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Die Library of Congress wird zweihundert
Am 24. April bestand die große Bibliothek
seit genau zwei Jahrhunderten.
Als sie das letzte Mal ihre Bestände zählte, waren es
9,429 Millionen Bücher (darin eingeschlossen: Noten, gebundene
Zeitungsjahrgänge und andere Drucksachen), 53,120 Millionen
Manuskripte und über dreizehn Millionen Filme, Grafiken,
Fotos, Zeichnungen und Plakate. Zusammen mit viertausend Jahre
alten sumerischen Tontafeln und anderen Schrift- Kostbarkeiten
sind es fast einhundertneunzehn Millionen Katalogeinträge.
Ihre Entstehung verdankt die Bibliothek Präsident John Adams,
der im Jahr 1800 fünftausend Dollar aus dem Budget reservierte
"für den Ankauf von solchen Büchern, die für
den Gebrauch im Congress in Washington nötig sind, und für
die Ausstattung passender Räume zu ihrer Aufbewahrung".
Das Imperium schlägt zurück
Das Verbot der drei liberalen Zeitungen reichte den iranischen
Reformgegnern noch nicht. Nachdem sie zwei Tageszeitungen und
ein linkes Monatsmagazin verboten hatten, wurde Ende April auch
noch Latif Safari, Herausgeber einer bereits länger verbotenen
Tageszeitung, verhaftet. Es war die dritte Verhaftung eines unliebsamen
Journalisten im vergangenen Monat. Soll man es vielleicht als
eine Verbesserung der Lage ansehen, daß Intellektuelle neuerdings
nicht mehr erschossen werden, sondern nur noch ins Gefängnis
kommen?
Angeordnet hatte sie Ayatollah Ali Khameini, der als religiöser
Führer noch über dem gewählten Präsidenten
Khatami rangiert. Seiner bereits laut geäußerten Meinung
nach gibt es im Iran immer noch zehn bis fünfzehn reformfreudige
Zeitungen, die "islamische und revolutionäre Prinzipien
untergraben", wenn sie nicht überhaupt und kurzerhand
"den Islam beleidigen".
Khatamis mutiger Kommentar: Mit ihrere Behauptung, die Reformen
bedrohten den Islam und die Revolution, stürzen die Hardliner
das Land zurück in die Diktatur.
Buch-Zitat als Ausstellungsmotto
Robert McNamara hatte in seinem Buch "Vietnam" (1996)
spät, aber wohl aufrichtig zugegeben: "Wir hatten Unrecht,
furchtbar Unrecht. Wir müssen künftigen Generationen
erklären, warum."
Jetzt steht der einsichtsvolle Satz über der Broschüre
des soeben eröffneten "Museums für Kriegsverbrechen"
in Ho-Chi-Min-City, dem alten Saigon. Das Bemerkenswerte, nicht
nur an diesem Motto, sondern an der Ausstellungspolitik des Museums:
Es beschränkt den Blick nicht auf den Vietnamkrieg gegen
die USA, sondern zeigt den Unabhängigkeitskampf von Anfang
an, also ab der französischen Kolonialzeit. Und es pflegt
keine Haß- und Feindbilder. Dabei sollen aber, trotz aller
vietnamesischen Annäherung an den besiegten Gegner, amerikanische
Grausamkeiten nicht vergessen sein.
Eine großzügige Geste, wenn man sich noch an My Lai
erinnert (wo 1976, ein Jahr nach Kriegsende, "dem Haß
auf den US-Imperialismus" ein Denkmal errichtet wurde).
Standhaft
Immer wenn der Al Gore, Präsidentschaftskandidat, in die
Nähe von Detroit kommt, holen die politischen Gegner ihre
Wahlkampfmunition aus seinem vor achtundzwanzig Jahren geschriebenen
Buch ("Earth in the Balance"): Al Gore will die Autos
abschaffen!
Also ganz so war es nicht. Er hat damals nur geschrieben, die
Verbrennungsmotoren müßten weg. Neue, umweltverträglichere
Motoren würden keineswegs Arbeitsplätze vernichten,
sondern schaffen.
Al Gore steht zu seinen damaligen Aussagen. Er ist auch stolz
darauf, schon damals Begriffe wie "globale Erwärmung"
und "Treibhausgase" aufgegriffen zu haben, als sie noch
reichlich "exotisch" klangen und kaum einer sie ernst
nahm. In der - ansonsten unveränderten - Neuausgabe des Buches
hat er ein zweites Vorwort hinzugefügt, mit dem er den Lesern
die Suche nach den "Stellen" abnimmt: Er gibt die schlimmen
Seiten gleich selbst an. Und hofft, daß viele von der Republikanischen
Partei das Buch lesen. Bush jr., der Republikaner- Kandidat, hat
es nach eigenem Bekunden noch nicht gelesen.
PS
An einer Stelle warnt Gore sogar vor einer "ecological Kristallnacht".
Da sage noch einer, die deutsche Sprache habe keine Bedeutung
mehr in der Welt!
Kein Vergleich
Yossi Katz, Historiker an der Bar-Ilan-Universität in Tel
Aviv, hat soeben ein dreihundertfünfzig Seiten starkes Buch
mit dem Titel "Forgotten Property" geschrieben. Es behandelt
die inhaberlosen Konten und andere Wertbestände von Juden,
die im Holocaust ihr Leben verloren haben. Das Besondere: Es handelt
sich um Werte in Israel.
Auf seine Veranlassung hin hat die israelische Regierung vor kurzem
tausend inhaberlose Konten veröffentlicht, vierzehntausend
weitere sollen hinzukommen.
Überrascht war der Autor vom Umfang des israelischen Grundbesitzes,
der verschollenen Juden gehört. Manche Grundstücke werden
heute von einer Regierungsstelle für "verlassene Grundstücke"
gehalten, andere von einer halboffiziellen Nationalstiftung, wieder
andere von Banken und Versicherungsgesellschaften. "Einige
Grundstücke", sagte der Autor, "liegen mitten in
Bat Yam und Holon [zwei Vororten von Tel Aviv], und ihr Wert ist
heute unermeßlich." Eine Regierungskommission soll
jetzt genau festlegen, was wem gehört.
Saint-Exupérys Flugzeug
Das Postflugzeug, das Antoine de Saint-Exupéry vor siebzig
Jahren über der Wüste von Patagonien flog, wurde von
der argentinischen Luftwaffe in zweijähriger Arbeit völlig
restauriert und am 25. April in Quilmes, einem Vorort von Buenos
Aires, öffentlich ausgestellt. Gerade rechtzeitig für
die Feiern zu seinem hundertsten Geburtstag am 29. Juni.
Bei dem Flugzeug handelt es sich um eine erstmals 1929 eingesetzte
Latecoere 25 (400-Ps- Motor, 170 kmh), mit der damals vier Passagiere
und einige Postsäcke transportiert wurden. Im Oktober 1929
kam Saint-Exupéry nach Argentinien zu der Fluggesellschaft,
die damals noch Aeropostale hieß, und unternahm mit dieser
Maschine den ersten kommerziellen Flug in Argentinien. Zwei Jahre
später verließ er Aeropostale und ging über Marokko
nach New York (wo dann 1943 "Der kleine Prinz" erschien).
Nicht mal ein Wörterbuch
Geschworene, sozusagen Volksvertreter als Laienrichter, sind
in den Vereinigten Staaten eine außerordentlich ernste Angelegenheit.
Auch wenn uns aus manchen Gerichtsfilmen die Bemühungen zur
Aufrechterhaltung ihrer Unbeeinflußtheit lächerlich
erscheinen: Sie werden ernstgenommen.
In Louisiana mußten am 25. April die Geschworenen im Prozeß
gegen den früheren Gouverneur Edwin Edwards (wg. Bestechlichkeit)
sogar ein harmloses Wörterbuch herausgeben. Darin war das
Wort "extortion" (Erpressung) unterstrichen. Und das
ging zu weit.
Der Richter hatte den Geschworenen vor deren Beratungen eine sechsundneunzigseitige
Anweisung mit allen nötigen Definitionen übergeben.
"Beachten Sie", ermahnte sie der Richter, "daß
das einzige Gesetz, das Sie zu berücksichtigen haben, das
Gesetz ist, das ich Ihnen gegeben habe."
Und schickte sie wieder zurück in ihre Beratungsklausur.
Also doch nicht
"Haie kriegen keinen Krebs": Das ist nicht etwa ein
blödes Wortspiel, sondern der genaue Titel eines Buches (1992)
von William Lane, in dem er uns weismachen will, Haie erkrankten
angeblich nicht an Krebs.
Das Buch war, verständlicherweise, sehr erfolgreich: Es verhieß
nämlich die Hoffnung, die Knorpel der Meerestiere enthielten
eine Heilmittel gegen Krebs (und Arthritis und überhaupt
gegen das Altwerden). In den Jahren nach der Erstpublikation entwickelte
sich schnell eine kleine Industrie, die die begehrten Knorpel
vermarktete.
Jetzt hat John C. Harshbarger, der Chef des amerikanischen Bundesregisters
für Tumore bei Tieren, vierzig Krebsfälle beschrieben,
die er bei Haien und ihren nahen Verwandten, den Rochen, gefunden
hat. Er merkt an, daß diese Krebsfälle Wissenschaftlern
schon lange bekannt sind - auch wenn er selbst zwei neue hinzufügt:
einen Fall von Nieren- und einen von Blutkrebs.
Woraufhin der Autor, kleinlaut geworden, zugab: "Es stimmt,
daß einige Haie Krebs kriegen; ich habe das auch in meinem
Buch gesagt. Aber mein Verleger meinte, ein Titel wie Haie
kriegen fast nie Krebs' wäre keine so gute Idee."
Hank Porterfield, Leiter einer großen Krebs-Selbsthilfegruppe
sagt es noch deutlicher: "Ich habe noch nie einen Fall von
Heilung erlebt. Hai-Knorpel richten überhaupt nichts aus."

Ihr Kommentar
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Das Kleine Rote Buch des Generalissimo
Er hat es nicht - wie Mao oder Gaddafi sein grünes
Buch - selbst geschrieben. Er hat es nicht mal schreiben lassen.
Man hat es ihm unverlangt geschrieben. Und es gefällt ihm
gar nicht.
Der so Bedachte ist Rudolph ("Rudi") Giuliani, der New
Yorker Bürgermeister, der gegen Hillary Clinton Senator des
Staates New York werden möchte. Er wird bewundert dafür,
daß er die Verbrechensrate und die Sauberkeit seiner Metropole
geradezu auf das Niveau einer oberbayerischen Kleinstadt gebracht
hat. Und er wird gehaßt für die ziemlich illiberalen
Methoden, die er dabei anwendet: Nicht nur Penner und Straßenverkäufer,
sondern überhaupt individuelle Freiheitsrechte sind ihm bei
seiner Kampagne für höhere "Lebensqualität"
ziemlich egal. Daher der Vergleich mit - unter anderen - dem spanischen
Dikator Franco. Daher auch der Titel des kleinen roten Buches,
das im vergangenen Monat erschienen ist: "Aussprüche
des Generalissimo Giuliani", lauter Original-Zitate (typische
Kapitelüberschriften: "Höhere Lebensqualität
- oder es setzt was!", "Der Generalissimo entdeckt auf
einer Botanik- Expedition eine exotische neue Species: Farbige").
Gesammelt und herausgegeben hat sie Kevin McAuliffe, ein Redenschreiber
des Bürgermeisters, der von Guiliani aber nur wenige Monate
nach der Amtseinführung (1994) gefeuert wurde.
"Wir haben es nicht gelesen und müssen deshalb auch
keinen Kommentar dazu geben", ließ der Bürgermeister
seinen Pressesprecher erklären.
Wer war Greta Hughes?
Geoffrey Giuliano hat ein Buch über John
Lennon geschrieben ("Lennon in America"), das fast ausschließlich
auf Lennons Tagebüchern beruhen soll. Guiliano kann sie jedoch
nicht zitieren, weil sämtliche Rechte bei seinen Nachlaßverwaltern
liegen.
Alle Tagebücher bis auf eines wurden jetzt sichergestellt,
nachdem Lennons persönlicher Assistent Fred Seaman sie nach
dem Tod des Beatle (am 8. Dezember 1980) an sich genommen hatte.
Jahrelang und bis heute hat die Witwe Yoko Ono jegliche Einsicht,
geschweige denn eine Veröffentlichung verhindert.
Giuliano nun behauptet, eine vollständige Abschrift der Tagebücher
zu besitzen. Sie seien voller erschreckender Hinweise auf Lennons
Drogen-, genauer: Heroinkonsum, der seine Libido so sehr einschränkte,
daß er sich am Ende seines Lebens nur noch in New Yorker
Bordellen wohlfühlte. Zu dieser Zeit nannte sich der völlig
zurückgezogen Lebende dann gern "Greta Hughes":
halb Greta Garbo, halb Howard Hughes.
Lektüre-Empfehlungen der Prominenz
Es liegt wohl auch an gepflegter Selbstdarstellung,
daß die Schauspielerin Julie Christie uns - schon im letzten
Jahr - ein Historienwerk wie "Die Kreuzzüge aus arabischer
Sicht" von Amin Maalouf nahelegt. Aber immerhin. Darüber
hinaus liest sie, wörtlich, "jedes Buch von Noam Chomsky",
um die ideologisch oft vernebelte Welt mit klareren Augen zu sehen.
Daß Muhammed Ali den Koran empfiehlt ("ein wundervolles
Buch") oder Billy Graham die Bibel, überrascht weniger.
In der neueren, diesjährigen Promi-Empfehlungsliste der Gardiner
Public Library hat sich auch Tony Blair gemeldet: Seine Lektüre
ist eher eskapistisch bis identifikationssüchtig, "Der
Herr der Ringe" von Tolkien und "Ivanhoe" von Walter
Scott. Eli Wallach, der Schauspieler, vertieft sich in "Die
Asche meiner Mutter" von Frank McCourt und eine Elia-Kazan-
Biographie.
Und was liest David Copperfield, der Zauberer? Ziemlich einfallslos:
"David Copperfield" von Charles Dickens.
Schröders und der SPD Ratgeber
Anthony Giddens berät ja nicht nur Tony
Blair über den "Dritten Weg", sondern neuerdings
auch unseren Kanzler und dessen SPD bei der Suche nach einem neuen
Grundsatzprogramm.
Ob sie alle auch Giddens' neuestes Buch "Runaway World"
mit dem schönen Untertitel "How Globalisation is Reshaping
Our Lives" gelesen haben?
Wir können nur hoffen, daß sie beim angeblich dringend
erforderlichen "Neu-Buchstabieren" der "Sozialen
Gerechtigkeit" nicht über einige unschöne Zahlen
bei Giddens hinweglesen. Das Einkommen des ärmsten Fünftels
der Weltbevölkerung, schreibt er, ist allein in den zehn
Jahren zwischen 1989 und 1998 von 2,3 auf 1,4 Prozent des Welteinkommens
zurückgegangen (während das der reichsten Fünftels
zugenommen hat). Im südlichen Afrika haben heute zwanzig
Länder ein niedrigeres Prokopf-Einkommen als vor vor zwanzig
Jahren. Fazit: Die Reichen werden in der Globalisierung reicher,
die Armen ärmer.
Eine der unangenehmen Fragen auf dem April-Treffen der Entwicklungsländer
(G77) in Havanna: Wenn die Entwicklungsländer ihre Grenzen
für den freien Kapital- und Technologieverkehr öffnen
sollen, warum sperren sich dann die Industrieländer gegen
Produkte und Arbeitskräfte aus dem armen Ausland ab? Eine
Antwort ist nicht bekannt.
Die Geschäftsidee:
Raus aus dem Internet!
Ernsthaft: Man sollte es sich überlegen,
solange noch Zeit ist. Denn die meisten Firmen, die sich mit hohen
Erwartungen und einem Haufen Schulden dem E-Commerce in die Arme
geworfen haben, werden in zwei Jahren untergegangen sein.
Es wird, sagen Analysten, zu viel verkauft im Internet, einfach
alles von Haustierbedarf über Spielzeug und Software bis
zu Büchern. Es gibt zu viele Anbieter, die alle dasselbe
anbieten. Der Markt ist überfüllt.
Mark Doll von Ernst & Young (genau: den Buchprüfern der
CDU) sagt es noch deutlicher: "Es gibt dreißigtausend
Läden im Internet, und vermutlich fünfundzwanzigtausend
davon werden gehen müssen."
Schon jetzt gibt es spektakuläre Geschäftsaufgaben:
Gloss.com wurde von Estee Lauder aufgekauft, CDNow und Peapod
haben bald kein Geld mehr, und das Reisebüro Cook Express
ist schon jetzt pleite.
Wer von alldem profitiert, ist klar: Firmen wie Ernst & Young.
Erst haben sie die Unternehmen bei ihrem Internet-Auftritt beraten,
und jetzt, bei ihrer Flucht aus dem Internet, beraten sie sie
wieder.
Die uninteressanteste Buchverfilmung
Am 12. Mai hat der Science-Fiction-Film "Battlefield
Earth" in Denver Premiere. Er wurde nach einem Buch von Ron
Hubbard gedreht, dem Gründer der Scientology, die sich gern
- wenn auch unzutreffend - Scientology-Kirche nennt.
Die Hauptrolle darin ist ein zweihundertzwanzig Kilo schwerer
Alien, der ganz wild darauf ist, unseren Planeten zu zerstören.
Den Alien spielt der mal militante, mal nur bekennende Scientologe
John Travolta.
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