Die Nibelungen

Das geheime Königreich 2

Von Jimmy Stepanoff



Siegfrieds Ritt nach Worms führte ihn an der "Drachenhölle" vorbei ... Der Drache stand da. Standhaft, naturgemäß ... Es hätte gewiss andere Wege gegeben, eine Umkehr ohne Streit. Doch Siegfried tötet den Drachen ...! Der Mensch bezwingt die Natur, bevor er gelernt hat, sich selbst zu beherrschen. Die Anmaßung, Präpotenz und Arroganz als krankhafter Trieb des Menschen einst wie heute, ist nichts Faszinierendes ... der unnachgiebige Wille zur Macht ... die Verbindung von Siegfrieds "Untaten" mit denen des urbanen Menschen, des Erbauers von Parkplätzen und Betonburgen: Das war die banale Antwort.



Der Fantasie geht es nicht um die Rekonstruktion der Geschichte. Krisen stellen die Wirklichkeit der Welt, die Gegenwart und Zukunft des Menschen in Frage. Märchen und Legenden spiegeln das goldene Zeitalter, wo bis ganz hinten ins Paradies hineinzusehen ist. Mögliches und Magisches stehen unverbunden nebeneinander und lassen dem Betrachter Raum für die eigene Fantasie. In dieser Fantasie bilden sich „verkehrte Welten", irritierende, wenn nicht groteske Gegenbilder zu denen des Gegenwärtigen.
Die verkehrte Welt als etwas Verrücktes, ein verzerrtes Kontrastmodell zu einer scheinbar intakten Welt verkehrt sich heute noch einmal. Denn inzwischen scheint die Welt selbst morgens um sieben Uhr nicht mehr in Ordnung zu sein. Auch im historischen Horizont des finsteren Mittelalters brachten Sagen und Legenden diese "perverse Welt" wieder in ihre Ordnung.




Texte und Bilder aus:
Jimmy Stepanoff, Die Nibelungen. Das geheime Königreich 2, München (Artenvielfalt Publikationen) 2002

22. Dezember 2002

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