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Und wenn ich ein Mann wäre? Oder: Warum ich Harald Schmidt gut und arte Scheiße finde Von Eva Herold
Hier spule ich als Harald Schmidt alles, was mir und meinen Mitarbeitern tagsüber an möglicherweise subversivem, vielleicht auch nur politisch unkorrektem Ätz durchs Hirn schwurbelt, um 18 Uhr in willkürlicher Reihenfolge ab. Dazu trage ich kackbraune oder glanzgraue Anzüge und widerliche Krawatten, die anscheinend die Bereitschaft meines Publikums, "FDP" zu wählen, enorm in die Höhe schnellen lassen ... Ab 23 Uhr 15 vermeide ich es nach Möglichkeit, mir die öffentlich ausgestrahlte Aufzeichnung meiner Sendung anzusehen, und wenn's doch mal sein muß, spreche ich halt wieder mit meinem Therapeuten über das Thema Selbstachtung. Harald Schmidt sein ... ein Scheißjob, aber einer muß ihn ja machen. Dabei finde ich - jetzt bin ich wieder ich - völlig in Ordnung, was der Mann da bringt: Total zurückgelehnt regrediert er in seinem großen Sandkasten vor sich hin, bereichert die öffentliche Unterhaltung um so grandiose Themen wie Waschbecken-Design-Kritik, und damit die Gemeinde das Konzept weiterhin für kultig hält, beleidigt er zwischendurch brav alles, was bei "Drei!" nicht auf den Bäumen ist. Sogar das Feuilleton kommt langsam darauf, daß da einer das heruntergekommene Medium Fernsehen selbstreferenziell nutzt. Besonders, seit er es sich leisten kann, immer öfter "Der Kaiser hat ja gar nichts an!" zu krähen und possierlich nach der Hand zu schnappen, die ihn füttert. Wenn die bei arte das kapieren würden, hätte er sofort einen ganzen Themenabend. So aber brachten sie nur die eine Harald-Schmidt-Show, die er komplett in schlechtem Schulfranzösisch ablieferte im Rahmen einer Surrealismus-Sendung. Was natürlich wieder ein Mißverständnis war, denn dieses Late-Night-Format ist pure Abbildung deutscher Wirklichkeit. Was mich wieder auf die sogenannte FDP bringt könnte vielleicht mal jemand dafür sorgen, daß dieser Möllemann ganz und gar von der Bildfläche verschwindet? Um d e n sollten sich die Medien-Intellektuellen kümmern. Überhaupt, arte: Die elitären Anzüge dieses Kultur-Monolithen öden doch nur noch. Sie schickten mir eine Einladung zur Pressekonferenz, um ihr 10jähriges Betriebsjubiläum zu feiern, wenn allerdings die Begabteren unter meinen Kollegen ihnen ein Thema anbieten, sagt Straßburg näselnd "Danke, aber nein danke" und sendet es ein Jahr später, zusammengestopselt von Heinis aus der eigenen Seilschaft. Tja, das Leben ist hart, und manchmal bin ich ausgesprochen froh, eine Frau zu sein. Als Frau kannst du dir einen Sender-Chef angeln (naja, bis du circa 23 bist) oder es den alten Säcken zeigen, indem du "investigativen Journalismus" betreibst und dich einreihst in den Fräuleinwunder-Hype Marke "klug, aber sexy". Und wenn die Möllemanns dann trotzdem an die Macht kommen, kannst du immer noch den Populärwissenschafts-Bestseller "Dieselbe alte Geschichte: Warum weder Frauen noch Männer irgendwas dazulernen" schreiben ... bitte, Leute, erinnert mich daran, daß ich mich erschießen wollte, wenn's bei mir so weit ist. 27. Oktober 2002 |
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