Nr. 25,  Mai 2000
 


 

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Selbstanzeige

Es bleibt erstaunlich, wie freudig unbemerkt das rhetorische Desaster über die Bühne des Parteitags ging: die vorgeschriebene Pflichtlitanei der Fundis, wie unter Zwang und mechanisch vorgetragen von Angela Merkel. Ein Kommentar dazu von Anatol.
In diesem Monat schon wieder bringen wir zwei Gastkolumnen: Henky Hentschel, in seinem zweiten Brief aus Havanna, hat genauer hingesehen und im Kern der Elián-Affäre ein hier unbekanntes, sehr bizarres Fluchthelfer-Fördergesetz der USA gefunden. In einem weiteren Essay untersucht Andreas Odenwald, warum Abu Jamal seit fast zwei Jahrzehnten in der Todeszelle sitzt, schuldlos; er ist Afro-Amerikaner und Black Panther - darum. Beide Male, sagen wir es gleich hier, eine beherzte USA-Kritik.
In den Leseproben finden Sie die Rezension eines der größten Essayisten Deutschlands: Günter de Bruyn und seine unentmutigten "Deutschen Zustände".
In einen hier unüblichen Rahmen gestellt ist diesmal die Rubrik Lese-Effekte. Sie bringt keinen Text, sondern zeigen das Bild eines holländischen Meisters: einen lesenden kleinen Jungen mit einem schweren Leben vor sich.
Ach ja, nun doch mal ein Lob, und zwar wie der neue Webguide www.clickfish.de diese Zeitschrift empfiehlt: "Wohltuend anspruchsvoll demonstriert die Gazette bei übersichtlichem Seitenaufbau, daß es in Sachen Literatur im Netz auch anders geht". Danke.
In diesem Sinne wünscht Ihnen wohltuende und anspruchsvolle Lektüre

Der Herausgeber


Das Zitat für Leser

Der Tod ereilte ihn bei der Arbeit am Nachlaß seiner Pseudonyme.

(Roberto Bolaño, Die Naziliteratur in Amerika)
 

Themen

Philipp Reuter über Proust: "Ich war auf einen strapaziösen Marathon gefaßt, und dann
wurde es mit einem Mal und gleich von Anfang an ein lustvoller Spaziergang."


Etwas über Iris Anna Otto: "Abends wachsen die Beine der Stühle in den Teppichboden."

Fritz Mauthner als Parodist: "Zwei mal zwei ist vier. Bei uns! Ob auch anderswo?"

Dostojevski: Raskolnikoffs Trichinen-Traum
.

"Es ist ja heute nichts Außergewöhnliches mehr, über Privates und persönliche Probleme zu reden": eine peinliche Nicht-Enthüllung von Iris Stelzer.


   
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