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Hans Pfitzinger Politik nur echt mit dem Füllfederhalter Als ihn der Intendant der Münchner Kammerspiele im Zorn als "das bestangezogene Stück Seife" charakterisiert hat, da hat er vermutlich am Wortanfang von Seife zwei Konsonanten weggelassen und in der Mitte einen Buchstaben getauscht. Ist ja ein kultivierter Mensch, der Dieter Dorn. Vor ein paar Monaten hat Die Gazette ein deutlicher Hinweis auf den ausgefuchsten Aufklärungsjournalismus, der bei dieser Online-Zeitschrift betrieben wird , nach mühsamen Recherchen die Visitenkarte des neuen Kulturministers Julian Nida-Rümelin öffentlich gemacht. "Profilneurotiker" hieß es da kommentierend. War auch zu schön: Ein Name und drei Zeilen Titel. Jetzt haben wirs bildlich, amtlich: Dies hier Ja, und dann hält er da noch ein Schreibgerät in der Hand, mit aufgesteckter Kapsel. Jeder weiß, dass dadurch das Schreiben erschwert wird. Na und? Keiner hat gesagt, Minister für Kulturelles sei ein leichter Job, und deshalb will er zwei Dinge mal ganz deutlich machen, meine Damen und Herren da draußen im Lande vor den Bildschirmen: (A) Ich kann schreiben (na ja zumindest unterschreiben). Und: (B) Mein Sponsor heißt Montblanc. Das ist um Klassen besser als Madonna und Michael Jackson, die ja bekanntlich "nur" von Pepsi-Cola gesponsort werden. Kultur, Sie verstehen. Nix Laptop, Füllfederhalter: Goldfeder macht Edelfeder. Die taz stellte das Foto an einem Montag per Montage in einen breiten Bilderrahmen, wie das bei Ahnenporträts in besseren Kreisen so üblich ist: Ein Klassiker zu Lebzeiten. Oder wie Walter Ulbricht das Obrigkeitsfoto, gerahmt für die Amtsstuben. Oder Erich Honecker. Nur mit Füllfederhalter. Und das macht Schule, was ja auch mit Kultur zu tun hat. Schon am nächsten
Tag, Dienstag, Bayern sind fix, auch wenn sie aus dem südlichen
Mittelfranken stammen zog Aribert Wolf in der Münchener
Abendzeitung nach: Füllfederhalter in der Hand, mit wahlkämpferisch
leerem Lächeln in die Kamera biedernd. Wer? Na ja, der glücklose
Nicht-mal-beinahe-OB von München, CSU-belastet weit über dem
Unbedenklichkeitsgrenzwert, und seit seiner missglückten Dackelwahlkampagne
immer wieder gut für ein fröhliches Kichern in München.
War wirklich zum Kringeln: Hatte er doch Plakate kleben lassen, auf
denen er gemeinsam mit einem Rauhaardackel posierte. Damit wurden die
Wähler aufgefordert, Aribert Wolf ihre Stimme zu geben. Es war
dieses aber zu verwirrend für die Landeshauptstädter: Wer
ist denn nun Aribert Wolf? Ein Furchendackel mit voller Raubehaarung?
Oder etwa der Mann mit fortschreitender Vollglatze, der neben ihm von
den Wahlkampfgestellen lächelte? Sehen so Wölfe aus? Niemals,
sagte der Münchner, keiner von beiden! Und wählte, ob SPD-
oder CSU-Anhänger, dann doch lieber den Schnauzer von Christian
Ude. So leicht hat mans als SPD-Kandidat in München. Ja.
Vermutlich ja. Bitte erinnern Sie sich dann an die Online-Zeit, die
Sie mit Der Gazette verbracht haben: Sie haben es hier zuerst gelesen. |