Die Gazette Nr.4, Juni 1998:

 Buchkunst

Stadtbild Genf

Clement de Jonghe
Afbeeldinge der Vornaemste Steden van Europa
Amsterdam 1675

Der um 1624/25 in Brunsbüttel geborene Clement de Jonghe betätigte sich als Buchhändler und Graphikverleger in Amsterdam. Sein Geschäft befand sich in der Kalverstraat. Es wurde nach seinem Tode 1677 von seinem Sohn Jacobus noch zehn Jahre weitergeführt. Clement de Jonghe war mit Rembrandt bekannt, der ihn 1651 porträtierte.
Die vorliegende Sammlung von Stadtansichten trägt nur einen handschriftlichen Titel, doch ist das Werk wohl mit einem unter dem lateinischen Titel Icones praecipuarum urbium totius Europae laufenden Atlas identisch. Die Blätter zeigen oben jeweils das Stadt- und Landeswappen; unten werden sie von Versen und Inschriften in Latein, Französisch, Holländisch, in einigen Fällen auch Deutsch begleitet, die zumeist von A. Montanus stammen. Dargestellt sind Rom, Wien, Konstantinopel, Sevilla, Paris, Rouen, Dieppe, Dünkirchen, London, Kopenhagen, Stockholm, Krakau, Danzig, Leiden, Hoorn, Utrecht, Münster, Venedig, Genua, Neapel, Prag, Köln, Augsburg, Nürnberg, Straßburg, Frankfurt, Frankfurt, Basel, Pernambuco, Genf, Batavia (Indonesien) und der Markt in Amsterdam.
Der tiefliegende Horizont verleiht den Stadtabbildungen Weite und Tiefe. Auch die Staffagefiguren dienen durch ihre Verkleinerung der Verdeutlichung der Tiefenausdehnung.
Die Ansicht Londons ist nach dem großen Brand von 1666 entstanden; da ein Exemplar der Ansichtenfolge im British Museum handschriftlich 1675 datiert ist, dürfen diese Jahre als Entstehungszeit angenommen werden.

(aus: Fünf Jahrhunderte Buchillustrationen, Germanisches Nationalmuseum Nürnberg 1987)