Nr. 27, August 2000
 
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Abtreibungsgegner, meint der Bundesgerichtshof, dürfen weiterhin mit der "zulässigen Meinungsäußerung"
Babycaust
arbeiten. Dabei hätte er ihnen das Schauderwort allein aus Gründen der politischen Ästhetik verbieten müssen.

Das Engelchen auf dem Sofa (neben Chatami), eingeschüchtert:

Und das war sogar noch vor dem schwarzen Freitag im Bundesrat.

Der SPIEGEL über die Fusion zwischen Jerry Lavin, Time Warner, und Steve Case, AOL:
Seit der Fusionsankündigung im Januar hat Levin die Kleiderordnung der Internet- Gesellschaft übernommen: offenes Hemd, braunes Tweed-Jackett, Bootsschuhe. ...
Die Zukunft sitzt neben ihm und hält sich zurück: Steve Case, der in seinem blauen Blazer, dem roten Schlips und dem akkuraten Haarschnitt problemlos als Levins Schwiegersohn durchgehen würde.

Also was nun: Ist das Internet-Hemd jetzt offen oder wie beim Internet-Regenten schlipsverschlossen? Da sind dem logorrhetischen Reporter aber arg die Kleider verrutscht oder, schlimmer, die Metaphern.

Juliane Weber vor dem Untersuchungsausschuß zu den von ihr weitergeleiteten Geld-Umschlägen:
Es waren keine immensen Beträge, sondern Gaben von freundlichen Leuten und Bürgern aus dem Volk.
Erbaulich, wie da in der Beweisnot das Volk und seine freundlichen, gabenbringenden Menschen wieder zu Ehren kommen..

Der Zweizeiler, mit dem Ines Ruhland unter vierhundertzweiundsechzig Einsendungen das Kleid gewann, das Verona Feldbusch mal in der RTL-Sendung "Peep" anhatte:
Verona, diese kecke Maus,
sieht für viele Männer super aus.

Und jetzt will sie ihren Gewinn nicht. Verständlich: Dieser Holper-Höhepunkt der deutschen Dichtung hat Besseres verdient. Vor allem: mehr. Ein paar Mark, meinte die Lyrikerin wörtlich, müßten da schon rausspringen.

Friedrich Hölderlin, zitiert vom Friedrich-Hölderlin-Preisträger Marcel Reich-Ranicki in der FAZ vom 24. Juni:
Ringsum ruhet die Stadt; still wird die erleuchtende Gasse,
Und mit Fackeln geschmückt, rauschen die Wagen hinweg.

Unangenehm: Die Hölderlinsche Gasse ist natürlich - und sicher anders als der Redner - "erleuchtet".

Die SZ am 24./25. Juni über Ernst August von Hannover:
Die Bild hatte geschrieben, der Prinz habe bei seinem Besuch der Expo an den türkischen Pavillon gepinkelt und dies von mehreren Augenzeugen eidesstattlich versichern lassen.
Echt pervers: zuerst den Pavillon anpinkeln und sich dann die Pinkelei, man weiß ja nie, auch noch eidestattlich bestätigen lassen!
Oder verstehen wir da was falsch (weil wo ein Komma fehlt)?

Ex-Kanzleramtschef Bohl am 28. Juni zu den in den letzten Tagen Kohls verschwundenen Akten:
Es gab auch keine Notwendigkeit, solche Akten zu vernichten, da alles korrekt gelaufen ist.
Das kommt einem Geständnis, daß man bei krummeren Dingern schon mal was verschwinden läßt, ziemlich nahe.

Der österreichische Bundeskanzler zum Motivationsspruch des niederösterreichischen FPÖ- Chefs "Unsere Ehre heißt Treue":
Begriffe wie Ehre und Treue sind seit dem Holocaust abgewertet. Sie müssen weiter verwendbar sein.
Sind sie, guter Schüssel, sind sie. Nur ergeben sie - schon vergessen, junger Mann? - in der zitierten Zusammenstellung halt leider ein unangenehmes SS-Motto.

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