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Die Lage in Österreich
Alles paletti!
Von Günther Zäuner
Und wir sind doch eine Insel der Seligen! Hollaröduliöh!
Wir haben keine Probleme. Gut, wir haben einen Koalitionscalimero (=
immer den Scherm auf) vulgo Bundeskanzler. Schön, wir haben eine
außenministerielle Lächeltante, die sich für das weltpolitische
Nonplusultra hält. Eine Bundespräsidentin namens Löffler.
Dieser Herr Klestil ist bloß ein Potemkinscher Präsident.
Nicht zu vergessen, Schnatter-Susi vulgo Vizekanzlerin und Befehlsempfängerin
von Kara Ben Haider. Eine Opposition zum Kren reiben. Unser einst vielgerühmter
Sozialstaat geht in die Binsen. Was soll's?
Das Problem, daß uns Ösis tatsächlich unter den Nägeln
brennt, kam in den letzten Tagen erst richtig hoch. Da erdreistet sich
doch wirklich so ein herbeigelaufenes Karikaturistlein namens Gerhard
Haderer, zeichnet die Lebensgeschichte Jesu mit seinem blasphemischen
Blick neu, traut sich den Schmerzensmann als ständig durch Weihrauch
bekifften Althippie darzustellen und wagt es schlußendlich auch
noch dieses gestrichelte, gekritzelte Pamphlet als Buch herauszugeben!
Selbstverständlich muß dabei Satan seinen Pferdefuß
mit im Spiel gehabt haben, denn, dreimal Kreuzzeichen, gebenedeit und
fünfzehn Rosenkränze, entpuppt sich dies garstig Teufelszeug
auch noch (fünfmal Kreuzzeichen, gebenedeit und zwanzig Rosenkränze)
als Bestseller!
Was zu viel ist zu viel! Dachte sich wohl auch Wiens Erzbischof Kardinal
Schönborn. Anscheinend war die Direktleitung nach oben gerade gestört
war ja kurz vor Ostern und kein Blitz traf diesen mißratenen
Sohn Gottes vor der Staffelei. Oder Big Boß gerade anderweitig
beschäftigt und machte Scharon drunten zur Sau, weil er für
seine alte Intimfeindschaft mit Arafat nichts anderes als Krieg im Talon
hat. Wer weiß das schon so genau?
Jedenfalls, Big Boß pfiff auf seinen Wiener Abteilungsleiter.
Schönborn wandte sich daher an die Medien. Was kommt für einen
Kirchenmann in Österreich in Frage? Nur die altehrwürdige
und stockkonservative Tageszeitung Die Presse", wo bereits
während des Umblätterns Weihrauch und Myrrhe die zartbesaiteten
und Kerzenduft verwöhnten Nasen der p.t. Leserschaft umfächelt.
Schönborn machte also via Presse" seinem Unmut Luft
und verlangte allen Ernstes, daß sich dieses verlorene Haderer-Schäfchen
gefälligt bei allen Gläubigen zu entschuldigen habe. Damit
war der Bannfluch ausgesprochen. Schönborn entwickelte wider Willen
Topqualitäten als unfreiwilliger PR-Manager Haderers. Der Karikaturist
wiederum als neuer bildnerischer Messias hochgelobt oder als neuer Antichrist
verdammt. Verdächtig ruhig war es in St.Pölten, der niederösterreichischen
Hauptstadt und Amtssitz des Katholikenayatollahs Krenn. Ein kluger Mann.
Warum sich selbst die Soutane besudeln, wenn in Wien Bruder Schönborn
das bewerkstelligt.
Selbstverständlich mußte auch das Pharisäerblatt alias
Kronen-Zeitung" auf diesen Zug aufspringen. Umfragen unter
der besorgten Bevölkerung. Pro und contra Haderer. Leider überwogen
die Contras. Komisch... Und zu guter Letzt fühlte sich auch noch
ein Schauspieler oder besser Selbstdarsteller aus dem auch in Deutschland
sattsam bekannten Wussow-Clan bemüßigt, in einem Leserbrief
in der Krone" (Ausgabe vom 4. April 2002) seine Entrüstung
und Empörung kundzutun. Albert Fortell, Schwiegersohn Klaus-Jürgen
Wussows, scheint viel vom Schwiegerpapa gelernt zu haben. Nämlich,
keinen Fettnapf auslassen. Auch verständlich. Der große Durchbruch
in Hollywood will und will nicht gelingen.
Hollywood ruft zwar manchmal an, aber nur um mitzuteilen, daß
die Schaukel fertig wäre. Somit im eigenen Lande bleiben, sich
redlich nähren. Rosamunde Pilcher-Verfilmungen sind doch nicht
so schlecht. Da man obendrein das Vorzeigeehepaar Nr. 1 der Alpenrepublik
ist, kann auch Ehefrau Barbara mit von der Partie sein. Wenn die Solariumsbräune
nachläßt und man gerade nicht das passende Kleingeld für
die Liege parat hat, ist auch eine Rolle in warme Gefilde auf dem Traumschiff"
drin. Abgesehen davon, die Wörthersee-Gang rund um Carl Spiehs
läßt unsereins auch nicht verkommen. Sicher, Talkshows sind
ebenfalls nicht zu verachten. Barbara und ich können zu jedem Thema
unseren Senf dazugeben.
Was ist das aber alles dagegen, wenn man sich in der Krone"
wichtig machen darf! Vor ein paar Wochen auf der Titelseite gegen Temelin
und nun gegen diesen Haderer! Gutmensch Fortell mutiert sogar zum Rebellen
wenn sie mich nicht Michael Kohlhaas spielen lassen und
ruft wahrhaftig zum Boykott gegen Haderers Verlag Ueberreuter sowie
gegen Buchhändler auf.
Noch eine nette Randbemerkung bezüglich des Wiener erzbischöflichen
Oberpuritaners. Manchmal scheint auch Schönborn der Mut zu verlassen.
Ist noch nicht so lange her, da ging ihm, aus Gründen wie auch
immer, sein Generalvikar auf die Nerven und dieser wurde gefeuert. Allerdings
nicht in einem Gespräch von Christenmensch zu Christenmensch. Der
Kündigungsbrief wurde dem Mann unter dem Türspalt durchgeschoben.
Mit Verlaub ins Meßbuch geschrieben.
17. April 2002
Leserbrief
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