|
|
|
Des Jubelns kein Ende
Joachim Heinrich Campe (1746-1818), Aufklärer
und Pädagoge, beschritt mit seinem "Abeze- und Lesebuch"
von 1807 neue Wege (zum Teil auch mit Hilfe einer selbsterfundenen Lehr-Orthographie),
um "Kinder auf eine leichte und angenehme Weise lesen zu lehren".
Hier ein Auszug aus dem triumphalen Abschlußdialog dieses Kurses
für Telekommunikation avant la lettre:
Großvater. Mein lieber fleißiger Karl, ich wünsche
dir Glück!
Karl. Wozu?
Großvater. Du bist am Ziele. Du hast nun so viel schreiben und
lesen gelernt, daß du, so oft es nöthig ist, deine Gedanken
sichtbar machen, und die Gedanken anderer Menschen, die sie aufgeschrieben
haben, verstehen oder lesen kannst. Wie viel Vergnügen wird dir
daraus erwachsen! Nun kannst du mit abwesenden Freunden auf hundert
Meilen weit sprechen, und sie können mit dir sprechen; versteht
sich durch die Schreibe- und Lesekunst, die du nunmehr glücklich
gelernt hast. Nun kannst du auch - höre einmal, welch ein Glück!
so viele allerliebste kleine Geschichten lesen, als du nur immer willst;
und brauchst nicht erst Andere zu quälen, daß sie dir etwas
erzählen sollen, wozu sie nicht immer Zeit, auch nicht immer Lust
haben. An Büchern, die dergleichen hübsche Geschichten enthalten,
soll es dir nicht fehlen. Hier schenke ich dir das erste. (Er zeigt
ihm dieses Abezebuch.)
Karl (die Bilder erblickend, und hocherfreut). Ah! Das ist prächtig!
Großvater. Nicht wahr? Weißt du, was dieses
erste Bild hier (auf das Titelkupfer zeigend) vorstellt?
Karl. Nein!
Großvater. Da ist auch ein Vater oder Großvater, der seinen
Kindern das Lesen und Schreiben gelehrt hat, wie ich dir. Auch er schenkt
ihnen jetzt das erste Buch, voll niedlicher Geschichten. Sieh, wie die
Kinder vor Freude hüpfen und springen! Wie sie alle ihre Spielsachen
weggeworfen haben! Wie sie alle in die Höhe springen, um das schöne
Buch aus der Luft zu fangen, wohin der Vater es scherzweise emporhält!
Bald wird er die Hand herunternehmen; dann wird des Jubelns kein Ende
sein.
Ihr Kommentar
|
|