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Jacob Grimms diplomatische Mission in Paris
Nach der Schlacht von Waterloo schickte auch Kurfürst
Wilhelm I. von Hessen eine Delegation nach Paris, die sich der Herausgabe
geraubter Kunstgüter befaßte. Zeitweise gehörte ihr
auch Jacob Grimm an, als Spezialist für alte Handschriften. In
seinem Bericht vom 7. November 1815 nach Kassel beschreibt er seine
Tätigkeit:
In diesem, meinem eigentlichen Geschäft, sind preußischerseits
folgende Schritte geschehen: man suchte, vor allen Dingn, die aus den
preußischen Staaten überhaupt, vorzüglich jedoch aus
dem neuen Rheinherzogtum, entwendeten Kunst- und wissenschaftlichen
Gegenstände zu eruieren und zu konstatieren. Dieses war schwer
und weitläufig, weil bloß in den seltensten Fällen Quittungen
der französischen Kommissäre, gewöhnlich nicht einmal
Angaben der Ortsbehörden vorhanden sind, also wirklich der Zufall
das Beste tun mußte. Darauf folgte das noch unangenehmere Geschäft,
an verschiedenen Örtern der Bibliothek, im Archiv und Museum nachzuspüren
und durch Einsicht der Kataloge herauszubrngen, ob noch einige der geraubten
Gegenstände vorhanden seien und in diesem Fall ihre Auslieferung
zu betreiben. Die Franzosen suchten das auf alle mögliche Art zu
hemmen, schwer zu machen und zu hintertreiben: "on ne peut pas
aller au devant des reclamations" pflegten sie sich, wenn etwas
Abgeleugnetes hernach doch gefunden wurde, zu entschuldigen. Mittlerweile
wurde, auf mein stetes Betreiben, an Aufstellung eines Etats aller Kunst-
und wissenschaftlichen Gegenstände, die als nicht mehr restituierbar
und verloren anzusehen sind, gearbeitet. Ich entwarf ein Memoria, um
darzutun, daß Deutschland diesen Verlust nicht, wie den so vieler
anderer Dinge verschmerzen, sondern auf eine Kompensation, nicht in
Geld, sondern in gleichartigen Gegenständen dringen müsse.
Es kam darauf an, den Plan dieser Kompensation festzusetzen und die
Abtretung eigener Bücher, Handschriften etc. den Franzosen so annehmlich
als möglich darzustellen. Übrigens habe ich vorbedächtlich
in diesem Memoire allgemein und nicht bloß von Preußen gesprochen,
sondern Hessen und Braunschweig als Länder, die sich damit in gleichem
Fall befinden, ausdrücklich erwähnt. Sobald man französischerseits
das Prinzip der Kompensation einmal zugestanden haben, würde, war
meine Absicht, darauf zu fußen und auch für so viele aus
Hessen entführte und verlorene Kunstgegenstände irgend einen
ähnlichen Ersatz begehren. ...

Ihr
Kommentar
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