| Die anderen englischsprachigen Literaturen
„The Voice of the Shuttle" nennt sich die Website, „Die Stimme des Weberschiffchens",
und enthüllt damit - unterstützt durch eine passende Abbildung
- vor unseren Augen den Ursprung des Wortes „Text" aus dem textilen „Gewebe".
Die Adresse ist eine Einrichtung der Universität von San Bernardo,
Kalifornien, für Studenten der englischsprachigen Literatur, aber
so umfassend und detailliert angelegt, daß sich auch jedem anderen,
der mit dem Thema befaßt ist, hier eine weite Fundgrube an Informationen
auftut. Wir haben hier lediglich eine kleine Unterabteilung näher
untersucht: die englischsprachige Literatur der Länder außerhalb
der USA und Englands (im engeren Sinn): Afrika, Australien und Neu-Seeland,
Irland, Kanada, die Karibik, Schottland, Südasien und Wales.
Unter „Contemorary Postcolonial & Postimperial Literature in English"
zum Beispiel findet man zahlreiche Angaben zu den historischen, politischen,
wissenschaftlichen und religiösen Kontexten dieser Literaturen, ihrer
Bildsprache, aber auch die Erläuterung wesentlicher Grundbegriffe
wie zum Beispiel des von Leopold Sedar Senghor eingeführten Begriffs
der „Négritude" (komplett mit der afrikanischen Kritik am „defensiven"
Gehalt dieses Konzepts).
Unter den reich dokumentierten Schriftstellern aus Afrika findet man
nicht nur berühmte Namen wie Nadime Gordimer, Doris Lessing und Ken
Saro Wiwa, sondern auch viele weniger bekannte Autoren (zum Beispiel Wole
Soyinka). Bei dieser geographischen Einteilung wird dem Leser in vielen
Fällen wieder klar, woher seine Lieblingsschriftsteller eigentlich
kommen. Zu den wichtigsten Autoren werden eine Biographie, nicht selten
auch Textauszüge oder ganze Werke geboten.
Kanada ist natürlich mit Margaret Atwood und Michael Ondaatje
(„The English Patient") vertreten.
In der Abteilung Karibik findet sich ein ungewöhnlicher Hinweis,
und zwar auf Studien zum Blick auf „Robinson Crusoe" aus der Sicht Freitags
(„The Friday Site"), und so überraschende Themen wie die „Dialektik
des Kannibalismus in der modernen karibischen Erzählung".
Die Irland-Abteilung glänzt selbstverständlich mit ausführlichen
Untersuchungen und Links zu James Joyce, Samuel Beckett, George Bernhard
Shaw, William Butler Yeats und Sean O’Casey. Daneben findet man hier jedoch
auch alte irische und gälische Lyrik (oft in modernes Englisch übersetzt,
wie etwa „The Hermit’s Song" oder das entzückende Gedicht vom Mönch
und seiner Lieblingskatze, die auf die Maus lauert wie er auf den zu entziffernden
Sinn einer Handschrift).
Die - kürzere - Liste Südasiens führt selbstverständlich
Salman Rushdie an, aber auch Anita Desai und Rabindranath Tagore haben
ähnlich reichhaltige Studienseiten.
Die einzelnen Seiten werden von namhaften Literaturhistorikern zusammengestellt,
und die gesamte Website wird - anders als die des Bürsenvereins des
Deutschen Buchhandels - ständig aktualisiert. |
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