Nr. 30, November 2000

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Der unentdeckte Dichter

Bekannter als der Autor sind hierzulande seine Werke, wenn auch in der Regel nur `second hand´, durch ihre Verfilmungen: Notre-Dame de Paris, ja genau, Charles Laughton als buckliger Glöckner, Maureen O´ Hara als die schöne Zigeunerin Esmeralda (bzw. Anthony Quinn und Gina Lollobrigida in der mißlungenen Technicolor-Version von 1956); Les Miserables, erfolgreiches Musical und DER Leinwanddauerbrenner seit Erfindung des Kinos, zuletzt mit Gerard Depardieu als herzensguter Knacki Jean Valjean (natürlich, den mußte der dauerpräsente Volksschauspieler auch noch darstellen) und John Malkovich als sein finsterer Gegenspieler Javert. Und dann das vielleicht schönste, unverschämterweise vergessene Werk `L´homme qui rit´, `Der Mann, der lacht´, das Paul Leni 1927/28 mit dem unvergleichlichen Conrad Veidt in der Rolle des zum ewigen Grinsen verdammten Gwynplaine auf die Leinwand brachte!
Quizfrage: Wie heißt nun der Dichter, Dramatiker und Romancier, dem diese großartigen Stoffe - wie noch vieles andere Entdeckenswerte - aus der Feder flossen? Richtig, Victor Hugo (1802 - 1885). Merkwürdigerweise hat mich Edgar Allan Poe zum ersten Mal auf ihn aufmerksam und neugierig gemacht. In der berühmten Erzählung `Die Maske des Roten Todes´ findet sich eine in vielen Übersetzungen gestrichene Passage: "Da gab es reichlich Glanz und glitzerndes Geflitter, piquante Reize und manch Truggebild - wovon man vieles seither in Hernani gesehen hat." Hernani? Hugos Skandaldrama `Hernani oder die kastilische Ehre´ von 1830 hat sich wiederum nur `second hand´, diesmal via Giuseppe Verdis Oper `Ernani´ (1844), ins Bewußtsein der Nachwelt gerettet - übrigens ebenso wie die Schauerromanze `Der König amüsiert sich´, die zur Vorlage von Verdis `Rigoletto´ wurde. Die Theaterstücke Hugos, deren explosive Wirkung auf die Zeitgenossen heute kaum mehr nachvollziehbar erscheint, waren gleichsam Initialzündungen der französischen Romantik, Kampfansagen gegen das Kultur- Establishment und den steifen Klassizismus, der damals die Bühnen beherrschte. Das, was ihm die Kritiker vorwarfen, macht ihn für mich gerade anziehend, daß er nämlich "das Häßliche und Groteske, das Paradoxe und die darin schlummernden Sensationswerte für die Literatur entdeckte" (Knaurs Schauspielführer); und wenn ein Beckmesser wie Gustav Karpeles in seiner `Allgemeinen Geschichte der Literatur´(1891) mäkelt, "er (Hugo) übertreibt sein Prinzip der Schilderung des Charakteristischen, indem er das Häßliche und Ekelerregende mit Vorliebe schildert... er liebt die Überraschungen und Antithesen, die grellen Effekte. Seine Helden sind Teufel, Banditen, Straßenräuber, Dirnen, Krüppel, Diebe und Zuchthauskandidaten, unglückliche Wesen, die an körperlichen oder geistigen Difformitäten leiden... So erfand er statt wahrer und lebenskräftiger Gestalten scheußliche Ungeheuer, um durch den Gegensatz die Wirkung reiner Schönheitsgebilde zu erhöhen", empfiehlt er mir Hugo, der offenbar unter der gleichen Geschmacksverirrung litt wie ich, aufs wärmste.
Hugo selbst nimmt dazu Stellung, in einem Pamphlet in eigener Sache, der Vorrede zu seinem Drama `Cromwell´: "`Ah! Endlich!´ werden jetzt die Leute sagen, die nur darauf warteten. `Jetzt haben wir euch ertappt, auf frischer Tat! Ihr wollt also das Häßliche zu einem der Vorbilder der Nachahmung machen; aus dem Grotesken ein Element der Kunst! Aber wo bleibt da das Gefällige... wo der gute Geschmack...? Wißt ihr nicht, daß die Kunst die Natur korrigieren muß? Daß man sie veredeln muß? Daß man aus ihr auswählen muß? Haben die Alten jemals das Häßliche und das Groteske in ihre Werke aufgenommen? Haben sie jemals die Tragödie mit der Komödie vermischt? Das Vorbild der Alten, ihr Herren!...´ Diese Einwände sind zweifellos gut begründet und vor allem so ungewöhnlich neu! Aber wir brauchen hier nicht darauf zu antworten. Wir errichten hier kein System, denn Gott bewahre uns vor Systemen."
Oh ja, man kennt diese Einwände von Leuten, die ihre Vorstellungen von den Aufgaben der Kunst, die gut, edel und erhaben zu sein hat, idyllisch und happy ending, gegen alles Entartete durchsetzt, wenn es sein muß durch Bücherverbrennungen. Das "gesunde Volksempfinden" hat - auch in Frankreich - Hugo nie begriffen, obwohl es ihm ein Staatsbegräbnis erster Klasse bescherte und Denkmäler errichtete.
"Es wäre allerdings nicht richtig zu sagen" (fährt Hugo in seiner `Préface de Cromwell´ fort), "daß die Komödie und das Groteske dem Altertum völlig unbekannt gewesen wären... Die Tritonen, Satyrn, Zyklopen sind groteske Gestalten... Polyphem ist in erschreckender Weise grotesk, Silen ist ein grotesker Narr.
... Im Denken der Moderne spielt dagegen das Groteske eine gewaltige Rolle. Man findet es überall ... es umgibt die Religion mit zahllosen im Aberglauben wurzelnden Einfällen und die Dichtung mit zahllosen farbigen Bildern. Es sät auch, aus vollen Händen, jene Abertausende von Zwischenwesen in die Luft, ins Wasser, in die Erde, ins Feuer, die die mittelalterlichen Volkssage mit so viel Leben erfüllen; und das Groteske ist es, das im Dunkeln den scheußlichen Hexenreigen tanzen läßt, das Satan die Hörner, die Bocksfüße gibt und die Fledermausflügel. Und es ist das Groteske, immer das Groteske, das einmal jene gräßlichen Gestalten, welche die herbe Kunst Dantes und Miltons vor uns erstehen läßt, in die christliche Hölle hinabstößt und diese ein anderes Mal mit den lächerlichen Wesen bevölkert, mit denen Callot, der Michelangelo des Grotesken, sich umgibt. Wenn es sich aus der Welt der Ideen in die des Realen begibt, ist es unerschöpflich im Parodieren des Menschengeschlechts. Die Phantasie des Grotesken hat die Skaramuzze, Crispini, Harlekine geschaffen, all diese Zerrbilder des Menschen, die der würdevollen Antike ganz unbekannt waren, obwohl sie dem klassischen Boden Italiens entstammen. Es gibt dem gleichen Spiel der Phantasie, einmal im Norden, einmal im Süden, seine besondere Farbe und läßt hier Sganarell um Don Juan herumhüpfen, und dort Faust von Mephisto umschleichen ...
Ein Buch über die Verwendung des Grotesken in den Künsten könnte, so glauben wir, viel Neues bringen. Es könnte zeigen, welche starken Wirkungen die Modernen dieser ergiebigen Vorstellungswelt verdanken, die von engstirnigen Zensoren noch in unseren Tagen leidenschaftlich verurteilt wird... Hier wollen wir vorerst nur sagen, daß, als eine neben dem Erhabenen vorhandene Möglichkeit, als Kontrastmittel, das Groteske in unseren Augen die reichste Quelle ist, die die Natur der Kunst erschließen kann... Jener immer gültigen Schönheit, die die Antike feierlich über alles ausbreitete, war eine gewisse Monotonie nicht abzusprechen, der sich stetig wiederholende gleiche Eindruck kann mit der Zeit ermüdend sein. Erhabenes, das Erhabenem folgt, kann kaum eine Kontrastwirkung hervorbringen, und man muß sich von allem erholen, selbst vom Schönen. Das Groteske hingegen, so scheint es uns, ist wie ein Pausenzeichen, es fordert zum Vergleich auf, liefert einen festen Punkt, von dem aus man mit einem wieder erfrischten, neu angeregten Wahrnehmungsvermögen zum Schönen aufsteigt. Der Salamander läßt Undine anmutiger erscheinen, der Gnom erhöht die Schönheit der Sylphe.
Es ist reizvoll, dem Aufkommen und Vordringen des Grotesken in der modernen Ära nachzugehen. Es ist zugleich eine Invasion, ein Einbruch, eine Flutwelle, es ist ein Sturzbach, der seinen Damm niedergerissen hat. Es durchquert bei seinem ersten Erscheinen die im Sterben liegende lateinische Literatur, leuchtet auf in Persius, Petronius, Juvenal und beschert ihr den Goldenen Esel des Apuleius. Von da geht es ein in die Phantasie der neuen Völker, die Europa wieder aufbauen. Es brodelt auf in den Werken der Erzähler, der Chronisten, der Romanschreiber ...
Es hat mit seiner Wesensart besonders jene wunderbare Architektur durchtränkt, die im Mittelalter alle Künste vertritt. Es setzt der Stirn der Kathedralen sein Stigma auf, umrahmt mit den Spitzbogen der Portale seine Höllen, seine Purgatorien und läßt diese in den Kirchenfenstern aufflammen; seine Ungeheuer, seine Doggen, seine Dämonen umschlingen die Kapitelle, wandern die Friese entlang, hocken auf den Dachrändern ..."
Gewiß, der bloß Vernunftbegabte wird dagegen endlose Einwände vorbringen und die wohldurchdachten Begründungen gleich mitliefern, womöglich in Fußnoten, aber schert er uns nur einen Deut? Hugo, der eine Lanze für das Phantastische sticht, der am Anfang einer Reihe großer Unvernünftiger steht, ist ungleich brillanter, mitreissender; er nimmt den ironischen Schlachtruf Jules Laforgues um eine Generation voraus: "Bürger, zu den Waffen! Die Vernunft ist tot!"
Hugo ist wiederzuentdecken, und sei es nur durch die `Tintensonne´ seiner Zeichnungen, mit denen er sogar Delacroix und Moreau im gestreckten Galopp überholte und die schon Gautier entzückten: "Wäre Victor Hugo kein Dichter, dann wäre er ein Maler ersten Ranges... Ihm gelingt es, in die dunklen und wilden Schöpfungen seiner Phantasie die Schwarzweiß-Effekte Goyas und die architektonischen Schreckensbilder eines Piranesi einfließen zu lassen."
In den Tiefen meines Bücherschrankes schlummert ein Bändchen, "Victor Hugo´s sämmtliche Werke, übersetzt von Mehreren" (d.h. nicht etwa von Gotthold Leopold v. Mehreren, sondern von mehreren Übersetzern); fünfzehnter Band, Stuttgart, Verlag von L. F. Rieger & Comp., 1841", in dessen stockfleckigen Seiten ich immer wieder gerne blättere. Es enthält Hugos Gedichte, und den Anfang machen die Orientales.
Etwas Unzeitgemäßeres wird man heute schwerlich entdecken. Das Erfrischende daran: Hier gibt ausnahmsweise nicht jemand seinem persönlichen Weltschmerz Ausdruck, hier finden sich keine Wortklaubereien und keine Originalität um jeden Preis; sondern hier werden exotistische Träume und Stimmungen beschrieben von einem, der schlicht "am Errichten und Wiedereinstürzen von Wolkenschlössern Gefallen findet". Das alles wirkt, schon durch den Stil der Übersetzungen, so altmodisch wie bunte Zigarrenreklamen , zugegeben; ganz so harmlos ist es freilich nicht, und vielleicht finden sich Liebhaber der folgenden kleinen Auswahl:


Der Schmerz des Pascha

Der Derwisch sprach: - Was mag doch Allahs Schatten haben?
Sein Seckel ist so reich, so arm sind seine Gaben!
Ernst, unbeweglich, lacht mit bitterm Lächeln er.
Hat Scharten er gehau´n in seines Vaters Klinge?
Hört die Soldaten er um seiner Feste Ringe
Brüllen, ein sturmbewegtes Meer?

Was ist dem Pascha denn, dem tapferen Visire?
Mit glühn´n den Lunten sprach´s die Schar der Bombardiere.
Stört diesen Eisenkopf mit Drohen der Iman?
Zeigt in den Träumen er vor seinem bangen Blicke
Den Engel Azrael, steh´nd an der Höllenbrücke?
Ob er die Fasten brach des strengen Ramadan?

Was mag er haben? frug der Itschoglau sich leise.
Ob wohl zu Grunde ging auf stürm´scher Meeresreise
Das Schiff mit Weihrauch, das sonst so erfreute ihn?
Ob man in Stambul ihm den Ruhm nicht mehr verzeihet?
Ob die Zigeunerin ihm Unheil prophezeiet?
Ob wohl der Stumme ihm erschien?

Was hat der süße Fürst? So fragten die Sultanen.
Ob er bei seinem Sohn im Schatten der Platanen
Die Favoritin, die braune, getroffen hat?
Ob in des Fellahs Sack, als man ihn nachgezählet,
Ein Kopf, der im Serail erwartet war, gefehlet?
Hat man gewürzet mit Essenzen nicht sein Bad?

Was hat denn unser Herr? So quälen sich die Sklaven.
Sie täuschen Alle sich. - Wenn fern er seinen Braven
Gleich einem Greise, den die Last der Jahre beugt,
Gleich einem Krieger, den traf Schande im Gefechte,
Drei Tage schon und schon drei lange Nächte
Die Stirn auf seine Hände neigt,

So ist´s nicht darum, daß, gleich wie ein Schloß mit Türmen,
In seinem Harem die Empörer um ihn stürmen,
Weil bis zu seinem Bett die Fackel prasselnd fuhr;
Noch weil in seiner Faust des Vaters Stahl gesprungen,
Weil Azrael erschien, im Traum zu ihm gedrungen
Der stumme Sklave mit der schwarzen seid´nen Schnur.

Nein, Allah´s Schatten hat die Fasten nicht gebrochen,
Sein junger Sohn hat die Sultane nicht gesprochen;
Kein ungestümer Sturm brach seiner Schiffe Mast;
In des Tartaren Sack war die gewohnte Fülle,
Nicht fehlet dem Serail, der duftdurchwürzten Stille,
Der Köpfe noch des Weihrauchs Last.
Die Städte sind es nicht, die rot im Brande funkeln,
Die Menschenknochen nicht, davor die Täler dunkeln,
Nicht Hellas, welches von des Omars Sohn verbrannt;
Die Waisen, Witwen nicht, die Tränen nicht der Armen,
Die Kinder hingewürgt in ihrer Mütter Armen,
Die Jungfrau´n, welche er in dem Bazar erstand;

Nein, nein, es sind auch nicht die düsteren Figuren,
Die durch die Finsternis mit blut´gem Strahle fuhren,
Und schreckten seine Brust mit gräßlichem Gebot.
Was hat der Pascha denn, nach dem sich Krieger sehnen,
Der einem Weibe gleich vergeht in Schmerz und Tränen? -
Es ist sein nub´scher Tiger tot.


Mondschein

Der Mond war hell und klar und spielte auf der See.
Das Fenster öffnet sich des Abendwindes Schwellen.
Es lehnt die Sultanin hinaus und sieht die Wellen
Der schwarzen Inseln Bord säumen mit Silberschnee.

Entgleitend ihrer Hand erzittert die Guitarre.
Sie lauscht... woher der Schall, den plötzlich sie vernimmt?
Ist es ein Türkenschiff, das in den Hafen schwimmt?
Kehrt aus dem Archipel zur Heimat die Gabarre?

Ist es der Kormoran, der flatternd hin und her,
Wie Perlen hell, die Flut lässt seinen Fittich streifen?
Ein Djinn, der oben weilt mit heiserm, schrillen Pfeifen
Und von dem Turme wirft die Zinnen in das Meer?

Wer trübt die Flut so nah bei dem Serail der Frauen? -
Kein schwarzer Kormoran, der nach den Fischen hackt,
Kein Mauerstein, und nicht der träge, schwere Takt,
Womit ein Ruderschiff zerteilt die Well´n, die blauen.

Nein, schwere Säcke sind´s, daraus erschallet Weh,
Und tauchte man in´s Meer, wo ihre Last gelegen,
So sähe man darin sich Menschenformen regen. -
Der Mond war hell und klar und spielte auf der See.

September 1828

Die Favoritsultane

Schöne Jüdin, ist mein Harem
Dir denn noch nicht leer genug?
Daß die andern leben, tragen
Mußt du; soll das Beil denn schlagen
Immer, wenn dein Fächer schlug?

Laß die Andern, junge Herrin!
Sey zufrieden, wenn dir lacht
Meine Gunst, o Favorite
Und Sultane! Darum bitte
Ihren Tod nicht jede Nacht!

Wenn sie der Gedank´ erfüllet,
kommt sie freundlicher und kniet;
Ich kann immer sie verstehen,
Daß um Köpfe sie will flehen,
Wenn ihr Auge sanfter glüht.

O du eifersücht´ge Schöne
Mit dem Herzen hart wie Stahl,
Laß doch meine andern Gatten!
Sterben Blumen denn im Schatten
Einer Rose in dem Thal?

Bin ich dein nicht? Was denn kümmert
Dich´s, ruhst du in meinem Arm,
Daß vor meinen Pforten stehen
Hundert Frauen und vergehen
Stets umsonst vor Liebesharm?

Laß in ihrer tiefen Oede
Sie dein Loos beneiden schon!
Sieh´ sie wie die Wolk´ entschweben,
Laß sie, laß sie! Dein mein Leben,
Dein die Erde, dein mein Thron!

Dein mein Volk, das ängstlich zittert!
Stambul dein, das strecket reich
In die Luft der Thürme Spitzen
Und sie läßt im Wasser blitzen -
Einer Flott´ vor Anker gleich!

Dein, und nimmermehr den Andern,
Meine Spahis, stolz und schlank,
Die, sich folgend ohne Lücken,
Sich auf ihren Stuten bücken
Wie die Rudrer auf der Bank!

Cypern dein, mit alten Namen,
Dein Barossa, Trapezunt,
Fez, wo reiche Neger schalten;
Mosul, wo sie Messe halten,
Erzerum mit Marmorgrund!

Dein ist Smyrna mit den neuen
Häusern, dein der Ganges, der
Strom, den bange Wittwen scheuen,
Dein der Donau wildes Dräuen,
Die fünfarmig fällt ins Meer!

Sage, fürchtest du die Griechen,
Lilien von Damanbur?
Fürchtest du die Brunst der heißen,
Die im Liebestaumel beißen,
Negerinnen von Darsur?

Was schiert mich, geliebte Jüdin,
Schwarzer Busen, Rosenstirn!
Nicht der Weiße, nicht der Schwärze,
Deine Farbe gleicht dem Erze,
Drauf erglänzt das Tagsgestirn.

Ruf´ nicht immer neue Wetter
Auf der armen Blumen Feld!
Sei zufrieden im Besitze,
Woll´ nicht, daß ein Kopf vom Sitze
Stets mit deiner Thräne fällt!

Denk´ der Kühle der Platanen,
Denk an´s duftdurchwürzte Bad,
An des glatten Golfs Tartanen! -
Jeder Sultan hat Sultanen,
Wie der Dolch Demanten hat!

Oktober 1828.


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