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FrauenFragen Haben reiche Frauen ein schöneres Leben? Von Eva Herold
A propos: Wer Zeit und Geld hat, altert auch schöner. Denn um dem sozialverträglichen Frühableben entgegenzuwirken und zugleich etwas gegen die schwindende Attraktivität zu tun, können Normalo-Frauen sich gerne morgens mit Yoga verbiegen und nach der Arbeit zum Aerobic-Kurs in der Volkshochschule hetzen: Wer sich an die quälenden Schulsport-Stunden erinnert, weiß, wie's da in den Umkleideräumen riecht. Richtig Spaß macht die Arbeit an Körper, Seele und Image doch erst, wenn du genügend Kohle hast, um solche Ertüchtigung mit "Wellness" zu verbinden - diesem Marketing-Hybriden, der aus der Not untergehender Bäderkultur geboren wurde und derzeit von den Medien zur Tugend ewig junger Erfolgsfrauen hochstilisiert wird. Betuchte Damen versuchen also jetzt mit Hilfe von Ayurveda, Algen und Pilates, die Frustrationen des Frauenlebens von sich abtropfen zu lassen... Neulich am Tegernsee, dem Alten-Reservat der Alpen: Wellness-Weekend im Beauty-Resort (allein die Anglizismen finde ich sowas von degoutant). Von außen sah es aus wie ein ganz normales Hotel, Seppl-Stil mit Holzbalkonen, wie das "Haus Gerda" und die "Pension Waldeslust" und alle anderen ringsherum auch in dieser Gegend Oberbayerns hat jeder umgebaute Heustadel einen Namen, was bedeutet, daß die Besitzer geneigt sind, gegen Geld Touristen aus dem Flachland übernachten zu lassen. Drinnen herrschte semi-elegantes Landhaus-Ambiente, es duftete nach Lavendeltee und Aromalampen, und alle schlappten in Frottee-Bademänteln herum. In dieser feuchtwarm summenden Hammam-Atmosphäre pampert man allerdings nicht überforderte Alleinerziehende (die können alle paar Jahre eine Mutter-Kind-Kur beantragen) oder Angehörige von Pflegefällen am Ende ihrer Kräfte (denen bleibt immerhin die Hoffnung auf einen schnellen Tod). Gecremt und massiert, geschminkt und beraten werden hier Besserverdienerinnen, die sich derlei wohltuende Zuwendung erarbeitet haben, oder ausrangierte Erstfrauen mit guten Scheidungsanwälten. Es sei ihnen von Herzen gegönnt, doch was mich an diesem ganzen Getue wirklich nervt, ist eine alte Frage, über die eine junge Philosophin gerade wieder neu nachdenkt: Die Basler Professorin Angelika Krebs, in ihrem bei Suhrkamp Wissenschaft erschienenen Taschenbuch "Arbeit und Liebe". Warum zahlt Vater Staat für Erwerbsarbeit, nicht aber für die Familienarbeit der Mütter? Weil sie die ja aus Liebe tun, nicht wahr. Hier beißt sich, so die Autorin, das christliche Ideal der selbstlosen Fürsorge in den Schwanz: Können Mütter, die den ganzen Tag von Termin zu Termin hetzen, ihre Sprößlinge noch reinen Herzens lieben, wenn abends klar wird, daß das Budget mal wieder ausgereizt ist? Und wieso kriegen viele alte Leute, wenn das Ersparte nicht reicht, um sie in einem guten Pflegeheim unterzubringen, zuhause von Tochter oder Schwiegertochter eins aufs Auge, wenn sie zum xten Mal ins Bett gemacht haben aus Liebe? Würde diese Arbeit (und es ist verdammt noch mal Arbeit, genau
wie jene, die in erziehenden und pflegenden Berufen geleistet und immer
noch miserabel bezahlt wird) gesellschaftlich anerkannt und entsprechend
honoriert, bräuchten Frauen nicht an die Grenzen ihrer physischen
und psychischen Belastbarkeit zu gehen, könnten sich bisweilen
von Fachkräften unterstützen lassen, und hätten mit 60
keine Runderneuerung nötig. Ich frage mich, wann unsere PolitikerInnen
das kapieren ... wahrscheinlich erst, wenn sie selbst alt und erschöpft
sind. Die Frechheit ist nur, daß sie dann bei den wenigen sein
werden, die sich "Wellness" leisten können. Finanziert
unter anderem durch die Steuergelder und die unbezahlte Arbeit all jener
Frauen, die dafür nicht reich genug sind. |
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