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Globalisierung als treibende Kraft Der Bericht zur "World Migration 2003" der Internationalen Organisation für Migration (IMO) zeigt, wie vielschichtig das Phänomen der zunehmenden Mobilität der Menschen weltweit ist. Die treibenden Kräfte für die wachsende Zahl der Migranten weltweit sind die Globalisierung und die Handelsliberalisierung. Verstärkt wird diese Entwicklung durch die unterschiedlichen Lebensstandards und den demographischen Entwicklungen in den industrialisierten Ländern. Der Welt-Migrations-Bericht zeigt einige Trends auf, welche bisher kaum in der Öffentlichkeit diskutiert werden. Rücküberweisungen höher als Entwicklungshilfe So stellen beispielsweise für viele Entwicklungsländer finanzielle Kapitaltransfers von im Ausland lebenden Bürgern eine wichtige Einnahmequelle dar. Die finanziellen Transferleistungen der Auswanderer in ihre Heimatländer liegen mit einem jährlichen Gesamtbetrag von mindestens 100 Milliarden US Dollar weit über der Summe der offiziellen Entwicklungshilfe. Dies relativiert die bisherige Sichtweise vom sogenannten "Braindrain", der Auswanderung gut ausgebildeter Arbeitskräfte, als einer einseitigen Schädigung der unterentwickelten Herkunftsländer. Immer mehr Frauen verlassen ihr Land Bisher kaum wahrgenommen wird die "Verweiblichung" der Migration. 48 Prozent der 175 Millionen Migranten weltweit sind weiblichen Geschlechts. Frauen migrieren immer öfter außerhalb des Familienverbandes und gehen oft als alleinige Familienernährerinnen ins Ausland. Dies eröffnet Chancen für Emanzipation und Unabhängigkeit, andererseits unterliegen Frauen besonders häufig der Ausbeutung als Arbeitskräfte und sie werden Opfer von Menschenschmugglern und sexueller Ausbeutung. Schätzungsweise zwischen 700.000 und 2 Millionen Frauen und Kinder werden jedes Jahr über internationale Grenzen geschleust Bessere Zusammenarbeit nötig Die Auswirkungen durch die zunehmende Migration auf die betroffenen Länder sind erheblich, eröffnen neue Chancen und Risiken. Berührt werden viele sensible Themen wie das der nationalen Sicherheit und Identität, des sozialen Wandels und der kulturellen Anpassung sowie der wirtschaftlichen Entwicklung. Die IOM plädiert in ihrem Bericht für eine intensivere multilaterale Zusammenarbeit, um ein humanes und wirksames internationales Migrationsmanagement zu fördern. Dies setze jedoch eine verbesserte Koordination innerhalb der nationalen Verwaltungen voraus. So arbeiteten bisher beispielsweise die für die Einreise und Kontrolle zuständigen Innen- und Justizministerien nur mangelhaft mit den für Integration zuständigen Sozialministerien, den für humanitäre Angelegenheiten zuständigen Außenministerien oder den Entwicklungshilfeministerien zusammen. Der 11. September habe zudem gezeigt wie wichtig die Integration von Zuwanderern sei, um Extremismus zu verhindern und die nationale Sicherheit zu schützen. Arbeit statt Sozialhilfe "Einwanderung ohne Integration ist wie ein Flugzeug ohne Starterlaubnis", erklärte die ehemalige, langjährige Berliner Ausländerbeauftragte Barbara John bei der Vorstellung des Migrationsberichtes in Bonn. Sie verwies darauf, dass Länder wie Frankreich oder die USA die Einwanderer erfolgreich in den Arbeitsmarkt integrierten. In Deutschland dagegen setze man mehr auf das Motto "geizig mit der Arbeitserlaubnis, großzügig mit der Sozialhilfe". Dies verhindere eine sinnvolle Integration. Nötig sei zudem ein verbesserter Dialog zwischen Einheimischen und den Zuwanderern, welches das gegenseitige Verständnis fördere. "Wenn Leute in eine Moschee gehen, ist das nicht automatisch ein Zeichen für eine Gegenkultur, sondern kann auch Bestandteil der Integration sein", so John. Denn in den 70er Jahren hätten sich viele islamische Einwanderer noch gar nicht getraut, sich öffentlich zu ihrem Glauben zu bekennen. In diesem Zusammenhang plädiert John dafür, Ausbildungsstätten für islamische Geistliche in Deutschland und Europa zuzulassen. Denn auf diese Weise könne verhindert werden, dass fundamentalistische Imame "importiert" werden müssten.
Deutschland könne im Umgang mit dem Islam vieles von anderen europäischen
Ländern wie Frankreich oder Spanien lernen, sagte Rita Süssmuth.
Die Menschen müssten jedoch vor Ort begleitet werden. Nötig
seien insgesamt mehr Transparenz und Ehrlichkeit in der Diskussion um
Zuwanderung. Eine Tabuisierung fördere nur die illegale Migration
und ein kriminelles Schlepperwesen, wo mittlerweile mit geringerem Risiko
höhere Gewinne als im Drogenhandel verdient würden. Gefordert
sei eine Politik, welche Mobilität und ein Pendeln zwischen Ländern
erleichtere. Erneut plädierte Süssmuth für eine Verabschiedung
des geplanten Zuwanderungsgesetzes in Deutschland als Voraussetzung
für eine erfolgreiche Zuwanderungs- und Integrationspolitik auf
internationaler und europäischer Ebene.
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