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Dilettantismus auf mehreren Feldern
oder: Die Sprache des Stroms
Roberto
Simanowski versucht, "Ordnung" in ein "Terrain"
zu bringen. Wir haben den Eindruck, es wird dadurch erst recht unübersichtlich:
Der Versuch, das Terrain zu ordnen, erbringt mindestens folgende 6
Kriterien der Betrachtung:
1. Multimedialität:
Die zugrundeliegende Sprache des Stromes, die die verschiedenen Ausdruckssprachen
des Wortes, Bildes, Tones kompatibel macht, stellt die Frage der multimedialen
Kompetenz. Dies führt entweder zur Zusammenarbeit verschiedener
Spezialisten (des Wortes, des Bildes, des Tones usw.), zur Vereinigung
des Spezialistentums in Personalunion oder, im schlimmsten Fall, zum
Dilettantismus auf einem oder mehreren Feldern des ästhetischen
Ausdrucks.
2. Technik-Ästhetik:
Die Ästhetik der digitalen Literatur ist in hohem Maße eine
Ästhetik der Technik, denn die künstlerischen Ideen müssen
in die Materialität des Stroms überführt werden, ehe
sie auf der Ebene sinnlicher Vernehmbarkeit erscheinen können.
Dieser Umstand eröffnet mindestens vier Fragerichtungen: 1. der
Autor muss neben der ästhetischen eine technische Kompetenz aufweisen;
2. der Autor wird zum Leser (der Software); 3. neben das inhaltliche
Ziel tritt das technische, womit die Frage des geistigen Eigentums auch
zu einer der Rechenfähigkeit wird; 4. die Wahrnehmbarkeit der technisch
generierten Ausdrucksform hängt vom technischen Equipment der Leser
ab.
3. Performance:
Die Möglichkeit der Animation des Textes führt dazu, daß
die Autorin noch den direkten Rezeptionsvorgang des Lesers als Träger
einer Aussage nutzen kann, etwa indem die Schnelligkeit eines Vorgangs
durch den schnellen Wechsel der Texteinheiten angezeigt wird. Ebenso
eignet sich die gewonnene Macht über den Rezeptionsvorgang zur
Immersion des Lesers in den Text, etwa wenn bestimmte Ereignisse auf
der Handlungsebene (die Auslösung einer Explosion z.B.) durch Aktivitäten
auf der Rezeptionsebene (Aktivierung des entsprechenden Links) bestimmt
werden. ...
Darüber hinaus sind freilich die traditionellen Kategorien anzuwenden,
die der Einsatz der traditionellen Ausdrucksmittel wie Foto, Film, Text
und Musik im einzelnen erfordert. Handlungsaufbau und Charaktergestaltung
sind ebenso wichtig wie Bildaufbau, Filmschnitt, Melodieführung
sowie der Einsatz stilistischer Mittel (Metaphern, Zitate, Analogien)
auf allen Ausdrucksebenen.
Wie man das Thema auch vernünftig angehen kann,
sehen Sie am Interview mit Andreas Schumann.
Ihr
Kommentar
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