Die Gazette Nr. 4, Juni 1998:

Die Adresse
 
Für Büchersammler

Hier soll auch einmal eine Adresse für Sammler vorgestellt werden: eine liebevolle, gerade weil nicht in allen Details perfekte, kommerzielle Website für Sammelgegenstände (fast) aller Art, nicht nur für alte Bücher. Die Welt der Sammler ist unendlich; da sammelt einer Vorabversionen von Software oder Swarowski Silver Crystal (was das ist, wissen wohl nur wahre Eingeweihte), andere suchen Kaffemaschinen (aber nur solche vor 1960) und alte Telefone, Kaugummiverpackungen und Rubbellose, Brummkreisel und Zippo-Feuerzeuge, und einer sogar Sand aus aller Welt (der Sammler vergütet den freundlichen Einsendern auch die Portokosten). Daneben gibt es die ernsthafteren Gruppen von Sammelgegenständen wie Comics, Fotoapparate, Uhren, Spielzeug, Antiquitäten, Kunst,  Ansichtskarten und Briefmarken (samt der schönen Abbildung einer blauen und roten Mauritius). Sehr anschaulich ist die kleine Geschichte der Münzen, samt der englischen und französischen Qualitätsbezeichnungen. 
Noch seriöser geht bei Schallplatten zu. Hier wird dem Interessierten sogar eine präzise Tabelle geboten, anhand derer er den Wert seiner alten Platte je nach Zustand des Covers und der Platte selbst ausrechnen kann (ebenfalls mit genauer Erklärung der Qualitäts-Kennzeichnungen M = Mint, VG = Very Good, G = Good, W = Worn und F = Fair). 
Das Sammelthema, das Die Gazette interessiert, sind natürlich Bücher. 
Hier werden nicht nur die Preise sehr teurer alter Bücher angegeben (etwa die Frischauer-Bibel mit zweitausendfünfhundert, ein Stundenbuch aus Flandern mit dreißigtausend oder Ridingers Reitschule mit fünfundvierzigtausend Mark). Verdiensvoll ist vielmehr der Hinweis auf schöne alte Bücher, die bei weitem nicht so viel Geld kosten müssen. Hier findet man zum Beispiel eine Populäre Naturgeschichte in drei Bänden von 1848 für vierzig Mark oder einen Amadis de Gaule von 1779 für eigentlich unerklärliche fünfzehn (in Worten: fünfzehn Mark). 
Und selbstverständlich bietet die Sammler-Seite ein Anschlagbrett mit Suchanzeigen. Da hängen dann Suchanfragen nach Bavarica, alten Kochbüchern oder lokalen Bildbänden. Auch Wissenslücken werden hier womöglich geschlossen. Einer fragt, was sein altes Buch mit fünfzig Kupferstichen wohl wert sei, ein anderer möchte sein Büchersammeln „qualitativ verbessern" und fragt deshalb, welche Kriterien den Wert eines antiquarischen Buches ausmachen. Ein Dritter, der sich vermutlich erst noch präziser ausdrücken müßte, hat auf dem Dachboden seiner Eltern „einen alten deutschen Bücherband" gefunden und möchte wissen, wie wertvoll er sei. Auf Nachfragen erklären die Absender, daß sie die erhofften Antworten tatsächlich erhalten. Die Seite lebt also, wenn auch noch nicht glänzend (in den letzten zwölf Monaten hatte die Bücherseite nur eintausend Besucher). 
Wohl nichts für Profis also, aber für Amateursammler eine gute Einführung und Erst-Information. 

Logo sammler.com
 
 

Ausschnitt aus 
Jacques Louis David, Der Raub der Sabinerinnen
 

Münze mit dem Kopf des Caesar Augustus