Nr. 30, November 2000

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Die einsame Bibliothek

Ein gewölbter Gang und eine Wendeltreppe führten in Dianens "Höhle", wie sie das Bücherzimmer nannte, den einzigen Ort im Schlosse, wo sie vor ihren rohen Vettern sicher war, die nie dahin kamen, weil sie fürchteten, die mächtigen Bände möchten herabfallen und ihnen die Schädel zerschlagen, der einzige Weg, auf welchem die Bücher mit ihren Köpfen in Berührung kommen könnten. Es war ein finsteres Gemach, wo alte Bücherbretter sich unter der Last mächtiger, dem siebzehnten Jahrhundert so theuern, Folianten beugten, aus denen wir - mit Erlaubniß sey es bemerkt - den Stoff zu unsern Quartanten und Octaven gezogen haben und welche abermals auf Distilirkolben gebracht, wenn unsere Söhne noch kleinlicher seyn sollten, als wir, noch weiter in Duodezbändchen sich bringen lassen. Die Sammlung bestand größtentheils aus griechischen und römischen Schriftstellern, alter und ausländischer Geschichte und hauptsächlich aus theologischen Werken. Alles war in ziemlicher Unordnung: unser Künstler aber hat ein wenig aufgeräumt, wies sich paßte, wenn ein so hübsches Wesen, wie Diana, in der gelehrten Höhle Platz nehmen sollte. Der Tisch scheint nicht so alt und "wackelig", wie ihn W. Scott uns beschreibt, er wäre sonst nicht werth, daß der schöne runde Arm darauf ruht, und der Stuhl muß auch nicht in den schlimmsten Umständen gewesen seyn, da sonst seine Lehne offenbar das auf ihm ruhende Gewicht des kräftig gebauten Körpers unseres Franz Osbaldiston nicht zu tragen vermocht hätte.

Aus: Rheinisches Taschenbuch auf das Jahr 1829. Gallerie aus Walter Scott's Werken

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