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Kein Buch für Erstbesucher
Der Autor Peter Ackroyd hat soeben sein Buch "London: the
Biography" vorgestellt. "Biographie" ist sicher
etwas zu viel versprochen, aber etwas wie eine heimliche Stadtgeschichte
ist dabei herausgekommen.
Beispiel: die Fetter Street. Jeder geht an dieser Viertelmeile
zwischen Fleet Street und Holbourn, an ihren drei Pubs und drei
Cafeterias vermutlich gedankenlos vorbei - auf dem Weg zu St.
Paul's Cathredal.
Und doch. Fetter erzählt, wie in dieser Straße der
Dichter John Dryden wohnte, der Komponist John Dowland, der Philosoph
Thomas Hobbes, der Publizist Thomas Paine - und, im siebzehnten
Jahrhundert, Isaac Praisegod Barbone, Inhaber eines Ledergeschäfts
und notorischer Aufrührer. Da mag es dann auch von Interesse
sein, daß der große Brand von London 1666 genau an
dieser Straße Halt machte. Von den Hinrichtungen in der
Fetter Street, meist von den Protestantismus halsstarrig verweigernden
Katholiken, ganz zu schweigen.
Auch größeren Gebieten gewinnt Ackroyd einen besonderen
Charakter ab: Clerkenwell war für ihn, nachweislich, ein
revolutionäres Dissidentenviertel, Bloomsbury ein Sammelpunkt
für Okkultisten.
Wer London nicht schon gut kennt, wird allerdings enttäuscht
sein: Wachsmuseen und Königspaläste werden nur im Vorübergehen
erwähnt.
Attraktiver de Sade
Als der Regisseur Philip Kaufman ("Die unerträgliche
Leichtigkeit des Seins", immerhin) den Plan faßte,
das Leben de Sades zu verfilmen, meldeten sich große Namen
für die Hauptrollen: Michael Caine - für die Rolle des
bösen Arztes, der in Napoleons Auftrag de Sade "kurieren"
sollte; Kate Winslett - als die Wäscherin, die de Sades Manuskripte
aus dem Irrenhaus schmuggelt; Joaquin Phoenix als der Abbé,
der Verständnis hat für die Ausdruckszwänge des
Schriftstellers; und schließlich Goeffrey Rush als der "göttliche
Marquis" selbst.
"Es riecht ein wenig nach einem Märchen", gab Kaufman
zu, "da sitzt das Ungeheuer in seiner schwarzen Höhle
und schreibt und schreibt, und seine Werke werden von einer Jungfrau
hinaus in die Welt gebracht, während ein ebenso unschuldiger
Abt sie dabei beschützt. Dann schickt der Kaiser einen verkappten
Bösewicht - die Repression gegen die Expressivität."
Und warum sollte man in den Film gehen? Nochmal Kaufman: "Ich
denke, es wird ein großartiger Film für ein Rendezvous,
denn man kann hinterher über ihn reden, was man ja mit den
meisten anderen Filmen heute nicht kann."
Man braucht nicht gespannt zu sein.
Wenn der Leser zum Lektor wird
Ein Fortsetzungsroman aus dem Internet kommt als Book on Demand
auf den Buchmarkt. Bei diesem Herstellungsverfahren liegt das
Buch in digitaler Form vor und wird erst produziert, wenn eine
Bestellung eintrifft. Dadurch wird das finanzielle Risiko bei
der Produktion deutlich gesenkt. Die meisten der so produzierten
Bücher werden von der Literaturkritik jedoch schief angesehen,
weil der Autor häufig keinen Verlag hat und sein Buch selbst
veröffentlicht. Ohne Verlag und Lektor -- keine Qualität:
So lautet die einfache Gleichung der Kritiker.
Jetzt aber kommt ein Buch ohne Unterstützung durch einen
Verlag auf den Markt, das dennoch durch eine harte Qualitätsprüfung
gegangen ist. "Die Reise nach Jerusalem" von Jan Ulrich
Hasecke (37) ist ein Roman der Dutzende von Lektoren hatte.
1999 begann der Internet-Kolumnist und Satiriker Hasecke (www.sudelbuch.de),
der auch für die Gazette schreibt, mit der Veröffentlichung
eines Fortsetzungsromans im Internet. Aufgrund der positiven Reaktionen
der Leser, entschloss er sich, den Roman zu überarbeiten
und als Buch zu veröffentlichen. In die Überarbeitung
flossen zahlreiche Anregungen und Kritiken von Lesern mit ein.
In dem 150seitigen Roman geht es um Viktor, einen jungen Mann,
der nach Israel reist, um den Tod seiner französischen Geliebten
Aline zu vergessen. Doch statt interessanter Ablenkung trifft
Viktor im Heiligen Land auf Rona, eine junge Israelin, die ihn
immer wieder schmerzlich an Aline erinnert. Die Reise nach Jerusalem
wird für Viktor zu einer Reise in die Vergangenheit. Je mehr
er sich in Rona verliebt, um so stärker empfindet er den
Verlust Alines. Ronas Großvater, der Besitzer der Herberge,
in der Viktor übernachtet, hat als junger Mann das Konzentrationslager
Auschwitz überlebt. Viktor, aufgewachsen in den 60er und
70er Jahren, gehört zur geschichtslosen zweiten Nachkriegsgeneration
und wird durch die Begegnung mit Rona und ihrem Großvater
in Israel zum ersten Mal in die deutsche Geschichte verwickelt.
Virtuos verknüpft Hasecke die verschiedenen Erzählebenen.
Die gescheiterte Liebe zu Aline und ihr Sterben wird in Rückblenden
immer wieder mit der Haupthandlung verknüpft. Dabei nimmt
der Autor den Leser mit auf eine sprachgewaltige Reise durch faszinierende
Landschaften und Orte Israels, die sich in kräftigen Farben
von Paris und dem dörflichen Frankreich abheben. Und da auf
den 150 Seiten auch die Erotik nicht zu kurz kommt, kann man das
Buch uneingeschränkt als Feiertagslektüre empfehlen.
Der Roman kann für 19,80 DM online und direkt bei Libri
bestellt werden.
Zweig in Augsburg
Als "unvergessliche Erinnerung" beschreibt Stefan Zweig
(Foto, mit seiner Frau) seinen ersten morgendlichen Spaziergang
durch Augsburg, "diese prachtvoll gleichgewichtige, schöne
und starke Stadt" (Broschüre des Augsburger Verkehrsvereins,
1925).
Der österreichische Schriftsteller
war mehrere Male zu Gast in Augsburg. Seine erste Begegnung fand
im Spätsommer 1916 statt, vermutlich auf der Rückreise
von Leipzig nach Salzburg. Zweig nächtigte in Augsburg und
nutzte die Gelegenheit zu einem morgendlichen Spaziergang, der
ihn sichtlich beeindruckte.
Im Jahre 1925 hielt Zweig anlässlich einer Lesereise durch
Süddeutschland am 6. März 1925 einen Vortrag über
Friedrich Hölderlin im Hotel Drei Mohren in Augsburg. Eingeladen
dazu hatte die Literarische Gesellschaft. Die Ankündigungen
in der Presse sowie die Kritik des Vortrags sind erhalten.
Gut fünf Jahre später, im Juli 1930, machte Zweig wieder
Halt in Augsburg: "Mit Bewunderung sprach er dabei von einem
'vereinten Europa', das die von hier ausgehenden Unternehmungen
der Fugger einst für einige Zeit hatten Wirklichkeit werden
lassen".
Diese Gedanken des österreichischen Weltreisenden lesen sich
auch heute aktuell. So ist Stefan Zweig im Jahre 2001 wieder in
Augsburg: drei Monate lang. Über 50 Veranstaltungen zeigen
vom 18. Januar bis 6. April, wie Stefan Zweig heute gesehen werden
kann. Vorträge, Lesungen, Ausstellungen und Filme machen
den Dichter sichtbar, den Reisenden, den Weltbürger, die
Person und dazu das Umfeld des österreichischen Schriftstellers.
(Pressemitteilung)
Niederlage oder geordneter Rückzug?
Der elektronische Verlag Mighty Words hat im November einigen
Tausenden seiner Autoren die Verträge gekündigt und
den verbliebenen das Honorar gekürzt.
Der Publishing-on-demand-Verlag hatte etwa zehntausend Titel im
Programm, deren Text die Autoren selbst einliefern konnten. Die
danach bestellten Exemplare wurden über die Website von Mighty
Words verkauft, wobei die Einnahmen zu gleichen Teilen zwischen
Autor und Verlag aufgeteilt wurden. Nach dem jetzt erfolgten Rückzug
bleiben nur noch etwa zweitausendfünfhundert Titel übrig.
Die neue Honoraraufteilung gibt dem Verlag siebzig und läßt
dem Autor nur noch dreißig Prozent der Einkünfte.
Genau wieviel Autoren dort heimatlos werden, kann überhaupt
nicht festgestellt werden, da ein und derselbe Autor seine Werke
oft unter verschiedenen Mail-Adressen und Pseudonymen angemeldet
hat.
Judy Kirkpatrick, die Vizepräsidentin von Mighty Words, begründete
den Schnitt mit dem zweifellos überzeugenden Grundsatz, man
wolle sich künftig auf Bücher konzentrieren, die der
Kunde auch kaufen möchte. Es habe keinen Sinn mehr, alle
möglichen Texte zu akzeptieren, von denen die Autoren ein
paar Exemplare an ihre Angehörigen und Freunde verkaufen,
und der Rest dann nur noch unbeachtet herumsteht.
Ab jetzt werde man nur noch Titel produzieren, die professionell
lektoriert, gelayoutet und hergestellt werden.
Der gute Vorsatz kommt einem irgendwie bekannt vor. Es soll unelektronische
Verlage geben, die ihn schon länger befolgen.
Zweiter Kennedy-Film im Museum
Den Zapruder-Film kennt jeder. Weniger bekannt ist der zweite
Amateurfilm von Kennedys Ermordung, der von Orville Nix (Foto)
aufgenommen wurde, mit einer Dauer von 24,5 Sekunden. Die
Szenen: Jackie Kennedy klettert nach hinten auf den Kofferraum
des Wagens, um abgesplitterte Schädelknochen einzusammeln,
dann steigt der Secret Service Agent Clint Hill ebenfalls auf
den Kofferraumdeckel.
Der Film ist deshalb von einigem historischen Interesse, da er
von einer Zapruder gegenüberliegenden Position aus gedreht
wurde (sogar Zapruder selbst ist ein paarmal zu sehen). Damit
ist auch der berüchtigte "Grasbuckel" hinter Zapruder
im Bild, auf dem manche noch immer einen zweiten Schützen
vermuten.
Der Film und die Kamera, mit der er aufgenommen wurde, wurden
jetzt dem Sixth Floor Museum in Dallas übergeben. Die Familie
ließ sich deshalb so lange Zeit damit, um privat ungestört
zu bleiben, sagte Nix' Sohn.
Bertelsmann kauft (vermutlich) EMI
Fast alle Musikkonservenhersteller gehören heute jemand
anderem: Time Warner oder Sony oder dem französischen Ex-Wasserhändler
Vivendi. Nur EMI gehörte noch sich selbst. Das will Bertelsmann
jetzt ändern und begann im November die Übernahmegespräche.
Der EMI-Vorsitzende Eric Nicoli sieht es gelassen: "Für
uns hätte das ähnliche strategische Vorteile wie das
nichtzustandegekommene Joint Venture mit Time Warner."
Eigentlich steht die britische EMI wirtschaftlich nicht schlecht
da. Die Umsätze stiegen im ersten Halbjahr von 5,9 auf 11,4
Milliarden Pfund (während allerdings die Gewinne vor Steuern
im gleichen Zeitraum von 86,5 auf 59,1 Millionen Pfund zurückgingen).
"Wir brauchen die Fusion nicht", sagt Nicoli selbstbewußt.
Auch Paris ehrt einen Amerikaner
Robert M. Parker jr. ist auch in Frankreich der angesehenste
Weinkenner der Welt. Seine Wein-Bücher (darunter auf deutsch
"Parker Rhone", Parker Bordeaux" und der klassische
"Parker's Wein Guide"), werden von Liebhabern mit Andacht
gelesen und auswendig gelernt. Seine Urteile jagen Weinpreise
in die Höhe oder auch in den Keller.
Ende November überreichte ihm die Internationale Akademie
für Gastronomie in Paris ihre höchste Auszeichnung,
den "Grand Prix für Eßkultur und Ernährungswissenschaft".
Parker, so der Gründungspräsident Michel Genin, sei
ein "Weinkenner ohnegleichen", dessen Geschmack "höchste
kritische Genauigkeit" beweise.
Die GEMA und Hewlett-Packard
Die CD-Brenner von Hewlett-Packard sind die ersten Geräte
dieser Art, die jetzt in Deutschland mit einer Kopierabgabe belastet
sind. Sie wird an die GEMA abgeführt zum Ausgleich für
die unerlaubt gezogenen Kopien tantiemenpflichtiger Musikstücke,
seien es aus dem Internet geholte MP3-Dateien oder kopierte Original-CDs.
Man schätzt allein diese jährlich auf fünfhundert
Millionen weltweit (wodurch der EU Steuerausfälle in Höhe
von hundertsechzig Millionen Mark entstehen).
Ursprünglich verlangte die GEMA dreißig Mark für
jeden in Deutschland verkauften CD-Brenner - rückwirkend
seit Februar 1998. Der Hersteller zog dagegen vor Gericht. Am
23. November einigten sich die Parteien: HP zahlt bloß noch
drei Mark sechzig pro Gerät für die zurückliegenden
und zwölf Mark für alle künftigen Verkäufe.
Auch anderen Produzenten wird die GEMA vermutlich dieselbe Rechnung
präsentieren.
Schon gehen bei jedem verkauften Kassettenrekorder zwei Mark fünfzig
und bei jedem Videorekorder achtzehn Mark an die GEMA.
Die Organisation verteilt diese Einkünfte an Autoren und
Urheber. Was die Washington Post nicht daran hinderte, darin wieder
einmal ein schlimmes Zeichen der deutschen Regelungswut zu sehen.
Die Techniken eines Literatur-Detektivs
Ursprünglich hieß der Autor von "Primary Colors"
bloß "Anonymous". Dann machte sich ein fünfzigjähriger
Universitätsprofessor, Don Foster, an die Arbeit und entlarvte
den Namenlosen als Joe Klein von Newsweek Magazine. Wie er das
macht, verrät er jetzt in seinem eigenen Buch "Author
Unknown. In the Trail of the Anonymous".
Angefangen hatte er mit Shakespeare, beziehungsweise einer "Funeral
Elegy", die seiner Überzeugung nach von Shakespeare
ist. Die Elegie wurde für William Peter geschrieben, der
nach einer mehrstündigen Sauftour als Dreißigjähriger
1612 ermordet worden war. Foster verglich die sprachlichen Muster
und Eigenheiten der Elegie mit Shakespeares Werken und wurde fündig.
Das war 1966. Heute wird die Elegie in viele (nicht alle) Shakespeare-Ausgaben
aufgenommen. Und Foster gilt als der größte Text- und
Literaturdetektiv von heute.
Der "Spion", der aus Los Alamos kam
Der sechzigjährige Physiker Wen Ho Lee, der im vergangenen
Jahr wegen Geheimnisverrat von dem Nuklearkomplex entlassen wurde,
hat sich saniert. Nicht nur eine Fernsehserie über ihn ist
in Bearbeitung (allerdings ist die Familie noch dagegen). Auch
ein Buch - mit einem Ko-Autor - ist geplant, in dem Lee seine
Version der ganzen Angelegenheit erzählen will. Das Buch
soll im Herbst 2001 herauskommen.
Die Strafverfolgung gegen den Wissenschaftler war unter herbe
Kritik gekommen, als ihr rassistische Gründe unterstellt
wurden. Tatsächlich blieben von den neunundfünfzig Anklagepunkten
am Ende nur noch einer übrig (auch wenn da ein Deal mit dem
Staatsanwalt zugrundeliegen mag: umfassende Aussage gegen weitgehende
Straffreiheit). Und Spionage zum Vorteil einer ausländischen
Macht konnte ihm ebenfalls nicht nachgewiesen werden.
Ihr Kommentar
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Die Gutenberg-Bibel geht ins Netz
Die British Library und die
Universitä t
von Keio (Japan) wollen zusammen die 42-zeilige lateinische Gutenbergbibel
von 1455 weltweit zugänglich machen: im Internet.
Insgesamt sind von diesem Buch nur einhundertachtzig Exemplare
gedruckt worden. Dreiundvierzig davon sind heute noch erhalten
(und bei weitem nicht alle vollständig). London besitzt außer
Fragmenten eines Exemplars zwei weitere vollständige (eins
auf Pergament, eins auf Papier), und beide sollen - mit der Hilfe
japanischer Spezialisten - digitalisiert werden.
"Viele Bilder", verspricht Kristian Jensen, Kurator
der British Library für frühe Drucke, "werden von
so ausgezeichneter Qualität sein, daß man auch als
Forscher mit der Präsentation im Internet wirklich besser
dran ist."
Geheimnisverrat
Der kanadische Governor
General (Foto) ist eine Frau: Adrienne Clarkson (verheiratet mit
dem Kulturkritiker und Bestsellerautor John Ralston Saul). Normalerweise
weiß niemand vor der Verkündigung des Literaturpreisträgers
des Governor General in Ottawa , wem sie ihn überreichen
wird.. Nur diesmal wußte es drei Tage vorher schon die Presse:
Michael Ondaatje mit "Anil's Ghost".
Wo war das Leck?
Schuld war eine fehlgelaufene E-Mail, und die Presse hatte sie
aufgefangen.
Ondaatje gewann knapp vor Margaret Atwood und ihrem Buch "The
Blind Assassin". Reich wird man nicht durch den Preis: Er
schwankt zwischen zehn- und fünfzehntausend kanadischen Dollar.
Mit einer schönen Zugabe allerdings: Ein Buchbindermeister
bindet ihm ein Sonder-Exemplar des prämiierten Buches in
einer Qualität, wie man sie vor langer Zeit noch hatte.
First Authoress
Hillary Clinton schreibt an einem - natürlich
großzügig illustrierten - Buch über die Geschichtsträchtigkeit
des Weißen Hauses. Titel: "Eine Einladung ins Weiße
Haus - in der Geschichte daheim." Das Honorar dafür
soll in vollem Umfang an die White House Historical Association
gehen.
Faszinierende Einblicke stehen bevor. Man sieht Mrs. Clinton vor
allem als sensible Innendekorateurin ("Als Bill Seale, der
Historiker des Weißen Hauses, und ich uns aber umsahen,
stimmte das vibrierende neue Blau doch nicht ganz."). Auch
Kunstförderung geschieht: Die First Lady stellte acht moderne
Statuen in den Jacqueline-Kennedy-Garten.
Der Koch und der Konditor des Weißen Hauses kommen ebenfalls
zu Wort und steuern auf insgesamt vierundachtzig Seiten ihre besten
Rezepte bei.
Harry saniert den Verlag
Harry Potter tut nicht nur allerorten dem Buchhandel
und der Autorin gut (sie erhielt gerade die erste Ehrendoktorwürde),
sondern auch seinem britischen Verlag Bloomsbury. Die Feststellung
der Verlagsleitung, das Ergebnis habe "die Erwartungen übertroffen",
muß als Untertreibung durchgehen. Während noch im ersten
Halbjahr 1999 ein Verlust von einhundertdreitausend Pfund zu verschmerzen
war, verzeichnet das Haus im ersten Halbjahr 2000 einen Gewinn
(vor Steuern) von zweihundertdreiundsiebzigtausend Pfund.
Die Verlagsaktie kletterte freudig um sechzig Pence auf fast neun
Pfund, womit Bloomsbury jetzt insgesamt einhundertfünfzig
Millionen Pfund wert ist.
Auch Frankreich im Potter-Rausch
Ab 30. November um Mitternacht wurde in Frankreich
der vierte Harry Potter ("und der Feuerkelch") ausgeliefert.
Vierhundertfünfzigtausend Exemplare. Fürs erste. Später
kommt noch die Taschenbuchausgabe dazu.
France Culture änderte sein Radioprogramm: Schauspieler Bernard
Giraudeau las an dem Abend aus dem ersten Potter-Buch.
Seit 1998 wurden 1,4 Millionen Potters verkauft, davon dreihunderttausend
allein im vergangenen Oktober.
Noch einmal Harry
Es ist wohl ein Rekord: Schon drei Jahre nach
Erscheinen wurde ein Exemplar der Erstausgabe des "Stein
der Weisen"-Potters versteigert, und zwar in Swindon (Westengland)
für umgerechnet neunzehntausendachthundert Mark. "Ein
phänomenaler Preis", sagte Geoff Jackson vom Auktionshaus
Dominic Winter, "für ein Buch, das erst 1997 veröffentlicht
wurde."
Der anti-kirchliche Hamburger
In Pisa gibt es einen katholischen Theologen,
Massimo Salani, der die Aufassung vertritt, Katholiken dürften
kein Fastfood essen, weil Fastfood protestantisch sei. In der
den römischen Bischöfen nahestehenden Tageszeitung "Avvenire"
nannte er Anfang November das Schnellessen "unkatholisch"
- wenn nicht, so wörtlich, "atheistisch". Muß
der Hamburger jetzt exkommuniziert werden?
"Bei McDonald's", heißt es da, "wollen die
Leute ein schnelles Essen, und der Hunger wird so schnell wie
möglich gestillt, und man verliert das Gemeinschaftsgefühl."
Salani muß es wissen. Er ist nämllich der Autor des
Buches "A Tavola con le Religioni". Eine Art Kirchen-Siebeck.
McDonald's hielt sofort dagegen. Ein Sprecher: "Fastfood
heißt, daß man schnell bedient wird, und nicht, daß
man schnell ißt."
Aha.
Was zu erwarten war
Zwar hat O. J. Simpson es gerade abgelehnt, die
filmische Verarbeitung seines Prozesses zu erlauben, aber einen
Fernseh-Film darüber gab es ja schon. Und zwar nach dem Buch
desselben Autors, der dann auch einen Report über Clintons
Impeachment verfilmt hat: Jeffrey Toobin. Toobin schreibt im Brotberuf
für The New Yorker und ist Rechtsberater für den Fernsehsender
ABC.
Jetzt kündigt er - alles, was recht ist! - den dritten Bestseller
an: über die langgezogene Präsidentenwahl dieses Jahres.
Er hat noch keinen Titel. Man weiß nur, daß er bei
Randon House herauskommen wird. Also bei Bertelsmann. Gewissermaßen.
Marilyn nur in der engeren Auswahl
Joyce Carol Oates' Marilyn-Monroe-Roman "Blonde"
schaffte es nur bis ins Finale, dann zog Susan Sontag an ihm vorüber
und erhielt Mitte November, aus der Hand von Steve Martin, den
National Book Award für "In America". Es ist ihr
erster Roman nach dem Bestseller von 1971 "The Volcano Lover".
Das Preisgeld sind magere zehntausend Dollar, für "Blonde"
sogar nur eintausend.
Die Preisträgerin kann den Schub gebrauchen. Von dem Roman
haben sich in den elf Monaten seit Januar nur knapp viertausend
Exemplare verkauft.
Die asiatischen Werte
Der Erziehungsminister von Singapur, Teo Chee
Hean, hat die Eltern aufgefordert, ihre schulpflichtigen Kinder
nicht mehr zu verhauen, nur weil sie eine Prüfung nicht mit
Auszeichnung geschafft haben. Einer neueren Umfrage unter Neun-
bis Zwölfährigen zufolge haben ein Drittel dieser Kinder
Angst, in einem Examen zu versagen - und finden deshalb das Leben
nicht lebenswert.
Die Eltern, beklagte sich der Minister, verlangen von der Schule
mehr Hausaufgaben, und wenn die Schule dann Nein sagt, gehen sie
in den nächsten Buchladen und kaufen Aufgabenbücher.
Der Fluch einer nur noch erfolgsorientierten Gesellschaft: Der
Zeitung Strait Times berichtete ein Neunjähriger, seine Eltern
hätten ihn mit dem Rohrstock verhauen, weil er in einer Biologie-Prüfung
nur dreiundachtzig und in Mathematik dreiundsiebzig Punkte erzielte
- von jeweils hundert. Seine Mutter zwingt ihn zu täglich
sechs Stunden Hausaufgaben. "Er ist ein kluger Junge",
sagte sie, "aber er hat sein volles Potential noch nicht
erreicht."
Hacker: "Das geht zu weit!"
Kevin Mitnick, der gerade auf Bewährung
entlassene Hacker, findet, das Buch von Scott French gehe zu weit.
"Es überschreitet eine Grenze und hätte nie veröffentlicht
werden dürfen. Ich wäre sehr vorsichtig, das darin Beschriebene
anzuwenden." Es trifft zu, daß selbst der Autor manchem
den guten Rat gibt: "Wenn man bei Ihnen jemals kriminelle
Energien diagnostiziert hat, dann kaufen Sie meine Bücher
bitte nicht."
Und was steht da nun drin?
Präzise Anleitungen. Hier eine kleine Auswahl: wie man (in
den USA) über einen Computer ohne Identifikation ein Bankkonto
eröffnet, einen zweiten Paß bestellt, Kreditkarten
fälscht, eine "echte " Geburtsurkunde bekommt,
Schecks mit dem Computer nachmacht, einen neuen Führerschein
fabriziert oder jemand anderem seine elektronische Identität
klaut.
Mangelnde Offenheit kann man dem Autor nicht vorwerfen. Er stellt
sich mit einer pauschalen Erklärung von jeder Schadenersatzforderung
frei: "Die Durchführung einiger der hier dargestellten
Techniken ist gesetzwidrig."
Ähnlich wie bei uns der straflose Besitz eines Geräts
zum Abhören des Polizeifunks. Man macht sich erst strafbar,
wenn man es einschaltet
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