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Lektüre-Empfehlungen Emanzi...was? Von Eva Herold
Allerdings, wenn ich's mir recht überlege - wozu sollte jemand
feministische Theorien kennenlernen? Um mitzukriegen, dass unser Sozialgefüge
von Männerbünden dominiert ist, brauchst du weder Bertha Eckstein-Dieners
"Mütter und Amazonen" zu kennen noch Volker Elis Pilgrims
"Der Untergang des Mannes", weder Virginia Woolf noch Robert
Bly. Du musst nur Zeitung lesen, dich um einen Job bewerben oder Phoenix
einschalten, wenn gerade eine Bundestagsrede übertragen wird. Wobei letztere mir weniger lästig sind - ihre ganze Energie ist in Konsum und Karriere gebunden. Sie haben verinnerlicht, was sogenannten Frauenzeitschriften seit Jahrzehnten wie eine Seuche verbreiten (auch die altgediente Geschlechterkämpferin Germaine Greer prangert sie in ihrem letzten Buch "Die ganze Frau" an): diese gängige, aber grotesk verzerrte Vorstellung von Emanzipation, die postuliert, dass Frauen, weil ihnen "alle Möglichkeiten" offenstehen, diese gefälligst auch ergreifen und also perfekte Berufstätige, Mütter und Geliebte werden müssen. Damit sind sie erst mal beschäftigt. Wirklich nervig finde ich die ausbeuterischen Weiber, die den halbverdauten Frauenbewegungs-Schwurbel auch im Kopf haben, aber jetzt mit ein bis zwei Kindern zum Beispiel im "Speckgürtel" rund um München in ihren frisch aus dem Acker gestampften Reihenhäuschen sitzen und als "Nur-Hausfrauen" allen das Leben schwer machen. Sie sind das Resultat des bayrischen Modells von Stoiber und der unsäglichen Strauß-Tochter Hohlmeier. Betty Friedan beschrieb diese Lebensform Anfang der 1960er in "Der Weiblichkeitswahn": Sobald Frauen im Produktionsprozess überflüssig werden, ist langes Stillen und permanente Präsenz der Mutter wieder das einzig "Natürliche"... it's hip to be square. Ich kann von meinem Fenster aus sehen, wie die dazu gehörenden (und wahrscheinlich hoch verschuldeten) Häuslebauer zu nachtschlafender Zeit nervös zur Pendler-S-Bahn eilen und zehn Stunden später mit hängenden Schultern zurückkommen. Während die liebenden Gattinnen inzwischen in chicken "Freizeit"-Klamotten (arrghh) ihre Kinderwägen durch die Gegend schieben und daheim den Göttern des Landhaus-Stils huldigen - aber pronto den letzten Bauern am Ort verklagen, sobald sein Gockel zur Unzeit kräht, und ihren Kurzen beibringen, dass es "Pfui" ist, wenn ein Hund in die Wiese scheißt. "Frauen - das verrückte Geschlecht?" betitelte der Rowohlt-Verlag 1977 Phyllis Cheslers Studie über "Women and Madness", und Alice Schwarzer regte sich im Vorwort über die patriarchalischen Strukturen der Psychiatrie auf. Damals war "queer" angesagt, und die Überlegung, ob Normalo-Frauen mit ihrem Selbstverwirklichungs-Anspruch zwischen Laura Ashley und Shakti Gawain die im System gefangenen Arbeits-Männchen nicht genauso in den Wahnsinn treiben, politisch absolut unkorrekt. Und noch heute kann frau so etwas nicht laut sagen, ohne gleich in die Ecke von Esther Vilar ("Der dressierte Mann") gestellt zu werden. Auch wenn moderne Theoretikerinnen wie Judith Butler ("Das Unbehagen der Geschlechter") längst über simple Mann/Frau-Zuschreibungen und Rollen-Spiele hinaus denken. So, Schätzchen, das waren meine Lektüre-Empfehlungen zum Thema gender studies. Eine äußerst subjektive und durchaus unvollständige Auswahl von Werken, die jede/r kennen sollte, um in dem "semiotischen Krieg" (Butler) Stellung beziehen zu können, der da draußen tobt. Was nichts an deiner Realität von Job, Privatleben und Politik ändern wird. Aber du hast das Gefühl, es zu checken. Und das ist doch viel hipper, als einfach nur straight oder queer zu sein. 12. Januar 2003 |
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