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Ein Gedicht, das keiner sieht Paradiesische Verschwendung "Hast du das gelesen?" fragte mich meine Frau beim Samstagsfrühstück und deutete auf das Inhaltsverzeichnis des FAZ-Feuilletons vom Wochenende, Seite 33, im Kasten rechts unten (nun gut, jetzt ist es raus, ich lese die FAZ, natürlich nicht den Wirtschaftsteil, und auch das Kohl-Interview in dieser Ausgabe fand ich ziemlich überständig, nein, es ist das solide Feuilleton, das mich interessiert, und auch das nur am Wochenende). "Nein", sagte ich, der professionelle Zeitungsleser, "ich
lese doch nicht das Inhaltsverzeichnis eines Feuilletons, das ich insgesamt
zu lesen vorhabe." Jetzt staunte ich doch ein wenig. Ich hatte ein paar Reimzeilen gehört
(auch wenn mir die beiden letzten grob arhythmisch vorkamen), das immerhin,
und dachte mir: Diese Ex-SZ-Journalisten hatten offenbar mal was Poetisches
in der Feder. Aber noch bevor der flüchtige Gedanke ausformuliert
war, sagte meine Frau: Als ich mich wieder erholt hatte, bewunderte ich erst einmal meine
Frau für diese wirklich nicht alltägliche Entdeckung. (Machte
die FAZ sowas immer schon?* Ich nahm mir vor, künftig genauer hinzuschauen.
Das sollte mir nicht nochmal passieren.)
Und der Schöne-Kommentar erklärt dieses Spiel mit der die
Welt bedeutenden Kugel als Allegorie der Unbeständigkeit, das Rad
der Fortuna, Diesen Reichtum an assoziativen Gedanken und Figuren, ja an schier weltpolitischer Aktualität breitete also die FAZ vor ihren Samstag-Lesern aus, aber nicht als zeigefingernde Lektion, sondern in der wohl denkbar ätherischsten Andeutung, einer kaum wahrnehmbaren Geste, versteckt in einem Prosa-Akrostichon, das als solches schon fast unerkennbar ist und - falls doch irgendwie bemerkt - von fast niemandem mehr auf seinen welthaltigen Kontext bezogen würde. War das ein erfolgreich verhülltes Literaturrätsel? Ein eitles Spiel letzter gebildeter Redakteure? Perlen vor die Säue geworfen? Selbstverständlich ist etwas so ungesehen Verteiltes die pure
Vergeudung und, ökonomisch gesehen, ohne Sinn und Verstand. Aber
auch nur ökonomisch gesehen, unter dem Diktat der Knappheit halt.
Dieses Angebot jedoch, dem jede Nachfrage, ja jeder Dank egal ist, kommt
wie aus einer Welt jenseits des nutzenfixierten do ut des. Es ist wie
der Nachklang einer paradiesischen Fülle, einer Verschwendung aus
unendlichem Überfluss. * Ja, wie bei einer Rückfrage zu erfahren war.
Es ist der Umbruchredakteur, der das schon seit langem so hinbastelt |
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