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"Ihr habt es ja nicht anders haben wollen"
Das Klischee steht seit langem fest: Die Romantik ist deutsch, der
Taugenichts ihr schönstes Werk und dessen Autor ihr harmlos-netter
Hauptvertreter.
Das weiß Günter Schiwy natürlich auch. Deshalb unternimmt
er in seiner Eichendorff-Biographie auch keine Frontalattacke. Er versucht
gar nicht erst, den zum Katholizismus übergetretenen Freiherrn
als linken Revolutionär zu beschreiben, sondern zeigt etwas ganz
anderes, Menschlicheres: Das immer authentische Leben eines Schriftstellers
zwischen den extremen, oft radikalen Ideologien seiner Zeit. Man muß
sich nur einmal die Lebensdaten Eichendorffs vor Augen halten: Seine
Geburt (1788) fällt noch in die Zeit des Ancien Régime,
und er starb (1857) neun Jahre nach der Veröffentlichung des Kommunistischen
Manifests. Dazwischen liegen die Französische Revolution, Napoleon,
die Befreiungskriege, die Revolutionen von 1830 und 1848 sowie die deutsche
Nationalversammlung in der Paulskirche - nicht gerade die ideale Zeit
für weltvergessene Empfindsamkeit.
Schon als zwanzigjähriger Student erlebt Eichendorff einen literarischen
Epochenstreit: den erbittert geführten Kampf "zwischen sogenannten
Romantikern und sogenannten Classikern" (Achim von Arnim). In seiner
späteren Beschreibung dieses hitzigen Sommers 1808 läßt
Eichendorff seine Abneigung gegen den überständigen Classiker
Voß mit einer gewissen Drastik erkennen:
In Heidelberg selbst aber saß der alte Voß,
der sich bereits überlebt hatte, und darüber ganz grämlich
geworden war. Mitten in dem staubigen Gewebe seiner Gelehrsamkeit lauerte
er wie eine ungesellige Spinne, tückisch auf alles Junge und Neue
zufahrend, das sich unvorsichtig dem Gespinste zu nähern unterfing.
Schiwy verschweigt aber auch nicht eine "bedenkliche Neigung"
dieser "Jungen und Neuen", nämlich die Herabsetzung der
Sprachen anderer Völker, zum Beispiel durch Schelling oder Fichte
oder auch den Turnvater Jahn (der sein "deutsches Sprachempfinden"
später allerdings selbst persiflierte).
Eichendorff selbst entwickelte dagegen einen distanzierten, "geläuterten
Patriotismus", sogar schon kurz nach dem allgemein bejubelten Sieg
über Napoleon:
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