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Nach der Wahl
"ICH AG"
Kleiner Mann/Ganz Groß kostet seinen Wahltriumph
bereits über Gebühr aus. Regierung verzweifelt gesucht! Wird
es eine Prolongierung von Schwarz-Blau in Österreich geben? Leicht
möglich, denn die FPÖ wird Kleinem Mann/Ganz Groß die
Füße küssen, wenn sie wieder an den Futtertrog darf.
Inzwischen hört Kleiner Mann/Ganz Groß nur auf seine innere
Stimme ...
Von Günther Zäuner
"Na, bist du jetzt zufrieden? 42 Prozent. Was brauchst du mehr?
Du hast sie alle eines Besseren belehrt. Siehst du, dass es klug von
dir war, mir deine Seele zu überschreiben. Und hast du es bereut?
Nein... eben. Wer sich mit mir, der Macht, einlässt, wird immer
gewinnen. Und am 24. November hast du einen Erdrutschsieg davongetragen.
Alle zutiefst beschämt. Ich weiß schon, dass "Regieren
in einer Demokratie viel einfacher wäre, wenn man nicht immer Wahlen
gewinnen müsste". Das wusste bereits der alte Clemenceau.
Und was hast du daraus gelernt? Richtig: Ein Österreicher lässt
sich alles aufs Auge drücken. Es kommt nur auf die Verpackung an.
In der Werbung nennt man das Mogelpackung. Du musst ihm nur garantieren
können, dass sein Fernseher und Videorecorder nicht gepfändet
werden, der Musikantenstadl bleibt, Österreich bei der Fußball-EM
2008 zumindest eine Runde weiterkommt, ihm ein paar Euro für den
Lottoschein übrig bleiben und er bald in Pension gehen darf. Darum
sei verdammt vorsichtig mit der Pensionsreform!
Wo sind sie denn nun? Die EU-Sanktionierer! Schau dir nur Deutschland
an mit Schröder. Diesen Schurkenstaat! Die schicken ihm sogar schon
ihr letztes Hemd. Unter uns, hier wäre es auch längst so weit.
Nur du würdest weltmännischer reagieren, indem du auf dem
Ballhausplatz einen Wohltätigkeitsbazar einrichtest; unter der
Patronanz deiner außerministeriellen Lächeltante und die
Bussi-Bussi-Abteilung von den "Seitenblicken" sorgt für
den Verkauf.
Was ist aus diesen Krakeelern, diesen Donnerstagsmarschierern geworden?
Auf ihren Wandertagen haben sie sich ihre letzten Doppler quer durch
Wien abgehatscht und ein paar Unentwegte noch ihre Hornhaut auf den
Fersen dazu. Und du? Du hast das souverän ausgesessen und geschwiegen.
Willst du gelten, mach dich selten.
Jetzt hast du es wieder mit deiner Egoisten-Ges.mbH., deiner Wenderegierung,
geschafft und du bist deine eigene Ich-AG, deine eigene Aktiengesellschaft
mit allen Posten und Optionen. Und die anderen dürfen dir die Schuhe
aufblasen.
Geschickt hast du, wie ich es dir einflüsterte, bereits in deiner
ersten Legislaturperiode die Weichen für die Zukunft gestellt.
Was kümmert's dich, wenn er aus der Hofburg herüber keift?
Bald wird wieder ein Büchlein über ihn erscheinen und dann
hat er andere Sorgen. Wetten? Dieses Mal wird er dich nicht mit einem
Weltuntergangsgesicht angeloben. Stolz wirst du dieses Mal oberirdisch
in die Hofburg schreiten, aber Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste.
Zieh nicht unbedingt deinen besten Anzug an.
Und seine Rüffel aus Straßburg wird er sich künftig
auch sparen. "Qualität vor Tempo" hast du gesagt.
Recht hast du. Heute muss man sich überlegen mit wem man ins Bett
steigt. One night stands mögen ja sehr amüsant sein, aber
was dabei herausgekommen ist, hast du selbst erlebt. Abgesehen davon,
dass man früher Frauen kennen lernte, die wie ihre Mütter
kochten. Heute saufen sie wie die Väter...
Brav tanzen sie alle nach deiner Pfeife. Im ORF hast du eine treue Verbündete.
Gefürchtet wie eine aus dem Kinderprogramm entflohene Hexe. Außerdem
müssen sich doch ihr Konto bei der Raiffeisen und der Jagdschein
lohnen. Ab sofort sind unsere Fernsehnachrichten mau und flau und zahm,
so wie es sich für Hofberichterstattung geziemt. Vorgetragen beispielsweise
von einem blonden Sprecher, der aussieht wie der Kundenberater für
Häuslbauer in der jeweiligen Hausbank.
Auch die "Krone" wird dich wieder hätscheln, nachdem
die Troubles halbwegs ausgestanden sind und der Christoph nur das schreiben,
was der Kuhn absegnete und der alte Herr seinem Sohn heimlich diktiert.
Und wie du erst die Exekutive umkrempelst! Respekt! Verwirrtaktik. Zusammenlegung
von Polizei und Kriminalbeamten! Schnabl halten heißt das
Gebot der Stunde. Als Vorgesetzte in einigen Abteilungen ein paar Leute
vom Heeresnachrichtendienst. Fertig ist dein eigener Geheimdienst. Nach
außen verkaufst du es wieder einmal als Reform.
Erinnerst du dich noch an das Foto? Du neben Ihm im Porsche.
Geduldet von ihm nur als Beifahrer. Brav hattest du auch ein blaues
Hemd übergezogen. Was ist heute? Heute schaut er in deinen Auspuff.
Ihm blieb nur ein verrostetes Waffenrad. Samt Patschen und Achter.
Anfänglich, und jetzt sei ehrlich, ganz unter uns, hast du ihm
doch aus der Hand gefressen.
Schließlich verdankst du es ihm, dass du heute dort bist, wo du
hin wolltest. Jedoch abgefeimt, hinterhältig, nachtragend und abgebrüht
wie du nun mal bist, hast du nur auf jede noch so klitzekleine Chance
gelauert, um ihn kalt lächelnd abzuservieren. In seinem größenwahnsinnigen
Machtwahnsinn bekam er das erst mit als es längst zu spät
war. Und seine Lemminge sind mit ihm blindlings in ihr Unglück
gestürzt.
Du hast seinen Stern zum Verglühen gebracht. Natürlich trug
er selbst einiges dazu bei. Trotzdem obacht! Einer wie er kocht immer
etwas aus und ist immer für eine Überraschung gut. Er wird
es nie zugeben, dass er dich total unterschätzte. Dafür kommt
auch jetzt die Rechnung. Ich habe noch seinen Tobsuchtsanfall im Ohr
als ihn kürzlich in Graz ein Kommunist abhängte. Nur was hat
der Kummerl davon? Viele Stimmen, aber keine Mandatare!
Erstklassig dein Winkelzug den smarten Sonnyboy von denen auf deine
Seite zu ziehen. Gut, dass du dir als Quereinsteigerin eine abgetakelte
Pirouettentante geholt hast, mag aus einer Laune heraus geschehen sein.
Abgesehen davon, was hatten die anderen zu bieten an Quereinsteigern?
Und was ist aus ihnen geworden? Die Roten wollten mit "Modern Times"
punkten. Dazu einen, der unbedingt Außenminister werden wollte.
Sicher wäre der nicht vor sämtlichen EU-Größen
anbiedernd herum schwarwenzelt wie deine Penetranzlady. Und nicht zu
vergessen, diese Ex-Superintendentin. Was brachte es ihr? Kirche weg
und Job. Das Leben ist ungerecht. Gott ist ungerecht. Er pfeift auf
seine Schäfchen. Und erst recht die Partei.
"Schauen Sie mir in die Augen" damit glaubte der
rote Oberapparatschik, dass dir das imponiert und er dir Paroli bieten
könnte.
Du hast das wirklich raffiniert gemacht während der Koalitionsverhandlungen.
Jetzt bist du tatsächlich der Herr der Nasenringe. Aushungern,
dann wieder ein bisschen Zucker, anderntags wieder die Peitsche. Und
Humor hast du. Dein vermeintliches Techtelmechtel mit den Grünen.
Glaube mir, auch die werden es auch eines Tages verstehen, wenn erst
die letzte Tankstelle geschlossen sein sollte, dass sie dann am Wochenende
kein Bier bei Greenpeace kaufen können. Mit Sicherheit hättest
du dir in der Hofburg "allerhöchstes Missfallen"
eingehandelt.
So wie du es mit diesem Land gemacht hast, so zeige ihnen auch in Brüssel
den Herrn. Hau ihnen den Transitvertrag um die Ohren mitsamt den Benes-Dekreten.
Sei für die Ost-Erweiterung, steh für Abfangjäger ein
mach alles, was dir noch mehr Macht verschaffen kann. Lass die
anderen an der langen Leine verhungern.
Macht ist geil. Und du hast du den Mumm dafür längst erworben.
Biegsames Rückgrat wie ein Artist des Chinesischen Nationalzirkus'.
Deine Moral trägst du in der Sonntagsmesse öffentlich zur
Schau. Das genügt. Trotzdem musst du nicht auf deine weißen
Handschuhe verzichten. Deine Vasallen und Vollstrecker setzen deine
Pläne um.
Hör auf deinen Tiroler Macchiavelli und nimm Gott in die Verfassung.
Lass deine Generalin weiterhin lautstark und überschwänglich
Gott für dieses Wahlergebnis danken. Der alte Mann hat derzeit
mit seiner Schöpfung ziemlich viel um die Ohren. Außerdem,
was willst du? In diesem Alter darf man bereits ein wenig senil sein.
Wahrscheinlich ist ihm am 24. November ein unabsichtlicher Lapsus passiert.
Oder du, dieses Land, seine Bewohner sind ihm schlichtweg wurscht!
Sonst wärst nämlich du, mir - der Macht - und deinesgleichen
und alle deine Vorgänger, egal welcher Farbe, nie so gründlich
auf den Leim gegangen!"
15. März 2003
Leserbrief
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