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Japan

"Im Gegensatz [zu den Dächern gotischer
Kathedralen] stülpt sich bei
den Tempelhallen unseres Landes ein riesiges Ziegeldach über das
ganze Gebäude,
und die Struktur ist in dem breiten, tiefen Schatten zusammengefaßt,
den das
Vordach wirft. Nicht nur bei den Tempeln, sondern auch bei den Palästen
und
Bürgerhäusern ist das, was von außen her am meisten
in die Augen fällt, das
große, manchmal ziegelgedeckte, manchmal schilfgedeckte Dach und
die unter dem
Vordach sich ausbreitende kompakte Dunkelheit. Gelegentlich herrscht
selbst am
hellichten Tag von der Dachtraufe an eine höhlenähnliche Düsternis,
und der
Eingang, die Türen, die Wände, die Pfeiler sind kaum zu erkennen."
...
... "Wenn wir also einen Wohnsitz errichten, breiten wir vor allen
Dingen des
Schild eines Daches aus, beschatten damit ein abgemessenes Areal auf
dem
Erdboden und konstruieren das Haus in diesen dämmrigen Schattenbezirk
hinein."
Aus:Tanizaki Jun'ichiro, Lob des Schattens, Entwurf einer japanischen
Ästhetik,
Manesse Bücherei Zürich, 1998. Der Originalbeitrag wurde 1933
in Tokyo
publiziert.
Das Foto (Titel: F234.04, Tokyo, National Museum of
Western Art, 2000; aufgenommen im August 2000) zeigt einen Teil des
Innenhofs des National Museum of Western Artin Tokyo.
Photograph: Hubert Kretschmer, München
28. Juni 2001
Leserbrief
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