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Anatol Immer dasselbe Die politisch korrekte Aufregung der Gewerkschaften über Schröders
Satz, es gebe kein Recht auf Faulheit, war vorhersehbar. Aber das interessiert
uns hier nicht. Auch nicht die heillose Trivialität der scheinbar
griffigen Aussage (es gibt, wenn wir schon dabei sind, auch kein Recht
auf Dummheit. Aber hilft das forsche Diktum etwa der politischen Intelligenz
auf die Beine?). Sogar der peinliche Merkel-Beifall für den SPD-Chef
geht uns so am Ohr vorbei. Nehmen wir an, Schröder entläßt seinen Redenschreiber (Jahresgehalt, konservativ geschätzt, dreihundertzwanzigtausend Mark) in die Arbeitslosigkeit. Sieben Monate später bietet ein Reitstall dem Arbeitslosengeldempfänger eine Stelle als Pferdeputzer an (Jahresgehalt, kühn vermutet, sechsunddreißigtausend Mark). Wird er die Stelle annehmen? Mit und ohne Recht auf Faulheit - nein. Ein Kanzlerredenschreiber macht doch nicht den Stallknecht! Nun sehen wir uns um in diesem Deutschland. Und sehen keinen Straßenkehrer
mehr, der mit seinem überlangen Besen in schönen Halbkreisen
das Trottoir säuberte. Keine Störschneiderin, die einmal im
Monat zum Nähen kam. Keinen Setzer, keinen Melker, keinen Gepäckträger
mehr. Und was, wenn nicht eine Ausstellung blitzblankneuer Automobile, eröffnet dieser Kanzler am liebsten? Wer, wenn nicht mindestens ein Manager mit locker achtstelligem Gehalt, begleitet ihn auf der Auslandsreise? Und gegen wen, wenn nicht "die Wirtschaft", kann man, wie er uns weismacht, nicht regieren? Tut uns leid, Kanzler, aber in die blöde Ecke, aus der Sie jetzt auch mit flinken Sprüchen nicht mehr herauskönnen, haben Sie sich selbst gemalt. Hätten Sie nicht bloß an Ihre Wiederwahl gedacht, hätten Sie folgendes sagen müssen: "Liebe Leute, mit dem Leben im Überfluß geht es langsam, aber sicher zu Ende. Wir können nicht mehr so weiterwirtschaften wie bisher, ohne Rücksicht auf Ressourcen, Natur und Klima. Was wir jetzt brauchen, sind Mut, Klugheit und Phantasie, aber auch etwas mehr Bescheidenheit. Nur so erreichen wir eine humane Gesellschaft im Gleichgewicht mit sich und ihrer Umwelt." Dieser Gedanke ist dem Kanzler nicht über die Lippen gekommen. Hoffen wir, daß er ihm wenigstens ab und zu in den Sinn kommt.
11. April 2001 |
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