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Maja Das Gupta
MERLE
Ronja legt Kohlen nach. Scheißkalt hier, denkt sie, ScheißOstwind.
Oder Südwind? Egal, jedenfalls Wind, jedenfalls kalt. Sie nimmt
den Sack Kohlen, legt die Kohlenschaufel in den Sack, den Sack auf die
Schulter und geht in den Nebenraum. Sie schleudert den Sack auf den
Boden. Ein echter Geheimtip diese Milchbar. Ein anderer Ausdruck dafür,
daß nie jemand da ist. Woher auch. Hier gibt es wirklich genügend
Kneipen und Bars. Trotzdem soll sie jeden Tag antanzen, trotzdem jeden
Tag den Boden schrubben, trotzdem jeden Morgen neun Milkshakes zubereiten
und sie auf die Theke stellen, neun Milkshakes, die nicht getrunken
werden, neun Milkshakes, die sie abends wieder wegschütten darf.
Die Chefin kommt sonst nie vorbei, aber als Ronja einmal gegen diese
Regel verstößt, hört sie eine Stimme, ganz nah an ihrem
Ohr - wenn sie ihren Job nicht ordentlich mache, es finde sich leicht
ein anderes Mädchen dafür die Chefin auf einmal hinter
ihr, und sie hat nichts antworten können. Sie braucht den Job.
Ronja ist siebzehn, Ronja ist heimatlos, Ronja ist völlig gestört,
singt Ronja vor sich hin. Ronja hat die Lehre geschmissen, Ronja sollte
Schneiderin werden, aber Ronja ist alles, nur kein tapferes Schneiderlein.
Ronja ist alles, singt Ronja, Ronja ist alles, was sie sein will. Ronja
will gar nichts sein. Ronja will Frühling. Ronja pustet den Kohlestaub
von den Fingern und denkt nach. Frühling! Der könnte in dieser
Stadt erfunden worden sein. Eine Durchbrechung des Graus, das sich als
Blau ausgibt, der Himmel bekennt endlich wieder Farbe, die Blumen scheinen
zu sagen, tut uns leid, daß es so lange gedauert hat, sorry, da
sind wir wieder und sind wir nicht schön? Aber jetzt ist November.
Der Frühling ist noch einige Milkshakes entfernt. Ronja versucht
auszurechnen, wie viele Milkshakes sie noch auf die Theke stellen wird,
bevor der Wind nachläßt. Neun mal fünf fünfundvierzig
pro Woche, das-macht-im-Monat, das-heißt-mal-vier, das-ist-das-könnte-
sein, ach egal, in Mathe schon immer eine Niete gewesen und wichtig
ist es ja auch nicht. Trotzdem rechnet Ronja weiter, als sie die neun
Milkshakes für den heutigen Tag macht. Sie konzentriert sich mehr
auf das Rechnen als auf das Eingießen, Hälfte daneben, Scheiße,
ScheißMilch, ScheißBoden, nun muß sie den Boden wieder
schrubben. Egal, sagt sich Ronja, egal, ich mache es einfach wie Beppo
Straßenkehrer. Sie holt sich Eimer und Schrubber aus dem Nebenraum,
füllt den Eimer mit Wasser, und beginnt zu putzen. Bedächtig.
Ein Schritt, ein Strich, Pause, ein Schritt, ein Strich, Pause. Ein
Schritt, ein Strich schön-machen-Sie-das. Ronja schrickt hoch.
Sie hat die Frau nicht bemerkt, die als erste Kundin an diesem Tag?
in dieser Woche? in diesem Monat? die Milchbar betreten hat. Ronja legt
den Schrubber beiseite. Sie weiß nicht, warum sie verlegen ist.
Vielleicht, weil sie zum ersten Mal seit Wochen geputzt hat und dann
auch noch darauf angesprochen wird. Sie leckt sich einen Tropfen Milch
vom Handrücken und betrachtet die Frau. Sie ist klein und sehr
schlank. Ihre Haare sind zu einem Knoten hochgesteckt. Sie trägt
ein blaues Kleid mit dünnen Trägern, das ihre Knie freiläßt.
Ein Sommerkleid. Ronja sieht nochmals hin. Die Frau lächelt. Könnte
ich einen Milkshake bekommen? Oder sind die hier reserviert? Sie deutet
auf die acht vollen und das neunte halbleere Glas. Ronja wird rot. Nein,
sagt sie, nein, die sind nicht reserviert. Eigentlich kommt hier nie
jemand vorbei. Die Frau zieht eine Augenbraue hoch und Ronja fragt sich,
ob sie das vor dem Spiegel geübt hat, eine ganz kleine Bewegung,
sehr exakt, die Augenbraue beschreibt einen Halbkreis, wie abgezirkelt.
Ronja betrachtet die Augenbraue gebannt und hört sich sagen: Es
ist schön, daß Sie gekommen sind. Endlich wird hier jemand
Milkshake trinken. Die Frau läßt die Augenbraue wieder an
ihren Ausgangspunkt zurückschnellen. Sie lacht. Dann werde ich
mal, sagt sie, tritt vor, nimmt eins-zwei ein Glas nach dem anderen
in die Hand, setzt es an den Mund und trinkt es in einem Zug aus. Alle
acht vollen und das neunte Halbleere. Danach öffnet sie ihre Handtasche
und holt ein Taschentuch heraus, mit dem sie sich die Mundwinkel abwischt.
Was macht das? fragt sie auf eine Weise, als gelte es, einen Schaden
zu beheben. Ronja betrachtet die neun leeren Gläser. Sie hat so
lange keinen Milkshake mehr verkauft, daß sie gar nicht mehr weiß,
was sie kosten. Geht aufs Haus. So, lächelt die Frau. Dann greift
sie nochmals in ihre Handtasche und zieht ihren Geldbeutel hervor. Ronja
will abwehren, die Frau schüttelt den Kopf. Sie nimmt eine Visitenkarte
heraus. Kommen Sie doch mal vorbei, sagt sie beiläufig und drückt
ihr die Karte in die Hand. Dann geht sie zur Tür. An der Tür
dreht sie sich um und lächelt. Haben Sie es gemerkt? Der Wind hat
nachgelassen.
Ronja schwirrt der Kopf, Ronja weiß nicht, was sie denken soll,
Ronja, singt Ronja, Ronja, das war´s. Der Tag X, der Tag, auf
den wir alle warten, der Tag, an dem jemand kommt, und dir einen Schlüssel
gibt und sagt, probier einfach mal aus, ob der schließt, und natürlich
weißt du, daß er schließt, natürlich weiß
sie, daß ich kommen werde. Wohin eigentlich? Ronja dreht die Visitenkarte
um und sieht sie an. MERLE, steht da, weiter nichts. Ronja flucht, denn
das ist besser als Heulen. Merle. Keine Adresse, keine Telephonnummer,
gar nichts. Einfach nur Merle. Kommen Sie doch vorbei. Was hat sie damit
gemeint?
Ronja setzt sich hin und hängt ihren Kopf zwischen die Beine. Merle.
Merle. Merle. Das hat was. Das raunt. Das zieht. Ronja denkt an Merle.
Sie denkt an ihre Augenbraue und nennt sie Merle, sie denkt an ihren
Haarknoten und nennt ihn Merle, sie denkt an dieses blaue Sommerkleid,
das die Knie freiläßt und nennt die Knie Merle. Dann steht
sie auf und mixt Milkshakes. Sie wischt mit einem Lappen über die
Theke. Sie stellt die neun Gläser Milkshake auf die Theke. Dann
macht sie das Licht aus, sperrt die Bar zu und geht.
Ronja geht zur nächsten Telephonzelle. Aus ihrer Hosentasche fischt
sie ein paar Münzen. Sie sind so dreckig, daß sie nicht durch
den Schlitz rutschen. Ronja hebt ein Taschentuch auf, das auf dem Boden
der Zelle liegt, spuckt drauf und poliert die Münzen bis sie blank
sind. Dann ruft sie die Auskunft an.
Haben Sie die Nummer von Merle?
Merle? Und weiter? Der Nachname?
Merle. Einfach nur Merle.
Die Frau fragt nach Stadt und Straße. Ronja nennt die Stadt und
weiß nicht weiter. Ronja hängt ein. ScheißAuskunft,
ScheißTelecom. Sie rennt nach Hause, wirft sich auf ihr Bett
und heult los. Merle verloren.
Irgendwann bemerkt Ronja, daß es dämmert. Das ist gut, denkt
Ronja, in der Dämmerung kommen die Geister. Hier gibt es bestimmt
viele Geister. Ronja wohnt in einem leer stehenden Haus. Den Fenstern
fehlen die Scheiben und der Wind strömt hinein. Ronja wickelt sich
in ihre Decke. In Bulemanns Haus, in Bulemanns Haus schauen die Katzen
zum Fenster hinaus, singt sie. Das hat ihre Mutter ihr immer vorgesungen.
Mutter. Mutte, Mette, Merle. Quatsch. Merle ist nicht ihre Mutter. Und
Mutter hat ihr das auch nicht vorgesungen, Mutter ist gestorben. Vater
hat ihr das vorgesungen. Vater hat ihr das vorgesungen? Vater ist ein
Spießer, Vater würde niemals singen. Egal, sentimentaler
Scheiß, sagt sich Ronja, Scheiß Sentimentalität. Ich
rufe jetzt die Geister.
Ronja bereitet sich darauf vor. Ronja hat in den letzten Tagen Wasser
zum Baden gesammelt. Ronja legt Kohlen nach, um das Wasser warm zu machen.
Ronja badet. Ronja reinigt sich, um für die Geister bereit zu sein.
Dann setzt sie sich nackt auf einen Holzhocker an den Tisch, den sie
neulich beim Sperrmüll gefunden hat. Er wackelt ein wenig, aber
die Oberfläche ist glatt. Darauf kommt es an, das Glas muß
rutschen. Ronja nimmt den Glasbehälter, in dem sie die Zettel mit
den Buchstaben verwahrt. Sie legt die Buchstaben im Kreis. Dann schneidet
sie zwei weitere Zettel aus. Auf den einen schreibt sie Ja, auf den
anderen Nein. Ronja zündet eine Kerze an. Ronja legt die Stirn
in Falten. Ronja bittet den Geist in der Flamme, zu erscheinen. Ronja
hält ein Glas über die Flamme. Sie spürt, wie das Glas
schwerer wird. Sie stellt das Glas rasch auf den Tisch. Bist du ein
Mann? fragt sie, während sie einen Finger auf das Glas legt. Das
Glas zögert, dann bewegt es sich mit einem Ruck auf Nein zu. Eine
Frau also. Kennst du Merle? Das Glas bewegt sich wieder ruckartig. Das
Glas steht auf Nein. Ronja ist enttäuscht. Ein dummer Geist. Oder
liegt es daran, daß sie allein ist? Ronja fröstelt. Nackt
ist es im Haus nicht auszuhalten und spirituell bringt es auch nichts.
Ronja zieht sich was über und sieht dabei aus dem Fenster, sieht
den Jungen, der mit seinem Hund vorbeigeht, legt Daumen und Zeigefinger
in den Mund, Hey, Hey, du!. Der Junge dreht sich um. Ronja wedelt mit
den Händen, der Junge kapiert und kommt zur Tür. Der Hund
bellt, als er das Haus betritt. Vielleicht solltest du ihn besser draußenlassen,
überlegt Ronja, Hunde mögen keine Geister. Geister? Ronja
erklärt. Das Glas. Die Flamme. Der Geist. Die Buchstaben. Ja und
Nein. Nein, sagt der Junge. Verschwinde, sagt Ronja. Der Junge verschwindet.
Ronja überlegt, ob sie sich nochmals auf das Bett werfen und heulen
soll. Ronja hängt den Kopf wieder zwischen die Beine und atmet
tief ein. Tarotkarten. Die hat sie noch nicht versucht. Wer ist Merle,
fragt Ronja und zieht eine Karte. Sie deckt sie auf. Plötzlich
hat Ronja keine Lust mehr, Karten zu ziehen. Karten sind dumm. Karten
sind gefährlich. Karten wissen nur, was man selbst wissen will.
Sie zieht noch eine Karte. Sie starrt auf die Karte in ihrer Hand. Dann
wirft sie sie unter den Kartenstapel, sich selbst aufs Bett und schläft.
Ronja wacht auf. Es ist Mittag. Merle, denkt Ronja, Merle suchen. Ronja
zieht ihre Stiefel an und geht los. Kennst du Merle, fragt sie den Penner
auf der Bank. Der dreht sich weg und grunzt. Kennt ihr Merle, fragt
sie die Stromer an den Imbißbuden. Sie lachen und Ronja riecht
das Bier. Nein, sagen sie, nein, Merle kennen wir nicht, aber du bist
auch nicht schlecht. Ronja grinst, ganz unter uns Brüder, ihr trinkt
zu viel, und geht weiter. Kennt ihr Merle, fragt sie die Leute an der
Straßenbahnhaltestelle. Kennst du Merle, fragt sie das Schulkind
am Bus. Kennen Sie Merle, fragt sie den Pfarrer, der ihr die Beichte
abnehmen will. Wo finde ich Merle? schreit Ronja in die Kuppel der Kirche.
Ronja rennt durch die Straßen. Merle! Merle! Merle! Ronja rennt
über die Brücke. Merle! Merle! Merle! Die Stadt kennt Merle
nicht. Der Fluß kennt Merle nicht. Ronja trauert. Sie setzt den
Walkman auf, Ain´t no sunshine when she´s gone auf volle
Power und geht durch die Straßen der Stadt, die Merle nicht kennen
will. Während sie geht, hört die Sonne auf zu scheinen, es
beginnt zu regnen. Ronja will nicht naß werden. Ronja rennt, rennt
zurück, zurück über die Brücke. Auf der Brücke
steht eine Frau im Kostüm, Handy am Ohr, Brot in der Hand und füttert
die Fische, die Fische die, das weiß Ronja, Merle nicht kennen,
sie hat sie gefragt. Aber sie hat die Frau noch nicht gefragt. Eine
Yuppie-Frau, weiß Ronja. Sie fragt sie trotzdem. Kennen Sie Merle?
schreit sie und übertönt die Musik in ihrem Kopf. Natürlich,
sagt die Frau. Merle ist meine Schwester. Ronja schaltet den Walkman
ab. Ronja zieht Merles Visitenkarte aus der Hosentasche und reicht sie
der Frau. Die Frau wirft einen Blick darauf und lächelt. Keine
Adresse, sagt Ronja. Merle hat keine Adresse, sagt die Frau. Wo finde
ich Merle? fragt Ronja. Da drüben steht sie, sagt die Frau. Da
drüben. Sie füttert die Enten. Während Merles Schwester
die Fische füttert, füttert Merle die Enten. Merles Schwester
geht mit Ronja zu Merle, ruft, sieh mal Merle, wen ich dir bringe, ach,
und ich muß los, schön, dich wieder, aber gerade ein Anruf,
in zwei Stunden schon wieder los, gerade genug Zeit, nach Hause und
umziehen. Bis dann. Meine Nummer hast du? Merle nickt. Merle grinst.
Merle grinst Ronja an. Merles Schwester geht. Ronja steht. Ronja steht
da und grinst zurück. Da bist du also, sagt Merle. Merle hat keine
ständige Adresse, Merle wohnt in einem Wohnwagen. Sie bittet Ronja
herein und setzt Teewasser auf. Merle trägt ein rotes Sommerkleid,
das ihre Knie freiläßt. Ronja betrachtet die Knie und begrüßt
sie, betrachtet den Haarknoten und begrüßt ihn und sucht
nach der beweglichen Augenbraue. Merles Augenbraue zieht sich nach oben.
Du betrachtest mich, sagt Merle und läßt die Augenbraue zurückschnellen.
Ich begrüße dich nur, sagt Ronja. Dann fragt Merle Ronja,
was sie für Tee will. Ronja und Merle trinken Tee, süßen
Tee mit einem scharfen Nachgeschmack. Ein Spezialrezept, sagt Merle
und schweigt. Ronja will wissen, was Merle macht. So dies und das, sagt
Merle. Ronja fragt, ob sie mitmachen kann. Was? So dieses und jenes,
sagt Ronja. Merle lächelt. Wir treffen uns nachmittags. Wir? fragt
Ronja. Merle grinst. Wir komischen Vögel. Eine Singklasse nennt
man das wohl. Und was machst du morgens? fragt Ronja. Ausschlafen, sagt
Merle.
Ach, egal, sagt Ronja sich, scheißegal, was Merle mit all dem
meint. Es ist spät geworden. Geh nach Hause, sagt Merle. Komm morgen
wieder morgen nachmittag. Und wohin, fragt Ronja? Kennst du die
alte Baumschule? Die alte Baumschule? Die gibt es doch gar nicht mehr.
Da ist doch jetzt alles verwildert. Eben, sagt Merle. Der ideale Platz.
Ronja ist zu Hause. Sie legt Kohlen nach. Scheißkalt hier denkt
sie, Scheißwind, egal woher du kommst. Bei Merle den Wind gar
nicht gespürt. Ronja zieht sich aus und hüllt sich in die
Decke. Schlafen, denkt sie. Morgen Merle.
Es ist Morgen, ein sehr dunkler Morgen. Ronja sieht auf die Uhr, sieht,
daß es eigentlich nicht mehr Morgen ist, sondern Mittag. Mittag?
Warum ist es so dunkel? Ronja lehnt ihren Körper aus ihrem fensterlosen
Fenster. Dämmerung. Menschen auf der Straße. Sie blicken
nach oben. Sie blicken nach oben und tragen Sonnenbrillen. Ronja tippt
sich an die Stirn. Da sieht sie den Jungen von gestern in der Menge
stehen, auch mit Sonnenbrille, der seinen sonnenbebrillten Hund an der
Leine führt. Ronja steckt zwei Finger in den Mund: Hey. Der Junge
wendet seinen Blick vom Himmel ab. Er sieht Ronja und grinst. Magie!
ruft er. Und: Heute geht die Welt unter. Ronja ärgert sich, daß
sie keine Fenster hat, die sie zuknallen könnte. Sie dreht sich
um und als sie wieder hinausblickt, ist es hell, die Leute nehmen ihre
Sonnenbrillen ab, der Hund schüttelt sich.
Schade, denkt Ronja. Immer noch die alte Welt. Wer weiß? Vielleicht
hat die Welt ja einen Sprung abgekriegt. Vielleicht sickert durch diesen
Sprung etwas durch. Hallo, neue Welt, singt Ronja. Hallo Merle.
Ronja legt im ganzen Zimmer Wäsche aus. Ronja macht Bügelyoga.
Ronja macht den Fisch, Ronja macht den Pflug, Ronja macht die Heuschrecke.
Ronjas Zehen umklammern das Bügeleisen. Ronja läßt das
Bügeleisen über den Stoff gleiten. Ronja hat kräftige
Zehen. Bügelyoga verbindet das Spirituelle mit dem Praktischen,
singt Ronja, so gehet denn hin und bügelt, bügelt, bügelt.
Ronja lacht. Genug gebügelt. Merle wartet.
Ronja geht zur Baumschule. Merle ist schon da. Merle ist allein. Merle
winkt. Ronja winkt. Hier herunter, sagt Merle. Es ist unter der Baumschule.
Ronja und Merle steigen eine Treppe herunter. Ronja spürt. Ronja
spürt etwas Weiches. Ronja spürt etwas Weiches an den Armen:
Federn. Federn? Ronja lacht. Merle grinst. Ronja hört Stimmen.
Ronja hört Zwitschern. Ronja sieht. Ronja sieht Bäume. Husch!
ruft Merle, husch-husch auf die Tanne. Ronja fliegt. Neben der Tanne
eine Linde eine Birke eine Buche auf der Buche zwei Spatzen der Birke
drei Elstern der Linde vier Drosseln der Tanne sie Amsel. Dann fliegt
Merle zu ihr. Merle! zwitschert Ronja, was machen wir hier? Wir sind
Singvögel, lacht Merle. Wir singen uns vor. Wir erzählen uns.
Ronja ist still.
Ronja staunt. Das ist neu. Das zieht. Das hat was. Ronja singt: Das
zieht. Das hat was. Das raunt. Das ist Merle. Die anderen zwitschern
und grinsen. Ronja singt, soll ich? Soll ich? Ja, singen die anderen,
ja, singt Merle. Gut, singt Ronja:
Ronja legte Kohlen nach ...
Ihr
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