Nr. 29, Oktober 2000
 
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Was ist Wahrheit?

Die radikalfeministische Autorin Andrea Dworkin beschrieb im Juni in einem dramatischen Artikel im New Statesman und Guardian, sie sei am 19. Mai 1999 in Paris nach der Lektüre des Buches „French Literary Fascism" im Hotelgarten und einem zweiten Kir Royal, der „nicht richtig schmeckte", in ihrem Zimmer zusammengebrochen. Dann sei da plötzlich ein junger Zimmerkellner gewesen; sie wisse nicht, wie er durch die doppelt verriegelte Tür gekommen sei, jedenfalls sei sie gleich danach in Ohnmacht gefallen. Später habe sie Schmerzen im Unterleib gehabt, dann Wunden am Oberschenkel und andere intime Verletzungen festgestellt. Nach einigem Zweifeln sei sie überzeugt gewesen, in dem Hotelzimmer betäubt und vergewaltigt worden zu sein. In anatomischen Details malt sie sich aus, wie es abgelaufen sein muß.
Der Artikel weckte Zweifel. Eine Guardian-Journalistin fragt sich, warum Dworkin nicht zum Arzt gegangen sei oder den Übeltäter bei der Polizei angezeigt habe. Auch andere Publizisten haben mehr Mitleid mit den Menschen, die Andrea Dworkin „verletzt" hat, als mit der verletzten Feministin (so etwa „Poubelle" bei Spies.com). Manche Kommentatorin rechnet zu Dworkins Untaten sogar ihr letztes Buch „Scapegoat. The Jews, Israel and Women's Liberation". Es sei ein haßerfülltes, dämonisierendes Buch, in dem unter anderem Vergewaltigungen und Pogrome, der nazistische „Stürmer" und Pornographie gleichgesetzt werden. Der größere Vorwurf aber ist („simplistisch, banal"), daß „Scapegoat" Frauen und Juden immer nur als hilflose Opfer beschreibt.
Am Ende hat Andrea Dworkin mit ihrer Horrorgeschichte den Frauen womöglich keinen Gefallen getan: Die Unwiderleglichkeit von Beweisen für eine Vergewaltigung wird jetzt wohl noch lauter gefordert, während die nötige Sympathie mit dem Opfer schwindet

 

Yehuda Amichai gestorben

Am 22. September starb Yehuda Amichai, der Erfinder der israelischen Poesie-Sprache, mit sechsundsiebzig Jahren in Jerusalem. Er wurde 1924 in Würzburg geboren und mußte 1936 vor den Nationalsozialisten fliehen. 1955 veröffentlichte er seinen ersten Gedichtband, in dem er die Spache der alten jüdischen Dichtungen in die Moderne heraufführte.
Immer wieder einmal war Amichai für den Literatur-Nobelpreis vorgeschlagen worden, hat ihn aber nie erhalten.


Karl May geht nach Hollywood

Da treffen sich in Lubbock, Texas, etwa hundert deutsche Karl-May-Experten, und was erfahren sie da? Hollywood plant einen Film über den nur-literarischen Abenteurer.
Aber das ist noch lange nicht die ganze „Karl-May-Offensive" (Udo Fröhlich, der Bürgermeister von Bad Segeberg). Auch die Aufzeichnungen der Segeberger Karl-May-Festspiele sollen nach Amerika und den Studenten von Lubbock zeigen, wie man in Deutschland Literatur dramatisiert. Auch die May-Forschungsergebnisse werden den Studenten zur Verfügung gestellt.
Keine Spende ohne Zeigefinger: Fröhlich „hofft, daß damit die Anliegen der Indianer in den USA wieder mehr in den Mittelpunkt der breiten Öffentlichkeit gerückt werden." Zu diesem Zweck besteht schon seit fünfzehn Jahren zwischen der deutschen Gesellschaft und den Indianern von Nebraska ein „Freundschaftsvertrag". Aktivitäten (unter anderen): die Anpflanzung von eintausend Eichen im Reservat in Nebraska.
Wir lernen erfreut: Der deutsche Kulturexport lebt.


Nicht die Titanic, aber nahe dran

Clive Cussler schreibt nicht nur, und zwar äußerst erfolgreich, einen Hochsee-Thriller nach dem andern (etwa „Raise the Titanic!"), er ist auch beruflich da draußen tätig. Jetzt hat er die Suche nach einem der Schiffe, die damals der Titanic zu Hilfe eilten, weitgehend selbst finanziert.
Die Carpathia war 1912 das erste Rettungsschiff, das bei der sinkenden Titanic ankam. Sie nahm insgesamt siebenhundertfünf im Eiswasser treibende Passagiere auf. Im zweiten Weltkrieg wurde sie mit durch drei Torpedos aus einem deutschen U-Boot versenkt: hundertachtzig Kilometer südlich der irischen Küste. Dort liegt das Schiff, wie eine Expedition mit einer Unterwasserkamera am 19. September herausfand, noch immer auf dem Meeresgrund.


Armlos in Japan

Die Mutter bekam ihren neugeborenen Sohn erst im Alter von drei Wochen zu Gesicht. Solange verheimlichte man ihr, daß Horitada Ototake ohne Arme und ohne Beine geboren war. So etwas ist in Japan normalerweise sehr unfein.
Im Dezember 1998, mit zweiundzwanzig Jahren, hat Ototake seine Autobiographie geschrieben (und für dieses Mal verzichten wir auf die Ironisierung des jugendlichen Alters neuzeitlicher Autobiographen). Das Buch wurde ein japanischer Bestseller. Die vorsichtige Startauflage des Verlegers belief sich auf nur sechstausend Exemplare. Bis heute wurden davon jedoch 4,5 Millionen Exemplare verkauft, womit es zum zweitgrößten Bucherfolg in Japan seit 1945 wurde. Soeben kam die englische Übersetzung in den USA heraus (unter dem offenbar unvermeidlichen Titel „Nobody is perfect").
Die Sensation liegt darin, daß hier zum ersten Mal in Japan eine körperliche Behinderung nicht schamhaft verschwiegen wird. Es wird vielmehr behauptet, beschrieben und bewiesen: Ein Mensch kann auch damit ein erfülltes Leben führen. Erfolgreich bringt der Autor seine Mitmenschen dazu, seine Eltern, Lehrer, Mitschüler, Freunde, ihn zuerst als menschliches Wesen zu sehen. Daß sie alle genau das so grandios schaffen, daß Ototake niemals eine demütigende Situation erlebt, war für viele Zweifler Anlaß für bissige Kritik: Schönt der Autor nicht die japanische Wirklichkeit?
Die öffentliche Debatte über dieses Buch zeigt aber eine für Japan erstaunliche Bereitschaft, sich endlich nicht nur in privater Intimität mit den Schwierigkeiten Behinderter zu befassen. In diesem Punkt scheint das Land reif für einen Wandel.


Bald schutzlos?

Lord Ahmed of Rotherham ist adlig, Politiker, Mitglied der britischen Labour Party und Muslim. Am 21. September verlangte er in einer Radioansprache in der BBC die Beendigung des staatlichen Polizeischutzes für Salman Rushdie.
Das Geld, sagte er, das da seit zehn Jahren für die Leibwächter des Schriftstellers ausgegeben wird (über drei Millionen Mark jährlich), sei Verschwendung von Steuergeldern. Besonders, da Rushdie selber reich genug sei, um für seinen Schutz zu sorgen, und sowieso in New York bei seiner neuen Freundin lebt.
Der Abgeordnete Robin Corbett, Vorsitzender des Außen-Auschusses, will „klären", was es mit der Ankündigung auf sich hat, die iranische Regierung werde die Fatwa gegen Rushdie nicht „ausführen".


Charlton Heston ist verärgert

Das Buch mit dem Titel „Arming America" beschreibt die Ursprünge der nordamerikanischen Begeisterung für Handfeuerwaffen, einer - so der Untertitel - „National Gun Culture". Und was der Autor, er nennt sich vorsichtshalber nur Bellesiles, darin vorbringt, gefällt Charlton Heston, dem Ex-Moses und Vorsitzenden der National Rifle Association, keineswegs.
Bellsiles hat nämlich herausgefunden, daß es gar nicht die mythischen Pioniere waren, die das Bürgerrecht auf die eigene Waffe etablierten. Das allgemeine Waffentragen setzte erst nach dem Ende des Bürgerkriegs ein, als die Soldaten der Nord- und Süd-Armeen zurückkehrten und keine Lust hatten, ihre geliebten Schießgewehre abzugeben.
Der Autor sieht schon in der Technik das große Hindernis für den frühen Hang zum Halfter: Musketen waren viel zu rar und vor allem zu umständlich für ihre angeblich große Rolle im Ursprungsmythos der USA. Die ersten US-Amerikaner haben auch keineswegs dauernd Indianer oder Engländer abgeschossen, sie waren, so Bellesiles, meist zu betrunken dafür.
So etwas bringt den RFA-Vorsitzenden in Rage. In seinen öffentlichen Angriffen auf Bellesiles macht er kurz davor Halt, ihn unamerikanischer Umtriebe zu bezichtigen. Immerhin verlangt Heston nicht auch noch das Recht auf die eigene Kanone im Vorgarten.


Zwangsarbeiter am Capitol

Der Senat der USA hat Mitte September einen Ausschuß eingesetzt, der untersuchen soll, welchen Anteil die Sklavenarbeit am Bau des Capitols hatte.
Die Bauarbeiten wurden Ende des 18. Jahrhunderts ausgeführt und zahlreiche Sklaven der nahen Farmer und Plantagenbesitzer dafür „gemietet". Der Mietpreis für einen Sklaven betrug durchschnittlich fünfundfünfzig Dollar pro Jahr. Der Lokalhistoriker Bob Arnebeck meint in seinem Buch „Through a Fiery Trial. Building Washington 1790-1800", Sklaven hätten vor allem künftige Straßen und den Hügel entwaldet, auf dem heute das Capitol steht, und Bäume für dessen tragende Balken zurechtgeschnitten.
Zweihundert Jahre später sollen die Sklaven, „die buchstäblich die Fundamente unserer Demokratie gelegt haben", wenigstens geehrt werden.


Bücher bleiben

„Der neueste Apparat von Rocket eBook ist wirklich sehr gut, man sitzt lieber davor als vor dem Computer, aber er verblaßt immer noch vor der fünfhundert Jahre alten Technologie des gedruckten Buches."
Sagt Nora Rawlinson, Chefredakteurin des amerikanischen Magazins Publishers Weekly. Sie bezieht sich dabei auf eine Umfrage unter eintausendeinhundertvierzig Personen, die in der zweiten Jahreshälfte 1999 ein Buch gekauft hatten, übers Internet oder im Buchladen.
Sechzig Prozent von ihnen wußten nicht einmal, daß es diese Lese-Apparate gibt. Und von denen, die von dieser Technik gehört hatten, meinten siebzig Prozent, in den nächsten sechs Monaten würden sie kein „Buch" dieser Art kaufen.
Der Buchkauf im Internet wurde als sehr gut bewertet (mit 8,2 Punkten auf einer Skala mit maximal zehn Punkten). Aber ein Viertel aller Befragten sagte, für sie käme ein Online-Buchkauf nicht in Frage. Der Grund: Angst vor dem Mißbrauch der Kreditkartennummer.


Dante-Zeichner Botticelli ausgestellt

Zum ersten Mal seit Jahrhunderten werden die Zeichnungen von Sandro Botticelli zur „Göttlichen Komödie" von Dante Alighieri öffentlich ausgestellt: seit dem 19. September und bis zum 3. Dezember in Rom, in den „Scuderie Papali", einem zum Museum umgebauten früheren Stall im Präsidentenpalast.
Man setzt die Entstehungszeit der neunundneunzig Zeichnungen zwischen 1480 und 1495 an. Nur vier davon sind in Farbe ausgeführt (was wohl für alle anderen auch geplant war). Vorgesehen waren die Zeichnungen für die Florentiner Prachtausgabe der „Göttlichen Komödie" von 1481. Ausgeführt wurde der Plan nicht mehr, weil Botticelli vom Papst nach Rom gerufen wurde, um an der Sixtinischen Kapelle zu arbeiten (so kamen überhaupt nur vierzehn Zeichnungen in die Ausgabe von 1481).
Das in Rom ausgestellte Exemplar existierte bis zu diesem Jahr nur in Form von Einzelblättern, bevor es in Berlin wieder zu einem ganzen Buch zusammengesetzt wurde.


Die AIDS-Hilfe Dortmund e.V.

schreibt einen Literaturwettbewerb zum Thema "+plusminus-" aus.
Gesucht werden Texte, in denen Begegnungen mit HIV, Begegnungen mit Infizierten, mit Nicht-Infizierten, von Nicht-Infizierten mit Infizierten, Immunität und Nicht-Immunität beschrieben werden. Erwartet werden nicht insbesondere biographischen Beiträge.
Offenheit besteht gegenüber jeder literarischen Gattung, sei es Lyrik, Prosa, Aphorismus oder Dramatik.
Die ausgewählten Texte werden in einem im Juni 2001 zur Aufführungen kommenden Theaterstück verwendet, dieses Theaterstück wird am Theater im Depot in Dortmund im Rahmen der Theaterwerkstatt entstehen.
Einsendungen bitte an/Informationen bei: AIDS-Hilfe Dortmund e.V. ,Dieter Stötzer-Waltemathe, Möllerstraße 15, 44137 Dortmund, Tel.: 0231 - 80 90 40
oder
Dirk Harms (künstl. Leitung des Projektes), Hüsingstraße 17/19, 58239 Schwerte, Tel.: 02304/ 72 5 48 oder 02378/ 83-229.




Ihr Kommentar

 

Messe kompress

Die aus den Nähten platzende Frankfurter Buchmesse will sich im kommenden Jahr verschlanken.
Zeitlich: Sie soll einen Tag früher schließen, am Sonntag statt am Montag, also nach fünf Tagen.
Räumlich: Die neue Halle 3, die noch im Bau ist, soll die Besucherwege verkürzen, da dann die Aussteller rund um die zentrale Agora untergebracht werden können.
Dieses Jahr bleibt alles noch, wie es schon immer war: zu groß. Siebzig Autoren, einhundertsechs Länder, zweitausend Veranstaltungen, sechstausend Aussteller, achtzigtausend Neuerscheinungen, dreihunderttausend erwartete Besucher.
Schwerpunkte sind dieses Jahr das Buch-Land Polen, Comics („Längst kein Medium nur für Kinder", sagt der neue Messe-Chef Lorenzo Rudolf) und ein mit hunderttausend Dollar dotierter Frankfurt eBook Award für „herausragende" elektronische Bücher


Chinesischer Regimekritiker verurteilt

Vier Jahre Haft für einen chinesischen Autor in Peking: Dem sechsunddreißig Jahre alten Bankangestellten Qi Yanchen wird „Untergrabung der Staatsgewalt" vorgeworfen. In seinem Buch „Chinas Zusammenbruch" hatte Qi Yanchen argumentiert, das Land werde in gefährliche Turbulenzen geraten, wenn nicht entschieden politische Reformen auf den Weg kommen.
Ein Arbeitskollege des Autors, Bo Qinghai, ist vor wenigen Wochen ebenfalls verhaftet worden. Auch ihm wird die Untergrabung dieser offenbar wackligen Staatsgewalt vorgeworfen. Bei ihm kommt wahrscheinlich verschärfend hinzu, daß er seine Artikel in ausländischen Zeitungen (Taiwan!) veröffentlich hat. Und, pfui, im Internet.


Der akademische Potter-Run

Es reicht wohl nicht, daß in allen Schulen Deutschlands Harry Potter gelesen wird. Jetzt müssen auch noch die Hochschulen ran.
Die Universität Hannover, in der Person von Professor Martin-Christoph Just, plant für das neue Semester ein Seminar, mit dessen Hilfe das Geheimnis des Erfolgs-Zauberlehrlings gelüftet werden soll.
Leitfrage: Ist Potter eine ganz und gar neuartige Idee oder ist es die bekannte „Armes-Waisenkind-findet-
schließlich-doch-sein-Glück"- Geschichte? Aber auch ideologische und Marketing-Aspekte sollen wissenschaftlich durchleuchtet werden.
Wirklich mehr als eine geschickte ABM?


Autor und Kosmonaut

German Titov, nach Yuri Gagarin der zweite Russe im Weltraum, ist Ende September mit fünfundsechzig Jahren an einer Kohlenmonoxydvergiftung in seiner Heimsauna in Moskau gestorben. Die russische Presse sprach von einem Unfall.
Titov war von 1995 bis 1999 Abgeordneter für die Kommunistische Partei im russischen Parlament, ließ sich aber im letzten Jahr nicht wieder als Kandidat aufstellen. Er ist auch der Autor von vier Büchern über die Raumfahrt.


Kein „Roter Stern" über China

Die Witwe des Buchautors Edgar Snow, Lois Wheeler Snow, hat gegen einen chinesischen Film protestiert und Schadensersatzfoprderungen angedroht. Der Film sei ohne ihre Genehmigung nach dem Buch ihres Mannes „Roter Stern über China" gedreht worden.
Sie nannte China außerdem ein „heuchlerisches" Land, das ihren Mann als „Wahrheitssucher" lobe, wo aber jeder mißliebige Journalist ins Gefängnis gesteckt werde. Es sei derzeit in China unmöglich, einen wahrheitsgemäßen Film über ihren Mann zu drehen. „Ich bin gegen jede Propaganda mit dem Namen meines Mannes", fügte sie hinzu.
Edgar Snow, 1972 in der Schweiz verstorben, wird in der Volksrepublik offiziell als „Freund Chinas" gefeiert. Er verbrachte mehrere Jahre mit Mao Tse Tung zu Beginn von dessen Guerillatätigkeit 1936.
Im Frühjahr 2001 soll der Film in die chinesischen Kinos


Ein Geisterschreiber

Valentin Jumaschew, ein Assistent des früheren russischen Premiers, wird nach einer Ankündigung der Komsomolskaya Prawda die Memoiren von Boris Jelzin schreiben.
Es ist die Frage, wie aufschlußreich das Buch sein wird. „Ich bin nicht aus persönlichem Ehrgeiz an die Macht gekommen", wird da zum Beispiel zu lesen sein. Und: „Ein solches Lebensziel ist unter meinem Niveau. Mein gesamtes Leben war immer nur einem Ziel gewidmet: aus Rußland einen starken und blühenden Staat und die Russen glücklich zu machen." Und weiter: „Zwei Legislaturperioden waren natürlich nicht genug dafür. Aber ich habe alles in meiner Kraft Stehende getan - und vielleicht noch mehr als das." Und so weiter


Ein sinkendes Schiff?

Yahoo beendete am 18. September seine Partnerschaft mit Amazon und tut sich jetzt mit dessen Konkurrenten barnesandnoble.com zusammen. Der neue Partner gehört mehrheitlich der größten Buchhandelskette der USA gleichen Namens; Bertelsmann hat einen Minderheitsanteil.
Die Begründung läßt sich in den angeblich virtuellen Zeiten nur mit einem amüsierten Lächeln lesen: „Das ist ein großartiger Deal für uns", sagt Anil Singh, der Marketing-Chef von Yahoo, „weil es eine wegweisende Verbindung mit einem gutbekannten Markennamen ist, der in einem gemauerten Haus daheim ist (a bricks-and-mortar brand)."
Amazon tröstet sich derweil mit einem Partnerwechsel eigener Art und nähert sich AOL,eine Beziehung, die - so Amazon - „aus einer Reihe von Gründen überzeugender ist".
Auch andere Verkaufspartner haben sich von Amazon getrennt. Es sind Organisationen zum Schutz der Privatsphäre im Internet, denen die Informationspolitik von Amazon mißfällt. Amazon ist nämlich der Überzeugung, daß alle kundenbezogenen Daten der Firma gehören und verkauft werden können, wenn das Unternehmen seine Tätigkeit einmal einstellt


Diana ernährt sie alle

Die Aristokraten zuerst.
Dianas Bruder, Earl Spencer, schreibt ein Buch über - nein, nicht über Diana allein, sondern gleich über die ganze Familie. „Es gibt einem Kraft, wenn man zu seinen Wurzeln zurückkehrt", verriet er Larry King in dessen Talkshow. „Ich will den Tod meiner Schwester wirklich nicht zu Geld machen. Hier handelt es sich mehr um eine historisches Buch." Andererseits schadet es dem Buch natürlich nicht, wenn der Autor Dianas Bruder ist.
Jetzt die Plebejer.
Der während acht Jahren als Privatsekretär der Prinzessin beschäftigte Patrick Jephson hat seinerseits ein Buch geschrieben, das im Oktober weit weg, auf der anderen Seite des Atlantik, in den USA erscheinen soll (Vorab-Enthüllungen in der britischen Presse nicht gerechnet). Königin und Prinz Charles mißbilligen die neuesten Szenen einer Ehe „zutiefst"


Parteispenden, britisch

Der Journalist Andrew Rawnsley bezichtigt in seinem soeben veröffentlichten Buch „Servants of the People" den britischen Premierminister der Lüge. Und den Schatzkanzler gleich auch noch. Blair habe gelogen, als er sagte, er habe sich nach der Rechtmäßigkeit einer Parteispende erkundigt, und der Schatzmeister mit der Behauptung, er habe von der ganzen Sache nichts gewußt.
Der Hintergrund: Im November 1997, Tony Blair war gerade ein halbes Jahr im Amt, kam heraus, daß der Formel-1-Rennstall-Besitzer Bernie Ecclestone der Labour-Partei über 2,5 Millionen Mark gespendet hatte, wonach die Regierung ihm großzügig die eigentlich verbotene Zigarettenwerbung bei Autorennen erlaubte.
„Das ist eine sehr ernste Angelegenheit", muß sich Labour jetzt von den Konservativen sagen lassen.
Dabei hat die Partei hat die Spende später an Ecclestone zurückgezahlt. Das ist zwar nicht ganz die Kohlsche Methode der Entschuldung, aber geholfen hat sie den Engländern ebensowenig.


Soeben erschienen:



Bartkowiaks forum book art
H. Stefan Bartkowiak
Körnerstraße 24
D-22301 Hamburg
Tel. 0049-(0)40-2793574


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