Die Gazette Nr. 8, November 1998:

Die Peinlichkeiten des Monats

Martin Walser:
„Anstatt dankbar zu sein für die unaufhörliche Präsentation unserer Schande, fange ich an wegzuschauen."
Wieso unaufhörlich? Und wer hat seine Dankbarkeit verlangt? Er hat offenbar schon länger nicht richtig hingeschaut. Ist wohl auch nicht leicht von einem spießigen Bodenseeufer aus.

Ignatz Bubis dazu:
„geistige Brandstiftung."
Effusio praecox. Nicht vergessen, Ignatz: das Pulver trocken halten! Und die Totschlagmetaphern in der Hinterhand.

Jost Stollmann:
„Zu den alten, mir zugesicherten Bedingungen stehe ich zur Verfügung, ein Amt zu übernehmen."
Hat er noch immer nicht gemerkt, daß man ihn nur fürs Image gebraucht hat, aber nicht zum Regieren?

Koalitionsvertrag:
„Im Bundestag und in allen von ihm beschickten Gremien stimmen die Koalitionsfraktionen einheitlich ab."
Wir wußten zwar, daß der Grundgesetzartikel 38, Absatz 1, Satz 2 nicht mehr recht in Kraft ist, aber so genau wollten wir es eigentlich nicht gesagt kriegen.

Tony Blair:
„Eine Regierung auszutauschen ist wie die Ersetzung der gesamten Führungsmannschaft eines Konzerns."
Charming! Der Bürger als Kunde und Konsument seines Staates. Das Dumme daran: Er hat hier keine Auswahl, keinen Markt. Soll er auswandern, nur damit der Vulgärliberalismus recht behält?