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J R Stepanoff
Die Nibelungen. Das geheime Königreich
Die Gruppe reitet in die Burg hinein
Frauenbild aus der Nibelungensage
Gestern, heute, morgen
Von Niko Klaussmann
Als mit der Romantik auch die kulturellen Wurzeln des Mittelalters wieder
mit Interesse erforscht wurden, musste fast zwangsläufig das Nibelungenlied
erneut Zuwendung erfahren. Rasch wurde das Material als zeitloses und
national bedeutsames Werk gepriesen. Auf welchen Stoffkern man sich
bezog, rückte immer mehr in den Hintergrund, schließlich
kursierten zahlreiche Übersetzungen und Bearbeitungen neben dem
mittelhochdeutschen Original. ...
Dabei bietet ein Perspektivenwechsel dem Leser interessante Einblicke
in die Regelwerke moderner Gesellschatten jenseits pathos-beladener
Gewaltmenschen.

Hinterhalt
Keiner der Protagonisten würde das gesellschaftliche System in
Frage stellen, vielmehr arbeiten alle an der Zementierung, Erweiterung
und Spiegelung des eigenen Wertes und Ranges innerhalb ihres Sozialgefüges.
Sie scheinen permanent gegeneinander und miteinander in politische Machenschaften
und Intrigen verwickelt zu sein, bleiben aber immer eitle Operateure
ihrer eigenen Rollen. Wer durch die Einkaufsstraßen großer
Städte flaniert, in den Hochglanzmagazinen blättert und auf
Konferenzen und Geschäftstreffen zuhört, kann sie beobachten.

Die erste Warnung an der Donau
Man mag darüber diskutieren, ob der Rang eines literarischen Stoffes
tatsächlich in seiner Zeitlosigkeit und potentiellen Adaptionsfähigkeit
liegt. Das Nibelungenlied bietet ähnlich anderen "großen"
Vorlagen die Möglichkeit, aus einem engen historischen Kontext
auszubrechen, da die Wesenszüge der Figuren und der Erzählablauf
mehr Variabilität erlauben als eine eindimensionale Interpretation.
Dies gilt subjektiv für einige Shakespeare-Stoffe, für Goethes
Faust, Dantes Inferno, Voltaires Candide und eine Hand voll andere Werke
mehr. Darin liegt die tatsächliche Größe des Nibelungenliedes.
J R Stepanoff, Die Nibelungen. Das geheime Königreich
1, Artenvielfalt
Publikationen, München 2001, 65 Seiten, 160 Abbildungen, Euro
21.50

Titelbild
4. April 2002
Leserbrief
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