Nr. 28, September 2000
 
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Ägypten I: Die Bibliotheca Alexandrina

Wenn alles gut geht, wird sie im Herbst eröffnet: die neue Bibliothek in Alexandrien. Rund, mächtig, metallicglänzend liegt sie wie ein schlecht gelandetes UFO schräg am Strand. Kritiker meinen, man sollte diese Schocktherapie für Alexandrien, das hypermoderne und möglicherweise überflüssige Gebäude, lieber „Elephantina Albina" nennen.
Die Freunde des Hauses sehen in seiner Rundform eher die aufgehende Sonne eines neuen Zeitalters und im schrägen Dach eine im Raum festgehaltene Bewegung der Zeit. Die Außenwände jedenfalls werden zivilisationsübergreifend mit Hieroglyphen, Runen und Schriften aus einem Dutzend Alphabeten verziert sein.
Freilich: Ägypten mußte die Baukosten von zweihundert Millionen Dollar nicht selbst aufbringen. Reichere arabische Staaten sind hilfreich eingesprungen, darunter sogar Saddam Husseins, dessen Beitrag von einundzwanzig Millionen gerade noch rechtzeitig ankam: ein paar Wochen vor dem Einmarsch in Kuweit. Frankreich hat einen 40-Millionen-Francs-Computer zum Katalogisieren gestiftet. Aber nicht die Baukosten werden das Problem sein, sondern der Betrieb der Bibliothek. Der Direktor selbst, Mohsen Zahren, schätzt die Unterhaltskosten auf fünfzehn Millionen Dollar jährlich.
Vierhunderttausend Bände sollen für den Einzug schon parat stehen. Stellplätze für acht Millionen Bücher sind vorbereitet (zum größten Teil unter der Erde). Welche Bücher aufgenommen werden sollen, will der Direktor „Experten" überlassen. Wenn es dieselben sind, die allein in den letzten zwei Jahren die Entfernung von dreißig Büchern aus der Bibliothek der Amerikanischen Unversität durchgesetzt haben (auch regimekritische Werke und eine kritische Biographie des Propheten) - dann zweifeln wir, ob da wirklich eine Sonne der Freiheit aufgeht (siehe nachstehend Ägypten II).

 

Ägypten II: Kritiker ohne Anklage im Gefängnis

Am 30. Juni wurde der einundsechzigjährige Menschenrechtler Saad Eddin Ibrahim (er besitzt die ägyptische und die amerikanische Staatsbürgerschaft) in Kairo verhaftet, ebenso einige seiner Freunde, mit denen er eine „Freiheitskämpfer" genannte liberale Kritiker-Gruppe gebildet hat. Er hat etwa ein Dutzend Bücher über Demokratie und Minderheitenrechte veröffentlicht. 1995 deckte er einen Wahlbetrug der Nationalen Demokratischen Partei auf (die von vierhundertvierzig Parlamentssitzen vierhundertdreißig gewann).
Wilden Gerüchten zufolge hat er mit Israel kollaboriert oder ausländische Spendengelder veruntreut oder noch ganz andere Dinge verbrochen. Tatsache bleibt, daß die Staatsanwaltschaft bis heute keine Anklage gegen ihn formuliert hat.
In Ägypten kann auf Grund von Notstandsgesetzen jeder sechs Monate lang ins Gefängnis gesteckt werden, ohne daß er einem Richter vorgeführt oder überhaupt eine Anklage erhoben werden muß.


Die Jungs aus dem Tal

oder besser: die Start-ups des Silicon Valley beschreibt Paulina Borsook in einer fulminanten Abrechnung. Die Kerle (sie nennt sie mit Vorliebe „Cyber-Libertarians") wollen sich von niemandem dreinreden lassen und vergessen, wem sie ihre Erfolge zu verdanken haben (daher auch der Titel ihre neuesten Buches: „Cyberselfish"). Borsook hat einst für das Internet-Magazin „Wired" gearbeitet, sie beherrscht das Privatsprachen-Vokabular dieser Fanatiker und kennt sich überhaupt recht gut aus bei ihnen.
Die Hypokrisie der „Cyberpunks" und der „Crypto-Rebellen" ist tatsächlich unübersehbar. Sie wollen den Staat aus allem, was sie tun, raushalten; sie sagen, sie gedeihen am besten in einem absoluten neoliberalen Nachtwächterstaat. Am wohlsten fühlen sich diese neuen Halbstarken offenbar in einer gemäßigten Anarchie. Dabei vergessen sie gern, daß die geballten Erfolge im Silicon Valley bis heute nur durch eine ganze Reihe staatlicher Interventionen möglich sind: Kreditgarantien, Steuerstundungen, Visa-Erleichterungen und vor allem die Bereitstellung einer Kommunikations-Infrastruktur (etwa Arpanet). Ihre schnellen Profite stecken also die Newcomers sofort ein, aber wenn es um Zuwendungen für gemeinnützige Stiftungen geht, bleiben sie bis obenhin zugeknöpft. Eine lobenswerte Ausnahme unter wenigen ist etwa die Hewlett-Packard-Stiftung.
Die Autorin weiß ziemlich genau, wo der Staat nichts zu suchen hat (zum Beispiel in meiner E-Mail) und wo er gefragt ist (in der Erziehung, im Umweltschutz, in der Sicherung des Wettbewerbs). Leidenschaftlich und genau weist sie darauf hin, daß die wahnsinnig gewordenen Cyber-Libertins nicht nur ganze Geschäftszweige wie die kleinen Buchhandlungen in den Ruin treiben, sondern in ihrer Selbstbezogenheit auch den gesellschaftlichen Zusammenhalt unterminieren und das soziale Mitgefühl abschaffen.


Wer hat uns verraten?

Eine britische Biographie versucht sich an einer französischen Legende: „The Death of Jean Moulin" von Patrick Marnham (vor kurzem bei John Murray erschienen). Der Widerstandskämpfer Moulin gehört zum Nationalstolz der Franzosen und zum Gründungsmythus der Fünften Republik, gleich neben de Gaulle. Befördert hat diesen Ruf eine dauerhafte Ungewißheit über die Umstände seines Todes.
Als der Zweite Weltkrieg ausbrach, war er der jüngste Präfekt des Landes. In dieser Eigenschaft übergab er damals die Stadt Chartres den Deutschen. Und hier tritt noch eine Unklarheit auf: Seiner eigenen Beschreibung nach hätten ihn die Deutschen geschlagen, um ihn zur Unterschrift unter ein Dokument zu zwingen, das von Vergewaltigungen durch französische Truppen auf dem Rückzug berichtete. Und doch: Kurz darauf setzten ihn dieselben Deutschen - jetzt unter der Regierung Pétain - wieder als Präfekt ein. Und kurz vorher hätten sie ihn noch gefoltert?
Interesse an der Résistance zeigte Jean Moulin erst Monate später, nachdem ihn die Pétain-Regierung vom Dienst suspendiert hatte. Er hatte „keine Ahnung davon", sagte ein Mitstreiter über ihn. 1941 besuchte er de Gaulle in London und vereinte dann organisatorisch die Widerstandsgruppen in Frankreich. Am 21. Juni 1943 wurde er von Klaus Barbie bei einem Geheimtreffen der Résistance gefaßt. Was danach mit ihm geschah, weiß niemand. Auch seine Leiche wurde nie gefunden. Manche Franzosen glauben, Jean Moulin war ein sowjetischer Agent, und die Deutschen hätten ihn gegen einen deutschen Agenten in der Sowjetunion ausgetauscht. In Frankreich stellt man sich eben eine Niederlage gern als das Ergebnis eines Verrats vor. Und vermutlich war ja auch das Geheimtreffen, aus dem heraus er und seine Freunde verhaftet wurden, verraten worden.
Die République Française hat ihre offizielle Antwort zum Verbleib der Leiche schon gegeben: 1964 wurde ein Sarg mit den sterblichen Überresten im Panthéon aufgestellt.


Kein neues Buch über das Lesen

Harold Bloom ist einer der ganz großen Literaturkenner unserer Zeit, und sein allseits gerühmter „Shakespeare - Die Erfindung des Menschlichen" ist auch bei uns zwar kein Bestseller, liegt aber in den berühmten guten Buchhandlungen gut sichtbar aus. Sein neues Buch, „How to Read and Why", erinnert an ein älteres von ihm, „The Western Canon". Es ist sozusagen etwas wie ein Literaturkanon light, was schon daran erkennbar wird, daß es mit bloß 283 Seiten viel zu dünn ist.
Das Buch besteht aus einer Serie von Literaturessays über diverse Gattungen: die Kurzgeschichte (Turgenjew bis Calvino), die Lyrik (vor allem englische), den Roman (fast nur Europäer: von Cervantes bis Thomas Mann), das Drama und zuletzt noch den amerikanischen Roman. Eine Anthologie also, kein Buch über das Lesen.
Dieses Thema behandelt Bloom so hopphopp am Ende jeden Abschnitts, als hätte ihn sein Lektor anhand des fertigen Manuskripts noch schnell darum gebeten. Manchmal erfolgt die Antwort auf die Titelfrage dann mit bestürzender Knappheit: nach sechs Seiten über Proust in einem kurzen Satz.
Wem das egal ist und wer sich an den natürlich immer wieder aufscheinenden Durchblicken Blooms in die Literatur erfreut, wird von dem Buch nicht enttäuscht sein.


Die große Bellow-Biographie

Zehn Jahre lang hat James Atlas daran gearbeitet, sich immer wieder mit dem fünfundachtzigjährigen Saul Bellow getroffen, dessen Privatkorrespondenz durchsehen dürfen, mit den drei Söhnen des Nobelpreisträgers gesprochen, ebenso mit einer seiner Ex-Frauen sowie mit Freunden und Kollegen, zum Beispiel Martin Amis und Philip Roth. Sechshundert Seiten sind es geworden. Im Oktober kommt die Biographie mit dem einfachen Titel „Bellow" heraus.
Alltäglich ist es nicht, daß eine so umfangreiche Biographie eines Lebenden geschrieben wird. Normalerweise wartet der Biograph eines großen Schriftstellers etwa zehn Jahre, wie es ja auch Joseph Blotner mit William Faulker gehalten hat oder Richard Ellman mit James Joyce. Wer sich noch zu Lebzeiten des Beschriebenen an die Biographie setzt, kommt in Gefahr, zwischen dem Respekt vor dem Privatleben und der erforderlichen kritischen Genauigkeit zerrieben zu werden. In den Worten Voltaires: „Den Lebenden schulden wir Rücksicht, aber den Toten nichts als die Wahrheit."
James Atlas meinte, er habe bestimmte Informationen weggelassen, aber das Buch würde sich nicht speziell abgesoftet lesen. So wird er beispielsweise auch etwas Unfreundliches über Bellows sexuelle Leistungen wiedergeben, ebenso die Beobachtung einer von Bellows Frauen: „Er hatte eine biblische Moral aus der Alten Welt, aber sein Hosenstall stand immer weit offen."


Ein notorisch kriegerischer Feiertag

Das ganze Jahr über liegt der „Schrein des friedlichen Landes" in Tokyo so da, wie er seinem Namen schuldig ist: friedllich, eine Oase im Lärm der rastlosen Metropole. Nichts stört die Ruhe der hier sozusagen aufgebahrten Bücher, in denen die Namen der Gefallenen des Zweiten Weltkriegs aufgeschrieben sind: zweieinhalb Millionen. Aber einmal im Jahr, wenn Japan seiner Kapitulation am 15. August 1945 gedenkt, bricht der Streit los.
Denn der Schrein ehrt auch Personen, die in den Augen vieler aufgeklärter Japaner eher Kriegsverbrecher waren, der verurteilte Premierminister Hideki Tojo an erster Stelle. Für sie ist die ganze Veranstaltung nur der Beweis dafür, daß Japan die Augen weiter vor seiner Vergangenheit verschlossen hält. Sie sagen es drastisch: Der offizielle Regierungsbesuch hier ist so, als verneigte sich die deutsche Regierung vor Nazi-Gräbern. Entsprechend laut sind die Proteste in der japanischen Presse.
Ein gewisses Tabu ruht in der Tat über mancher japanischen Vergangenheit. So wird etwa Kaiser Hirohitos Rolle im Zweiten Weltkrieg auch neun Jahre nach seinem Tod prinzipiell nicht diskutiert. Es gilt als ausgemacht, daß er mit den technischen Details des Krieges nicht das Geringste zu tun hatte. Der schöne Konsens wird jetzt allerdings aufgebrochen: durch ein Buch des anerkannten amerikanischen Historikers Herbert Bix, der behauptet, Hirohito habe tatsächlich von dem Angriff auf Pearl Harbour gewußt und sich an strategischen Planungen durchaus auch persönlich beteiligt.
Der Feiertag wird sich durch eine biologische Lösung beruhigen: Der japanischen Jugend ist der Streit um derartige Fragen ziemlich egal. „Ich bin nach dem Krieg geboren", sagt der achtundzwanzigjährige Verlagsangestellt Rei Aritake, „und das alles interessiert mich einfach nicht."
Na denn.


Ihr Kommentar

 

Was Schrempp so zu schultern hat

Reingelegt", im schöneren Original: „Taken for a Ride" ist der Titel eines neuen Buches, das eben bei William Morrow in New York erschienen ist. Die Autoren sind Bill Vlasic und Bradley A. Stertz, und sie beschreiben, „How Daimler-Benz Drove off with Chrysler". Mit anderen Worten: Die Megafusion zwischen Daimler-Benz und Chasler ist alles andere als eine Partnerschaft zwischen Gleichberechtigten. Die Deutschen haben vielmehr die Amerikaner über den Tisch gezogen, und Chrysler ist bestenfalls noch eine Filiale der Stuttgarter.
Die Autoren, nach einer leider etwas trockenen Einleitung, die jeden nur halbentschlossenen Buchkäufer abschrecken muß, erzählen aufregend, auch für Nicht-Fachleute verständlich und mit einer Fülle erfrischender Details und (rekonstruierter) wörtlicher Zitate aus den entscheidenden Gesprächen und Sitzungen, so als wären sie dabeigewesen.
Die Chrysler-Chefs, meinen sie (wie auch viele Chrysler-Mitarbeiter) waren zu zahm und dem Teutonen einfach nicht gewachsen. Schon rein vitalitätsmäßig nicht. Einmal, nach einem recht alkoholreichen Geschäfts-Abendessen in Sevilla, etwa um um zwei Uhr morgens, hatte Schrempp plötzlich dieses gefürchtete Glitzern in den Augen, packte seine Assistentin Lydia Deininger (die nie von seiner Seite weicht), warf sie sich über die Schulter, griff sich eine Flasche Champagner, rief seinen hellauf begeisterten Geschäftsfreunden über die noch freie Schulter ein markiges „Bis später, Jungs!" zu und war verschwunden.
Ein amerikanisches Gefühl wie „Barbari ante portas" ist da irgendwie verständlich.


Was Ärzte so zählen

Wie gewalttätig sind unsere Kinderfilme? Im „Journal of the American Medical Association" (24.-31.Mai 2000) haben Fumie Yokuta und Kimberley M. Thompson eine diesbezügliche Studie veröffentlicht. Auszüge:
„Schneewittchen und die sieben Zwerge" (1937): 2 Verwundete, 1 Tote (benützte Waffen: Körper, Schwert, Gift, andere); „Bambi" (1942): 3 Verwundete, 2 Tote (Körper, Zauber, andere); „Peter Pan" (1953): 2 Verwundete, 1 Toter (Körper, Schwert, Feuerwaffe, Sprengstoff, andere); „Das letzte Einhorn": 5 Verwundete, 3 Tote (Körper, Schwert, Zauberei, andere); „Der Nußknacker" (1990): 5 Verwundete, 2 Tote (Körper, Schwert, Feuerwaffe, Zauberei, andere); „Die Schwanenprinzessin" (1994): 9 Verwundete, 2 Tote (Körper, Schwert, Zauberei, andere); „Pocahontas": 3 Verwundete, 1 Toter (Körper, Schwert, Feuerwaffe, andere).
So kann mans natürlich auch sehen. Und literaturpolitisch korrekt ist es allemal.


Und was Verleger zählen

Allein in den Vereinigsten Staaten wurden bis Ende Juni insgesamt 20,9 Millionen Exemplare der Potter-Bücher verkauft, in Großbritannien, Kanada und Australien zusammen 8,3 Millionen, in Deutschland anderthalb Millionen , in Frankreich vierhundertneunzigtausend, in Japan dreihundertsechzigtausend und in Italien zweihunderttausend Exemplare.
Und das allein mit den ersten drei Bänden (der vierte kam, in englischer Sprache, erst Anfang Juli heraus). Sieben Bände sollen es werden. Der Wahnsinn.


Man probierts halt

Nancy Stouffer hat Mitte der achtziger Jahre ein Buch geschrieben, in dem winzige, haarlose Wesen ein paar Hundert Jahre in der Zukunft auf einem Kontinent namens Aura leben, nach einem Nuklearkrieg, der alles andere zerstört hat. Das Buch hatte den Titel „The Legend of Rah and the Muggles". Nachdem jetzt auch in den Potter-Büchern ein Völkchen namens Muggles aufgetreten ist, hat Nancy Stouffer Joanne K. Rowling wegen Verletzung des Urheberrechts verklagt. Die Gegenklage der Betroffenen wurde jetzt von einem Gericht in Manhattan angenommen.
Der Anwalt von Rowling, dem Verlag Scholastic und Time/Warner, die die Vermarktungsrechte besitzen, ließ verlauten: „Jeder, der auch nur ungefähr mit den Harry-Potter-Büchern und der Bedeutung von ‚Muggle‘ vertraut ist, nämlich ‚ein Mensch ohne Zauberkräfte‘, wird die Absurdität des Vorwürfe von Ms. Stouffer erkennen."


„China greift an" - im Internet

Der Co-Autor, Chuck DeVore, ist selbst überrascht, daß sich das Buch über das Publishing-on-Demand-System so gut verkauft. Mit dem Bestseller-Autor Steven W. Moshe zusammen hat er „China Attacks" geschrieben und bei Buy Books als Print-on-Demand herausgebracht.
Das Buch wird über diverse Webseiten angeboten, darunter amazon.com, Barnes&Nobles und einer eigenen Website von DeVore, www.ChinaThreat.com.
Die elektronische Erscheinungsweise war nicht von Anfang an geplant. Die Idee kam den beiden, nachdem mehrere Verlage erst bei einer Veröffentlichung im Frühjahr 2001 Interesse zeigten. Mit möglicherweise einem gewissen Recht sagten sich die Autoren: Bevor die Ereignisse unser Buch überholen, publizieren wir es lieber selber und schneller. Das Buch schildert einen chinesischen Angriff vom Festland her auf Taiwan - in der nahen Zukunft.


Che und der Wodka

Noch in diesem Monat soll in London gerichtlich geklärt werden, ob ein bestimmtes Porträt-Foto für eine Wodka-Werbung verwendet werden darf.
Die Werbeagentur, Lowe Howard-Spink (heute Lowe Lintas & Partners) hatte die Veröffentlichungsrechte an dem Foto ordnungsgemäß von der Bildagentur Rex Features erworben und es in einer nicht sehr weitreichenden Anzeigenwerbung für Smirnoff verwendet. Dieses Recht bestreitet ihnen nun die Cubanische Solidaritätskampagne.
Denn: Es geht um das weltberühmte Foto von Che Guevara. Und da verstehen die Cubaner keinen Spaß. Den Mann auf dem Foto nehmen sie so ernst, daß die Schüler jeden Morgen ihren Unterricht mit dem Gelöbnis beginnen, wie Che zu werden. Und da hat man es nicht gern, wenn die Smirnoff-Reklame die stahlgrauen Augen zusätzlich mit Hammer und Sichel dekoriert. Noch dazu, wo Che nie getrunken hat.
Auch der Fotojournalist, der einundsiebzigjährige Diaz Guiterrez, ist ungehalten. Er hat das Foto am 5. März 1960 aufgenommen, anläßlich einer Gedenkfeier für über hundert Seeleute, die bei Angriff auf einen belgischen Waffentransport getötet worden waren.


Rentner sucht adäquate Tätigkeit

Rudolph Giuliani weiß zwar nicht, worüber, auch nicht wann es, wenn überhaupt, je fertig sein soll, aber daß er ein Buch schreiben wird, das weiß er. Und mit den Schwierigkeiten des ersten Kapitels ist er auch schon vertraut: Er habe, teilt er mit, schon mindestens vier oder fünf verschiedene Anfänge geschrieben und immer noch nicht zufrieden.
Er braucht eben eine Beschäftigung, seit er sich wegen seines Prostataleidens aus dem Rennen um den Senator für den Staat New York zurückgezogen hat und seine Amtszeit als Bürgermeister von New New York City in vierzehn Monaten zu Ende geht. An einem Ministerposten unter Bush jr. sei er nicht interessiert, ließ er verlautbaren.
Ein Verlagsexperte sagt ihm eine nur bescheidene Vorschußsumme voraus, allenfalls hunderttausend Dollar. Aber weiß man‘s? „Verleger sind verrückte Leute", meint derselbe Experte im Nachsatz.




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