Nummer 12, Winter 2006/2007                               


                                                                                                                                                            
 

Reportage

Der andere Wirtschaftsgipfel

.
Von Fritz R. Glunk

Es stimmt nicht, dass Englisch die lingua franca der Welt ist. Es gibt nur fremdsprachliche Varianten davon. Am schlimmsten ist dabei die Imitation des Amerikanischen: Hier werden alle Rs so hingebungsvoll zungengerollt, dass in diesem Dauerlaut alle Vokale auf Nimmerwiederhören verschwinden. Durchaus gewöhnungsfähig ist dagegen das, was Franzosen für Englisch halten: Man muss dabei nur wissen, dass sie alle Wörter, die irgendwie französisch aussehen (etwa „strategy“ oder „information society“), selbstbewusst französisch aussprechen; aber darauf kann man sich ja einstellen. Gut verständlich ist die polnische Englisch-Variante. Sie ist nüchtern, trocken, unaffektiert, zielt erst gar nicht auf eine Ähnlichkeit und ist deshalb auditiv durchsichtig. Im Augenblick bin ich gerade der US-Imitation ausgesetzt. Wir, eine gute Handvoll Zuhörer, haben vor uns vier Personen auf einer Bühne und rechts, weiter vorne, den Moderator an einem Pult stehend und in einem schier endlosen Redefluss gefangen. Es stört nicht, dass der Redner unverständlich redet, weil wir alles, was er sagt, auch auf den weltweit unvermeidlichen PowerPoint-Projektionen mitlesen können. Wir sind auf dem internationalen Ökonomischen Forum, das in diesem Jahr zum 16. Mal in dem kleinen südpolnischen Kurort stattfindet, in Krynica-Zdrój, fast an der grünen Grenze zur Slowakei. Im Kern besteht das Städtchen aus einem etwa mandelförmigen Promenade-Platz, den neoklassizistische Gebäude und altmoderne Neubauten einrahmen: auf der Ostseite das Neue Kurhaus, das Hauptgebäude und das Alte Badehaus und gegenüber vor allem das schöne Alte Kurhaus. In diesen Gebäuden treffen sich jährlich Anfang September etwa tausend Menschen. Die meisten kommen naturgemäß aus Polen (über ein Drittel), fast ebenso viele aus Osteuropa, etwa 20 Prozent sind Westeuropäer, 10 Prozent Russen. Ein gutes Drittel der Teilnehmer vertritt Industrie und Wirtschaft im weitesten Sinn, aber auch die Abgesandten zahlreicher Universitäten, Forschungsinstitute und Think-Tanks sind ebenso stark vertreten, zahlreicher als die Politiker (knapp 20 Prozent) oder die Presse (ein knappes Zehntel). Als Nachbarn in europa diskutieren sie in 140 kleinen und großen Veranstaltungen drei Tage lang Mikro- und Makroökonomie, internationale Beziehungen, Bildung und Kultur sowie Sicherheits-, Energie- und gesellschaftliche Fragen. Wichtig ist hier, wer eine Assistentin herbeiwinken kann, um dem Journalisten eine Antwort (oder auch nur eine Visitenkarte) zu geben. Am liebsten tun das prominente russische Teilnehmer. Die Plenumssitzung am 7. September morgens ist überraschend dünn besucht; im ehrwürdigen Balowa-Saal im ersten Stock des Alten Kurhauses belegen 80 Zuhörer erkennbar nicht die 170 Sitze. Die Statements auf dem Podium sind von unterschiedlichem Gewicht. Viviane Reding, EU-Kommissarin für Informationsgesellschaft und Medien, trägt eher Bekanntes vor: Sie lobt Europas Lebensqualität, nennt China und Indien „Herausforderungen“, beklagt das Fehlen von 50000 europäischen Ingenieuren, hält die fernsehfähigen Handys für einen Durchbruch (sie sagt: eine killer-application) und sieht durch die Breitband-Internet-Anbindung in den nächsten Jahren 250000 neue Jobs entstehen. Frau Professor Gronkiewicz-Waltz (Polen) hält dem alten Kontinent seinen Protektionismus vor und lobt den freien Markt in den USA. Der frühere Premierminister der Slowakei, Mikulás Dzurinda, hält die Gesundheit für den höchsten Wert (wenn auch für teuer), und im Übrigen komme es nicht darauf an, Geld auszugeben, sondern Geld „zu schaffen“. Der polnische Wirtschaftsminister Andrzej Kaczmarek plädiert für einen Wissenstransfer nach Polen, getragen durch private Investitionen, da öffentliches Geld nicht mehr vorhanden sei. Durch den Saal zieht sich ein spürbarer Duft von Neoliberalismus und die Angst, Europa werde die Lissabon-Agenda verlieren, also das Ziel verfehlen, bis 2010 der wettbewerbsfähigste Wirtschaftsraum der Welt zu werden. Ergiebiger sind die kleinen Veranstaltungen mit zwei oder drei Dutzend Zuhörern. Hier ist auch die Themenstellung zupackender, nicht selten provokant: „Europa – Erweiterung oder Untergang?“ zum Beispiel. Es herrschen auch andere, weniger nur allgemeingültige Töne vor. Josef Hochgerner, Wissenschaftlicher Leiter des Wiener Zentrums für Soziale Innovation, bejaht die Frage, ob wir die Globalisierung noch beeinflussen können; es seien in Europa soziale Lösungen erforderlich, und die könnten bald sogar ein Exportartikel werden. Die Diskussion belebt sich: Welche Rolle spiele denn Europa künftig noch, wenn China einmal die Fabrik der Welt sei und Indien deren intellektuelles Zentrum? Gibt es überhaupt einen „europäischen Traum“ für die Nicht-Europäer auf dem Kontinent? Und dann, natürlich, der Islam, das sei doch eine politische Religion. Professor Ahmet Evin auf dem Podium hält dem Frager entgegen, die Menschenrechte seien immerhin eine religiöse Idee. Sanft widerspricht ihm Josef Hochgerner: Wesentlich sei und bleibe das staatliche Prinzip des Säkularismus. Kritisch geht es auch bei „Städte als die Schöpfer einer neuen europäischen Identität“ zur Sache, wenigstens anfangs, als die Stadt „ein Raum zum Austausch von Ideen“ genannt wird. Am frühen Nachmittag besuche ich die Podiumsdiskussion zum Thema „Die Iran-Krise und der kaukasische Islam“. Das Thema ist attraktiv: Nach einer halben Stunde sind wir 26 Zuhörer. Arif Yusunow, aserbaidschanischer Politikwissenschaftler, beginnt mit der These, die Iran-Krise betreffe die gesamte Region. Nasib Nasibli, Parlamentsabgeordneter aus Aserbaidschan, gesteht dem Iran ein „nation building“ zu wie im Europa des 18. und 19. Jahrhunderts; sein Land, umgeben von amerikanischen Militärbasen, könne gar keine andere Politik verfolgen als ein „Gleichgewicht zwischen den USA und dem Iran“, „zwischen zwei Feuern“ könne man nicht neutral bleiben. Und er fügt hinzu, dass schließlich 24 Prozent der Iraner Aserbaidschander seien. Der Politikwissenschaftler Sanikidze aus Georgien schließt daran an und erwähnt die starke georgische Minderheit im Iran. Seine Frage, ob Georgien in dieser Krise vermitteln könne, bleibt ohne Antwort. Dann spricht der russische Wissenschaftler Zurab Tadua wenig Überraschendes: Im Kaukasus, in Tschetschenien, überhaupt in Südrussland gebe es radikale islamische Gruppierungen, Wahhabiten und andere; jetzt aber, nachdem die Pläne, einen Scharia-Staat zu errichten (wofür allein Saudi-Arabien 23 Milliarden Dollar gespendet habe), vereitelt seien, stabilisiere sich die Situation mehr oder weniger. In dieser Perspektive sei Russland dem Iran geradezu dankbar für seine schiitische Opposition gegen den sunnitischen Wahhabismus. Ein russischer Ethnologe, Akhmet Yarlikapov, zeichnet ein etwas anderes Bild: Man sei im Iran auf der Suche nach einer Sunniten und Schiiten übergreifenden, „gemeinsamen islamischen Identität“; auf diese Weise suche man die Isolierung des Iran in der islamischen Welt zu überwinden; der Gedanke sei bei jungen Iranern und Iranerinnen beliebt und werde in Diskussionsveranstaltungen aufgegriffen. Andererseits hindere Saudi-Arabien seine eigene (sunnitische) Bevölkerung daran, die (schiitische) Hisbollah zu unterstützen. George Sanikidze ist anderer Meinung: Es gebe gar keine Einheit unter Muslimen. Schließlich habe Khameini zum Beispiel Ahmadinedschad („der alles andere als ein religiöser Führer ist“) in den Sattel gehoben und nicht den gläubigen Rafsandschani. Das Publikum dankt mit einem kleinen Applaus. Und tatsächlich: Diese Podiumsdiskussion hat den Mittelpunkt der eigenen Welterfahrung und -wahrnehmung von Europa weg nach Zentralasien verschoben. Und mit einem Mal ergeben sich andere Durchblicke und mit ihnen ganz andere Fragen. Mit 35 Zuhörern noch besser besucht ist das Thema „Die Säulen der europäischen Identität“. Hier demontiert gleich zu Beginn der Regierungssprecher der Tschechischen Republik, Edvard Outrata, das tragende Thema: Identität sei etwas für eine Person, nicht aber für einen Staat oder andere Gebilde. Viel wesentlicher sei hier die Frage der Grenze, speziell die Frage der Türkei. Darauf Valery Bulhakau, Chefredakteur der weißrussischen oppositionellen Kulturzeitschrift Arche: Eine weißrussische Identität gebe es deshalb nicht, weil Russland sie leugne und dem Land verweigere. Die slowakische Schauspielerin und Politikerin Magdalena Vášáryová trägt etwas feierlich den Grund für die europäische Identitätssuche vor: die Angst vor der Erosion der Idee Europa. Speziell in ihrem noch EU-jungen Land erlebe sie zu wenig Optimismus, zu viel Apathie aus zu viel Katastrophen-Erfahrung. Die Diskussion entwirrt ein wenig die Linien: Identität sei einfach das Gefühl, auf etwas stolz sein zu dürfen (auch wenn, wie die Schauspielerin einwirft, Chopin „Franzose“ gewesen sei). Auf der abendlich noch recht belebten Promenade zwischen den Kurhäusern ist Prominenz leicht erkennbar. Man sieht schon aus mittlerer Entfernung im Dunkeln einen gleißenden Lichtfleck, um den eine Traube von Menschen hängt und sich langsam mit ihm fortbewegt. Im Näherkommen wird auch die Fernsehkamera sichtbar, die dem Berühmten, der vielleicht nur zu seinem eskortierten Wagen will, inmitten der Menge zu folgen versucht. In unserem Fall ist es, sagt jemand aus der Traube, ein ehemaliger Ministerpräsident Polens. Am nächsten Tag regnet es anfallsweise, und das freut die Veranstalter und Moderatoren, weil der Regen ihnen Publikum zutreibt. Für das Thema „Die Zukunft der Globalisierung“ interessieren sich immerhin über zwei Dutzend Teilnehmer. Das Podium wird von zwei Franzosen beherrscht: Jean-Jacques Bonnaud (Vorstandsvorsitzender von Galaxy, Technologie-Financier) und Jean-Pierre Pagé (Politologe von Sciences-Po, Paris). Pagé spricht, in dem erwähnten französisierten Englisch, über eine „neue Form der Globalisierung“. Was auf dem Podium Peter Jungen, den Präsidenten des aufrecht neoliberalen European Enterprise Institute in Brüssel, zu erbittern scheint: Es sei einfach unmoralisch, die Globalisierung zu attackieren (das Wortspiel mit attac kommt nicht ganz durch), weil das ein Angriff auf die Ärmsten der Welt sei; und Adam Smith, der Vater der Idee der „unsichtbaren Hand des Marktes“, sei immerhin „Moral-Professor“ gewesen. Der Fehler sei nicht die Globalisierung, sondern zu wenig Globalisierung. Der russische Politologe Dimitri Kuwalin zieht den Rahmen enger und beschränkt sich auf kleinere Räume: Russland zum Beispiel könne gar nicht versuchen, das polnische Pro-Kopf-Einkommen zu erreichen, das sei unrealistisch; in seinem Land könne man jetzt hier eine reiche Region sehen und nur zwanzig Kilometer weiter eine Gegend in bitterer Armut. Bevor ich zu meiner eigenen Veranstaltung muss, schaue ich noch bei „Braucht Europa zu seiner Identität ein Sozial-Modell?“ kurz vorbei. Jozef Pacolet, Politikwissenschaftler aus Belgien, nennt Schweden als Vorbild: Die Schrumpfung und Alterung der Gesellschaft sei nicht das Problem, sondern die Lösung; denn wenn man das schwedische Modell der Altenpflege beispielsweise auf Polen übertrage, würde das sofort 1,9 Millionen neue Arbeitsplätze schaffen. Und dann auch noch auf einen Sprung zu dem Thema „Die Türkei am Scheideweg: türkische Außenpolitik nach Osten und Westen“. Das Podium ist wegen der Zusammenlegung mit der Veranstaltung „Zypern - Türkei“ mit zehn Personen heillos überfüllt. Der Istanbuler Politologe Mansur Akgün wirbt gerade für die endliche Aufnahme der Türkei in die EU; Serdar Denktas, der Außenminister von Nord-Zypern, ist vehement dagegen: Mit der Türkei habe Europa keine gemeinsame Vision der Zukunft, man solle erst einmal ein Zypern ohne griechische Dominanz schaffen. Und noch einmal schaut die Irak-Krise herein: Ein Iran mit Nuklearwaffen, meint Lenore G. Martin von der Harvard University, sei für die Türkei völlig unannehmbar. Auf dem Podium, das ich moderieren soll, sitzen neben mir drei Personen: Professor Dr. Peter Hampe, Wirtschaftswissenschaftler an der Universität Dresden; Peter Bauer, Mitglied des Vorstands von Infineon Technologies AG; und Professor Dr. Franz-Josef Radermacher aus Ulm (den ich für die Nummer 10 dieser Zeitschrift interviewt hatte). Zuerst gibt Peter Hampe eine klärende Übersicht zu den treibenden Faktoren der Globalisierung. Nach ihm spricht Peter Bauer aus der Praxis eines effektiv weltweit tätigen Konzerns über die Bedeutung sogenannter „Leitmärkte“, aber auch über das bevorstehende Angebot von Autos aus chinesischer Fabrikation. Zuletzt beleuchtet Franz-Josef Radermacher die Nachteile einer wuchernden Entwicklung, die von der Informations-Technologie vorangetrieben wird, und die skandalösen Gefahren eines steigenden Handelsdefizits der USA und der globalen Ungleichheiten der Einkommensverteilung. Die Diskussion mit den etwa 30 Zuhörern ist lebhaft: ein Marokkaner, der sich als Bloomberg-Journalist vorstellt, fragt nach der Rolle der Erziehung in Europa; andere Fragen beziehen sich auf die Bedeutung der Arbeitskosten weltweit, eine mögliche Umgestaltung der internationalen Finanzmärkte, die Geschichte der Globalisierung (sie habe doch schon vor wenigstens hundert Jahren begonnen). Auch Hochgerner (der mit Professor Dr. Radermacher bereits gut bekannt ist) und Bonnaud sind gekommen. Es ist sicher voreilig, hier gleich von Netzwerken zu sprechen; aber es ist ein gutes Zeichen, wenn intelligente Menschen sich bei relevanten Anlässen wiedersehen. Ich bin in diesem September zum dritten Mal in Krynica. Meine Erfahrungen mit dem Forum gehen nicht so weit zurück, dass sich schon Entwicklungslinien zu erkennen gäben. Aber einige Dinge fielen mir dieses Mal doch auf gegenüber früher: zwei Äußerlichkeiten und eine Art Stimmungsänderung. Die Parks- und Wiesenflächen, die im Süden der Promenade um die Häuser herumliegen, sind nicht mehr leer wie früher. Diesmal hat man die Wiese auf der Westseite mit einem Dutzend fünf Meter hoher „Fesselballons“ vollgestellt, mit kurzen Seilen am Boden verankert. Es sind nachts beleuchtete Plastikkugeln, versehen mit dem hohen Schriftzug von Partner-Unternehmen des Forums: So werben hier der polnische Energiekonzern Orlen, der deutsche Mischkonzern PCC aus Duisburg und andere. Der zweite neuartige und einem „Westen“ nachempfundene Gag sind die vielen Mädchen-Gruppen: Durchweg gutaussehende, hohe Figuren in hellblau- oder magenta-metallic glänzenden Phantasie-Uniformen oder unter wallenden Umhängen verteilen auf der Promenade Werbung an die Teilnehmer, oder sie stehen zwischen sechs Seat-PKWs in einer Wiese und lächeln auf mittlere Entfernung ins Ungefähre. In einem Ort, der die jahrzehntelangen Spuren eines realsozialistischen Verfalls noch nicht ganz beseitigt hat, fallen diese weithin schimmernden Mannequins seltsam aus dem Rahmen. Äußerlich ist hier nur Glitter, Beiwerk, nachgemachtes Ornament (und wird vielleicht im nächsten Jahr noch aufdringlicher daherkommen). Die tiefere Bedeutung liegt jedoch in dem wahrgenommenen Zwang zur Imitation des Westens. Das Ökonomische Forum ist ja eine nur leicht abgewandelte Neuauflage des jährlichen Weltwirtschaftsforums in Davos. Wohlmeinende Scherzbolde nennen Krynica deshalb auch manchmal „das Davos des Ostens“, als ob damit der polnische Kurort besonders geadelt würde (während in Wirklichkeit nur der Abstand unterstrichen wird). Ich habe aber – bei aller Namensähnlichkeit – nicht den Eindruck, als wollten die Organisatoren hier irgendeinem Schweizer Vorbild nachjagen. Und das ist auch gut so. Denn das Forum Krynica ist etwas ganz anderes, es ist nicht einmal hauptsächlich ein „Ökonomisches Forum“, und zwar schon wegen der Fülle der Nicht-Wirtschaftsthemen, von denen Konkurrenz-Orte nur träumen können. Genau besehen treten sie sogar gewichtiger auf als die Wirtschaftsthemen: Von den insgesamt neun Themengruppen befassen sich sechs mit eher „weichen“ Materien (Erziehung und Kultur, Staat und Reformen, Internationale Politik, Regionen, Gesellschaft, europäische Nachbarschaft) und nur drei mit Wirtschaft (Business und Management, Makroökonomie, New Economy). Mit dieser Gewichtung scheint mir Krynica ernsthafter, umfassender, im besten Sinn europäischer angelegt und mithin zukunftsfähiger als der Davoser Laufsteg der Eitelkeiten. Und: Krynica wird während des Forums nicht mit Stacheldraht eingehüllt. Am letzten Vormittag mache ich ein Angebot des üppigen Rahmenprogramms mit: einen Ausflug auf den Jaworzyna Krynicka, den 1114 Meter hohen Gipfel im nahen Mittelgebirge der Ost-Beskiden. An der Talstation der Gondelbahn warten geschlossene Restaurants auf die Wintersaison, abseits stehen schwere Planierraupen und Schneekanonen. Eine breite Skipiste kommt aus dem Mischwald herunter, sie ist in voller sichtbarer Länge bis auf die dunkelbraune Muttererde abgefahren. Oben sind die Gipfelrestaurants geöffnet, eines ist für die Teilnehmer des Forums reserviert, mit einem großzügigen kalten und warmen Buffet und auf den Holzdielen Tanz zur Volksmusik einer Drei-Mann-Kapelle. Die Sonne scheint wieder, man sitzt angenehm warm auf der Terrasse. Weiter draußen formieren sich Wolken und verhängen den Blick in die Ferne.