I. v. d. LÜHE
u. U. NAUMANN (Hg.): Blitze überm Ozean, Aufsätze, Reden,
Reportagen, Reinbek b. Hamburg, 2000, S. 36
29 Erika und Klaus MANN: Escape to life, Deutsche Kultur im Exil, Rowohlt
Taschenbuch Verlag, Reinbek bei Hamburg, 1996, S. 16.
30 wie Anm 28, S. 42 f.
31 Die Veranstaltung war offiziell als Große öffentliche
Frauenversammlung" angekündigt und stellte eine Gemeinschafisinitiative
der Internationalen Frauenliga für Frieden und Freiheit, des Frauenweltlbundes
für internationale Eintracht und des Weltfriedensbundes der Mütter
und Erzieherinnen dar. Hauptrednerin war die französische Schriftstellerin
und Friedensaktivistin Marcelle Capy. Der von Erika Mann verlesene Artikel
mit dem Titel Letzter Ruf!" stammte aus der Deutschen
Zukunft", dem Pflichtorgan in der Norddeutschen Arbeitsgemeinschaft
der Friedensgesellschaft" vom 15. De zember 1931 (8. Jg., Nr. 24).
Eine detaillierte Darstellung der Ereignisse um den Pazifistinnenkongress
findet sich in: H. HÄNTZSCHEL, Pazifistische Friedenshyänen?
Die Friedensbewegung der Münchner Frauen, in: Jahrbuch der Deutschen
Schillergesellschaft 36, 1992 (36), S. 307-332 , sowie I. V. D. LÜHE:
Erika Mann. Eine Biographie, Frankfurt am Main 1993, S.63 IT.
32 wie 28, S. 36.
33 Das Kündigungsschreiben ist, genauso wenig wie die meisten unmittelbar
mit den nun folgenden juristischen und gerichtlichen Auseinandersetzungen
in Zusammenhang stehenden Schreiben, im Original erhalten. Die entsprechenden
Unterlagen fehlen im Stadtarchiv Weißenburg, im Staatsarchiv Nürnberg
bzw. München als offizieller Archivierungsstelle für die Gerichtsakten,
sowie im biografischen Nachlass Erika Manns in der Handschriftensammlung
des Stadtarchivs München. Anhand der vorliegenden Schrift stücke
der Folgezeit, lässt sich der Ablauf aber zeitlich genau rekonstruieren.
34 wie 27. Mit seinem Vorhaben, bestes nationales Kulturgut in parteiferne
Kreise zu tragen, selbst aber offiziell parteiunabhängig zu sein,
erfüllte der Bürgermeister bewusst oder unbewusst eines der
Hauptziele des Kampfbundes. Mit dem geplanten Eindringen in die Netzwerke
von Verbänden und Vereinen, wie dem Weißenburger Heimatverein,
gelang es dem Kampfbund immer wieder ohne eigenen personellen Aufwand
und ohne den für viele Menschen nach wie vor abschreckend wirkenden
Parteinamen nennen zu müssen, öffentlichkeitswirksam nationalsozialistische
Anliegen zu verbreiten.
35 Julius Streicher, geb. 12.02.1885 in Fleinhausen, gest. l6.10.1946
(in Nürnberg hingerichtet), Gründer und verantwortlicher Herausgeber
des antisemitischen Hetzblatts Der Stürmer". 1921 Eintritt
in die NSDAP und Gründer der Ortsgruppe Nürnberg. 1925-1940
Gauleiter Franken der NSDAP, 1929-1933 Mitglied des Bayerischen Landtags,
ab 1933 Mitglied des Reichstags. 1933 Ernennung zum Leiter des Zentralkomitees
zur Abwehr der jüdischen Greuel- und Boykotthetze". 1936-1939
Schirmherr des Bergwaldtheaters. Nach seinen Worten bedeutete eine Aufführung
im Bergwaldtheater Gottesdienst" (nach G. STANKA: Entwicklung
einer Naturbühne. 50 Jahre Bergwaldtheater. Weißenburg, 1979,
S. 75).
36 HF an den KfdK Nürnberg vom 15.06.1932, W 77.
37 Nach den vorliegenden Unterlagen wurde die erste Klage Anfang Juli
1932 beim Arbeitsgericht Eichstätt eingereicht, nach dem Zahlungsangebot
des Verkehrsvereins auf Antrag von E. Mann aber wieder zurückgezogen.
Warum der Gerichtsort für die zwei nachfolgenden Prozesse nach
Ingolstadt, somit also nach Oberbayern verlegt wurde, ist nicht rekonstruierbar.
38 Leonhard Vogel geb. 13.10.1876 in Langenzenn, gest. 21.06.1943 in
Weißenburg, Verwaltungsbeamter, von 1928-1933 dritter Bürgermeister
und Vorsitzender der SPD-Stadtratsfraktion, stellvertretender Vorsitzender
des Verkehrsvereins und enger Vertrauter von Bürgermeister Fitz,
der die Bemühungen um die Förderung des Fremdenverkehrs stark
unterstützte, vgl. Anm. 39, in: TH. WÄGEMANN, wie 3).
39 ES an Dr. Stolze, Sanatorium Hausstein, vom 7. Juli 1932, W 77.
40 Rechnungsbelege Verkehrsverein 1932 No. 43, handschriftliche Zahlungsanweisung
HF vom 4. 07. 32: Herr Schleifer ist beauftragt, in München
mit Frau Mann zu verhandeln u. erhält das Fahrgeld mit Mk 12.-
bezahl!" (VV 38).
41 Franz Xaver Ritter von Epp geb. 16.10.1868 in München, gest.
31.12.1946 ebd. Seit 1928 NSDAP-Mitglied und Mitglied des Reichstags.
Am 9. 03.1933 Ernennung zum Reichskommissar in Bayern, am 10.04.1933
zum Reichsstatthalter des Führers in Bayern, ab 3. 08.1933 Reichsleiter
der NSDAP. In der Endphase des Dritten Reichs zählte er zu den
parteiinternen Kritikern Hitlers, konnte sich aber nicht überwinden,
sich an die Spitze kapitulationsbereiter Truppeneinheiten zu setzen.
42 ...das Bergwaldtheater [war] zur Sondervorstellung der NSDAP
dicht gefüllt: an prominenten Persönlichkeiten waren eingetroffen
General Ritter v. Epp und Hermann Esser. Der Führer der Bewegung,
Adolf Hitler, war wohl infolge der Neugestaltung der politischen Verhältnisse
unabkömmlich." (Weißenburger Tagblatt" Nr.
190 vom 15. August 1932).
43 Ein weiterer Hinweis, dass die Bezahlung zunächst nicht, wie
von E.M. vermutet, aus ideologischen Gründen, sondern tatsächlich
aus Geldmangel aus gesetzt wurde, findet sich beim Blick in den vorläufigen
Rechnungsabschluss des Bergwaldtheaters: Noch am 10. November 1932 werden
die ausstehenden Zahlungen offiziell in den Büchern geführt
(660.- RM für die Gage unter ordentliche Ausgaben, 600.- RM für
die Schadenersatzzahlung unter außerordentliche Ausgaben). Protokoll
der 17. außerordentlichen Sitzung des Stadirats, Bericht des Sladtkämmerers
Schuster vom 10.11.1932. Stadtarchiv Weißenburg, wie Anm. 4.
44 Im Original nicht erhaltene Aussage des Verkehrsvereins: [es] muß
bedacht werden, daß zugestandenermaßen auf das Treiben des
Kampfbundes für deutsche Kultur" und wie sich aus den
Briefen des Intendanten Egon Schmidt [sic] ergibt, auch der Nationalsozialisten,
ein Zurückweichen vor diesen Organisationen stattgefunden hat,
das in den gegnerischen Briefen und Schriftsätzen von der Gegenpartei
selbst als eine Konzession an die Ängstlichkeit weiter Bürgerkreise
erklärt worden ist." Zitiert nach: Assessor Dr. Franz Prager
an das Arbeitsgericht Ingolstadt - Angestelltenkammer - vom 15. 2.1933,
S. 7f, Nachlass Erika und Klaus Mann, Stadtbibliothek München,
Handschriftenabteilung, Biographische Dokumente XI.
45 Dr. jur. Philipp Loewenfeld, geb. 1887 in München gest. 1963
in New York, als Vertrauter des später ermordeten Ministerpräsidenten
Kurt Eisner Mitarbeiter am Staatsgrundgesetz der Republik Bayern, 1919
Delegierter der USPD im Rätekongress, danach Stellvertreter des
Staatskommissars Ewinger. Ab Mitte der Zwanziger Jahre als Strafverteidiger
und Anwalt in München Vertretung erstes Opfer der sittenwidrigen
Hetzkampagnen nationalsozialistischer Publikationen, Hauptprozessvertreter
E. Manns in den beiden Prozessen des Jahres 1932. Noch am 29. 01.1933
erwirkt Loewenfeld vor dem Amtsgericht München eine einstweilige
Verfügung gegen Adolf Hitler wegen eines geplanten Hetzartikels
gegen seine Kanzlei und lässt die von Hitler zu tragenden Gerichtskosten
per Zwangsvollstreckung eintreiben! 1933 Flucht nach Zürich, 1938
Emigration nach Amerika und Ansiedelung in New York. Nach H. BRETSCHNEIDER:
In der Heimat waren wir Fremde. Sendemanuskript einer Sendung der Bayer.
Rundfunks (B 2, Münchner Mittagsmagazin) vom 5. März 1989.
46 Nach der Veranstaltung am 13. Januar 1932 hatten Otto Nippold und
Ferdinand Bruger, Schriftleiter der nationalsozialistischen Publikationen
Die Front" und Illustrierter Beobachter", die
Organisatorinnen unter anderem als Irrenhausanwärterrinnen,
degenerierte Halbwelt-Dämchen, Rotte unnützer Weiber"
und Zuhälterinnen der jüdischen Sklavenhalter"
bezeichnet, worauf hin C. Hallgarten und E. Mann eine Klage vor dem
Münchner Strafgericht anstrengten. Ebenfalls im Illustrierten
Beobachter" war am 30. Januar 1932 unter dem Pseudonym Pidder
Lüng" eine Schmähschrift des NS-Autors Bernd Lembeck
gegen Erika Mann und die Teilnehmerinnen am Pazifistenkongress erschienen.
Hauptschriftleiter des Illustrierten Beobachters" war zu
dieser Zeit pikanterweise Stadtrat Esser aus München, der Vertraute
von Bürgermeister Fitz in Sachen Bergwaldtheater. Er hatte somit
die Ereignisse um den Kongress und seine Folgen unmittelbar miterlebt.
Über seine Rolle im Zusammenhang mit der nationalsozialistischen
Intervention beim Verkehrsverein, die zur Auflösung des Anstellungsvertrags
von E. Mann geführt hatte, lässt sich nur spekulieren. Vgl.
auch Darstellung in: H. HÄNTZSCHEL, Pazifistische Friedenshyänen?
(Anm. 3l).
47 I Of All People, wie 28, S. 36 f.
Die früheste bekannte zeitgenössische Darstellung der Ereignisse
stammt von Erikas Bruder Klaus aus einem Brief vom 4. 6.32: ,.... Ja,
in Venedig war es hübsch und friedlich. Hier aber [d.i. zurück
in München] finden sich nur die tollsten Überraschungen
angefangen mit dem adligen Kabinen des von Papen, bis zu so heiteren
Zwischenfällen, daß die Nazis ein vertraglich festgelegtes
Auftreten von Erika bei den Festspielen in Weißenburg durch glatte
Ankündigung von Gewalttaten einfach verhindern. Es ist alles besonders
schlimm ..." Klaus Mann an Erich Ebermayer, in: M. GREGOR-DELLIN
(Hg.): Klaus Mann, Briefe und Antworten, Bd. I: 1922-1937, edition spangenberg,
München, 1975. S. 77. Auch wenn sich die Umdeutung von Boykottdrohung
in Ankündigung von Gewalttaten in den vorliegenden Unterlagen nicht
belegen lässt, wird diese Briefzeile in der Literatur zu Erika
Mann im Zusammenhang mit der Bergwaldtheateraffäre zitiert (z.B.
In: A. ZANKO PRESTEL (Hg.): Erika Mann: Briefe und Antworten. Bd.I:
1922-1950, Kap. 3: Die Schauspielerin, dtv. München, 1988, S. 21
ff.
48 KfdK München, Dramat. Büro Dr. Stang an HF vom 7. Juli
1932, W 77.
49 HF an die Landesleitung Nordb. des KfdK vom 1.11.32, VV 77.
50 HF an die Landesleitung Nordb. des KfdK vom 15.11.32, VV 77.
51 Johann (Hans) Gerhard Hagemeyer geb. 30.3.1899 in Bremen-Hemelingen,
gest. l0. 10.1993 in Walsrode, Krs. Fallingborstel, 1932 Hauptstellenleiter
und Gauwirtschaftsberater der NSDAP in Nürnberg, zugleich Leiter
des Büros Nordbayern des KfdK, 1933 Leiter der Reichsstelle
zur Förderung des deutschen Schrifttums", später im Hauptamt
für Schrifttumspflege, Beauftragter des Reichsleiters für
Schrifttumsfragen Alfred Rosenberg". 1937 Reichsamtsleiter
in der Dienststelle des Reichsleiters Rosenberg , ab 1941 Mitglied
des Reichstags.
52 Joseph Goebbels, geb. 29. 10. 1897 in Rheydt, gest. 1. 5.1945 in
Berlin (Selbstmord), 1929 Reichspropagandaleiter, ab 1933 Reichsminister
für Volksaufklärung und Propaganda, zugleich Vors. der Reichskulturkammer",
ab 1944 Reichsbevollmächtigter für den totalen Kriegseinsatz".
Goebbels gab sich lange der Hoffnung hin, Th. Mann für die nationale
Erneuerung gewinnen zu können; insgeheim Th. Mann nicht abgeneigt
schreibt er noch 1930 in sein Tagebuch: Von neuem überwältigt
durch die Lektüre der Buddenbrooks".
53 H. Hagemeyer, Landesleitung Nordb. des KfdK an HF vom 7.11.32, W
77. In diesem Schlachtplan zeigen sich die typischen Merkmale einer
Kampfaktion des KfdK, wie sie J. Gimmel in seinem Buch (s. Anm. 20)
beschreibt: Bei solchen und ähnlichen Aktionen bestand häufig
eine erhebliche Diskrepanz zwischen den angekündigten Zielen und
der Realität. Entgegen dem nach außen demonstrierten Bild
einer effizient und straff geführten Organisation, war das innere
Erscheinungsbild des KfdK vielmehr von Improvisation, Geldnot und geringem
organisatorischen Geschick der wirkungslosen Reichsleitung in Person
A. Rosenbergs geprägt. In Eigeninitiative gestartete Aktionen der
personell schwach besetzten Orts- und Landesgruppen verliefen nach vollmundigen
Ankündigungen oft im Sande. Als Folge dieser aktionistischen Betriebsamkeit
findet sich eine schwer überschaubare Fülle von Denkschriften,
Projektskizzen und Absichtserklärungen, die größten
Teils nie Umsetzung fanden. In unserem Fall stellen die Anfang 1933
erschienenen Artikel in verschiedenen NS-nahen Zeitungen ( vgl. Anm.
62 u. 64) die einzigen nachvollziehbaren Ergebnisse des Planes dar.
Ungeachtet dessen existierte in den darauffolgenden Jahren aber tatsächlich
eine unter Mitwirkung des KfdK erstellte Bücherliste (die Liste
des Ausschusses zur Neuordnung der Berliner Stadt- und Volksbüchereien),
die der Deutschen Studentenschaft" als Grundlage für
die späteren Bücherverbrennungen diente.
54 Th. Mann an Ida Herz, 1930, in: Regesten und Register Bd.l, 1930,
S. 144, Frankfurt am Main, 1976, zitiert nach K. HARPPRECHT: Thomas
Mann. Eine Biographie, Rowohlt o. O., 1995, S. 664.
55 Th. Mann, Reden zum Zeitgeschehen. Deutsche Ansprache (1930) in:
Gesammelte Werke XI, Verlag S. Fischer, Frankfurt a. Main, 1969, 1974,
1990, S. 870-889.
55a K. SCHRÖTER: Heinrich Mann, Reinbek b. Hamburg, 1993, S.113,
zitiert nach HARPPRECHT (wie 56), S.676
55b Blick hinter die Liste 2 / Wir wählen (1932) in H. MANN: Das
öffentliche Leben, Berlin, Wien Leipzig, 1932; S.257 ff, zitiert
nach H. WISSKIRCHEN: Die Familie Mann, Reinbek, 1999, S
56 Pfeffermühle": von Erika und Klaus in der zweiten
Jahreshälfte des Jahres 1932 gegründetes politisch-literarisches
Kabarett, das offene Kritik an den Nationalsozialisten übte. Spielort
war zunächst München; nach der Emigration wurde die Bühne
bis Anfang 1937 von Zürich aus weitergeführt. Ensemblemitglied
war unter anderem Therese Giese.
57 München leuchtete. Über Thomas Mann und München."
Rede von Prof. Hans Mayer zur Eröffnung der Ausstellung Heller
Zauber, Thomas Mann in München", am 20. 10. 1987 in der Villa
Stuck, München. In J. KOLBE: Thomas Mann in München 1894-1933,
Siedler Verlag, Berlin, 1987, S. 15. Beispiele von Anfeindungen gegen
die Kinder von Thomas Mann lassen sich weit zurück verfolgen. Eine
Episode aus dem März 1922, als Erika in der Folge mäßiger
schulischer Leistungen für wenige Monate vom Münchner Wilhelmsgymasium
auf die Reformschule Hochwaldhausen wechselte, wurde z. B. im Völkischen
Beobachter vom 19./20. 8. 1928 unter der Überschrift Thomas
Mann und seine Sprößlinge mit gehöriger Häme
als bezeichnend für den Charakterverfall einer Familie, die das
neue Nationalgefühl und eine nationale Ertüchtigung ablehne,
dargestellt. Umgekehrt wurde die offizielle Berichterstattung"
über den Pazifistenkongress (vgl. Anm. 46) im Völkischen
Beobachter" vom 16. 01. 1932 auch zu Verunglimpfungen gegen Thomas
Mann genutzt, der mit der Veranstaltung absolut nichts zu tun hatte:
Kultur- und Erziehungsblüten aus dem Hause Thomas Mann ...
Das Kapitel Familie Mann erweitert sich nachgerade zu
einem Münchner Skandal, der auch zu gegebener Zeit seine Liquidierung
finden muß. Die Front, Kampfblatt des Gaues München
und Oberbayern der NSDAP berichtet am selben Tag über ...
die berüchtigte Erika Mann, die Tochter ihres ebenso berüchtigten
Vaters..."
58 wie 28 S. 36.
59 Hauptschriftleiter (wohl des Völkischen Beobachters")
Brückner, München an HF, zitiert im Schreiben von HF an die
Landesleitung des KfdK Nürnberg vom 15.11.1932, VV 77.
60 H. Scholz KfdK Landesleitung Nordbayern an HF vom 17.11.1932, VV
77.
61 HF an H. Hagemeyer KfdK Nürnberg, vom 24.1.1933, VV 77.
62 Deutsche Kultur-Wacht, Blätter des Kampfbundes für deutsche
Kultur, Berlin-Schöneberg, 1933 Heft 4, S. 8, Bayerische Staatsbibliothek
München, Sign. Per. 75 h-1932/33.
63 HF an H. Hagemeyer vom 26.12.1932, VV 77.
64 Das Weißenburger Bergtheater und die große"
Schauspielerin Erika Mann", in: Sonntag-Morgen-Post, nationalsozialistische
Sonntagszeitung. München, 1933 Nr. 7 vom 12. Februar 1933, Bayerische
Staatsbibliothek München, Sign. 2 Eph.pol 79 g-1932/1933
66 HF an H. Hagemeyer vom 8.11.1932, VV 77. RÄ Dr. Hirschberg et
Koll. an EM vom 24.12.1932, EM Archiv, wie 44, Biographische Dokumente
XI.
67 HF an den KfdK München vom 14.11.1932, VV 77.
68 HF an KfdK München vom 20.11.1932, VV 77.
69 Blitze überm Ozean a.a.O, S. 37.
70 Assessor Dr. F. Prager zum Arbeitsgericht Ingolstadt Angestelltenkammer"
vom 15. Februar 1933, wie 44).
71 EM an Klaus Mann vom 10. / 11.8.1933 EMA, zitiert nach V. HAGE: Eine
Liebe fürs Leben, Verlag S. Fischer, Frankfurt a. M., 2002, S.
90.
72 Bericht der Bayerischen Politischen Polizei (Oberführer Reinhard
Heidrich) an den Reichsstatthalter in Bayern (General Franz Ritter von
Epp) vom 12. Juli 1933: ...Diese undeutsche, der nationalen Bewegung
feindliche, marxistische und judenfreundliche Einstellung gab Veranlassung,
gegen Thomas Mann Schutzhaftbefehl zu erlassen, der aber durch die Abwesenheit
desselben nicht vollzogen werden kann ... Originalberichl im
Bayerischen Haupt staatsarchiv München, Reichsstatthalter 38/1-12.
Faksimileabbildung u.a. in: H. WYSLING, Y. SCHMIDLIN, Thomas Mann, Ein
Leben in Bildern, Artemis & Winkler Verlag, Zürich, 1994, S.
317.
73 vgl. hierzu die detaillierte Darstellung bei Th. WÄGEMANN wie
3) S. 14 ff.
74 HF in: Deutsche Kultur-Wacht, 1933, Heft 4 wie 62).
Dr. med. Martin Weichmann, Jahrg. 1965, seit 1998 HNO-Arzt in Weißenburg,
Verfasser bzw. Mitverfasser diverser Beiträge (u.a. zur Hospitalstiftung)
in: Kreiskrankenhaus Weißenburg - 800 Jahre Krankenpflege",
1985.
(Vollständige Fassung des gleichnamigen Artikels
in der GAZETTE 3 / 2004)
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