Die
Gazette Nr. 7, Oktober 1998:
| Vergnügliche Ruhe
Als sei das Paradies auf die Erde gefallen, so prächtig, erzählt
die persische Prinzessin Nizami in diesem Buch, sei der Garten gewesen,
den einst ein Jüngling ("gelehrt wie der junge Jesus und schön
wie Joseph in Ägypten") vor der Stadt besaß.
Auf gestaltete Natur als ‘ästhetisches Stimulans' stoßen wir erst dort, wo - wie in den altorientalischen Gesellschaften - große kollektive Anstrengungen notwendig waren, um der Natur die Überlebensbedingungen abzuringen. Sehr bald grenzt sich in diesen Gesellschaften von der Masse der überwiegend bäuerlichen Bevölkerung eine herrschende Elite von Grundbesitzern ab, die sich nicht nur den kollektiv erwirtschafteten Überschuß aneignet, sondern infolge der Freistellung von jeglicher Art körperlicher Tätigkeit auch ein völlig neues Verhältnis zur Natur zu entwickeln beginnt.... Natur wird nicht länger nur als schicksalhafte Größe erfahrbar, sondern auch als instrumentell kalkulierbare und domestizierbare ‘Realität'. Zwar geht der unmittelbare Bezug zur Natur mehr und mehr verloren, dafür wächst aber die Einsicht in ihr ästhetisches Potential. Der sinnlichen Freude an einer künstlich zugerichteten Natur, die Zeugnis abzulegen hat vom Gestaltungs- und Machtwillen ihres menschlichen Schöpfers, begegnen wir nun ebenso wie dem geistigen Bedürfnis, der amorphen Masse eine als Exzerpt kosmischer Strukturmuster verstehbare Form zu geben. Erst durch den Islam verbreitete sich diese (nachantike) Gartenkunst
nach Europa.
Zu beachten ist aber, daß der Rasen so bemessen sei, daß außen um das Rasenquadrat herum Duftkräuter aller Art gepflanzt werden können, wie Raute und Salbei und Basilikum, und ähnliche Blumen aller Art, wie Veilchen, Akelei, Lilien, Rosen, Iris usw. Zwischen diesen Kräutern und dem Rasen, am Rande des Rasenquadrats entlang, soll ein etwas erhöhtes Rasenstück sein, das blühend und anmutig ist und gleichsam zur Hälfte als Sitzgelegenheit eingerichtet, damit dort die Sinne Erquickung fänden und die Menschen sich niederlassen könnten zu vergnüglicher Ruhe. Das Bändchen ist ein ideales Geschenk für jeden, der wenigstens manchmal Lust hat, über das Verhältnis Mensch-Natur intelligent nachzudenken. Fritz R. Glunk |
Peter Cornelius Mayer-Tasch, Bernd Mayerhofer
(Hrsg.)
Hinter Mauern ein Paradies
Der mittelalterliche Garten
Mit 24 Abbildungen
Insel Verlag, Frankfurt am Main und Leipzig
1998
111 Seiten, 12 x 18,5 cm
DM 24,80, öS 181, sFr 23,--
|