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Anpassungsschwierigkeiten Das arisierte Alphabet Wie machen es andere beim Buchstabieren am Telefon? Z.B. beim Buchstaben S: "comme Suzanne" (sagen die Franzosen), "come Susanna" (die Italiener), "como Sabado" (die Spanier) oder auch "as in Sugar" (Engländer und Amerikaner). Und die Deutschen? Die meisten sagen "wie Siegfried", manche aber auch "wie Samuel". Woher dieses Schwanken? Von Rainer Zenz Die Geschichte des deutschen Telefonalphabets beginnt mit dem Berliner
Telefonbuch von 1890. Damals wurden den Buchstaben einfach Zahlen zugeordnet.
"Zenz" hat man damals also "Fünfundzwanzig / Fünf
/ Dreizehn / Fünfunfzwanzig" buchstabiert. Kein Wunder, daß
sich das nicht durchsetzen konnte. Seit 1903 gibt es dann Namen für
Buchstaben - ein Konzept, daß sowohl mnemotechnisch überlegen
ist, als auch dem eigentlichen Zweck besser entspricht: präzise
Textinformationen störungstolerant weiterzugeben. "Zenz"
wird ab 1903 "Zacharias / Emil / Nathan / Zacharias" buchstabiert.
Die Karte wird einen Monat später mit dem Begleitschreiben "Anliegend wird ein Schreiben des hiesigen Teilnehmers Joh. Schliemann - 2155/56 - wegen Ausmerzen der in der Buchstabiertafel auf Seite 5 des Fernsprechbuches enthaltenen jüdischen Namen vorgelegt." an die Oberpostdirektion (OPD) Schwerin weitergeleitet. Einen Tag später gehen die beiden Schreiben an die Oberpostdirektion Berlin - ergänzt um diese Notiz: Es (das Anschreiben aus Rostock) verkennt hierbei indes, daß es sich um Namen von Männern des alten Testaments handelt, die später nicht nur von Juden, sondern vielfach auch von allgemein angesehenen Männern beider christlicher Konfessionen getragen worden sind. Bei Ausräumung dieser Namen aus der Buchstabiertafel zum augenblicklichen Zeitpunkt kann mit Sicherheit angenommen werden, daß diese Maßnahme nicht nur bei dem Judentum Anstoß erregen, sondern auch bei den Angehörigen der beiden christlichen Konfessionen nicht überall Verständnis finden wird und möglicherweise auch im Ausland Angriffe zu Folge haben würde, die der nationalen Bewegung in Deutschland nicht dienlich sind. Die OPD erachtet daher eine Änderung in der angestrebten Weise zum mindesten jetzt noch nicht für angebracht und beabsichtigt, den Antragsteller durch das Postamt Rostock dahingehend im Wege mündlicher Besprechung bescheiden zu lassen. (...) Die Angelegenheit landet schließlich am 31. März 1933 auf dem Schreibtisch des Beamten Neugebauer, der einer "Bereinigung" aufgeschlossener gegenübersteht. Er veranlaßt den Test "nichtjüdischer" Namen und am 22. April werden die Änderungsvorschläge "Dora, Julius, Nikolaus, Siegfried und Zeppelin" veröffentlicht. Die befürchteten Reaktionen bleiben nicht aus. Hier die Antwort der OPD auf eine Beschwerde des Reichstagsabgeordneten Jakob Sprenger: Sehr geehrter Herr Reichsstatthalter! Die im Telefonbuch von 1934 dokumentierten Änderungen sind schließlich diese: - Dora, Jot, Nordpol, Siegfried, Zeppelin (vorher David, Jakob, Nathan,
Samuel, Zacharias), Die Korrektur von "Änderung" zu "Ärger" und von "Überfluß" zu "Übel" läßt immerhin auf eine realistische Selbsteinschätzung schließen. Nach dem Krieg dann, 1948, wird das Telefonalphabet offizell "entnazifiziert"
- teilweise jedenfalls. Genauer gesagt bei zwei Buchstaben: Aus "Siegfried"
wird wieder "Samuel" und aus "Zeppelin" wieder "Zacharias".
Hat wohl nicht richtig geklappt, denn fast jeder verwendet weiter die
Namen aus der Nazizeit.
3. Dezember 2002 |
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