Nr. 28, September 2000

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 Die Marginalie

 

Vorsicht. Das Folgende ist keine Satire, nicht mal eine Realsatire, sondern einfach nur makaber. Und authentisch. Auf eine Überschrift wie „Lust auf eine Hinrichtung?" o.ä. hat die Redakton verzichtet.

Objekt: 340903491
Anzahl: 1
Limit: $ 100,--
Ort: Huntsville, Texas

Mein Name ist Michael Toney. Die meisten Menschen nennen mich Cowboy. Ich sitze in der Todeszelle von Texas und warte auf die Hinrichtung für ein Verbrechen, das ich nicht begangen habe. In Texas ist es für einen wegen eines Verbrechens Verurteilten gesetzlich verboten, aus diesem Verbrechen Gewinn zu ziehen. Meine Absicht ist nicht der Gewinn. Ich habe jedoch eine Verantwortung für meine zwei schönen Töchter. Ich habe das Recht, fünf Personen als Zeugen meiner Hinrichtung auszuwählen. Ich habe mich entschlossen, diese Fünf in der Weise auszuwählen, daß ich Gebote für jeden der fünf Plätze engegennehme. Die fünf höchsten Bieter werden gebeten, die Geldbeträge ihres Gebots meinen Kindern zu spenden. Ich denke mir, die Bieter werden von einem der zwei folgenden Typen sein: Sie sind mitfühlende Menschen, die verstehen, was ich hier tue, und die meinen Kindern helfen möchten, über die Schwierigkeit des Todes ihres Vaters hinwegzukommen, oder sie sind Sadisten. Den Mitfühlenden werde ich danken und den Sadisten verzeihen.
Meine Absicht ist lediglich, die Verantwortung meinen Kindern gegenüber, die ich etwa zwölf Jahre lang vernachlässigt habe, wahrzunehmen und etwas Licht zu bringen in das Unrecht in diesem Land, insbesondere in Texas. Ich weiß, daß unschuldige Menschen hingerichtet werden.
Wenn die fünf höchsten Bieter einmal feststehen und wenn der Zuschlag erfolgt ist, verzichte ich auf mein Recht, gegen dieses widerrechtliche Verurteilung in Berufung zu gehen. Etwa sechs Monate später wird man mir ein Mord-Datum mitteilen. Meine Ermordung wird ungefähr im darauffolgenden Monat stattfinden, um sechs Uhr früh in Huntsville, Texas, durch eine tödliche Injektion. Denjenigen unter Ihnen, die vielleicht Sadisten sind, liefere ich den Beweis, daß die tödliche Injektion nicht der schmerzlose und humane Tod ist, für den die meisten sie halten. Ich werde Ihnen auch eine detaillierte Beschreibung dessen liefern, was ich bei dem Wissen empfinde, daß ich ermordet werde. Ich werde sogar erzählen, wie es sich anfühlt, die letzten Atemzüge zu tun.
Ich weiß, daß die Versteigerung von Zeugenplätzen bei einem Mord eine noch nie dagewesene Sache ist, aber ich versichere Ihnen, daß sie legal ist. Was könnte ernstgemeinter sein als der Tod? Wenn sie weitere Informationen brauchen, schreiben sie mir unter mrcowboy@hotmail.com.

Dieses Versteigerungsangebot ist im vergangenen Mai bei dem Internet-Versteigerer eBay erschienen. Sie stand vier Stunden lang im Web, dann zog eBay sie wieder zurück. Niemand hatte ein Gebot abgegeben.

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