Nr. 31, Dezember 2000

 Essays      Interview     Leseproben     Net-Ticker     TextBilder    Rubriken     Archiv

 
TextBilder
 
 
 
 
 
 
 
 
 Buchkunst
 Lyrik
 Kurzprosa
 Fotogalerie
 Notierungen
 Marginalie

 

Günther Zäuner

DER WEISE BERICHT
oder
Österreich – Österarm

Nach intensivsten Recherchen in den letzten 11½ Monaten präsentiere ich heute den Weisen-Bericht.
Was wollten diese drei honorigen Herren in wenigen Stunden in Wien und später in Heidelberg groß herausfinden? Nichts, was wir längst wissen. Kennen sie die dunkelsten Winkel und tiefsten Abgründe der österreichischen und der Wiener Seele im besonderen?
Diese sonderbare Ingredienzenmischung aus Larmoyanz, Guate-Oide-Zeit-, Domois-hätt's-des-net-ois-geb'n!- und Do-g'heat-wieda-amoi-her!-Reminiszenzen, Verschlagenheit, Hinterfotzigkeit, Raunzertum, In-vino-veritas-Mentalität, der Kauma-hoit-nix-moch'n-Resignation, dem Wird-scho‘-wer'n-Kast'ldenken, dem Wenn's-drauf-aunkummt-Patriotismus und dem gewissen Schmäh.
Ausgerechnet das wollen ein Deutscher – bekanntlich ein Schmäh-mäßiges Dritte-Welt-Land, ein Finne – hat ein Finne einen Witz kapiert, ist es bereits wieder Winter; und ein Spanier, der Stierkämpfe lustig findet, intus haben?

Für meinen Weisen-Bericht benötigte ich weder Informationen noch Kleindienste eines karenzierten Polizisten. Kein EDOK-Beamter bot mir Geld, um diesen Bericht nicht publik zu machen. Ich stand weder auf der Lohnliste von Puff Daddy oder anderer Humpis & Dumpis, noch mußte ich im ORF-Computer herumhacken. Wozu? Was hätte ich da groß gesehen? Als Bildschirmschoner den Westenthaler.

Vergessen Sie Taxi Orange!
Nichts als eine miese Abkupferung der Daily Reality Government Soap Opera aus einem barocken Container – Taxi Schwarz-Blau.
· Ein Haufen zusammengewürfelter non-charismatischer Typen und –innen,
· bereits von Folge 1 an immer unbeliebter,
· voraussichtlich für mehrere Jahre rund um die Uhr im Programm, sofern die Intendanz den momentanen Sendungsverantwortlichen nicht frühzeitig aus dem Programm kippt,
· die Quoten im Keller,
· trotz Kampfsparmaßnahmen Unsummen verschlingend,
· monatelang vom Ausland mit Eurovisionsboykott belegt,
· mangelnde Fahrpraxis auf einem Zick-Zack-Crash-Kurs,
· schwer manipulierter Taxameter und
· von Beginn an eine getürkte Auswahl.
Mit Argusaugen vom Big Brother EU beobachtet, dürfen wir nun in einer Expedition Robinson unser schwer ramponiertes Image wieder aufpolieren.
Leider ist es nicht möglich aus dem Taxi Schwarz-Blau jede Woche jemanden herauszuwählen, obwohl jeden Donnerstag eine nicht unbeträchtliche Menge versucht, das durchzusetzen. Teilweise auch nicht nötig, weil sich die Taxi-Schwarz-Blau-Mannschaft bereits selbst „konsequent beseitigt."

Selbstverständlich verfügt Taxi Schwarz-Blau auch über eine Dodo. Moderat in der Weltgeschichte herumdüsend, stülpt sie sich schon mal auf den Azoren eine Pudelmütze aufs streng frisierte Haupt, um vom heraufziehenden Tief abzulenken. Ferrero-Küßchen verteilend, dies und das redend und trotzdem ignoriert.
Dauerlächelnd und Teletubbi-gleich von einer Kamera ins nächste Objektiv winkend. Jedes Interview mit „Schauen Sie..." beginnend. In grenzenloser Naivität glaubend, was ihre Kreise als Diplomatie bezeichnen, wenn Wimpern klimpern, daß augenblicklich die Grande Nation und andere, die sich ebenfalls dafür halten, in Ehrfurcht erstarren.
Die EU ist eben jene Versammlung, in der die Raben den Dohlen erzählen, wie schwarz die Krähen sind. Wo sind eigentlich unsere EU-Abgeordneten Stenzl, Svoboda, Kronberger, Hans Peter Martin, Echerer & Co. abgeblieben? Wahrscheinlich gibt es in Brüssel eine Art von Sondermüll-Container, für die, die so wie so nichts weiterbringen und von dem wir nichts wissen.
Jedenfalls riß sich diese Dame das wichtigste Zitat der jüngeren österreichischen Zeitgeschichte unter die manikürten Fingernägel und verwendete „Österreich ist frei!" in einem Zusammenhang, der in keiner Relation zu dem steht, wofür diese Worte damals ausgerufen wurden. Darum rotiert auch in einem Ehrengrab ein legendärer Poidl...
Kann man es ihr verübeln? Vor ihrem Einzug ins Taxi Schwarz-Blau eine eher unbedeutende Staatssekretärin. Dienstreisen meist zwischen Minoriten- und Ballhausplatz.
Ohne ihre Zustimmung ließ sich Chirac mit Berlusconi ablichten. Ohne sie zu fragen hängte Schröder, anläßlich des zehnten Jahrestages der deutschen Wiedervereinigung in Dresden mit einem verschnupften Bundestag das Schild „Ich darf nicht hinein" auf. Dafür hat der deutsche Außenminister einen Ex-OPEC-Terroristen zum Spezi. Und in gewissen deutschen Städten hallt der Stechschritt der Neonazis.
Johannes Rau will sich mit Klestil nur auf neutralem Boden treffen. In der Schweiz. Ausgerechnet bei den vergeblich zu Österreichern umgeschulten Alpinschotten! Was ist mit unserer Neutralität? Haben wir am Ende gar wieder einen Anschluß verschlafen? Das wäre neu.

Taxi Schwarz-Blau verfügt auch über eine Außenstelle. Gewissermaßen Fahrschule und Werkstätte. Geleitet von einem EPM, einem einfachen, über jeden Verdacht erhabenen, Parteimitglied. Vor einigen Monaten zog sich das EPM krokodilstränenüberströmt auf seinen heimatlichen Kutscherhof zurück. Jetzt überlegt er bereits wieder krampfhaft, wie er am besten die Führerscheinabnahme anstellen könnte. Schließlich darf Taxi Schwarz-Blau nicht so dahintuckern wie Alexander Wurz.
Gönnerhaft läßt das EPM schon mal den Interimschef des Taxi Schwarz-Blau in seinem Porsche mitfahren. Eine symbolträchtige Metapher. Frisches blaues Hemd wie der Chef im Porsche; doch schön brav sitzen bleiben und nicht blöd an den Knöpfen herumspielen.
Meinte doch das EPM, er wäre so etwas wie der ÖAMTC. Schön, dann eben ein gelber Engel.
Ein Blauer wäre zu auffällig. Weiß doch inzwischen der Dümmste, wo Professor Unrat fuhrwerkt.

Natürlich braucht Taxi Schwarz-Blau auch einen Zlatko. Frustriert, weil er nicht im Taxi Schwarz-Blau mitfahren durfte, verfiel er stantepede der Naschsucht. Selbst während eines Fernsehinterviews konnte er seine Lust nicht zügeln. Leider fing er die Torte schlecht auf, die ihm ein wohlmeinender Fan zuwarf. Und muß sich neuerdings immer wieder dumme Fragen gefallen lassen! Zuerst, ob er in dem Puff nur gehumpt, am Ende gar gedumpt oder schlicht doch nur gelumpt hatte? Ich bin sicher, als damaliger Sicherheitssprecher hatte er in dieser Blashütte nur den Safer Sex überprüft. Warum aber nur in diesem erzkonservativen Bezirk? Wo man sich sicherheitshalber vor dem Bienchenspiel noch rasch die Absolution der zuständigen Pfarre einholt!
Momentan kreißeln Hump-Dump-Zlatko und andere Humpis & Dumpis im Kreis. Bloß, weil sie sich in ihrem Bildungsdrang verbotenes Wissen aneigneten und dafür in die Taschen griffen. Na und, in jeder Bibliothek sind Leihgebühren zu entrichten.
In ihrer Verzweiflung reiben sie sich dann am Buxbaum und wollen zum „ultimativen Gegenschlag" ausholen. Geht dieser daneben, folgt dann der „totale Krieg"? Und eifrigst wird an einer neuen Art von Dolchstoßlegende gebastelt, wobei das EPM den Dolch selbst wetzt, indem er bereits drei seiner engsten Getreuen über die Klinge springen läßt.

Die Fahrgemeinschaft des Taxi Schwarz-Blau ist dadurch ernsthaft gefährdet. Die einen mißachten jegliche Verkehrsregeln und die anderen kennen sie nicht. Die einen fühlen sich nur in einem Rechtslenker wohl und die anderen verkriechen sich am liebsten auf der Rückbank oder im Kofferraum. Der momentane Lenker des Taxi Schwarz-Blau erreicht mit Mühe die Pedale, glaubt aber im Bilde zu sein, obwohl er öfters aus dem Rahmen fällt. Hoffend, wenn er schweigt wie ein Trappistenmönch, daß sich die anderen gegenseitig aufreiben und er letztendlich King of the Road bleibt. Das kommt davon, wenn man als Anhalter bedenkenlos in ein fremdes Fahrzeug steigt. Mit perfiden Tricks versucht der momentane Lenker des Taxi Schwarz-Blau in Hagenbrunn mittles ein paar Flascherln Brünnerstrassler seine ungeliebten Passagiere in die Knie zu zwingen. Während ihm der Macchiavelli für Arme, der Khol, frei nach einer berühmten Karikatur, ins Ohr flüstert: „No a Flascherl, Woiferl, und daunn sans waach."

Inzwischen ist das EU-Fahrverbot für Taxi Schwarz-Blau aufgehoben und Gendarm Chirac sitzt selbst in der Rue de la Kack. Michel, der Belgier, kann auch getrost bei uns Schifahren. Vielleicht ist noch ein Zimmer in Galtür frei? Sanktioniert er sich nun selbst, nachdem in Belgien bei den letzten Wahlen der rechtsgerichete Vlaams Blok ordentlich zulegte?
Zwischendurch hirschte noch in New York der Tommy dem Jacques nach. Ans, zwa, drei, ohpaßt! Doch der Chirac stand immer im Leo.

Etwas Verwirrung löste der Abgang des Blendax aus. Nichts gegen Argentinien. Warum nicht Sonja als österreichischer Evita-Import? Doch VW? Nicht sonderlich förderlich für unser Image. Wann wurde denn der Hitler-Bugl entwickelt?
Der oppositionelle Hoffnungsträger? Träger ja – Brillenträger. Zwar vollmundig, aber dünnlippig in seinen Aussagen. Outfit und anderes? Sagen wir so. In der Thaliastraße sieht man oft ähnliche Leute. Ein Magazin bezeichnete ihn als „rote Schubumkehr". Sollte man den Lauda fragen, was das tatsächlich bedeutet. AUA, AUA....
Karli meldete sich aus der niederösterreichischen Versenkung, um kundzutun, daß man eventuell doch mit den Humpis & Dumpis sollte, könnte...um postwendend von der eigenen Fraktion geschlögelt zu werden. Dort nehmen die Humpis & Dumpis nicht jeden.
Dort gilt noch „unsere Ehre heißt Treue".
Bleibt nicht mehr viel übrig. Das LIF? Abgelegt unter Liberales Fiasko.
Van der Bellen mit seinen Stauden und Unkraut? Für die Wiener Wahlen könnten vielleicht Häupl und die Grünen...geht das durch – Häuplsalat mit Spalt-Pilz.
Kurzfristig löste die Politik das Thema Kampfhunde ab. Allen voran kläffte das kleinformatige Pharisäerblatt, um anderntags den Schwanz einzuklemmen und „Pro Hund" zu winseln. Svihalek, der falsche Fuff'zger, plädiert für ein generelles Kampfhundeverbot in Wien. Plötzlich tritt er in ein Hundstrümmerl und es überkommt ihn. Scheiße! Wahlen! Die Wiener Hundebesitzer ein beträchtliches Wählerpotential! Noch dazu in dieser Stadt, wo öfters der Hund mehr als ein Kind zählt! Wetten, daß der Gefüllte im Wahlkampf persönlich und singend Pedigree Pal und Frolic verteilen wird? Oder aus Büffelhaut zum Kiefeln kleine Gusenbauers?

Enthüllungsbücher sind groß in Mode. Zuerst protokolliert Sika. Dann gesteht einer, daß ihm in der Karenz fad ist. Demnächst – „Ich verschlief. 35 Jahre Einlaufstelle Wiener Gebietskrankenkasse".

Und diese verlogene Doppelmoral! Seinerzeit Zeter und Mordio wegen Tommy und Margot, doch niemand budelt sich über die Dreiecksbeziehung Schüssel-Riess-Passer auf? Und was soll die Krawatte? Die stolzgeschwellte Brust kaschieren? Wohl sind die Schuhe des Fischers – net vom Fischler, der hat Plattler – einige Nummern zu groß und es drücken Hühneraugen, schmerzen Frostbeulen und Hammerzehen. Deshalb muß er diese neuen Schuhe auch ordentlich einhatschen zusammen mit der Taxi Schwarz-Blau-Mannschaft in Schönbrunn und in der Steiermark.
An seiner Seite das Susiphon des EPM. Seither sind Pressekonferenzen Doppelconferencen. Jeder Kabarettkenner weiß, daß die klassische Doppelconference aus einem Gescheiten und einem Blöden besteht.

Wendehälse sind gang und gäbe. Es war einmal ein Schauspieler und Rockmusiker, der gegen das Establishment mit seinem schneeweißen New-Wave-Schizo-Punk ansang. Heute gibt er eine klägliche Perfomance in einer glatten Fehlbesetzung als Kulturstaatssekretär.
Oder Wendeliesls Eiertanz! Ihre Bildungspolitik entspricht ihrem Querflötenspiel. Um den Schein halbwegs zu wahren, sollen jetzt Studiengebühren durch Studentenkredite abgefedert werden. Auch so ein Ausdruck: abfedern. In der Wiener Gaunersprache nur ein anderes Idiom für Pecken und Brennen.
Abgesehen davon bringen beim momentanen Zinsniveau der heimischen Banken Einlagen in den Schuhen mehr.
Was ist der Unterschied zwischen dem Randa und der Bank Burgenland? Neuerdings sauft der Randa Paulaner Bier und der Hom-Rusch frißt aus dem Blechnapf.

Eine Frage gilt es noch zu klären. Was machte das EPM, das einfache Parteimitglied, tatsächlich in Libyen? Blöd gelaufen, daß ausgerechnet dann auch wer von der Journaille auftaucht. Ezzes vom Gaddafi? Wußte der bereits vom bevorstehenden Geiseldrama auf Jolo? Plante das EPM Ähnliches? Bitte, gebe ich zu, diesen Zund bekam ich vom Kleindienst. Das EPM spannt den ihm völlig unbekannten Kleindienst ein. Alles, was Sie bisher sahen sind nichts als lausige Fotomontagen „kranker Journalistengehirne". Der Kleindienst organisiert dem EPM ein paar radikale Donnerstagsdemonstrierer. Die kidnappen ein paar asiatische Touristen und verschanzen sich mit ihnen auf der Donauinsel. Zähe wochenlange Lösegeldforderungen. Ab und zu wird eine asiatische Geisel freigelassen, weil der Strasser Computerexperten braucht und die gibt es nicht in der Caritas. Das paßt zwar dem EPM nicht, nimmt es aber in Kauf, weil so seine Direktiven doch schneller per e-mail als per Fax in Wien eintreffen. Außerdem kann auf diese Weise Strasser beweisen, daß er anständig und gottesfürchtig ist. Lebt Gott jetzt in Kärnten? Müssen Bibel und Kirchengeschichte neu geschrieben werden? Wie auch immer, irgendwann bezahlt das EPM nonchalant das Lösegeld aus seinen Bärental-Erträgen und steht als rehabilitierter Hero vor einer beschämten Weltöffentlichkeit.
Unser EPM – der Osama bin Laden der österreichischen Innenpolitik. Herr Dr. Böhmdorfer, packen's das Kanzleipapier wieder ein. Diese Bezeichnung stammt nicht von mir – NEWS, Nr. 36 vom 7. September 2000, S. 166.
Das EPM und seine Humpis & Dumpis – das Temelin der österreichischen Innenpolitik. Von mir aus können's jetzt das Kanzleipapier wieder auspacken, Herr Dr. Böhmdorfer.

Da war der Vorgänger des advocatus diaboli viel amüsanter. Simsalabim aus dem blauen Zauberkasten hervorgezaubert und gleich wieder verschwunden. Bloß, weil er auf seinem Dienst-Jaguar bestand! Er wollte doch keinen Porsche! Und irgendwann legte er mit einem nicht ganz unbekannten Fernsehgesicht eine Miß flach. Scheint ein traumatisches Erlebnis gewesen zu sein. Alles zusammen reichte kurzfristig für den Guglhupf.

Bislang hatte Taxi Schwarz-Blau einige lustige Mitarbeiter. Beispielsweise aus dem Gurktal. Jovial im Volksmund als Gurke bezeichnet mit ihrem Sachwalter Bartenstein. Sie verbrauchte so viele Mitarbeiter wie ihr Schloß Zimmer hat. Vielleicht ihre Interpretation einer „ordentlichen Beschäftigungspolitik"?
Selbst die eigene Hump-Dump-Werbeagentur konnte nicht ihr Image retten. Dafür wurde der Agenturchef mit 221 km/h auf der A2 erwischt. Falls er vor ihr flüchtete, sind das sicher Milderungsgründe. Da sie sich bekanntlich für nichts zu schade ist, kann sie jetzt wieder Häusl putzen. Zitterten vor ihr Österreichs Frauen, ist die Angst noch stärker vor dem Frau Dr. Herbert geworden. Das neue Haupt der Emanzipation. Ein Veterinär als Frauenminister. Das hat was. Jedoch absoluter Unfug! Frauen hinter den Herd. Die Knöpfe sind vorne und die Ceranfelder oben.
Ein anderer schmiß alles hin, weil „die Batterie leer war". Na ja, ein Duracell-Minister war er nie. Wenigstens war der Akku seines Handy aufgeladen.
Seine Nachfolgerin jubelte: „Ich bin das Christkind aus der Schatulle." Wird man sehen, denn es gibt auch Danäergeschenke. Hoffentlich fällt ihr nicht ein, aufgrund einer gewissen Namensgleichheit, daß künftig alle Autos mit diesen grauslichen Wunderbäumen ausgestattet werden müssen.
Während sich der legendäre Joschi Krainer in der Patrona Styria reinkarnierte, fliegen bei den steirischen Humpis & Dumpis die Fetzen. Ihre Diddelmaus darf nicht Landesrätin werden und das EPM schickt Menetekel Richtung Ballhausplatz. Direktivengemäß legt Susiphon noch ein paar Schäuferl nach. Doch während sie spricht, zeichnen kichernd das EPM und sein Zapferl anscheinend bereits den neuen Kurs für das Taxi Blau.
Vielleicht erklärt das auch die Wallfahrten des Taxi Schwarz-Blau. Eine neue Form der Schwarzen Messen. Und das EPM strebt einen Termin beim Papst an. Zwecks Heiligsprechung? Reicht nicht die Seligsprechung aus St. Pölten?
Lustig ist auch der Taxameter des Taxi Schwarz-Blau. Gegen den war einer seiner Vorgänger – wer erinnert sich noch an Staribacher jr.? – direkt Pythagoras-ähnlich! Dieser junge Mann befindet sich anscheinend in einer Identitätskrise. Einmal hält er sich für James Bond, „weil der gewinnt auch immer". Jetzt ist er gerade ein DKT-spielender Harry Potter in seiner Zahlenzauberwelt und er hatte einen „guten Tag" als er seine Rechen-Science-fiction präsentierte und dabei Spenden sah, die gar nicht existierten.
Seine Zahlen stimmen, meint er, auch wenn der Euro in den Keller rasselt. Dieser Wirtschaftsjeton eignet sich bestenfalls zum Lösen eines Einkaufswagens aus seiner Verankerung, sofern man sich dann noch einen Einkauf leisten kann. Dieser pekuniäre Jux braucht keinen Duisenberg, eher einen Düsentrieb. Nur denen im hohen Norden kann man nichts vormachen.

Der Zahlen-Copperfield brachte mit seinen Berechnungen die Gewerkschaften auf die Palme. Doch alles halb so wild und es könnte so interpretiert werden, daß der österreichische Beamte bereits um fünfhundert Schilling zu kaufen ist.
Dafür tönte das Susiphon: „Wir weichen nicht dem Druck der Straße!" Nicht nötig, einfach die Straßenseite wechseln oder noch besser in eine Seitengasse abbiegen. Susiphon herzt Harry Potter und lobt seinen Sparkurs. In der eigenen Familie des Susiphons klappte das nicht so recht, denn der Ehemann setzte doch ein paar Millionen in den Sand.
Harry Potter will den Staat umbauen. Dafür müssen zuerst einmal unsere Wälder und Seen verscherbelt werden und das Volk muß Opfer bringen. Dafür läßt er in der Opernloge die Sektkorken knallen.
Vielleicht sollte man aus Ersparnisgründen die österreichische Lebenserwartung senken?
Baut mehr Arbeitsunfälle! Am besten tödliche! Spart Unfallrenten und Pensionen.
Erhöhung der Selbstmordrate angesichts der Benzinpreise.
Wozu studieren? Es reicht vollkommen zu wissen, wo der Ulrichsberg liegt und wer den Ton angibt. Außerdem sind Blöde leichter zu manipulieren.
„Ordnung machen", „zurückschlagen" und „seit ich Landeshauptmann bin, traut sich in Kärnten kein Linker mehr zu demonstrieren" – das ist die neue Sprachkultur.
Linke, Linkslinke, Ausländer und anderes Geschmeiß raus!
Susiphon sagt: „Wir werden uns nicht ändern!" Was zu befürchten ist.
Ein Reclam-Kanzler, getändelt von einem Möchtegern-Brockhaus-Politiker, meint sich von einem Spot in einen gleißenden Scheinwerfer verwandeln zu können. Dank der Partei des kleinen Mannes. Für ihn hat es sich, zumindest jetzt noch, rentiert. Demokratie geriert zur Demokratur. Zwar vom Volk gewählt und das war‘s aber auch schon.
Und ich halte es mit Joschka Fischer: „Entschuldigen soll ich mich? Für was denn? Einen Teufel wird‘ ich tun!"

© Günther Zäuner, im November 2000

hr Kommentar

 

             
 Essays     Interview      Leseproben    Net-Ticker     TextBilder     Rubriken     Archiv