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Ein Tagebuch ist kein Tagebuch ist ein Tagebuch
Bei der Präsentation des Buches von Helmut Kohl
Mein Tagebuch 1998 - 2000 am 24. November 2000. Die untenstehende
Langantwort aus 411 Kohl-Wörtern klärt an keiner Stelle die
deutlich genug gestellte Frage. Das Thema verschwimmt in einem großen
weißen Rauschen, wird unter einem schier endlos herauslaufenden
Wortbrei erstickt und begraben. Eine Impertinenz, ein kommunikatives
Fiasko, ein Meisterstück rhetorischer Unverschämtheit und
eine Perle für einen Linguisten. Aber für jeden anderen nur
noch platter Unsinn. Vgl. dazu auch Matth. 5,37.
Stadelmann: Stadelmann ist mein Name, Stuttgarter Nachrichten. Herr
Dr. Kohl, ich wollte Sie ...
Kohl: Können Sie a bißl lauter reden - es gibt doch den Widerhall.
Stadelmann: Stadelmann ist mein Name, Stuttgarter Nachrichten und Südwestpresse.
Herr Dr. Kohl, es wird Ihnen entgegengehalten, daß Sie nie ein
Tagebuch geführt haben, sondern erst im Nachhinein Ihre Aufzeichnungen
rückblickend gefertigt haben. Das gäbe Ihrem Urteil über
inner- und außerparteiliche Persönlichkeiten ja auch ein
ganz anderes Gewicht. Können Sie dazu etwas sagen?
Kohl: Ich hab den letzten Teil mit den Persönlichkeiten rein lautmäßig
nicht verstanden.
Stadelmann: Wenn Sie Ihre Aufzeichnungen ...
Kohl: Ja, das hab ich verstanden. Aber der zweite Teil.
Stadelmann: Das gäbe, wenn sie nachträglich gefertigt worden
sind, Ihrem Urteil über die inner- und außerparteilichen
Persönlichkeiten ja ein anderes Gewicht, wenn das nachträglich
gefertigt worden wäre.
Kohl: Kann ich nicht verstehen. Ich hab nie von mir behauptet, daß
ich ein Tagebuchschreiber bin, der nachts - die ganze Nacht durch am
Tagebuch schreibt. Zu denen hab ich nie gehört. Aber ich hab mir
immer Notizen gemacht, und ich bin ganz erstaunt, wer mein Innenleben
so genau kennt. Ich lese da von Professoren, mit denen ich einmal in
meinem Leben gesprochen hab, die können genau ahnen, wie ich -
wie mein tägliches Werk abläuft. Und ich hab immer in großer
Zahl Unterlagen und Material gesammelt, übrigens auch schon deswegen,
weil ich immer wieder vor die Lage kam, daß ich Reden halten mußte
und selbst mitentwerfen mußte. Und bei diesem Buch hab ich nun
- und das ist ja nun - wird bei den Memoiren nicht vergleichbar zu machen
sein, weil die Memoiren ja auf einen langen Zeitraum gehen, von praktisch
meinem Eintreten überhaupt ins Leben und ins politische Leben,
meine familiäre Situation bis zu meinem Ausscheiden aus dem - oder
bis jetzt: Das wird kein Tagebuch, das ist ganz anders gegliedert.
Aber dieses Tagebuch ist ja bewußt auch entstanden und natürlich
mit den Notizen und den Unterlagen, sehr konkret, das hab ich übrigens
eben grade erwähnt und im Vorwort werden Sies noch deutlicher lesen
können - vor allem auch bezogen auf die konkrete Situation der
letzten zwölf Monate. Die ersten zwölf Monate dieses Tagebuchs
sind in der Tat Notizen aus meinem Alltag: Wenn ich etwa einen Besuch
in Rom schildere, was Sie dabei ja alles im einzelnen finden, oder das
Treffen mit den ehemaligen Kollegen oder den - und der - [unverständlich]
zum Ehrenbürger Europas ernannt wurde - das alles ergibt sich so.
Während beispielsweise bei den - bei dem späteren Zeitpunkt,
der das im Zusammenhang mit Spenden beschreibt - das ist sehr penibel
aufgeschrieben, da ist überhaupt gar kein Zweifel.
Aber auch dabei haben mir natürlich meine Mitarbeiter geholfen,
meine Familie, vor allem meine Söhne, meine Frau auch, aber auch
der eine oder andere Freund übrigens, der mit dabei war. Ich hab
mich ja auch jetzt beim Niederschreiben immer wieder erkundigt: Hast
du eine ähnliche Beobachtung gemacht? Also: Es ist mein Tagebuch.
Im übrigen: Es ist sehr deutlich zu erkennen, O-Ton Kohl, Sie werden
eine Reihe von Tagebucheintragungen finden, wo Sie unschwer erkennen,
daß es ganz typische Formulierungen von mir sind, etwa wenn ich
mich mit dem einen oder andern bekannten deutschen Journalisten dabei
beschäftige, da finden Sie sehr vertraute Töne. Ich kanns
Ihnen gleich vorlesen, wenn Sie den Wunsch haben - zumal der Betroffene
hier ist, der hätte seine besondere Freude.
Ihr
Kommentar
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