Nr. 29, Oktober 2000
 
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Jacob Grimms diplomatische Mission in Paris

Nach der Schlacht von Waterloo schickte auch Kurfürst Wilhelm I. von Hessen eine Delegation nach Paris, die sich der Herausgabe geraubter Kunstgüter befaßte. Zeitweise gehörte ihr auch Jacob Grimm an, als Spezialist für alte Handschriften. In seinem Bericht vom 7. November 1815 nach Kassel beschreibt er seine Tätigkeit:

In diesem, meinem eigentlichen Geschäft, sind preußischerseits folgende Schritte geschehen: man suchte, vor allen Dingn, die aus den preußischen Staaten überhaupt, vorzüglich jedoch aus dem neuen Rheinherzogtum, entwendeten Kunst- und wissenschaftlichen Gegenstände zu eruieren und zu konstatieren. Dieses war schwer und weitläufig, weil bloß in den seltensten Fällen Quittungen der französischen Kommissäre, gewöhnlich nicht einmal Angaben der Ortsbehörden vorhanden sind, also wirklich der Zufall das Beste tun mußte. Darauf folgte das noch unangenehmere Geschäft, an verschiedenen Örtern der Bibliothek, im Archiv und Museum nachzuspüren und durch Einsicht der Kataloge herauszubrngen, ob noch einige der geraubten Gegenstände vorhanden seien und in diesem Fall ihre Auslieferung zu betreiben. Die Franzosen suchten das auf alle mögliche Art zu hemmen, schwer zu machen und zu hintertreiben: "on ne peut pas aller au devant des reclamations" pflegten sie sich, wenn etwas Abgeleugnetes hernach doch gefunden wurde, zu entschuldigen. Mittlerweile wurde, auf mein stetes Betreiben, an Aufstellung eines Etats aller Kunst- und wissenschaftlichen Gegenstände, die als nicht mehr restituierbar und verloren anzusehen sind, gearbeitet. Ich entwarf ein Memoria, um darzutun, daß Deutschland diesen Verlust nicht, wie den so vieler anderer Dinge verschmerzen, sondern auf eine Kompensation, nicht in Geld, sondern in gleichartigen Gegenständen dringen müsse. Es kam darauf an, den Plan dieser Kompensation festzusetzen und die Abtretung eigener Bücher, Handschriften etc. den Franzosen so annehmlich als möglich darzustellen. Übrigens habe ich vorbedächtlich in diesem Memoire allgemein und nicht bloß von Preußen gesprochen, sondern Hessen und Braunschweig als Länder, die sich damit in gleichem Fall befinden, ausdrücklich erwähnt. Sobald man französischerseits das Prinzip der Kompensation einmal zugestanden haben, würde, war meine Absicht, darauf zu fußen und auch für so viele aus Hessen entführte und verlorene Kunstgegenstände irgend einen ähnlichen Ersatz begehren. ...


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