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Eva Herold

FrauenFragen 3

Ob ich denn auch zu anderen Themen ausser zur aktuellen Braun/Antibraun-Diskussion etwas zu sagen hätte, fragt mein Herausgeber. Zum Beispiel zum Thema „Frauen"; ob das denn überhaupt noch ein Thema sei? Ich habe keine Ahnung, was der Mann meint: Für mich gibt es praktisch kein anderes. Denn sobald ich mich über etwas aufrege (und nur dann schreibe ich; den Rest der Zeit bin ich friedliebend, freundlich und faul), geschieht das naturgemäß aus der Sicht einer Frau. Da geht's mir ähnlich wie den Leuten vom Media-Markt: Ich kann nur weiblich. Zufällig rege ich mich diesmal über Frauen auf.

Warum heiraten Frauen?

Äh, wegen der Kinder...? Der Kandidat hat 100 Punkte. Und die ohne Kinder? Diese Frage stellt sich mir, seit ich die Einladung zur Hochzeit einer Freundin auf dem Tisch habe: Das Mädel sieht super aus, hat einen geisteswissenschaftlichen Magister, verdient gut Kohle in einem chicken Medienberuf – und jetzt will sie heiraten. Wieso tun Frauen so was? In den Zeiten des Postfeminismus sollte man eigentlich annehmen, daß eine intelligente Frau lieber tot umfallen würde, als einer staatlichen (oder kirchlichen) Stelle ihren Freund offiziell vorzustellen. Steuerliche Vorteile? Dieses Schönheitspflästerchen auf der reaktionären Fratze des „Schutzes von Ehe und Familie"? Ach bitte. Und nur total endblödete Weiber klammern sich an die wahnhafte Idee, der Trauschein garantiere lebenslange Unterstützung und Wertschätzung ...

Ganz so simpel ist es nicht, da brauche ich nur vor der eigenen Tür zu kehren: Ich habe auch geheiratet. Zweimal, wenn Sie's genau wissen wollen. Das erste Mal trat ich vor den Standesbeamten in einem Anfall von jugendlichem Irresein und/oder aus Protest gegen meine Eltern, die Pfaffen und Beamten verabscheuten und die Institution Ehe ungefähr so nützlich fanden wie eine Darmgrippe. (Aus ähnlichen Gründen studierten wohl die Sprößlinge von 68ern so gern BWL, und die Bengel von Kommunisten werden heutzutage Skinheads: um es den alten Zauseln zu zeigen ...) Das zweite Mal tat ich es, weil ich mir gerade unglaublich romantisch vorkam und/oder irgendwie nicht glauben wollte, daß etwas noch einmal so schiefgehen kann. Es konnte.

Und da haben wir, denke ich, bereits zwei mögliche Gründe fürs Heiraten. Einmal diesen bestrickend naiven Gedanken: Unmöglich, die Sache so in den Sand zu setzen wie letztes Mal, oder wie meine Mutter / Freundin / Schwester / Chefin vor mir. Hey, es gibt vielleicht ein paar Verständigungs-Schwierigkeiten zwischen Männern und Frauen, aber das ist doch nichts Ernstes. Nichts, was nicht mit ein paar laufenden Metern Ratgeberliteratur in den Griff zu kriegen wäre.

Der andere mögliche Grund, und das wird mir jetzt wieder keiner glauben, weil alle mich für bösartig halten („Ich bin nicht nett, ich bin bösartig – das ist das Geheimnis meines Charmes", sagt der unvergessene Waldo Lydecker in Otto Premingers „Laura", einer Film-Noir-Studie über die weibliche Kunst, alternde Mentoren für ihre Karriereplanung zu benutzen und dann doch lieber mit jungen Kerlen in die Kiste zu hüpfen) – der andere Grund ist, daß Frauen die letzten Romantikerinnen sind. Echt. Wir glauben an das Gute im Menschen, in dem Fall des Mannes. Mit anderen Worten, wir sind unbelehrbare Idiotinnen.

Und was die Männer angeht: Wir wollen nur ihr Bestes. Das ist am Anfang einer Ehe, zugegeben, oft etwas anderes als später, wenn die jeweilige Frustrations-Toleranz-Grenze überschritten wurde. Wann der Umschwung eintritt, hängt davon ab, was genau wir unter einem „erfüllten Frauenleben" verstehen, ob er mehr verdient als wir, und ob wir Lust haben, wieder zu arbeiten – oder uns das jahrelange Geschnarche, Sportschau-Gucken und Fremdgehen doch lieber in barer Münze abgelten lassen wollen. Das wäre dann ein dritter Grund, warum Frauen heiraten: Wenn sie lange genug durchhalten und einen guten Scheidungsanwalt kennen, lohnt sich's am Ende vielleicht doch... Ich kann eigentlich nicht glauben, daß wir so sind.

11. April 2001

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