|
|
Das Rätsel und die Lösung (2. Teil) Wer hat denn jahrzehntelang augenzwinkernd betrieben, was Haider jetzt ausspricht? Wer hat denn jahrzehntelang salonfähig gemacht, wonach Haider, der Parvenu im Salon, jetzt genüßlich seine Finger streckt? Der Skandal ist nicht allein Haider. Der ganze Skandal ist die geschlossene Allianz, die sich just das Österreich zurückwünscht, das einen wie Haider möglich machen mußte. Haider ist mithin "nicht der Widerspruch zu den österreichischen
Verhältnissen, sondern deren Produkt, weil er nicht die Antithese
zu den Regierungsparteien ist, sondern deren Lautsprecher, weil er nicht
gegen die Situation opponiert, sondern sie bloß überzeichnet".
Es hat im Land gar keinen "Rechtsruck" gegeben, und jetzt
- spät - lauthals gegen Haider zu sein, ist Heuchelei und dient
nur einem absurden Lebenslauf: "Ich habe im Jahr 2000 den Widerstand
gegen Hitler organisiert!" Dieser Mann, der wöchentlich via News inseriert, daß er Kanzler nicht nur werden will, sondern auch werden wird, macht nicht einmal Ankündigungen, die es einem aufmerksamen Leser ermöglichen würden, dereinst sagen zu können: "Ich habe Haiders Buch gleich gelesen und bereits damals alles gewußt." Nichts dergleichen, dieses Buch ist als Machwerk nicht einmal mit Mein Kampf zu vergleichen. Das Erquickliche an solchen Durchblicken ist der leichtfüßige,
luftige, helle Stil, mit dem sie verabreicht werden. Dem Autor steht
eine unglaubliche Vielfalt sprachlicher Mittel zu Gebote, und es sind
nicht nur die gewohnten Figuren der Rhetorik, sondern darüber hinaus
eigene Erfindungen, etwa die Übernahme einer mündlichen Etappenmarkierung
("So, und jetzt betrachten die Studenten ...") oder der brüske
Abbruch der Argumentation ("Und - nein, Schluß. Es ist mir
zu dumm."). Fritz R. Glunk Robert Menasse |
| Essays Interview Leseproben Net-Ticker TextBilder Rubriken Archiv |