Nr. 30, November 2000
 
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7 Tage von Alfred Biolek

Die Beilage „Leben" der ZEIT 42 läßt Alfred Biolek schildern, was „vom 12. bis zum 19. Oktober auf uns zukommt". Es kommt auf schleimfreundlichen Pfoten auf uns zu. Was macht ein Herbstessen rund? Richtig: ein Kartoffelpüree („mmh"). Was wird der Tag mit Freunden? Richtig: ausklingen. Worauf konzentriert sich Biolek am Wochenende? Auf die Interieurs. Seiner neuen Heimstatt [sic]. Was denkt er wieder mal beim Spaziergang? „Vive l'art!" Was gibt es bei der Aids-Benefiz-Gala? Ein tolles Programm (und dann auch noch dieses „Sehen wir uns?").
Schon in der Mitte der Lektüre fragt man sich augenreibend, ob das eine Fernsehvorschau sein soll (speziell für Gefräßige?), drei erbeutete Seiten aus dem Journal intime des Großkochs oder eine Hausaufgabe im Kurs auf Anfänger-Autoren („Wie schreibe ich 388 Wörter, ohne mich anzustrengen, weil ich ja eh berühmt bin?"). Langes unschlüssiges Kopfschütteln. Und dann: Nein, es muß Satire sein! Niemand, wirklich niemand schreibt - oder, wenn schon, druckt - im Ernst so einen Biederstuß.
Aber dann zum Schluß das Aidshilfe-Projekt - macht man damit seine Scherze? Wir meinen: nicht mal Bio macht damit seine Scherze. Es muß alles doch so schauderhaft aufrichtig gemeint sein, wie es dasteht. Andererseits: Ist ein stilistisches Grauen dieser Dimension vorstellbar?
Also ehrlich: Wir haben den Text nicht verstanden.

Donnerstag: Probekochen bei mir, mit Redakteuren, Produzenten und anderen Sinnstiftern meiner Sendung Alfredissimo: Beginn ist um 12 Uhr, das Ende nicht abzusehen, viele Rezepte werden ausprobiert. Eines steht schon fest: Wildente mit Speck, Pfeffer und Salz. Dazu Sauerkraut, mit Honig karamelisiert. Ein Kartoffelpüree macht dieses Herbstessen rund - mmh.

Freitag: Der erste Hochschultermin der Woche wird nicht leicht. An der Kunsthochschule für Medien, wo ich aktiver Honorarprofessor bin, bewerben sich neue Professoren. Sie werden von einer Berufungskommission durchleuchtet, in der ich zusammen mit ORB-Chef Rosenbauer und anderen sitze. Am Abend nehme ich das Flugzeug nach Berlin, um die Einrichtung meiner neuen Wohnung voranzubringen. Kein Abend ohne gutes Essen: Im Schwarzen Raben in Berlin Mitte wird wohl mein Tag mit Freunden ausklingen. Höchstwahrscheinlich wird es ziemlich spät.

Das macht nichts, denn Samstag und Sonntag konzentriere ich mich auf die Interieurs meiner neuen Heimstatt, die ganz anders werden soll als die Kölner. Berliner Häuser sind weiträumiger als Kölner Altbauten. Da kann man seiner Fantasie Raum geben und mal Sachen wagen, die sonst unmöglich sind. Da Technik für mich etwas Unbegreifliches ist, hoffe ich auf Freunde mit mehr praktischen Verstand.

Montag ist ein normaler Arbeitstag. Vormittags in die Boulevard-Bio-Redaktion zur Themenkonferenz und zu letzten Absprachen vor der Sendung. Falls das Wetter mitmacht, werde ich am Abend den Rhein entlang zur Kunsthochschule spazieren und an der Eröffnungsfeier des neuen Semesters teilnehmen, die zugleich die Feier zum zehnjährigen Bestehen der Hochschule ist. „Vive l'art!", werde ich wieder mal denken und darauf hoffen, dass die mediale Fast-Food-Kultur nicht obsiegt.

Am Dienstag wird meine Sendung produziert. Es geht um den „guten Ruf", den mein Gast Dieter Baumann vielleicht verspielt hat und um den sich Nina Hagen nun wirklich keine Sorgen mehr machen muss. Der Schauspieler Helmut Zierl und der Viva-Moderator Niels Ruf (sic!) machen aus der Besetzung ein Quartett.

Mittwoch: An diesem Tag eröffnet die Frankfurter Buchmesse, bei der ich noch nie war, weil mir die Events zu groß sind. Dafür lese ich am Abend Egon Friedell weiter, der mich mit seiner „Kulturgeschichte der Neuzeit" so beeindruckt hat, dass ich es zum zweiten Mal angehe. Morgen ist ein für mich sehr wichtiges Datum. Am Abend bin ich auf dem Berliner Schloßplatz Gast einer Aids-Benefiz-Gala, die von dem Chansonnier Tim Fischer zugunsten eines südafrikanischen Hilfsprojekts organisiert wird. Jeder kann kommen, es gibt ein tolles Programm. Sehen wir uns?

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