Gerburg Garmann

Maconas

Genug, sage ich, genug, maconas!
Sollt nicht dahin, so jung.
Warum die Länge des Sonnenpfades
Im Schatten der Seher verfolgen?
Warum das alte Anliegen weiterspinnen
In feinstem Steinwerk, mit brustumklammernden Fäden?

Verfallen ist der gestrige Tag im Rauchwerk der Opfer.
Gewählte, kein Nochmals, wo liegt euch der Kopf,
Wählt, öffnet die blinden Fenster,
Draußen tanzt der Wind mal Samba mal Hip Hop
Hoch über den Resten des ungläubig ächzenden Fundaments.

Jeden Stein kennt ihr, flugs,
stellt die Sonnenuhren vor, zählt eure Münzen,
Schüttelt sie wie baren Morgentau
Aus eurem Kleid, keine zehn Pferde,
In deren Mähnen ihr euch knotetet,
Bringen euch zurück.
Der Berg ist übel dran,
Was ihr in Abrede stellt auch.


31. Januar 2002

Leserbrief


 Haben Sie schon  unseren  kostenlosen  Newsletter  abonniert?

 

Kommentar der Autorin:

Die Maconas waren ein Teil der Inkakultur. Als erwählte "heilige" Frauen lebten sie auf dem Machu Pichu nahe dem Sonnentempel. Ihre Aufgaben umfaßten das Weben von Gewändern, generell die Zubereitung von Mahlzeiten und das Brauen eines bestimmten alkoholischen Getränkes (chica) für die Priesterschaft und den Inka-Adel.
Mein Gedicht nimmt das uralte Thema der Frau als Teil des welch-auch-immer religiösen Ritendekorums ohne das Recht zur Teilnahme an den Zeremonien selbst wieder auf. Es ist, so scheint nicht nur mir, noch heute aktuell (wenn auch in sicherlich veränderter Form).