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Kämpfer für die Reinheit
Es gibt sie noch, die man für ausgestorben hielt,
die aufrechten Streiter für das reine, unvermischte Deutsch. Der
folgende Leserbrief in der Süddeutschen Zeitung vereint auf engstem
Raum alle kennzeichnenden Eigenschaften derartiger Texte: die rechte
Gesinnung, linguistische Inkompetenz, Irrtümer in der Sache, peinliche
Kalauer, grammatische Unbeholfenheit, eine logorrhetische Wortfindungskreativität
und die dumpfbackige Entschlossenheit, unbelehrbar zu bleiben.
Nikolaus Pipers Kommentar zum grassierenden Angloholismus ist treffend:
Keine andere Sprache hat sich so sehr zum Mischmasch-Pidgin entwickelt
wie das seiner selbst offenbar überdrüssige und ungewisse
Deutsch. Im Französischen und im Isländischen gibt es keinen
"Computer", im Schwedischen und Spanischen kein [sic] "E-Mail",
von erfundenen Wörtern wie "Talk/Showmaster", "Twen"
oder "Dressman" zu schweigen. Man macht sich gar nicht klar,
dass alle Fremdwörter erst in ihrer neuen Umgebung den angeblich
ihnen eigenen Kitzel, Mehrwert, Überwert (Modernität, Aktualität,
Jugendlichkeit, Technikspitze) gewinnen: Das ist aber nichts als Projektion.
Man vergegenwärtige sich bitte: Eine Sprache, der es gar nichts
ausmacht, den wichtigsten Computerbaustein (Chip, chip hurra!) mit demselben
Wort zu fassen wie das Kartoffelstäbchen, soll als Inbegriff unschlagbarer
Haiteck-Terminologie gelten?
Unsere Angloholiker wollen sich das aber nicht bewusst machen, weil
sie vor der Blamage des "Schoßaufsatzes" (Laptop) und
des "Gehirnabflusses" (Braindrain) nackte Angst haben.
Nein, so primitiv, so banal kann doch dieser tolle germanische Dialekt
nicht sein! Doch, ist er aber! Man hat nur bei uns nicht den Mut zu
dieser lockeren ("coolen"!) Hemdsärmeligkeit, steif und
bildungsernst, wie wir nun mal sind.
Also, nur Mut: Wir könnten "Rollkufen/Rollkufler", "Reiserechner",
"Netzort", "Geländerad", "Einsteiger"
("Start-up") und anderes haben. Oder wollen wir uns in den
Augen der (uns um unsere vielen Sprachen beneidenden!) Anglophonen weiter
so lächerlich machen? Wie fänden wir es, wenn die sagten:
"I find Inreiherollschuhlaufen very toll"?
Guido Kohlbecher, Neustadt/Wied
Ihr
Kommentar
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