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Gerburg Garmann

Ballade des Wurzelwächters

Bewache die Wurzeln nun, ich
verstoßener Engel, Geist nicht länger,
der stets verneint, seit ich sie sah,
um ihr Leben singt sie, noch makellos
trägt sie trunkene Flut durch den Dornwald,
wo's Heideröslein stand.

Sing, Scheherazade, sing,
Deine Geschichten kenn ich, nun
will ich dein Lied, hüll dich
in Windlocken und eile dem Feldrand zu,
dort wart ich auf dich, lechzend,
mit zerschmetterten Flügeln.

Wirst löschen meinen brennenden Wald
unter der Erde, schon jetzt spitz ich
die Lippen durchs plumpe Erdreich und küss
deine Fußsohlen, ach, du denkst
ich sei nichts als der warme Mittagsboden.

Sing, Scheherazade sing. Hörst nicht auch
Meinen nahen Gesang? Geduldig schab ich
die Kruste, ich, der unter die Erde verdammte
Wurzelwächter, schabe und schabe, mein Herz
kreischt schäbige Lust. Wenn nicht
zum Sternengewölbe so doch zur Erde
will ich zurück, schwelgen
mit dir beim Blattfang.

Der Autor, Gerburg Garmann, ist Ph. D. am Department of Modern Languages der University of Indianapolis.


7. Dezember 2001

Leserbrief


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