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FrauenFragen

Es war einmal ein braves Mädchen, dessen sanftes, angepaßtes Wesen während des Studiums spurlos verschwand. Es mutierte zur geifernden Feministin und fing an, als freie (ha!) Journalistin zu arbeiten. Zwei Ehen später: Eine frustrierte Ex-Feministin („Frauen – die besseren Menschen ... wieso hat mir nicht schon vor Jahren irgendwer gesagt, daß das eine verdammte Lüge ist?"), die Fragen stellt. Dumme, politisch kein bißchen korrekte Fragen. Sie stellt sie jeden Monat hier – in einem, zugegeben, intellektuell viel anspruchsvolleren Umfeld. Und sollte ihr mal nichts einfallen: Andere Frauen haben auch schöne Fragen und sind hiermit herzlich aufgefordert, sie in Die Gazette zu stellen.


Wie werde ich Neo-Nazisse?

Als der „Stern", eine früher scheißliberale, heute zur absoluten Bedeutungslosigkeit verkommene Illustrierte, vor einiger Zeit „Hitler und die Frauen" auf den Titel hob – zeitgleich mit Reinhold Dörrzapfs Serie in der Münchner AZ – bekam ein Kollege nach eigener Aussage „Depressionen".

Ich wollte noch zuhören, womit er seine desolate Seelenlage begründet, da drifteten meine Gedanken schon ab in Richtung: Wie, zum Teufel, werden eigentlich Mädchen oder ausgewachsene Frauen heutzutage Neo-Nazis? Mütter von Neo-Nazis? Glatzen-Lebensgefährtinnen? Unvorstellbar für unsereine, nicht wahr?

Mit ein bißchen Hilfe von unseren Soziologen-Freunden können wir's natürlich nachvollziehen: Elternhaus, Peer-Group, Protest gegen das Establishment, kein Ausbildungsplatz, und schwupps. Das ist leicht.

Nur gibt es schließlich noch ein paar andere scheußliche Zeitgeist-Erscheinungen in diesem unserem Land... Vielleicht sind wir verlogene Spenden-Nehmer oder brustalstmögliche Nicht-Aufklärer inzwischen einfach gewöhnt. Aber was mich wundert: Warum schreien die Frauen eigentlich nicht auf, wenn bekannt wird, dass jetzt Ministerinnen mit gierigen Agrarsubventions-Lobbyisten kungeln oder den Rinderwahn, solange es eben geht, vertuschen (man will ja die Verbraucher nicht unnötig beunruhigen).  D a s  sind auch Schwestern, nicht wahr? Oder sind die einfach zu Männern ehrenhalber ernannt worden?

Ich will euch sagen, warum: Die Frauenbewegung gibt's nicht mehr. Die Mädels mit einem Rest Grips gehen jetzt alle zum Fernsehen. Nicht zu dem mit dem Bildungsauftrag oder den niedlichen Tiersendungen, sondern zu dem mit den echten Quoten-Hämmern. Das im Auftrag der Volksverdummer die ultimative Fun- und Greed-Gesellschaft propagiert. Wer wird Millionär. Big Brother. Leute heute.

Und alle, die bei dieser pseudo-hedonistischen Verschwörung mitwirken, die uns Brot und Spiele als Lebensentwurf hinschmeißen, „Da, friß!", dürfen sich keinen Deut besser fühlen als jene tumben Tussis, die Springerstiefel lecken. Sorry. Einige meiner besten Freunde arbeiten beim Fernsehen. Ich hab's auch schon getan, Gott helfe mir.

Ich will nicht „Fernsehen" gleichsetzen mit: „brauner Pöbel, der im besten Fall Nazi-Lieder grölt und im schlimmsten Ausländer umbringt". Ich frage mich nur, welche Rolle Frauen eigentlich heute bei der politischen Willensbildung spielen... Und ob es genügt, zu sagen: Mit einem Neo-Nazi würde  i c h  nie ins Bett gehen.

1. März 2001

Und Sie?