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Journalismus Pressefreiheit ein unpassender Begriff für Russland? Do swidanja, Demokratie! meinte DER SPIEGEL nach der
aufsehenerregenden Quasi-Verstaatlichung des Moskauer Fernsehsenders
NTW im letzten Jahr. Die NGO "Reporter ohne Grenzen" forderte
im vergangenen April Präsident Putin auf, "die Presse wieder
frei und ungehindert arbeiten" zu lassen. Und der Vorsitzende des
Deutschen Journalistenverbands, Rolf Lautenbach, meint kürzlich
sogar, "man bewege sich immer weiter auf das Medinmonopol zu, das
zu Zeiten der Sowjetunion geherrscht habe". Von Kai Ehlers Seit dem NTW-Skandal des Jahres 2001 gilt Russlands Pressefreiheit als erledigt. Die Quasi-Verstaatlichung des privaten Senders, dessen einst aufmüpfige Redaktion jetzt auf dem Moskauer Regional-Sender TW-6 weitermachen darf, die Schließung der Zeitungen "Sewodnja" und "Itogi", die Einschüchterung von "Radio Moskau" und die mit dem ganzen Vorgang verbundene Disziplinierung der Medien-Oligarchen Wladimir Gussinski und Boris Beresowski war zweifellos ein Sieg Wladimir Putins auf dem von ihm propagierten Weg zu einer Herausbildung eines "starken Staates" durch eine "Diktatur des Gesetzes". Dieser Vorgang fügt sich in eine Reihe von Maßnahmen ein, die Wladmir Puten vom Mr. Nobody zum Führer der autoritären Modernisierung aufsteigen ließen, durch die das gegenwärtige Russland bestimmt wird. Das sind: - Vor allem anderen der Krieg in Tschetschenien, der von Wladimir Putin
als Motor nationaler Vereinheitlichung betrieben wird; Dies alles, wie beunruhigend auch immer, wird mit Klagen über ein Ende der Pressefreiheit in Russland jedoch nicht erfasst. Der Grund dafür ist, wie Alexej Simonow von der Moskauer "Stiftung Glasnost" seit Jahren deutlich zu machen bemüht ist: weil es in Russland bisher keine Pressefreiheit im westlichen Verständnis gab. Es fehlen die einfachsten Voraussetzungen: Es gibt keine Gewaltenteilung auf der Basis eines freien Marktes, wie es die Ideologie der Reformer behauptet, in der die Presse die Rolle einer unabhängigen, selbstfinanzierten vierten Macht übernehmen könnte. Es gibt so gut wie keine Fernseh- oder Rundfunksender, keine Zeitungen, die sich selbst finanzieren könnten. Sender, Zeitungen, Zeitschriften werden von Finanzclans oder von staatlichen Organen unterhalten. Journalismus in Russland ist Auftragsjournalismus, weniger freundlich formuliert, käuflicher Journalismus: "Käuflicher Journalismus", so Alexej Simonow, "ist unser größtes Problem." Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel. Von der Sowjetzeit unterscheidet sich dieser Journalismus allein dadurch,
dass der frühere staatliche und zentralistische Auftraggeber weitgehend
privatisiert wurde.
Gleichzeitig sucht Wladimir Putin auch das direkte Gespräch: Gleich
zu Beginn seiner Amtszeit, im Januar 2001, lud er zweiunddreißig
hochrangige Vertreter von Presse, Fernsehen und Funk ein und erklärte
ihnen, dass die Freiheit der Presse eines der wichtigsten Ziele der
letzten zehn Jahre gewesen sei und auch zukünftig bleibe. Er kritisierte
einzelne polizeiliche Übergriffe und versprach, dass die Presserechte
nicht eingeschränkt werden sollten. Hohe Priorität räumte
er der "Schaffung eines einheitlichen Informationsraumes"
ein, weil nur damit die Integrität des Landes gewährleistet
werden könne. Tatsächlich explodiert die Internet-Szene. Professionelle russische
Internetanbieter, dazu Internetcafes wie das Moskauer "Cafemax"
und andere wehrten sich erfolgreich gegen Versuche der Behörden,
den Zugang zum Internet staatlicher Kontrolle zu unterwerfen. Ergebnis all dessen ist keine Zensur, keine Diktatur, kein Faschismus;
Ergebnis ist tatsächlich eine weitgehende Selbstzensur der russischen
Medien auf Basis eines Konsenses, bei dem die "russischen Interessen",
eben die von Wladimir Putin betriebene autoritäre Modernisierung,
im Mittelpunkt stehen. Kontrollierten Pluralismus könnte man dieses
Putinsche System nennen. |
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