Nr. 32, Januar 2001

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Des Jubelns kein Ende

Joachim Heinrich Campe (1746-1818), Aufklärer und Pädagoge, beschritt mit seinem "Abeze- und Lesebuch" von 1807 neue Wege (zum Teil auch mit Hilfe einer selbsterfundenen Lehr-Orthographie), um "Kinder auf eine leichte und angenehme Weise lesen zu lehren". Hier ein Auszug aus dem triumphalen Abschlußdialog dieses Kurses für Telekommunikation avant la lettre:

Großvater. Mein lieber fleißiger Karl, ich wünsche dir Glück!
Karl. Wozu?
Großvater. Du bist am Ziele. Du hast nun so viel schreiben und lesen gelernt, daß du, so oft es nöthig ist, deine Gedanken sichtbar machen, und die Gedanken anderer Menschen, die sie aufgeschrieben haben, verstehen oder lesen kannst. Wie viel Vergnügen wird dir daraus erwachsen! Nun kannst du mit abwesenden Freunden auf hundert Meilen weit sprechen, und sie können mit dir sprechen; versteht sich durch die Schreibe- und Lesekunst, die du nunmehr glücklich gelernt hast. Nun kannst du auch - höre einmal, welch ein Glück! so viele allerliebste kleine Geschichten lesen, als du nur immer willst; und brauchst nicht erst Andere zu quälen, daß sie dir etwas erzählen sollen, wozu sie nicht immer Zeit, auch nicht immer Lust haben. An Büchern, die dergleichen hübsche Geschichten enthalten, soll es dir nicht fehlen. Hier schenke ich dir das erste. (Er zeigt ihm dieses Abezebuch.)
Karl (die Bilder erblickend, und hocherfreut). Ah! Das ist prächtig!
Großvater. Nicht wahr? Weißt du, was dieses erste Bild hier (auf das Titelkupfer zeigend) vorstellt?
Karl. Nein!
Großvater. Da ist auch ein Vater oder Großvater, der seinen Kindern das Lesen und Schreiben gelehrt hat, wie ich dir. Auch er schenkt ihnen jetzt das erste Buch, voll niedlicher Geschichten. Sieh, wie die Kinder vor Freude hüpfen und springen! Wie sie alle ihre Spielsachen weggeworfen haben! Wie sie alle in die Höhe springen, um das schöne Buch aus der Luft zu fangen, wohin der Vater es scherzweise emporhält! Bald wird er die Hand herunternehmen; dann wird des Jubelns kein Ende sein.

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