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Die Religion zieht in den Krieg
Vater unser 1914
Der
Dichter dieses Kriegs-Vaterunsers, Mirko Jelusich, "Sohn eines
kroatischen Vaters und einer deutschen Mutter, ist am 12. Dezember 1886
im Semil in Deutsch-Böhmen geboren. Er kam jedoch schon als kleines
Kind (mit zwei Jahren) nach Wien und hat es seither, abgesehen von größeren
Reisen, nicht mehr verlassen. Er besuchte die Schulen in Wien, hat hier
auch studiert und promovierte 1912 zum Dr. phil. Er hat den Weltkrieg
als Freiwilliger mitgemacht, zuletzt als Offizier in einem österreichischen
Artillerie-Regiment. Jelusich war nach dem Kriege in verschiedenen Berufen
tätig, war Schriftleiter in Wien und lebt jetzt als freier Schriftsteller.
Hauptwerk: Der Löwe (1936)".
Aus: Dr. Hellmuth Langenbucher, Volkhafte Dichtung
der Zeit, Berlin 1941.
Vater unser, der du bist in dem Himmel,
Aus Not und Tod und Schlachtgetümmel
Heben zum Schwur wir empor die Hand:
Wir sind nicht schuld an dem Weltenbrand!
Geheiliget werde Dein Namen.
Wo Frieden herrscht: uns gönnen sie's nicht!
Siehe, rundum des Hassens Samen
Ist aufgeschossen wie Giftkraut zum Licht:
Es ist kein Kampf von gleich gegen gleich!
Zu uns komme Dein Reich.
Und deine helfende Nähe
Schütze das Reich gegen falsche List!
Dein Wille geschehe.
Auf daß sie alle es inne werden,
Daß eine strafende Macht noch ist
Wie im Himmel, also auch auf Erden!
Gedenke des Schreckens, der uns bedroht:
Gib uns heut' unser tägliches Brot
Und gib uns den Mut, der uns aufrecht hält,
Und das Vertrauen auf Deine Huld,
Wenn alles um uns in Trümmer fällt,
Und vergib uns unsere Schuld,
Sofern wir solche begangen hätten,
Als auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Wir kämpfen ja nur um der Heimat Stätten,
Die sie mit Feuer und Mord versehr'n!
In Versuchung führe uns nicht,
Daß unsere Heere werden zu Horden
Und statt zu halten strenges Gericht,
Es jenen gleichtun im Sengen und Morden,
Sondern vom Übel uns erlose!
Ein Wort von Dir, so erliegt das Böse,
Denn Du bist der ewige Richter der Welt!
Drum haben wir unsern ehrlichen Streit
An Deines Thrones Stufen gestellt
Und geh'n in den Kampf, zum Letzten bereit
In Deinem heiligsten Namen.
Amen.
Quelle:
Traum und Wirklichkeit. Wien 1870-1930 (Ausstellungskatalog, S 619)
12. Januar 2003
Leserbrief
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