Nr. 27, August 2000
 
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Kämpfer für die Reinheit

Es gibt sie noch, die man für ausgestorben hielt, die aufrechten Streiter für das reine, unvermischte Deutsch. Der folgende Leserbrief in der Süddeutschen Zeitung vereint auf engstem Raum alle kennzeichnenden Eigenschaften derartiger Texte: die rechte Gesinnung, linguistische Inkompetenz, Irrtümer in der Sache, peinliche Kalauer, grammatische Unbeholfenheit, eine logorrhetische Wortfindungskreativität und die dumpfbackige Entschlossenheit, unbelehrbar zu bleiben.

Nikolaus Pipers Kommentar zum grassierenden Angloholismus ist treffend: Keine andere Sprache hat sich so sehr zum Mischmasch-Pidgin entwickelt wie das seiner selbst offenbar überdrüssige und ungewisse Deutsch. Im Französischen und im Isländischen gibt es keinen "Computer", im Schwedischen und Spanischen kein [sic] "E-Mail", von erfundenen Wörtern wie "Talk/Showmaster", "Twen" oder "Dressman" zu schweigen. Man macht sich gar nicht klar, dass alle Fremdwörter erst in ihrer neuen Umgebung den angeblich ihnen eigenen Kitzel, Mehrwert, Überwert (Modernität, Aktualität, Jugendlichkeit, Technikspitze) gewinnen: Das ist aber nichts als Projektion.
Man vergegenwärtige sich bitte: Eine Sprache, der es gar nichts ausmacht, den wichtigsten Computerbaustein (Chip, chip hurra!) mit demselben Wort zu fassen wie das Kartoffelstäbchen, soll als Inbegriff unschlagbarer Haiteck-Terminologie gelten?
Unsere Angloholiker wollen sich das aber nicht bewusst machen, weil sie vor der Blamage des "Schoßaufsatzes" (Laptop) und des "Gehirnabflusses" (Braindrain) nackte Angst haben.
Nein, so primitiv, so banal kann doch dieser tolle germanische Dialekt nicht sein! Doch, ist er aber! Man hat nur bei uns nicht den Mut zu dieser lockeren ("coolen"!) Hemdsärmeligkeit, steif und bildungsernst, wie wir nun mal sind.
Also, nur Mut: Wir könnten "Rollkufen/Rollkufler", "Reiserechner", "Netzort", "Geländerad", "Einsteiger" ("Start-up") und anderes haben. Oder wollen wir uns in den Augen der (uns um unsere vielen Sprachen beneidenden!) Anglophonen weiter so lächerlich machen? Wie fänden wir es, wenn die sagten: "I find Inreiherollschuhlaufen very toll"?
Guido Kohlbecher, Neustadt/Wied

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