Nr. 28, September 2000
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Ein lebendiges Thema



Franz Hintermann

Ein Fotograf nimmt Abschied von seinem Vater, der auch Fotograf war

Ich bin ein Fotografiermensch. Wenn mich was berührt, eine Situation, eine Szene, ein Konzert, muß ich fotografieren.
Meine Bilder entstehen nicht überlegt, sondern erfühlt. Meine Bilder entstehen innerhalb Sekunden, sie sind nicht konstruiert, und ich denke nicht lange nach.
Erst wenn ich die fertigen Bilder beurteile, entdecke ich, die Gestaltung ist in Ordnung, ich habe ohne Überlegung die Elemente der Gestaltung beachtet.

Dieses Bild ist das erste, dass ich schon vorher fotografiert habe. Es entstand schon in meinem Kopf in den zwei Tagen der Trauer vor dem Eingraben. Als die Situation da war, habe ich nur noch "abgedrückt". Meine Mutter steht am Sarg, spritzt Weihwasser, meine Brüder, mein Neffe und mein Sohn stehen in der Anordnung wie sie dem Leben entsprechen. Und ich fotografiere.

Die Fotos, und ich spreche jetzt einfach auch für andere Fotografen, entstehen nicht im Kopf. Die Bilder entstehen im Herzen, mit Liebe.
Als Berufsfotograf kann ich aus jeder Situation gute Fotos machen, ich habe es gelernt, ich beherrsche die Technik, die Gestaltung. Die wirklich guten Fotos kann ich nur machen, wenn ich in der Situation lebe und fühle. Wenn ich liebe. Ich verliebe mich in alles, in die Natur, in einen Baum, in irgendwelche Menschen (ohne dass ich es begehre, ich möcht es nicht besitzen). Und dann brauche ich nicht viel Zeit und Überlegung. In dieser hunderstel Sekunde steckt dann alles, was ich in meinem Leben gelernt und erfahren habe.
Das kann ich nicht rekonstruieren oder wiederholen, das muß ich erleben.

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