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Die einsame Bibliothek
Ein gewölbter Gang und eine Wendeltreppe führten in Dianens
"Höhle", wie sie das Bücherzimmer nannte, den einzigen
Ort im Schlosse, wo sie vor ihren rohen Vettern sicher war, die nie
dahin kamen, weil sie fürchteten,
die mächtigen Bände möchten herabfallen und ihnen die
Schädel zerschlagen, der einzige Weg, auf welchem die Bücher
mit ihren Köpfen in Berührung kommen könnten. Es war
ein finsteres Gemach, wo alte Bücherbretter sich unter der Last
mächtiger, dem siebzehnten Jahrhundert so theuern, Folianten beugten,
aus denen wir - mit Erlaubniß sey es bemerkt - den Stoff zu unsern
Quartanten und Octaven gezogen haben und welche abermals auf Distilirkolben
gebracht, wenn unsere Söhne noch kleinlicher seyn sollten, als
wir, noch weiter in Duodezbändchen sich bringen lassen. Die Sammlung
bestand größtentheils aus griechischen und römischen
Schriftstellern, alter und ausländischer Geschichte und hauptsächlich
aus theologischen Werken. Alles war in ziemlicher Unordnung: unser Künstler
aber hat ein wenig aufgeräumt, wies sich paßte, wenn ein
so hübsches Wesen, wie Diana, in der gelehrten Höhle Platz
nehmen sollte. Der Tisch scheint nicht so alt und "wackelig",
wie ihn W. Scott uns beschreibt, er wäre sonst nicht werth, daß
der schöne runde Arm darauf ruht, und der Stuhl muß auch
nicht in den schlimmsten Umständen gewesen seyn, da sonst seine
Lehne offenbar das auf ihm ruhende Gewicht des kräftig gebauten
Körpers unseres Franz Osbaldiston nicht zu tragen vermocht hätte.
Aus: Rheinisches Taschenbuch auf das Jahr 1829. Gallerie aus Walter
Scott's Werken
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