| Lesen im Park
Die Schulbehörde und die Parkverwaltung von New York organisieren
in diesem Jahr den ersten Kinder-Lese-Sommer im Freien.
Bei insgesamt achtundzwanzig Veranstaltungen in den Parks und auf den
Spielplätzen der Stadt werden den fünf- bis neunjährigen
Kindern (und ihren Eltern) Bücher vorgelesen oder von Schauspielern
in Szene gesetzt.
„Kinder aus der ganzen Nachbarschaft", sagt einer der Verantwortlichen,
„können sich gleichzeitig am Spielen im Freien und an den schönen
Geschichten erfreuen. Ich hoffe, daß wir den Kindern und Eltern damit
nahebringen, wie wichtig es ist, auch in den Sommerferien das Lesen nicht
zu verlernen."
Der web-verschlafene Börsenverein
Der Frankfurter Börsenverein des deutschen Buchhandels hat eine
eigene Website. Das klingt gut, ist aber auch schon das Ende der guten
Nachricht. Die schlechte Nachricht: Die Seiten sind hoffnungslos und peinlich,
peinlich veraltet.
Zwar gibt es einen kurzen, werbenden Hinweis auf die kommende Münchner
Bücherschau von 29. Oktober bis zum 5. November 1998 und eine Ankündigung
der Leipziger Buchmesse 1999 (mit der lakonischen Mitteilung „Demnächst
weitere Informationen").
Wenn man jedoch so vermessen ist, die Arbeitsgruppe Vertrieb anzuklicken,
bekommt man zehn Veranstaltungen genannt, die 1995 beginnen und am 18.
April 1997 schon wieder enden. Ist die Arbeitsgruppe seitdem entschlafen?
Im selben Jahr enden offensichtlich auch die Aktivitäten der Arbeitsgruppe
Online Publishing. Die aufgeführten Sitzungen der AG Elektronische
Fachinformationen scheinen gar über den 22. Mai 1995 nicht hinausgekommen
zu sein. Vier Tage später tagte noch einmal die AG Recht, danach scheint
auch sie sich in Luft aufgelöst zu haben. Und die AG Multimedia hat
zwar einen Leiter, aber sonst überhaupt keine Informationen anzubieten.
Nach den Regeln der Netiquette ist der Börsenverein des deutschen
Buchhandels nicht mehr existent. Wer seine Website derart ungepflegt verkommen
läßt, setzt sich dem begründeten Verdacht aus, in die Anonymität
verzogen zu sein.
Wenn es doch nur so einfach wäre! Stattdessen aber gibt es den
Börsenverein tatsächlich, und er hat offenbar nur vergessen,
daß er eine Visitenkarte im Web hat, die nun verstaubt und vergilbend
und schon ziemlich angeschimmelt herumliegt.
Ist es bei solcher Informationspolitik des Verbands noch ein Wunder,
wenn viele Verlage, kaum daß man das Wort „Internet" ausspricht,
in einen Zustand zwischen stammelnder Verlegenheit und abgrundtiefem Erschrecken
verfallen?
Warum gibt der bislang angesehene Börsenverein der Klage über
die Modernitätsscheu der Deutschen auf so überflüssige,
so blamable Weise Recht? Warum setzt er keine Zeichen und Wegmarken für
Online Publishing und Multimedia, die seine Arbeitsgruppen so wohlklingend,
aber anscheinend nur alibihalber in Namen führen? Aber das sind hier
wohl ungezogen zudringliche Fragen.
Persönlicher Kommentar: Als Herausgeber eines literarischen Internet-Magazins
bin ich arg im Zweifel, ob man dem Börsenverein ein „Wach auf!" zu-
oder schon ein letztes „Ruhe sanft!" nachrufen muß.
George Orwell als Denunziant
Der Autor kanonischer Schulbuchtexte („Animal Farm") und eines Plädoyers
gegen Totalitarismus („1984") praktizierte ein persönliches „Big Brother
is watching you!": In den vierziger Jahren denunzierte er einhunddertdreißig
Personen, vor allem Schriftstellerkollegen, als Kryptokommunisten an die
britischen Behörden. Den Genannten, so Orwell, dürfe keine antikommunistische
Propagandatätigkeit anvertraut werden.
Auf seiner alphabetischen Proskriptionsliste, in einem kleinen blauen
Notizbuch, stehen Namen wie Charlie Chaplin und George Bernhard Shaw, der
Dichter Stephen Spender, John Steinbeck („angeberisch") und der Romancier
J. B. Priestley („starker Sympathisant, sehr anti-amerikanisch"), aber
auch der deutsche Theologe Reinhold Niebuhr.
Die Tatsache dieser Denunziantentätigkeit war zwar schon länger
bekannt, aber bislang wurden die Namen unter Verschluß gehalten.
In der neuen zwanzigbändigen Orwell-Werkausgabe sind jedoch die meisten
enthalten, und der Daily Telegraph hat sie am 22. Juni veröffentlicht.
Dreißig weitere Namen bleiben weiterhin geheim, weil die genannten
Personen noch leben.
Der reine Nonsens ist von Cicero
Microsoft benützt für die vergleichende Darstellung diverser
Schrifttypen gern einen wiederkehrenden Blindtext. Der Satz klingt wie
Küchenlatein und lautet: Lorem ipsum dolor sit amet. Wer das zu übersetzen
versucht, kann nur zu dem Ergebnis kommen, daß es purer Nonsens ist.
Dabei hat der Satz eine lange Geschichte. Seit Jahrhunderten verwenden
ihn Typographen als Druckprobe, da seine Buchstaben und ihre Abstände
am besten Größe, Gestalt und Gewichtung der jeweiligen Schrifttypen
erkennen lassen.
Der Zeitschrift „Before & After" kommt das Verdienst zu, im Jahr
1994 den Ursprung des Satzes erkundet zu haben. Er ist die verderbte Teilwiedergabe
einer Stelle aus Ciceros „De finibus bonorum et malorum", einer 45 v. Chr.
geschriebenen Abhandlung über die Ethik. Vollständig heißt
dort die Stelle: „Neque perro quisquam est, qui dolorem ipsum, quia dolor
sit, amet, consectetur, adipisci velit", zu deutsch: „Es gibt desweiteren
niemanden, der den Schmerz liebt, ihm nachgeht, ihn zu erlangen sucht,
nur weil er Schmerz ist."
Irgendwann, wohl um 1500 herum, hat ein unbekannter Drucker das zerhackte
Teilstück des Satzes zum erstenmal als Blindtext verwendet. Und fand
Nachfolger bis heute.
Memoiren als Therapie: die Geschichte eines Fehlschlags
Michael Lauder, fünfunddreißig Jahre alt und laut New York
Times „in jeder Hinsicht ein Genie", beendete trotz und nach einer achtmonatigen
psychiatrischen Behandlung erfolgreich sein Jura-Studium an der Yale University
und schaffte es hier sogar bis zum Dozenten der Law School. 1995 verkaufte
er der Zeitung bereits seine Lebensgeschichte für eineinhalb Millionen
Dollar.
Vor einigen Monaten outete er sich als Schizophrener und beschloß,
seine Autobiographie als eigenes Buch zu schreiben. Begründung: „Schizophrene
werden dauernd negiert, aber mein Leben kann ihnen ein Vorbild sein." Als
er von einem Interviewer gefragt wurde, ob er zu Gewalttätigkeit neige,
antwortete er, das sei „ein allgemeines und schmerzliches Vorurteil".
Bald danach hatten seine Freunde erste Bedenken, der Tod seines Vaters
und die Anstrengung, ein Buch zu schreiben, könnten zu viel werden
für ihn. Vera Hassner, die Lauder psychiatrisch betreute:
„Ich dachte mir, das Buchprojekt sei eine gute Idee. Aber mir gefiel nicht,
daß er darüber klagte, am Morgen nicht aus dem Bett zu kommen.
Das Schreiben, besonders für jemand in seinem Zustand, kann eine sehr
einsame Angelegenheit sein."
Nun ist das gutgemeinte Projekt einer Therapie durch Schreiben offenbar
fehlgeschlagen. Am 17. Juni fand die Polizei in Lauders Wohnung in Hastings-on-Hudson
die Leiche von Caroline Costello, siebenundreißig Jahre alt, Lauders
Freundin und Mitbewohnerin, mit mehreren Stichwunden in Hals und Rücken.
Lauder selbst wurde verhaftet und erwartet eine Mordanklage.
Amerikanische Buchhändler feiern einen Sieg
Der Sonderermittler Kenneth Starr (richtig: der gegen Monica Lewinsky
und Bill Clinton) hat seine Forderung nach Informationen über Lewinskys
Buchkäufe fallengelassen. Christopher Finn, der Präsident der
American Booksellers Foundation for Free Expression, nannte die Entscheidung
am 23. Juni „einen wichtigen Präzedenzfall, der künftige Ermittler
daran hindern wird, Buchhandelsunterlagen ohne hinreichenden Grund zu beschlagnahmen".
Bereits am 6. April hatte Richterin Norma Holloway Johnson in einem
Test-Urteil verkündet, Starrs Forderungen nach Unterlagen über
einen Zeitraum von dreißig Monaten habe eine „erschreckende Auswirkung"
auf den Verfassungsgrundsatz der freien Meinungsäußerung. Die
Richterin untersuchte selbst die Unterlagen zweier Buchhandlungen in Washington
und gestattete Starr in einem Fall nur wenige ausgewählte, im anderen
Fall überhaupt keine Informationen: „Ken Starr hat einen Fehler gemacht,
als er behauptete, es gebe keinen Unterschied zwischen den Verkaufsunterlagen
einer Buchhandlung und denen eines Computerladens. Der Unterschied ist
das Recht auf Meinungsfreiheit."
Daraufhin zog Starr seine Forderung im ganzen zurück.
Alles über Paare
Ein soeben erschienenes Buch, „Just Married" von Barry Sinrod und Marlo
Grey, verrät alles - oder fast alles - über Verheiratete
(in den Vereinigten Staaten). Das Ausgangsmaterial sind dreitausendachthundertsechsundsiebzig
beantwortete (von insgesamt zehntausend verschickten) Fragebögen.
Die Ergebnisse sind nicht nur zahlreiche Tabellen und Kurven, sondern
auch ein paar von den Befragten selbst formulierte Lebensereignisse. So
hat sich zum Beispiel ein Paar bei einer Beerdigung, an der sie als Achtzigjährige
teilnahmen, kennengelernt. Bei einem anderen war der Hochzeitskuchen sozusagen
als Geisel festgehalten: Der Bäcker nämlich wurde just am Hochzeitstag
das Opfer eines Überfalls, konnte jedoch entkommen und lieferte den
kostbaren Kuchen doch noch - drei Stunden zu spät. Schlimmeres Pech
hatte ein drittes Paar. Die beiden hatten eigens Tanzkurse genommen, um
auf dem Hochzeitsempfang zu glänzen; aber vergeblich: „Als wir auf
die Tanzfläche gingen, rutschte mein Mann auf einem Eiswürfel
aus und brach sich ein Bein."
Aber vor allem die Statistiken sind einen Seitenblick wert. Sechs Prozent
haben wegen einer Schwangerschaft geheiratet, vier aus Einsamkeit und nur
ein Prozent aus Geldgründen, der überwältigende Rest, natürlich,
aus Liebe. Was die Ehemänner im Bett anhaben: neununddreißig
Prozent nichts, vierundzwanzig Prozent einen Schlafanzug, einundzwanzig
Prozent ihre Unterwäsche; dagegen die Ehefrauen: neunundvierzig Prozent
nichts neununddreißig Prozent einen Schlafanzug und nur nein Prozent
ihre Unterwäsche. Schließlich dieses Ergebnis: Die Männer
sind grundsätzlich häufiger zufrieden mit dem Ehestand (nur ein
Prozent bereut den Schritt) als Frauen (hier sind es immerhin dreizehn
Prozent). Das sollte den Männern zu denken geben.
„Casablanca" 2
Am 24. Juni ließ der Augsburger Weltbild Verlag wissen, daß
vier Monate später bei ihm und in neun weiteren Verlagen, also in
zehn Ländern gleichzeitig, das Buch „Für immer Casablanca" von
Michael Walsh herauskommt. Im Original lautet der Buchtitel „As Time goes
by", nach dem bekannten Film-Song.
Der Inhalt wird noch geheimgehalten. Nur soviel ist bekannt: Die Handlung
beginnt mit der Abschiedsszene des Films „Casablanca" (und der berühmt
falschen Synchron-Übersetzung von „Here’s to your eyes" durch „Ich
schau dir in die Augen, Kleines"), spielt aber weiterhin in den vierziger
Jahren.
Und als wäre dies alles nicht schon phantasielos genug, soll der
Roman auch noch - so der Weltbild Verlag selbst - „ein bißchen an
John le Carré, Robert Harris und sogar an James Bond" erinnern.
Der wahre Liebhaber von „Casablanca" (ohne Serienziffer) weiß
also Bescheid: liegenlassen!
Bertelsmann investiert ins elektronische Buch
Bertelsmann Ventures, der Risikokapital-Fonds der Bertelsmann AG (des
drittgrößten Medienkonzerns der Welt: Umsatz fast vierzehn Milliarden
Dollar, sechzigtausend Mitarbeiter in dreiundfünfzig Ländern)
ist seit Ende Juni Partner von NuvoMedia Inc., Palo Alto (Kalifornien).
NuvoMedia wird im vierten Quartal dieses Jahres sein RocketBook, ein
neu entwickeltes Buch-Lesegerät, auf den Markt bringen. RocketBook
ist eine Art Handheld-Computer, der viertausend Seiten Buchtext und Grafiken
speichern und mit einer Batterieladung zwanzig Stunden laufen kann. Der
gespeicherte Text kann mit einem eigenen Programm gelesen, nach Stichwörtern
durchsucht sowie mit Anmerkungen und Lesezeichen versehen werden - um nur
einige der möglichen Anwendungen zu nennen.
NuvoMedia sieht darin eine neue, wenn nicht die entscheidende Etappe
in der Entwicklung des Electronic publishing.
Nach allem, was man bis jetzt davon weiß, ist das neue System
RocketBook - in erster Linie wohl aus Urheberrechts- und Sicherheitsgründen
- inkompatibel mit den gängigen Computer-Betriebssystemen. Unter den
angekündigten Vorzügen fehlt nämlich bezeichnenderweise
die Möglichkeit, Textstellen - etwa längere Zitate - aus RocketBook
in eines der verbreiteten Textverarbeitungsprogramme zu kopieren und dort
weiterzuverwenden. Ob die am Computer schreibende Zunft sich damit abfindet,
darf vorerst bezweifelt werden.
Akademische Ehrung für Margaret Atwood
Die kanadische Autorin erhielt am 24. Juni, zusammen mit sieben anderen
Geehrten, von der Universität Oxford die Ehrendoktorwürde. Die
Laudatio wurde in lateinischer Sprache gehalten. Im deutschen Sprachraum
ist Atwood vor allem mit ihrem „Bericht der Magd" berühmt geworden.
Die ältere Dame, geboren 1939, meinte hinterher: „Es war spannend
- und gefährlich. Wir mußten ein paar Stufen auf die Bühne
hinaufsteigen, und ich dachte immer nur: Fällt er hin oder nicht?
Aber schließlich habe ich es selbst ganz ordentlich gemacht, rauf
und wieder runter."
Der Einfluß von Margaret Atwood auf die englische Literatur begann
vor dreißig Jahren, die Literatur der Ex-Kolonie ist aber erst in
den letzten Jahren zu einer größeren Anerkennung in England
gelangt: „Sie müssen jetzt nicht mehr", sagte der Laudator zu der
Geehrten, „gegen den Strom schwimmen."
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Das teuerste Buch
der Welt
Bis vor kurzem hielt eine Gutenberg-Bibel von 1455 den
Rekord: Sie wurde 1987 für 5,3 Millionen Dollar versteigert.
Seit dem 8. Juli sind die „Canterbuty Tales" von Geoffrey
Chaucer das teuerste Buch, das jemals verkauft wurde. Die in rotes Leder
gebundene Erstausgabe (gedruckt 1476 oder 1477) wurde bei Christie’s in
London für 4.621.500 Pfund versteigert. Der neue Eigentümer ist
der Milliardär Sir Paul Getty, der zwar in Amerika geboren wirde,
aber seit letztem Jahr die britische Nationalität besitzt. Er wollte
aber noch nicht sagen, ob er seinen neuen Schatz für ein interessiertes
Publikum ausstellen wird.
Leihfrist um 82 Jahre überzogen
Eve Lettice in Victoria (British Columbia, Kanada) fand
auf ihrem Speicher ein Buch der örtlichen Leihbibliothek, das irgendein
Vormieter ihres Hauses vor 82 Jahren ausgeliehen hatte. Sie brachte das
Buch - „Sunsine Sketches of a Little Town" von Stephen Leacock - ordnungsgemäß
zurück.
Die Strafe für die überzogene Leihfrist würde,
nach einer Berechnung der Bibiothek, siebentausendzweihundert kanadische
Dollar betragen. Üblicherweise werden auch bei sehr verspäteter
Rückgabe nur maximal zwölf kanadische Dollar fällig.
„Wir sind einfach froh", sagte die Bibliotheksleiterin
Sandra Anderson, „daß wir das verdammte Buch wiederhaben. Es ist
in gutem Zustand, und wir werden es sicher nicht ausrangieren."
Autor: der Staatschef
Alexander Lukaschenko, der Präsident von Weißrußland,
betätigt sich, wenn er nicht gerade ausländische Botschafter
sekkiert, als Autor.
Das Buch von und mit ihm hat den schlichten Titel „Alexander
Lukaschenko. Präsident der Weißrussischen Republik" und kam
soeben mit einer Startauflage von einhunderttausend Exemplaren heraus.
Einige der neununddreißig Kapitel hat er selbst geschrieben, andere
enthalten seine Reden und Interviews sowie Lobpreisungen („weiser Prophet",
„Friedensheld") durch begeisterte Mit-Autoren. Themenbeispiele: „Die Situation
der Frau" oder „Warum bestraft die NATO Weißrußland?".
Die Bundesbank im Buch
Gerade noch rechtzeitig, wenigstens noch im Monat des
fünfzigsten Jahrestags der Deutschen Mark, am 20. Juni 1998, verschickte
der Münchner C. H. Beck Verlag eine neunhundert Seiten starke Geschichte
der Dutschen Bundesbank an die Buchhandlungen. Es enthält sechzehn
Beiträge früherer Bundesbanker, darunter Ottmar Issing und Johann
Wilhelm Gaddum, sowie deutscher und internationaler Währungsexperten.
Die Essays verstehen sich jedoch eher als Mahnungen an
die künftige Europäische Zentralbank und nicht eigentlich als
aufsehenerregende Enthüllungen. Der Beiträger Rudolf Richter,
früher Professor an der Saarbrücker Universität auf einer
Präsentationskonferenz: „Es tat mir leid, daß ich so vieles
in meinen Aufzeichnungen hatte, das ich nicht verwenden durfte."
Die erste Auflage, bei einem Einzelpreis von achtundachtzig
Mark, beträgt viertausend Exemplare. Im Herbst soll bei Oxford University
Press eine englische Übersetzung herauskommen.
Bodyguard und Zuvielschreiber
Alexaner Korschakow, der Ex-Chef von Jelzins Leibgarde,
ist ja schon einmal als Autor, wenn man so sagen kann, hervorgetreten.
Seit er 1966 entlassen wurde, droht er immer mal wieder damit, die skandalosen
Zustände im inneren Machtzirkel Rußlands aufzudecken.
In seinem ersten Buch „Boris Jelzin vom Abend bis zum
Morgen" steht kaum etwas Neues. Vielmehr schildert er den Staatschef als
suizidgefährdeten, politikunfähigen Alkoholiker. Das haben ihm
damals schon die Russen nicht abgenommen, sondern ihn bloß als rachelüstern
abqualifiziert.
Was in Korschakows zweitem Buch stehen soll, wird noch
als Geheimnis behandelt. Auch der Erscheinungstermin ist unbekannt.
Man muß trotzdem nicht gespannt sein.
Der amerikanische Buch-Baron
Barnes & Nobles, die größte Buchhandelskette
der USA und der Welt, erregt zunehmend die Befürchtung, er schreibe
durch seine schiere Marktmacht allen Lesern vor, was sie gefälligst
lesen sollten.
Nun hat am 19. Juni der Chef selbst, Leonard Riggio (siebenundfünzig),
in der Zeitschrift „Business Week" das erste Interview seines Lebens veröffentlicht,
aber kaum dazu beigetragen, diese Gefahr aus der Welt zu reden.
„Der Buchhandel war eine elitäre, arrogante Institution",
ließ er wissen, „und ich ich habe ihn davon befreit." Fröhlich
gibt er zu, von seiner Ware nicht viel zu verstehen, er liest selber kaum
jemals ein Buch. Er könne, meint er, ebensogut Bestecke oder Schraubenzieher
verkaufen.
Aber Business Week lobt ihn, er habe „einzigartigerweise
alte Konventionen herausgefordert und die Welt der gebundenen Bücher
neu erfunden".
Na bitte.
Gaddafi tritt wieder als Autor auf
Der libysche Staatschef schreibt ein neues Buch. Der dramatische
Titel lautet „Flucht in die Hölle". Gaddafi bekennt darin seine Sorge
um die gefährdete Umwelt, ein philosophisches Gemisch aus visionärer
Apokalyptik und utopischen Problemlösungen.
Exzerpte: „Die Stadt ist ein Mühlstein, der die
Bewohner zermahlt." Und: „Die Kinder sind hier schlimmer dran als die Erwachsenen."
Und: „Man kann alles verlassen, nur nicht die Erde. Die Erde ist die einzige
Sache, ohne die wir nicht auskommen. Wenn man andere Dinge zerstört,
hat deshalb noch nicht alles verloren, aber hütet euch vor der Zerstörung
der Erde, denn dann habt ihr wirklich alles verloren."
Vermutlich ist das ganze kommende Werk von solchem Inhalt:
lange nicht so originell wie das kleine grüne Buch aus seiner fahrigen
Feder.
Der Literarische Kalender
Am 15. Juli 1908 veröffentlicht Jean
Cocteau sein erstes Gedicht, „Les Façades", in der Zeitschrift
„Je sais tout".
Am 16. Juli 1890 stirbt Gottfried
Keller (geboren am 19. Juli 1819) in Zürich.
Am 16. Juli 1951 veröffentlicht Jerome
D. Salinger „The Catcher in the Rye."
Am 16. Juli 1985 stirbt Heinrich Böll (Nobelpreis
1972).
Am 18. Juli 1911 wird William
Makepeace Thackeray in Kalkutta geboren.
Am 18. Juli 1817 stirbt nach längerer Krankheit
Jane Austen in Winchester.
Am 19. Juli 1374 stirbt Petrarca
in Arquà (Toskana), einen Tag vor seinem siebzigsten Geburtstag.
Am 19. Juli 1876 kommt Arthur
Rimbaud, Soldat in der holländischen Kolonial-Armee, auf
den Sunda-Inseln an und desertiert kurz danach.
Am 21. Juli 1899 wird Ernest
Hemingway in Oak Park, Illinois, geboren.
Am 22. Juli geht André
Malraux nach Spanien und fliegt im Spanischen Bürgerkrieg
fünfundsechzig Einsätze gegen Franco.
Am 25. Juli 1905 wird Elias
Canetti (Nobelpreis 1981) in Rutschuk (Bulgarien) geboren.
Am 26. Juli 1894 wird Aldous
Huxley in Godalmig, Surrey (England) geboren.
Am 29. Juli wird Alexis de Tocqueville
in Paris geboren.
Am 29. Juli 1839 dringt Alexandre
Dumas d.Ä. mit den Aufständischen in die königlichen
Gemächer in den Tuilerien ein, findet ein Exemplar seines Buches „Christine"
und nimmt es mit.
Am 30. Juli 1818 wird Emily
Brontë in Thomton, Yorkshire (England) geboren.
Am 31. Juli 1703 steht Daniel
Defoe für seine bissige Satire „The Shortest Way with Dissenters"
vor Gericht und wird vom Publikum mit Blumen gefeiert.
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