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Notfalls mit Klappern und Trommeln gegen die Langeweile
Dem entsprechend, daß das Gehirn als der Parasit, oder Pensionair,
des ganzen Organismus auftritt, ist die errungene freie Muße eines
Jeden, indem sie ihm den freien Genuß eines Bewußtseyns
und seiner Individualität giebt, die Frucht und der Ertrag seines
gesammten Daseyns, welche im Uebrigen nur Mühe und Arbeit ist.
Was nun aber wirft die freie Muße der meisten Menschen ab? Langeweile
und Dumpfheit, so oft nicht sinnliche Genüsse, oder Albernheiten
da sind, sie auszufüllen. Wie völlig werthlos sie ist, zeigt
die Art, wie sie solche zubringen: sie ist eben das ozio lungo d'uomini
ignoranti des Ariosto. Die gewöhnlichen Leute sind bloß darauf
bedacht, die Zeit zuzubringen; wer irgend ein Talent hat, - sie zu benutzen.
- Daß die beschränkten Köpfe der Langeweile so sehr
ausgesetzt sind, kommt daher, daß ihr Intellekt durchaus nichts
weiter, als das Medium der Motive für ihren Willen ist. Sind nun
vor der Hand keine Motive aufzufassen da; so ruht der Wille und feiert
der Intellekt; dieser, weil er so wenig wie jener auf eigene Hand in
Thätigkeit gerät: das Resultat ist schreckliche Stagnation
aller Kräfte im ganzen Menschen, - Langeweile. Dieser zu begegnen,
schiebt man nun dem Willen kleine, bloß einstweilige und beliebig
angenommene Motive vor, ihn zu erregen und dadurch auch den Intellekt,
der sie aufzufassen hat, in Thätigkeit zu versetzen: diese verhalten
sich demnach zu den wirklichen und natürlich Motiven, wie Papiergeld
zu Silber; da ihre Geltung eine willkürlich angenommene ist. Solche
Motive nun sind die Spiele, mit Karten u.s.w., welche zu besagtem Zweck
erfunden worden sind. Fehlt es daran, so hilft der beschränkte
Mensch sich durch Klappern und Trommeln, mit Allem, was er in die Hand
kriegt. Auch die Cigarre ist ihm ein willkommenes Surrogat der Gedanken.
Aus: Arthur Schopenhauer, Parerga und Paralipomena.
Vom Dem, was Einer ist (1851)

Ihr
Kommentar
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